80Plus Gold ab 60 Euro im Test: be quiet!, BoostBoxx, Corsair und NZXT im Schlagabtausch 3/5

Nico Schleippmann 58 Kommentare

Testergebnisse

Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierten Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80Plus-Organisation verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen nachstellen.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Ein Wirkungsgrad nach 80Plus Gold kann für alle vier Netzteile bescheinigt werden, wobei für das Corsair RM550x Messtoleranzen mitberücksichtigt werden müssen, damit bei 50-Prozent-Last die Vorgabe von 90 % eingehalten werden kann. Im 115-Volt-Netz bei Schwachlast zeigen sich das be quiet! Pure Power 11 550W CM und das BoostBoxx Power Boost 600W besonders effizient und kommen bei 20-Prozent-Auslastung nahe an die Anforderung für 80Plus Platinum heran. Mit einer Eingangsspannung von 230 V und einer Lastverteilung nach 80Plus rücken die Testkandidaten näher zusammen. Einzig das NZXT E500 kann sich bei Volllast vom Testfeld mit einem einprozentigen Abstand absetzen.

Für eine realistischere Lastverteilung und bessere Vergleichbarkeit der Netzteile wird die Effizienz außerdem mit „festen Lasten“ gemessen. Hier kann das Power Boost 600W klar in Führung gehen und erreicht einen Wirkungsgrad von bis zu 93,1 %. In diesem Test kann aber auch das Pure Power 11 500W CM glänzen, das sich mit zwei bis vier Prozent deutlich vom Vorgänger abhebt. Dessen Wirkungsgrad kommt an den des Straight Power 11 550W allerdings nicht heran. Demgegenüber kann sich das RM550x kaum gegenüber dem günstigeren TX550M aus selbem Haus profilieren – einzig bei Volllast ist es mit einem Prozentpunkt Vorteil vorne. Die zum Sea Sonic Focus Plus Gold 550W identische Technik des NZXT E500 kann nicht verschwiegen werden – der Wirkungsgradverlauf beider Modelle überschneidet sich überraschend genau.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Keine Auffälligkeiten sind in den Messergebnissen des Leistungsfaktors erkennbar. Stromkosten von Privathaushalten in Deutschland und den meisten anderen Ländern der Welt fallen aber nur für die aufgenommene Wirkleistung an, weshalb der schlechtere Leistungsfaktor mit keinen weiteren Nachteilen verbunden ist.

Spannungsregulation

Die Spannung auf der 12-Volt-Schiene regeln alle vier Netzteile äußerst gut aus. Auf der 3,3- und 5-Volt-Schiene zeigen sich beim Pure Power 11 500W CM und Power Boost 600W aber leichte Schwächen, wobei beide Netzteile immer noch gute Ergebnisse abliefern. Mit „festen Lasten“ tritt dieser Schwachpunkt geringfügiger auf, da die Last auf diesen sogenannten Minor-Rails kleiner ist.

Restwelligkeit

Die Restwelligkeit auf der 12-Volt-Schiene wird bei allen Netzteilen exzellent gefiltert. Nur das Power Boost 600W hat bei Volllast mit etwa 50 mV einen höheren Wechselanteil zu verzeichnen, der aber noch vollkommen unproblematisch ist. Das Pure Power 11 500W CM und das Power Boost 600W fallen mit höheren Welligkeiten auf den Minor-Rails auf. Die Ergebnisse kommen nicht überraschend, weil Ähnlichkeiten zu den jeweiligen technischen Verwandtschaften – Pure Power 10 500W CM und Enermax Revolution X't II 550W – feststellbar sind.

Schutzschaltungen

Die Überstromsicherungen (OCP) auf den Ausgangsschienen funktionieren bei allen vier Probanden wie gewollt. Nur für die 12-Volt-Schiene des Power Boost 600W, des RM550x und des E500 wird die weitverbreitete Sparmaßnahme angewandt, die OCP mit der Überlastsicherung (OPP) zu ersetzen. Die effektivste Implementierung weist das Pure Power 11 500W CM auf, bei dem der Strom auf zwei 12-Volt-Schienen aufgeteilt und separat abgesichert wird, weshalb auch kleinere Fehlerströme erkannt werden können. Das Pure Power 11 500W CM hat allerdings wie schon der Vorgänger Probleme mit einer Überlast. Denn statt des Eingreifens der OPP sinkt die Ausgangsspannung auf der 12-Volt-Schiene so stark, dass der Unterspannungsschutz (UVP) auslöst. Die Schwellwerte zur Auslösung des Überhitzungsschutzes (OTP) wurden von be quiet!, Corsair und NZXT sinnvoll gesetzt, sodass keine schwerwiegenden Defekte bei Überhitzung zu erwarten sind.

be quiet! Pure Power 11 500W CM
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 24 A 33 A
5 V OCP 15 A 33 A
12 V1 OCP 28 A 45 A
12 V2 OCP 20 A 34 A
5 VSB OCP 3 A 5,5 A
OPP 500 W 645 W (Abfall der 12-Volt-Schiene auf unter 10,6 V löst UVP aus)
OTP 75 °C (Kühlkörper der Synchrongleichrichter-MOSFETs)
BoostBoxx Power Boost 600W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 35 A (bei 3,11 V)
5 V OCP 20 A 32 A
12 V OCP 49 A 66 A (Abschaltung bedingt durch OPP)
5 VSB OCP 2,5 A 4,5 A
OPP 600 W 785 W
Corsair RM550x
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 25 A 33 A
5 V OCP 25 A 31 A
12 V OCP 45,8 A 61 A (Abschaltung bedingt durch OPP)
5 VSB OCP 3 A 5,5 A
OPP 550 W 730 W
OTP 105 °C (Synchrongleichrichter-MOSFETs)
NZXT E500
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 25 A
5 V OCP 20 A 26 A
12 V OCP 41 A 54 A (Abschaltung bedingt durch OPP)
5 VSB OCP 3 A 6,5 A
OPP 500 W 660 W
OTP 80 °C (Kühlkörper der Synchrongleichrichter-MOSFETs)

Die Kurzschlusssicherung (SCP) wird anhand zweier Messmethoden überprüft. Ein niederohmiger Kurzschluss wird auf den zusammengelegten Leitungen einer Spannungsschiene und einem SATA-Stecker verursacht. Alle vier Netzteile erkennen diese Fehlerfälle korrekt.

Wärmekammer

Das RM550x und das E500 sind bis zu einer Umgebungstemperatur von 50 °C spezifiziert. Das Pure Power 11 500W CM ist offiziell nur bis Temperaturen von 40 °C freigegeben. Das Power Boost 600W soll sogar bei 60 °C die volle Ausgangsleistung liefern können. Mit dem Betrieb bei maximaler Temperaturspezifikation muss aber auf jeden Fall von einer Verringerung der Lebensdauer ausgegangen werden, da die angegebene MTBF nur für mittlere Umgebungstemperaturen gilt. Alle vier Probanden verrichten ihren Dienst bei einem solchen Extremszenario korrekt. Die folgenden Messungen wurden mit anderem Mess-Equipment und abweichender Lastverteilung bei einer Umgebungstemperatur von 50 °C und Volllast durchgeführt.

Für das BoostBoxx Power Boost 600W kann mit dem Testaufbau eine leicht höhere Restwelligkeit auf der 12-Volt-Schiene festgestellt werden. Ansonsten sind aber keine Auffälligkeiten bezüglich der Qualität der Ausgangsspannungen feststellbar.

Ausgangsspannungen Pure Power 11 500W CM Power Boost 600W RM550x E500
12 V 12,02 V 12,06 V 11,98 V 12,01 V
5 V 4,93 V 4,97 V 4,99 V 5,01 V
3,3 V 3,24 V 3,28 V 3,22 V 3,27 V
5 VSB 4,79 V 4,98 V 4,94 V 4,95 V
‑12 V ‑11,89 V ‑12,27 V -12,14 V -12,30 V

Die höhere Umgebungstemperatur wirkt sich negativ auf den Wirkungsgrad des Netzteils aus und erschwert zudem die Kühlung. Gegenüber der für die Lautstärkemessung verwendeten Umgebungstemperatur steigt die Lüfterdrehzahl deswegen deutlich an. So können für das Pure Power 11 500W CM 1.235, für das Power Boost 600W 1.660, für das RM550x 1.250 und für das E500 2.160 Umdrehungen pro Minute gemessen werden. Mit 70 °C ist dabei der Transformator als wärmstes Bauteil im Power Boost 600W auszumachen.

Grafikkartenkompatibilität

Zu empfindlich eingestellte Schutzschaltungen können bei Betrieb von Grafikkarten mit starken Lastwechseln fälschlicherweise auslösen. Ebenso kann eine zu schwache Ausgangsfilterung des Netzteils Grund für eine Inkompatibilität zu solchen Grafikkarten sein. Die Kompatibilität wird im Folgenden mittels einer Stichprobenmessung eines Systems bestehend aus einem AMD Ryzen 2600 mit 4,0 GHz und einer AMD Radeon RX Vega 56 überprüft.

Im ersten Szenario „Normallast“ wird die Grafikkarte mit Undervolting betrieben. Für das RM550x kann mit 440 mV der kleinste Spannungs-Ripple gemessen werden, was unter anderem auf den im Kabel verbauten Kondensator zurückzuführen ist. Mit dem Power Boost 600W sind ähnlich niedrige Werte bei Betrieb mit zwei Kabelsträngen messbar. Das Pure Power 11 500W CM schneidet trotz zweier Kabelstränge am schlechtesten ab, weil die Pufferung mithilfe nur kleiner Feststoffkondensatoren womöglich das schlechtere Resultat begründet. Mit einem Power-Target von +50 % der GPU werden die Netzteile bis an ihr Limit belastet. Erwartungsgemäß steigt der Spannungs-Ripple an, ein ordnungsgemäßer Betrieb ist aber auch für diese hohe Welligkeit gegeben. Die 12-Volt-Schiene wird bei Lastwechseln schnell nachgeregelt, weshalb auch beim Betrieb vergleichbarer Grafikkarten keine Probleme zu erwarten sind. Die Überstromsicherung, die bei früheren Focus-Plus-Gold-Netzteilen von Sea Sonic für Abschaltungen gesorgt hat, ist also auch für das E500 überarbeitet worden.

Stützzeit & ErP

Gerade für günstige Netzteile wird gerne am Stützkondensator gespart, weil ein ordnungsgemäßer Betrieb in einem stabilen Niederspannungsnetz wie dem deutschen auch für geringere Stützzeiten sichergestellt wird. Nur BoostBoxx verfehlt die Vorgabe von 16 ms. Diese Größe ist im Allgemeinen aber nur bei Verwendung einer Offline-USV von Bedeutung.

36 Einträge
Stützzeit
Angaben in Millisekunden
  • AC_loss bis PWR_OK-Ende:
    • Zalman ZM500-TX
      6,5
    • Antec EarthWatts Gold Pro 550W
      11,6
    • Corsair TX550M
      11,9
    • Inter-Tech Sama Armor 550W
      12,4
    • BoostBoxx Power Boost 600W
      13,1
    • Cougar VTX 450W
      14,0
    • Xilence Performance X 550W
      14,2
    • XFX XT500 (zweite Revision)
      14,8
    • Cooler Master MasterWatt Lite 500W
      15,2
    • Minimum
      16,0
    • Super Flower Leadex II Gold 650W
      16,0
    • Silverstone Nightjar NJ450-SXL 450W
      16,3
    • be quiet! Straight Power 11 550W
      16,3
    • EVGA G3 550W
      16,8
    • BitFenix Formula Gold 550W
      17,6
    • Cougar GX-F 550W
      17,8
    • Corsair SF450 Platinum
      18,3
    • Aerocool P7-650W
      19,7
    • Sea Sonic Prime Gold 650W
      20,1
    • NZXT E500
      20,3
    • Sea Sonic Focus Plus Gold 550W
      22,0
    • Corsair RM550x (2018)
      22,1
    • be quiet! Pure Power 11 500W CM
      29,6
  • PWR_OK-Ende bis DC_loss:
    • be quiet! Pure Power 11 500W CM
      0,0
      Hinweis: tatsächlicher Wert: -0,7
    • Inter-Tech Sama Armor 550W
      0,0
      Hinweis: tatsächlicher Wert: -0,7
    • BoostBoxx Power Boost 600W
      0,6
    • Minimum
      1,0
    • Silverstone Nightjar NJ450-SXL 450W
      1,4
    • EVGA G3 550W
      2,0
    • Aerocool P7-650W
      2,1
    • Super Flower Leadex II Gold 650W
      2,7
    • Antec EarthWatts Gold Pro 550W
      2,9
    • be quiet! Straight Power 11 550W
      3,4
    • BitFenix Formula Gold 550W
      3,5
    • Cougar GX-F 550W
      3,6
    • Corsair RM550x (2018)
      3,7
    • Cooler Master MasterWatt Lite 500W
      3,8
    • Corsair TX550M
      3,9
    • XFX XT500 (zweite Revision)
      3,9
    • Corsair SF450 Platinum
      4,0
    • NZXT E500
      4,3
    • Xilence Performance X 550W
      4,5
    • Sea Sonic Prime Gold 650W
      4,6
    • Zalman ZM500-TX
      5,1
    • Sea Sonic Focus Plus Gold 550W
      6,2
    • Cougar VTX 450W
      7,1

Aber nicht nur die Stützzeit selbst ist ein relevantes Messergebnis, sondern auch der Zeitpunkt, wenn das Netzteil das PWR_OK-Signal fallen lässt, bevor die Spezifikationen der Spannungsschienen verlassen werden (DC_loss). Diese Zeit soll mindestens 1,0 ms betragen, wobei eine möglichst kurze Zeitspanne bevorzugt wird, weil dadurch die Stützzeit verlängert wird. Das Power Boost 600W unterschreitet diesen Wert minimal und das Pure Power 11 500W CM sogar deutlich. be quiet! begründet die Verletzung der Spezifikation mit einer verbesserten Kompatibilität zu bestimmten Mainboards.

ErP Lot 6 2013 Pure Power 11 500W CM PowerBoost 600W RM550x (2018) E500
Keine Last 0,25 0,22 0,14 0,17
45 mA auf 5 VSB 0,53 0,52 0,43 0,50
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

Die EU-Energiesparrichtlinien für den Standby-Modus erfüllen alle vier Netzteile – die Überschreitung um wenige Milliwatt bei einer Auslastung von 45 mA kann hierbei noch toleriert werden.

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