Server-CPU-Showdown: Intel schießt mit Cascade Lake-AP gegen Rome zurück

Volker Rißka 164 Kommentare
Server-CPU-Showdown: Intel schießt mit Cascade Lake-AP gegen Rome zurück
Bild: Intel

AMDs Benchmarks eines Dual-Sockel-Rome-Systems gegen zwei Intel Cascade Lake-SP haben den Riesen Intel wachgerüttelt und dazu veranlasst, eigene Benchmarks zu präsentieren. Sie bessern beim Xeon Platinum nach und vergleichen das noch nicht verfügbare Produkt von AMD mit einem noch nicht verfügbaren Nischenprodukt von Intel.

Zwei Tage nach AMDs Keynote zur Computex 2019 hat Intel zwei Server-Systeme in eigenen Laboren neu vermessen und präsentiert die Ergebnisse. Denn laut Intel sind zum einen die von AMD für ihre Plattform gezeigten nicht zutreffend, veraltete Treiber und Software verkaufen den Xeon Platinum 8280 deutlich unter Wert, so der Vorwurf. Zum anderen hätte AMD gar nicht den wahren Konkurrenten um die Leistungskrone aufgefahren.

Die Vorgeschichte

AMD hatte auf der Computex 2019 einmal mehr den neuen Server-Prozessor mit dem Codenamen Rome im Gepäck. Dieses Mal war ein Dual-Sockel-System im Einsatz, welches mit zwei der kommenden Flaggschiff-Modelle mit 64 Kernen bestückt war. Heraus kam so ein Gespann mit 128 Kernen und 256 Threads. Als Gegenspieler wurde Intels beste verfügbare Mainstream-Xeon-CPU gewählt, der Xeon Platinum 8280 mit 28 Kernen und 56 Threads, im Dual-Sockel-Einsatz verdoppelt sich natürlich auch der Wert. Allein die mehr als doppelt so vielen Kerne und Threads im System ließen AMD hier einen haushohen Sieg davon tragen.

AMD Epyc 2
AMD Epyc 2

Dass Hersteller-Benchmarks wie üblich mit Vorsicht zu genießen sind, ist keine neue Erkenntnis. Dass die Reaktion aber so schnell erfolgt hingegen schon. Denn laut Intel wird nicht nur der verfügbare Xeon zu schlecht dargestellt, ein anderes, viel schnelleres Produkt wird gar nicht berücksichtigt. Kein Wunder: Cascade Lake-AP ist für AMD über (offizielle) Wege auch noch nicht zu bekommen. Intels Argument: Rome ist es für Intel und den Kunden allerdings auch noch nicht.

Von Intel konfiguriert, steigt die Leistung des Systems mit zwei Intel Xeon Platinum 8280 um 30 Prozent. Die Abweichung zu AMDs Angaben sind durchaus beachtlich, auch wenn Rome weit voraus bleibt. Es zeigt sich allerdings wieder einmal, wie viel Spielraum heutzutage Benchmarks haben können, weil Software und Hardware mit dynamischen Taktraten einen großen Einfluss darstellen.

Doch Intel sieht sich nicht nur näher dran an Rome, sondern sogar in Front: Cascade-Lake-AP im Dual-Sockel-System mit zwei mal 48 Kernen zieht bereits mit dem Dual-Sockel-64-Kern-System von AMD gleich, mit dem Flaggschiff Xeon Platinum 9282 mit zwei Mal 56 Kernen und insgesamt 224 Threads gibt es 23 Prozent mehr Leistung als AMDs Rome-Gespann mit 256 Threads. Nicht berücksichtigt wird wie üblich die Leistungsaufnahme, Intels CPUs sind mit jeweils 400 Watt TDP unterwegs, Rome dürfte darunter liegen, wenngleich finale Zahlen noch fehlen

Cascade Lake-AP wird kein Mainstream-Produkt, Rome schon

Passend zu den Werten von Intel hat sich ServeTheHome in einer lesenswerten Analyse mit Intels zukünftig schnellsten Chip für die Serverwelt auseinandergesetzt. Sie kommt zu dem Schluss, dass auch Intels Vergleich hinkt. Denn Cascade Lake-AP ist Nischenprodukt für die HPC-Gemeinde, die meisten großen OEM-Hersteller und Anbieter von Servern werden es nicht ins Portfolio aufnehmen. Zu groß sind am Ende die Kompromisse, die bei der gesamten Plattform eingegangen werden müssten, wenn der Vergleich zu klassischen Servern herangezogen wird. Cascade Lake-AP ist beispielsweise mit dem Mainboard verlötet.

Bei Rome sieht das etwas anders aus. Dieser nutzt die gleiche Infrastruktur wie alle Epyc-Prozessoren in dem Marktumfeld seit zwei Jahren, im besten Fall kann sogar eine alte 8-Kern-CPU im Sockel SP3 mit 4.094 Kontaktflächen gegen ein neues 64-Kern-Modell getauscht werden.

Was Rome am Ende wirklich leisten wird, darüber ist trotzdem noch wenig bekannt. AMD hüllte sich zuletzt doch eher in Schweigen, der Start rückte leicht nach hinten, während Gerüchte über geringe Taktraten beim Flaggschiff die Runde machen. Doch ähnlich wie bei Intel dürfte das Gros der Kunden kein Flaggschiff kaufen, sondern höher taktende Modelle mit weniger Kernen, die auch preislich interessanter sind. Intel verkauft in ihren CPU-Serien auch mehr Xeon Gold als Platinum – Kerne, Preis und Leistung bilden hier für viele Kunden das bessere Gesamtpaket. Cascade Lake-AP wird diesen Markt nie erreichen.