DAB/DAB+: Autobauer drücken sich vor Pflicht von digitalem Radio

Nicolas La Rocco 331 Kommentare
DAB/DAB+: Autobauer drücken sich vor Pflicht von digitalem Radio
Bild: DAB

Eigentlich sieht eine EU-Richtlinie vor, dass nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren alle innerhalb der EU ausgelieferten Neuwagen den digitalen terrestrischen Radioempfang beherrschen, also etwa DAB oder DAB+. Große Autokonzerne wollen sich davor aber drücken, indem die Hardware zwar verbaut, aber nicht aktiviert wird.

Das geht aus einem heute veröffentlichten Bericht des Fachmagazins Teltarif hervor, das von der Veranstaltung „DAB+ im Dialog“ aus der baye­ri­schen Landes­ver­tre­tung in Berlin berichtet. Demnach wollen Audi und Ford zwei Unternehmenssprechern zufolge die Richtlinie nur insofern umsetzen, dass die für DAB oder DAB+ benötigte Hardware zwar im Auto verbaut ist, diese aber standardmäßig nicht genutzt werden kann.

Hardware muss nachträglich aktiviert werden

Die Nutzung von DAB/DAB+ soll demnach erst nach der Freischaltung einer kostenpflichtigen Option möglich sein. Dadurch bliebe das aktuelle Geschäftsmodell der Autokonzerne erhalten, die DAB/DAB+ vielerorts ausschließlich als kostenpflichtige Sonderausstattung anbieten. Standardmäßig unterstützen die Radios der meisten Automobile lediglich UKW, sofern überhaupt ein Radio ab Werk verbaut ist.

Audi und Ford wollen allerdings sicherstellen, dass Kunden jederzeit und nicht nur zur Bestellung des Fahrzeugs das digitale Radio freischalten können. Das lässt sich bei vielen mit Internet angebundenen Autos zum Beispiel über einen Einkauf im Online-Store des Herstellers ohne Besuch der Werkstatt erledigen. Auch soll sichergestellt werden, dass nicht nur Erstbesitzer, sondern auch Gebrauchtwagenkäufer die Freischaltung von DAB/DAB+ nachträglich vornehmen können.

Kein Markt oder Dienst sei unsexy

Laut Ford-Sprecher Florian Nowack sei die Markt­durch­drin­gung von DAB+ in Deutsch­land noch zu gering, um das Feature seri­en­mäßig anzu­bieten. Außerdem sei dieser Schritt mit hohen Kosten für den Autobauer verbunden. Für Martin Koch von Audi sei Radio ohnehin „aktuell nicht mehr sexy genug“, um mit Diensten wie Spotify zu konkurrieren. Beide Autohersteller erwarten durch die DAB-Pflicht ein Minusgeschäft, das durch die spätere Freischaltung wieder eingefahren werden könne.

Beim anwesenden Fachpublikum kamen die Aussagen der beiden Autohersteller nicht gut an. Laut Teltarif herrschte der Eindruck, dass eine solche Umsetzung der EU-Richtlinie nicht im Sinne des Gesetzgebers sei. Nach dem EU-Parlament im November 2018 hatte einen Monat später auch der EU-Rat für die Digitalradio-Pflicht in Autos gestimmt. Ab 2021 würde die Pflicht damit für innerhalb der EU ausgelieferte Neufahrzeuge gelten. Den bei „DAB+ im Dialog“ genannten Zahlen zufolge ist DAB+ aktuell erst bei 17 Prozent aller Fahr­zeug­mo­delle in Deutsch­land Seri­en­aus­stat­tung.