Creative SXFI Air C im Test: Raumklang mit Super X-Fi überzeugt je nach Audioquelle

Michael Schäfer 79 Kommentare
Creative SXFI Air C im Test: Raumklang mit Super X-Fi überzeugt je nach Audioquelle

tl;dr: Creative schickt mit dem SXFI Air C ein neues Headset ins Rennen, das das bereits auf der diesjährigen CES mit viel Aufmerksamkeit bedachte Super X-Fi beinhaltet. Die Raumsimulation kann abhängig von der Quelle überzeugen. Beim Headset selbst muss Creative hinsichtlich Klang und Mikrofonqualität nachbessern.

Design und Verarbeitung

Creative hat die SXFI-Air-Serie in zwei Versionen veröffentlicht: Als reine Air-Variante mit Bluetooth, USB-Anschluss, Akku und microSD-Karten-Einschub für die Musikwiedergabe ohne Zuspieler ist es als erstes Super-X-Fi-Produkt über Bluetooth oder Klinke auch zu iOS und somit iPhone kompatibel. Außerdem mit dem „Air C“ als kabelgebundene USB-Version mit Schwanenhalsmikrofon, dem im Test vornehmlich die Aufmerksamkeit gilt, da dieses auch für PC-Spieler interessant sein könnte.

Schlichtes Design trifft auf gute Verarbeitung

Somit nutzt der Hersteller sowohl beim SXFI Air als auch beim Air C die gleiche Technologie-Basis, wenn auch die Mikrofone bei beiden Headsets unterschiedlich ausfallen. Sollte Nutzern des SXFI Air die Qualität des kleinen Mikrofons nicht ausreichen, kann dieses abgenommen und an dessen Stelle das Mikrofon des Air C angesteckt werden, das optional erhältlich sein wird. Eine beiliegende Gummikappe erlaubt es zudem, den Anschluss bei entferntem Mikrofon zu schützen.

Für die beiden Headsets ruft Creative einen UVP von 159,99 Euro (Air) beziehungsweise 129,99 Euro (Air C) auf. Vom mit Metall verstärkten und mit Kunstleder überzogenen Kopfbügel einmal abgesehen, kommt bei beiden Modellen vornehmlich Kunststoff zum Einsatz. Trotz der Materialien besitzen die Produkte eine moderne, aber dennoch neutral anmutende Gestaltung. Diese richten sich somit rein äußerlich sowohl an Spieler wie auch an Musikhörer. Fast gänzlich in Schwarz gehalten, geben bei Nutzung über den USB-Port oder per Bluetooth beim SXFI Air lediglich die beiden Außenringe auf den Ohrmuscheln farbige Akzente.

Beide Modelle erwecken einen stabilen Eindruck, die Materialwahl lässt das Air und das Air C zudem mit gerade einmal 348 Gramm beziehungsweise 318 Gramm leicht werden. Der Sitz ist straff, wobei die dicken, mit Stoff überzogenen und bei Bedarf mit einer leichten Drehung austauschbaren Ohrpolster einen großen Teil des Drucks auffangen. Auch Brillenträger dürften mit dem Air C kein Problem haben. Dennoch könnte manchen Nutzern der Druck nach einiger Zeit zu hoch sein, zudem fangen die Ohren unter den Schaumstoffpolstern trotz des Stoffüberzuges leicht an zu schwitzen.

Bei schnellen und plötzlichen Bewegungen bleibt das Headset sicher auf dem Kopf – für Spieler ein gutes Zeichen.

Modell: Creative SXFI Air C Creative SXFI Air Logitech G935 Logitech G635 Lioncast LX55 LX55 USB HyperX Cloud Mix beyerdynamic
Custom Game
Typ: Over-Ear geschlossen
Treiber: 50 mm Neodymium Pro-G 50 mm 53 mm High-Performance-Neodymium 40 mm Neodymium Unbekannt
Frequenzbereich: 20–20.000 Hz 10–20.000 Hz
Analog 10–40.000 Hz
5–35.000 Hz
Anschluss: USB, 3,5-mm-Klinke Bluetooth 4.2,
USB, 3,5-mm-Klinke
Funk, 3,5-mm-Klinke USB, 3,5-mm-Klinke 3,5-mm-Klinke USB, 3,5-mm-Klinke Bluetooth, 3,5-mm-Klinke 3,5-mm-Klinke
Kabel abnehmbar: Ja
Kabel-Fernbedienung: Nein Ja
Bedienelemente am Headset: Ja Nein Ja
Integrierte Soundkarte: Ja Nein Ja Nein
Raumklang: Ja Nein Ja Nein
Frequenzbereich
Mikrofon
:
15 Hz–15.000 Hz 100–10.000 Hz 100–10.000 Hz 50–18.000 Hz
100–8.000 Hz
30–18.000 Hz
Mikrofon abnehmbar: Ja Nein Ja
Gewicht (ohne Kabel): 318 g 348 g 379 g 344 g 305 g 325 g 275 g 282 g
RGB-Beleuchtung: Ja Nein
UVP: 129,99 Euro 159,99 Euro 189 Euro 149 Euro 59,95 Euro 79,95 Euro 199,99 Euro 229 Euro

Alle wichtigen Bedienelemente am Headset

Der Nutzer erhält von Creative eine Reihe von Bedienelementen direkt am Kopfhörer selbst, die bei beiden Modellen in der linken Ohrmuschel zu finden sind. Über diese lässt sich die Lautstärke regulieren, das abnehmbare Mikrofon stummschalten sowie die Audio-Virtualisierung Super X-Fi aktivieren. Darüber hinaus kann die Beleuchtung der bereits angesprochenen Ringe an den Ohrmuscheln hinzugeschaltet werden. Beim Air kann zudem das Koppeln via Bluetooth über einen Knopf gestartet und die Quelle zwischen Bluetooth, microSD-Karte und USB umgeschaltet werden.

Ebenfalls auf der linken Seite befinden sich der USB-Stecker im Micro-Format sowie der Eingang für das Klinkekabel, bei dessen Nutzung jedoch auf Super X-Fi und die Beleuchtung verzichtet werden muss. Das von Creative beigelegte USB-Kabel könnte mit einer Länge von zwei Metern dem einen oder anderen Nutzer unter Umständen bereits zu kurz sein, das Klinkekabel mit 1,60 Metern jedoch definitiv. Bei diesem setzt der Hersteller zudem auf einen vierpoligen Stecker, um Kopfhörer und Mikrofon über einen Stecker anschließen zu können. Viele Soundkarten setzen aber noch zwei getrennte Anschlüsse voraus, für die Creative jedoch keinen Adapter mitliefert.

Das kabellose Air bietet hingegen dem Nutzer noch einige Funktionen mehr: Bei diesem befindet sich an der Stelle des Lautstärkereglers ein SD-Kartenslot im Micro-Format. Über diesen kann das Headset auch ohne Verbindung zu einem Quellgerät Audio-Dateien in den Formaten MP3, WMA, WAV und FLAC abspielen. Die Steuerung erfolgt über ein Multifunktions-Touchpanel auf der Seite der linken Ohrmuschel. Die Regelung der Lautstärke kann ebenfalls über Wischgesten auf der linken Ohrmuschel erfolgen, da der physische Lautstärkeregler beim Air ersatzlos wegfällt.

Erste Einrichtung

Creative bezeichnet die neue beim Air C zum Tragen kommende Technologie „Holographic Audio“, mit der ein Raumklang simuliert werden soll. Diese Simulation soll beim Nutzer das Gefühl hervorrufen, mitten im Raum zu stehen und damit den aufgesetzten Kopfhörer zu vergessen. Diese ist aber nicht zu verwechseln mit Surround-Systemen mit Links-rechts- und Vorne-hinten-Ortung – im Gegenteil, die Ortungsmöglichkeiten können sogar abnehmen, dazu aber später mehr. Dennoch soll das System laut Creative sowohl bei Musik als auch bei Filmen und Spielen für einen großen Aha-Effekt sorgen.

Zusammenspiel mehrerer Komponenten

Vor dem Vergnügen haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt, beim SXFI Air C ist dieser in Form von guten Nerven bei der Einrichtung zu verstehen. Um die neue Technologie nutzen zu können, ist eine Kombination aus SXFI-App, Desktop-Software (nur zwingend beim Air C) und Benutzerkonto nötig. Letzteres dient dazu, Daten zwischen der App und der Desktop-Software auszutauschen.

Die Anmeldung erfolgt wahlweise über ein dafür bei Creative eigens eingerichtetes Konto, alternativ kann auch Facebook oder Google als Authentifizierung herangezogen werden. Die mobilen Applikationen stehen für Android und iOS zur Verfügung, in Sachen Desktop werden Windows 10 und macOS ab Version 10.13 unterstützt, Gleiches gilt für die PlayStation 4 und die Nintendo Switch. Unter Windows 7 ließ sich die Software ebenfalls einrichten, Probleme traten hier keine auf. Ein voller Funktionsumfang kann aber nicht garantiert werden.

Einmessung kann zur Geduldsprobe werden

Damit die klanglichen Aspekte des Headsets optimal zum Tragen kommen, müssen beide Ohren des Nutzers sowie sein Kopf von der mobilen Applikation vermessen werden. Daraus erstellt das System ein später wählbares Profil. Dazu werden Aufnahmen über die Kamera vom rechten Ohr, vom Kopf und zuletzt vom linken Ohr gemacht. Dies kann den Anwender vor erhebliche Probleme stellen, zumindest wenn dieser alleine ist. Kleiner Tipp an dieser Stelle: Über die Frontkamera und die Kontrolle der Ausrichtung über einen Spiegel ist die Aufnahme zur Einmessung umsetzbar – wenn auch mit viel Geduld. Deutlich einfacher und unproblematischer geht es, wenn man sich von einer anderen Person bei den Aufnahmen helfen lässt.

Creative SXFI Software

Wichtig ist dabei vor allem, dass das Ohr gut ausgeleuchtet ist, kleine Schatten können schon für unterschiedliche Messergebnisse und damit einen anderen Klangcharakter sorgen. Daher sollten auf jeden Fall mehrere Aufnahmen unter unterschiedlichen Lichtverhältnissen gemacht werden, um später das für sich klanglich passende Profil auswählen zu können.

Blindtest bestanden: Jedem Ohr sein Klang

Anhand der Bilder berechnet das System die optimalen Einstellungen für den künstlichen Raumklang. Dass diese Berechnung recht komplex ist, ist auch daran zu erkennen, dass unter gleichen Lichtbedingungen unterschiedliche Ohren auch einen unterschiedlichen Klangcharakter hervorbringen. Bei Blindtests haben während des Tests mehrere Probanden immer wieder die genau für ihre Ohren berechneten Klangeinstellungen als am angenehmsten empfunden.

Ohreinmessung mit der SXFI-App von Creative
Ohreinmessung mit der SXFI-App von Creative

Ist die Messung erfolgt, werden die Profile beim Air C von der App auf die Desktop-Software übertragen und können dort ausgewählt sowie auf das Headset geladen werden. Doch Vorsicht: Wird das Profil zu oft innerhalb einer gewissen Zeit gewechselt, erfolgt kein Upload mehr auf den Kopfhörer. Eine Fehlermeldung erhält der Nutzer dabei nicht. Beim SXFI Air erfolgt der Austausch direkt zwischen Smartphone und Kopfhörer.

Spartanische Desktop-Software

Die Software selbst bietet dem Nutzer nur wenige Einstellungen, die sich auf die Wahl des Profils, die Art des Quellmaterials (Stereo-Ton, 5.1- oder 7.1-Ton), einen dürftigen Equalizer und die Farbeinstellungen für das Headset beschränken.

Auf der nächsten Seite: Die Sache mit dem Klang