Elon Musk vs. OpenAI: Wie Sam Altman vor Gericht auf die Lügen-Vorwürfe reagiert
Im Gerichtssaal im kalifornischen Oakland kam es im Prozess von Elon Musk gegen OpenAI zur lange erwarteten Befragung von Sam Altman. Besonders relevant für den OpenAI-Chef ist mittlerweile seine Reputation. Wie reagierte er auf die Vorwürfe, zu lügen und keine vertrauenswürdige Person zu sein?
Musk bezeichnet Altman ohnehin als Betrüger. Ihm und OpenAI-Präsident Greg Brockman wirft er vor, das als gemeinnützige Organisation geplante KI-Startup gestohlen zu haben. Musk – der bei seiner Befragung im Prozess keine gute Figur abgab – ist für Altman aber das kleinere Problem. Schwerwiegender ist, dass er mittlerweile seit Jahren als Person charakterisiert wird, die Mitstreiter täuscht und belügt, um sich Vorteile zu verschaffen. Der New Yorker beschrieb in einem langen Porträt vom April die Zweifel und Vorwürfe zahlreicher Weggefährten.
Ein Geflecht aus Lügen
Im Prozess wiederholten die ehemalige OpenAI-CTO Mira Murati und der ehemalige Chefwissenschaftler Ilya Sutskever ihre Vorwürfe gegen Altman. Sutskever sprach etwa von einem „konsequenten Muster des Lügens“, das Altman zeige. So untergrabe er die Arbeit von Führungskräften und spiele diese gegeneinander aus. Er sammelte ein Jahr lang Beweise für seine Vorwürfe und übergab das Dokument an den Verwaltungsrat von OpenAI. Es war eine der Grundlagen für die kurzfristige Entlassung.
Mira Murati sagte ebenfalls unter Eid aus, Altman habe sie angelogen, als es um Sicherheitstests für ein neues KI-Modell ging. Generell habe er verschiedenen Führungskräften unterschiedliche Dinge gesagt, was ihre Arbeit als CTO erschwert habe.
Musk könnte Prozess verlieren und OpenAI trotzdem schaden
In der Gerichtsverhandlung versuchten Musks Anwälte rund um Steven Molo, Altmans ramponierte Glaubwürdigkeit auszunutzen. Mehr als zehn Minuten hat Molo laut einem Bericht von The Verge damit verbracht, all die Personen aufzuzählen, die Altman in den letzten Jahren als Lügner bezeichnet haben. Der OpenAI-Chef behielt dem Bericht zufolge aber die Fassung, zeigte sich verletzt und verwirrt über den Fokus auf seine Glaubwürdigkeit. Im Vergleich zu Elon Musk ist Altman also nicht aus seiner Rolle gefallen, heißt es bei The Verge.
Ergiebig war dieser Teil des Kreuzverhörs nicht allzu sehr. Auf die Frage, ob er Mitarbeitende in die Irre geführt hat, antwortete Altman laut dem Bericht von Reuters: „Ich glaube, ich bin eine ehrliche und vertrauenswürdige Geschäftsperson“, so Altman.
Wie The Verge in der Prozessbeobachtung schreibt, war das noch der stärkste Teil von Molos Kreuzverhör. Ansonsten wird seine anwaltliche Performance eher als schwach beschrieben. Ob es Altman nutzt, bleibt abzuwarten. Schlagzeilen der letzten Tage drehten sich vor allem um seine Glaubwürdigkeit und Reputation. Republikanische Staatsanwälte und ein Ausschuss im Repräsentantenhaus des US-Kongresses wollen zudem Altmans Investitionen und finanzielle Verflechtungen untersuchen, meldet das Wall Street Journal. Selbst wenn Musk den Prozess verliert, könnte er OpenAI im Kampf um die öffentliche Meinung schaden, heißt es im Bericht von The Verge. Ein Aspekt, der angesichts der bevorstehenden Börsengänge von Anthropic, OpenAI und SpaceX ebenfalls relevant ist.
Milliarden-Beteiligungen an OpenAI
Welche Anteile die einzelnen Personen an OpenAI halten, wurde im Prozess ebenfalls bekannt. Altman hält keine direkten Anteile, hat aber Anteile an einem Fonds, der in OpenAI investiert. Hinzu kommen seine Anteile an Firmen, die mit OpenAI in der ein oder anderen Form kooperieren. Der Wert der OpenAI-Anteile von Präsident Greg Brockman beläuft sich derweil auf 30 Milliarden US-Dollar, bei Ilya Sutskever sind es 7 Milliarden US-Dollar.
Bret Taylor, Vorsitzender des Verwaltungsrats von OpenAI, verteidigte Altman bei seiner Anhörung am Montag. Dieser habe seine Beteiligungen an anderen Unternehmen immer transparent und proaktiv offengelegt.
Bei den eigentlichen Vorwürfen macht Altman eine bessere Figur
Der eigentliche Vorwurf in dem Verfahren ist, dass Altman und Brockman eine gemeinnützige Organisation vorgetäuscht hätten, um Musk zu einer Zahlung von 38 Millionen US-Dollar zu verleiten. Bei diesen Punkten machte Altman laut dem Bericht von The Verge eine gute Figur, was auch daran liegt, dass seine Darstellung der Geschichte größtenteils durch Dokumente und Mails gedeckt ist.
Altman zufolge kam es zum Bruch mit Musk, weil er die Kontrolle übernehmen wollte. Der Wandel zu einer Profit-Struktur spielte bei dem Bruch keine Rolle – Musk selbst habe diesen Schritt sogar vorantreiben wollen.
Wie wichtig – bzw. unwichtig – den Beteiligten die gemeinnützige Organisation war, zeigt sich anhand einer Aussage von Sutskever. Er erklärte, Musk niemals versprochen zu haben, dass OpenAI ein Non-Profit bleibe. „Die Mission von OpenAI ist größer als seine Non-Profit- oder Profit-Struktur“, so Sutskever bei seiner Anhörung.