Lenovo Smart Display im Test: Lenovo macht alles richtig, Google noch nicht

Frank Hüber 41 Kommentare
Lenovo Smart Display im Test: Lenovo macht alles richtig, Google noch nicht

tl;dr: Das Lenovo Smart Display ist das erste Lautsprecher-Display mit Google Assistant. Die Hardware überzeugt dank Full-HD-IPS-Bildschirm und durchdachtem Konzept. Doch Google versäumt es, auch bei der Software zu punkten. Eine fehlende Google-Suche, der Verzicht auf den Chrome-Browser und viele Kleinigkeiten nerven im Alltag.

Bereits zur CES 2018 hatte Lenovo ein Smart Display mit Google Assistant gezeigt, doch erst jetzt ist es in Deutschland erhältlich. Trotz dieser Verzögerung ist das Produkt das erste seiner Art mit Google Assistant in Deutschland und noch vor dem Ende Mai startenden Nest Hub, Googles eigenem Smart Display, erhältlich.

Wie der Amazon Echo Show (Test) setzt auch das Smart Display von Lenovo in erster Linie auf eine Steuerung per Sprache, ermöglicht aber auch Einstellungen und Mediensteuerung via Touchscreen.

Die Bereitstellung der Smart-Display-Plattform von Google für Partner ermöglicht diesen den Zugriff auf die Funktionen und Dienstleistungen des Unternehmens, was insbesondere im Bereich der Suche in Kombination mit dem Display einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verspricht.

Technische Daten des Lenovo Smart Display

Lenovo bietet das Smart Display in einer 8-Zoll- und einer 10-Zoll-Variante an. Neben der Bildschirmgröße und der Auflösung unterscheiden sich beide Modelle auch in der Gestaltung der Rückseite, die bei der kleinen Variante auf eine grau gefärbte Kunststoffoberfläche setzt und beim großen Display aus Bambusfurnier ist. Während die Auflösung des getesteten 10-Zoll-Modells bei 1.920 × 1.200 Bildpunkten (226 ppi) und somit einem Seitenverhältnis von 16:10 liegt, verfügt das 8-Zoll-Modell über eine Auflösung von 1.280 × 800 Pixel (188 ppi). Beide Varianten setzen auf ein IPS-Display. Im Vergleich zum Amazon Echo Show der zweiten Generation mit Alexa-Sprachassistentin bietet Lenovo somit eine bessere Auflösung, denn der Echo Show kommt bei 10 Zoll nur auf 1.280 × 800 Pixel (151 ppi), die bei Lenovo das 8-Zoll-Modell bietet. Diese höhere Auflösung fällt aber vor allem und nur dann auf, wenn der Nutzer nahe am Display ist, etwa bei der Nutzung auf dem Schreibtisch, da die Schrift schärfer ausfällt und Videos hochauflösender sind.

Darüber hinaus ist der Vollbereichslautsprecher im 10-Zoll-Modell mit 2 Zoll etwas größer als im 8-Zoll-Modell mit 1,75 Zoll. Neben dem Mono-Lautsprecher bietet das Smart Display zwei passiven Hochtönern Platz.

Qualcomm Snapdragon 624 mit acht Kernen

Im Inneren des 1,2 kg schweren und 17,4 × 31,13 × 1,25–13,6 cm (B × H × T) großen Gehäuses steckt ein Qualcomm Snapdragon 624 mit acht Cortex-A53-Kernen à 1,8 GHz aus der Home-Hub-Platform des Unternehmens. Der Arbeitsspeicher ist 2 Gigabyte und der interne Flash-Speicher 4 Gigabyte groß. Für die Spracherkennung sind zwei Dual-Mikrofone verbaut. Bei der in der rechten oberen Ecke verbauten Kamera kommt ein 5-Megapixel-Modell zum Einsatz, das Videoanrufe mit maximal 720p ermöglicht.

Eine Kamera-Abdeckung und ein Schalter für die Mikrofone

Zum Deaktivieren der Mikrofone und der Webcam setzt Lenovo auf zwei Hardware-Tasten, wobei sich bei der Webcam sogar ein Verschluss vor die Linse schiebt, um dem Nutzer absolute Sicherheit vor der unbemerkten Beobachtung zu bieten. Die einzigen weiteren Tasten am Gerät stellen die Leiser- und Lauter-Tasten für die Lautstärke dar. Einen Knopf zum Aktivieren des Google Assistant gibt es nicht. Auch ein Ein- bzw. Ausschalter wird nicht geboten; wer das Smart Display von Lenovo ausschalten möchte, muss die Stromverbindung unterbrechen. Über einen Befehl wie „Ok Google, Display aus“ lässt sich aber zumindest das Display ausschalten. Auch Funktionen wie die automatische Helligkeitsregelung lassen sich über Sprachbefehle steuern.

Lenovo Smart Display
Lenovo Smart Display
Lenovo Smart Display mit Kameraabdeckung
Lenovo Smart Display mit Kameraabdeckung

WLAN, Bluetooth und das Cast-Protokoll

In Sachen Konnektivität setzt Lenovo auf Bluetooth 4.2 Low Energy und WLAN 802.11ac mit 2,4 und 5 GHz. Auch das von den Chromecast-Geräten bekannte Cast-Protokoll von Google zum Streamen von Inhalten auf das Display wird unterstützt und ist gerade für die gezielte Videowiedergabe über YouTube durchaus praktisch. Einen Akku, um auch als klobiger Tablet-Ersatz zu dienen, bieten beide Modelle nicht, sondern sind auf den Stromanschluss an der Rückseite und das Netzteil angewiesen, wobei Lenovo nicht auf USB als Schnittstelle setzt. Auf einen Kopfhöreranschluss verzichtet der Hersteller, so dass keine Wiedergabe von Medien möglich ist, ohne dass andere Personen zwangsläufig mithören können und müssen.

Nur horizontal, trotz vertikalen Stands

Obwohl das Lenovo Smart Display auch hochkant aufgestellt werden kann und sicher steht, kann es in dieser Position nicht sinnvoll genutzt werden, da die Oberfläche nicht auf die geänderte Ausrichtung reagiert. Eventuell wird eine Nutzung im vertikalen Modus später nachgereicht, einen Termin gibt es hierfür jedoch nicht. Lenovo hat für diese mögliche Unterstützung vorgesorgt und auch die Seite des Gerätes mit Gummierungen zum Aufstellen versehen. Geplant war dieser Betriebsmodus von Lenovo somit, noch scheitert es jedoch an der Unterstützung in Googles Software-Plattform.

Einrichtung mit der Google-Home-App

Zur Einrichtung des Lenovo-Produktes wird die Google-Home-App genutzt. Hierfür ist ein Google-Konto notwendig. Die App führt den Käufer daraufhin durch die Einrichtung. Nachdem das Display gefunden wurde, kann der Nutzer festlegen, in welchem Raum es steht, und eine Verbindung mit dem WLAN herstellen. Das Smartphone und das Smart Display müssen für diesen Schritt mit demselben WLAN verbunden sein. Falls gewünscht, kann der Nutzer im nächsten Schritt „Voice Match“ einrichten, wodurch der Google Assistant den Anwender anhand der Stimme von anderen Benutzern unterscheiden und so die Anfragen personalisieren kann. Stellt man dem Assistant dann später beispielsweise die Anfrage „Zeige mir meine Erinnerungen für heute“, wird dies nur dann ausgeführt, wenn die Stimme erkannt wird. Ansonsten wird die Anfrage mit Verweis auf die nicht erkannte Stimme abgelehnt.

Einrichtung des Lenovo Smart Display

Darüber hinaus können Mediendienste wie Spotify oder Deezer und der Videodienst Maxdome verknüpft werden, um diese auf dem Smart Display zu nutzen. Für Videoanrufe kann Google Duo genutzt werden, was ein entsprechendes Konto voraussetzt. Damit das Gerät passende ortsbezogene Informationen wie das Wetter anzeigen kann, kann der Nutzer seine Adresse angeben.

Die Eingabe aller Informationen erfolgt dabei nicht wie bei Amazon über das Display des smarten Lautsprechers, sondern direkt in der Google-Home-App auf dem Smartphone.

Starrer Startbildschirm zum Hineinwischen

Über einen Wisch von unten ins Display hinein kann anschließend auf Einstellungen wie Helligkeit, Lautstärke, „Bitte nicht stören“, den Wecker sowie ein Menü mit Informationen zum Gerät und der Möglichkeit zum Zurücksetzen zugegriffen werden. Eine darüber hinausgehende Konfiguration ist am Smart Display selbst nicht möglich.

Wischt der Nutzer hingegen von links in den Bildschirm hinein, während dieser aktiviert ist, wird kurz auf die Vollbildansicht der Uhr gewechselt, bevor sich das Gerät einschaltet. Ein erneuter Wisch von links springt wieder auf den konfigurierten Sperrbildschirm, der beispielsweise eigene, auf Google Fotos gespeicherte oder von Google vorgegebene Fotos anzeigen kann.

Ein Wisch von rechts in das Display hinein ruft hingegen die persönliche Startseite auf. Neben Wetter, Datum und Uhrzeit enthält diese aktuelle Informationen wie Termine oder zeitlich passende Routeninformationen etwa zum Weg zur Arbeit. Die Karteikarten können dabei per Wischgeste durchgeblättert werden und enthalten konfigurierte Mediendienste wie Spotify und YouTube sowie Anregungen zu weiteren Möglichkeiten.

Über einen Wisch von oben in das Display hinein ruft man hingegen die anderen Home-Geräte im Zuhause auf und kann diese steuern.

Auf beiden Varianten des Lenovo Smart Display werden dabei immer dieselben Informationen dargestellt, nur unterschiedlich skaliert. Das größere Display zeigt somit nicht zusätzliche Inhalte an, sondern identische Inhalte größer.

Der angesprochene Startbildschirm bietet allerdings keine Möglichkeit der individuellen Anpassung wie das Verschieben, individuelle Platzieren oder Hinzufügen von Elementen.

Guter Klang mit Schwächen beim Bass

Der Sound des Lenovo Smart Display ist als gut zu bewerten, wobei man realistische Erwartungen an den Klang in dieser Größen- und Preisklasse haben muss. Vor allem Stimmen und Gesang werden gut wiedergegeben, was sich sowohl bei den Antworten des Google Assistant als auch bei Musik positiv bemerkbar macht. Bei voller Lautstärke verzerrt die Wiedergabe des Probanden je nach Frequenz allerdings deutlich und bei Bass-lastigen Musikstücken wird der eingeschränkte Frequenzbereich spürbar, zumal die Basswiedergabe im direkten Vergleich zu schwach ausfällt. Hier bietet auch Amazon mit dem Echo Show (2. Gen) mehr. Darüber hinaus wirkt der Sound des Echo Show im direkten Vergleich aufgrund der Stereolautsprecher zudem voluminöser als beim Lenovo Smart Display, das nur einen Mono-Lautsprecher einsetzt.

Wie immer gilt, dass nicht erwartet werden sollte, dass ein Smart Display und smarte Lautsprecher mit ihren kompakten Abmessungen mit ausgewachsenen Lautsprechern einer Stereoanlage mithalten können. Dies kann auch das Lenovo Smart Display nicht und weist die typischen Schwächen bei Höhen und Tiefen auf. Für die nebenher laufende Wiedergabe von Musik oder Videos etwa in der Küche oder dem Arbeitszimmer ist die gebotene Klangqualität jedoch ausreichend.

Helles Display mit guten Farben

Die Helligkeit des Displays kann wahlweise automatisch geregelt werden, womit sie sich der Umgebungshelligkeit anpasst, oder aber manuell justiert werden. Der Sensor für die Umgebungshelligkeit ist rechts in der Mitte neben dem Bildschirm platziert. Auch die Blickwinkel des 10 Zoll großen IPS-Displays überzeugen. Je nach Umgebung und Lichtverhältnissen wird die Betrachtung durch Spiegelungen eingeschränkt, diese liegen jedoch im üblichen Rahmen.

Homogenität des Displays des Lenovo Smart Display
Homogenität des Displays des Lenovo Smart Display

Das 10 Zoll große IPS-Display ist nicht ganz so hell wie der 517 cd/m² helle Bildschirm des Amazon Echo Show, mit bis zu 448 cd/m² aber immer noch sehr hell. Während das Display in der Mitte und auf der linken Seite sehr gleichmäßig ausgeleuchtet ist, fällt die Helligkeit nach rechts etwas ab. Im Alltag fällt dies auf dem kleinen Bildschirm und bei nicht einfarbigen Inhalten allerdings nicht auf. Der Schwarzwert bei maximaler Helligkeit liegt in der Spitze bei relativ hellen 0,425 cd/m². Hieraus resultiert ein Kontrast von maximal 1.054:1. Bei niedrigster Helligkeitseinstellung des Displays leuchtet dies bei der Darstellung von Weiß nur noch mit 1,55 cd/m² und ist somit tatsächlich fast ausgeschaltet.

Die Farbtemperatur des 10-Zoll-Bildschirms des Testgeräts liegt bei sehr kühlen 8.000 Kelvin. Den für diese Farbtemperatur typischen Blaustich weist das Display allerdings nicht auf.

Leistungsaufnahme

Leistungsaufnahme des Lenovo Smart Display 10 Zoll
Leistungsaufnahme in Watt
Standby und Display an (100 %) 5,7 Watt
Standby und Display aus 2,7 Watt
Videowiedergabe von YouTube 6,5 bis 8,5 Watt
Musikwiedergabe von Spotify 6,0 bis 9,0 Watt

Bei der Musik- und Videowiedergabe schwankt die Leistungsaufnahme in Abhängigkeit der wiedergegebenen Inhalte und der Lautstärke, weshalb ein Intervall angegeben wird. Bei der Wiedergabe über Spotify liegt die Leistungsaufnahme bei 70 % Lautstärke meistens bei rund 6,5 Watt. Alle Messungen wurden mit manueller maximaler Display-Helligkeit durchgeführt, um reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten.

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