Spielekonsole Atari VCS: Mit AMD Zen & Vega statt Bristol Ridge spät dran

Volker Rißka 94 Kommentare
Spielekonsole Atari VCS: Mit AMD Zen & Vega statt Bristol Ridge spät dran
Bild: Atari

Eigentlich schon auf der Zielgeraden wird bei der Spielekonsole Atari VCS noch einmal die Hardware geändert. Statt einem alten Bristol Ridge mit Modulen von AMD wechselt die Plattform auf Ryzen. Dies erhöht die Leistung zwar deutlich, verschiebt das Projekt aber erneut um Monate.

Die Spielekonsole Atari VCS geht den gleichen Weg wie der Smach Z. Angekündigt mit einer alten APU, wird später auf die neue AMD-Technik gewechselt, die technisch zweifelsohne nur Vorteile bietet. Atari selbst nennt aktuell nur AMD Ryzen als Antriebseinheit, der muss wie der zuvor genutzte A10-9630P jedoch zwangsweise eine Grafiklösung beinhalten. So bleibt am Ende eigentlich nur ein APU der Serie Raven Ridge von AMD übrig, die Zen-Kerne und Vega-Grafikeinheit unter der Marke Ryzen in den Handel gebracht haben.

Dual-Core-CPU mit vier Threads statt zwei Module und vier Threads

Smach Z entschied sich für ein Embedded-Modell der Ryzen-Serie, welches genau Atari nehmen wird, ist noch nicht bekannt. Via Medium erklärten die Macher allerdings, dass ein 14-nm-Dual-Core-Modell zum Einsatz kommen soll, auch die Wortwahl embedded und integriertes Ethernet fällt, was auf den Ryzen Embedded V1202B schließen lässt. Die APU bietet 2,3 GHz bis 3,2 GHz Takt bei zwei Kernen und vier Threads, hinzu kommt eine Vega3-Grafiklösung.

Der Wechsel der APU bedingt weitere Anpassungen, denn Ryzen wird ein ganz anderes Board benötigen, moderne Anschlüsse und schnellerer Speicher können nun ebenfalls bewerkstelligt werden. Für Kritik sorgte bisher unter anderem neben lediglich 4 GByte RAM auch der nur 32 GByte fassende Massenspeicher, der zum langsamen eMMC-Standard gehört. Atari erwähnt explizit, dass die Konsole nun nicht nur deutlich leistungsfähiger ist, sondern auch verbesserte 4K-Fähigkeiten aufweist. Weitere Details bleiben Mangelware, die Indiegogo-Seite zur Bestellung der Konsole ist noch nicht aktualisiert worden.

Auslieferung erst Ende 2019/Anfang 2020

Dass aus dem zuletzt fast ein Jahr gültigen Zeitplan nun nichts mehr wird, liegt auf der Hand und wird von Atari auch bestätigt. Eigentlich sollten im aktuellen ersten Quartal die ersten Systeme ausgeliefert werden, jetzt visiert Atari das Ende 2019 an. Die ersten, die dann bedacht werden, sind Backer, die das Projekt über Crowdfunding-Plattform Indiegogo schwarmfinanziert beziehungsweise das System bereits vorbestellt haben. Im freien Handel sollen die Konsolen erst 2020 stehen.

Update 01.04.2019 16:15 Uhr

Wenn die Atari VCS Ende 2019 in die Auslieferung geht, wird nicht nur der Prozessor ein anderer als zur ersten Ankündigung sein, auch das Gehäuse hat der Hersteller noch einmal überarbeitet. Das ursprünglich angekündigte Design soll aber erhalten bleiben.

Und die von Atari auf Medium jetzt präsentierten Renderings, die den Stand erster Prototypen darstellen sollen, bestätigen das. Die überarbeitete Fassung der Konsole steht allerdings auf einem kleinen Sockel, nutzt eine vollständig andere Struktur und ist mit jetzt 31,2 cm × 15,0 cm × 5.1 cm zu vormals 36,8 cm × 13,5 cm × 4,1 cm zwar etwas schmaler, dafür aber tiefer und höher als die Urversion.

Das alte Gehäuse mit über 10 verschiedenen Elementen
Das alte Gehäuse mit über 10 verschiedenen Elementen (Bild: Atari)
Das neue Gehäuse mit vier Bauteilen
Das neue Gehäuse mit vier Bauteilen (Bild: Atari)

Notwendig gemacht hat die Veränderungen in erster Linie der Fertigungsprozess, erklärt Atari. Das ursprünglich angedachte Rippen-Design mit dem Bedarf nach über zehn verschiedenen Werkzeugen in der Fertigung hätte sich als zu zeitaufwändig und zu kostspielig herausgestellt. Das überarbeitete Gehäuse setzt deshalb – ganz klassisch – auf einen Boden, einen Deckel und je eine Blende für die Vorder- und die Rückseite. Atari verspricht, dass es trotzdem stabiler ist.

Der neue Sockel, der Anleihen am Original Atari VCS 2600 nimmt, bietet jetzt Platz für zwei weitere USB-3.0-Anschlüsse, weshalb der SD-Karten-Slot auf der Rückseite entfällt – zwei weitere USB-Ports gibt es dort weiterhin. Eine Anpassung betrifft auch die LEDs an der Front: Während die Fuji-LED noch rot leuchtend präsentiert wurde, wird sie im fertigen System in Weiß erstrahlen. Das und der Verzicht auf vier zusätzliche Status-LEDs soll Kunden weltweit weniger verwirren. Die Funktion der vier Status-LEDs übernehmen in Zukunft Hinweise auf der Benutzungsoberfläche des Betriebssystems.