AMD Radeon RX 5700 (XT) im Test: Die Taktraten sowie Benchmarks in Full HD, WQHD und Ultra HD

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Wolfgang Andermahr et al. 821 Kommentare

So wurde die Radeon RX 5700 (XT) getestet

Wie ComputerBase Grafikkarten testet, wird im Artikel Grafikkarten-Tests: Methodik, Einstellungen und Savegames ausführlich erläutert. Der Artikel geht unter anderem ausführlich auf das genutzte Testsystem und darauf ein, welche Grafikkarten genau mit welchem Takt betrieben werden. Darüber hinaus wird genauer erläutert, wie sämtliche Messreihen, zum Beispiel für die Leistungsaufnahme, durchgeführt werden.

Videos und Savegames der Benchmarks stehen zur Verfügung

Darüber hinaus gibt es zu jedem Spiel die Testszene in einem Video zu sehen und – falls möglich – wird ein Savegame bereit gestellt, sodass jeder Leser die Sequenz nachstellen und nachvollziehen kann. Darüber hinaus klärt der Artikel, welche Tools ComputerBase für die Benchmarks einsetzt und auch, wie die Ergebnisse in Form von Bilder pro Sekunde (FPS) und Frametimes dargestellt werden.

Radeon RX 5700 (XT) und GeForce RTX 2060/2070 (Super) im Vergleich
Radeon RX 5700 (XT) und GeForce RTX 2060/2070 (Super) im Vergleich

Die tatsächlichen Taktraten unter Last

Der Turbo-Mechanismus von Navi funktioniert genauso wie bei Vega, ist allerdings völlig anders konfiguriert. Grob gesagt gibt es einen Maximaltakt auf Navi. Bei der Radeon RX 5700 beträgt dieser etwa 1.707 MHz, bei der Radeon RX 5700 XT sind es etwa 1.906 MHz. Arbeitet die GPU innerhalb gewisser Grenzen, was Temperatur und Leistungsaufnahme betrifft, kann dieser Takt auch bei hoher Last anliegen.

Bei der Grenze „Leistungsaufnahme“ orientiert sich Navi 10 an der GPU-Power und nicht wie Nvidia an der Board-Power. AMD nennt keine festen Wert, allerdings beträgt das Limit auf der kleinen Karte etwa 155 Watt und auf der großen etwa 185 Watt. Bei der Temperatur richtet sich der Turbo nach der Junction-Temperatur, also der Temperatur am Kern. Offenbar kann der Rechenkern mit der vollen Frequenz arbeiten, solange er 110 Grad Celsius nicht überschreitet. Andernfalls taktet die GPU herunter.

Der Takt richtet sich in Spielen nach der Leistungsaufnahme

Während das Temperatur-Limit weder nach unten noch nach oben hin angepasst werden kann, sind manuelle Eingriffe ins Power-Limit möglich. Es lässt sich auf der Radeon RX 5700 um 20 Prozent anheben, die GPU darf dann bis zu 185 Watt aufnehmen. Bei der Radeon RX 5700 XT beträgt das Plus laut Tool bis zu 50 Prozent, mehr als 250 Watt (35 Prozent) rief die GPU laut Anzeige aber nicht ab.

Navi 10 kann wie Vega in extrem feinen Schritten den Takt variieren. Selbst 1-MHz-Sprünge sind möglich. Der niedrigste Takt beträgt 6 MHz und von da aus kann je nach Last die Frequenz erhöht werden. Der Speicher kennt dagegen deutlich weniger Zustände: 100 MHz im Stromsparmodus, 500 MHz im Low-Power-Modus und 7.000 MHz bei Volllast.

Die tatsächlichen Taktraten im Phanteks Enthoo Evolv X
Spiel (2.560 × 1.440) Radeon RX 5700 (Referenz) Radeon RX 5700 XT (Referenz)
Maximaler Takt in Spielen ~1.707 MHz ~1.906 MHz
Anno 1800 1.664-1.698 MHz [PT] 1.841-1.860 MHz [PT]
Anthem 1.663-1.691 MHz [PT] 1.780-1.835 MHz [PT]
Assassin's Creed Odyssey 1.704-1.707 MHz 1.844-1.905 MHz [PT]
Battlefield V 1.646-1.681 MHz [PT] 1.774-1.811 MHz [PT]
Call of Duty: Black Ops 4 1.674-1.692 MHz [PT] 1.848-1.906 MHz [PT]
Dirt Rally 2.0 1.699-1.702 MHz 1.858-1.891 MHz [PT]
F1 2019 1.626-1.674 MHz [PT] 1.785-1.836 MHz [PT]
Far Cry News Dawn 1.688-1.698 MHz [PT] 1.802-1.845 MHz [PT]
Hitman 2 1.698-1.705 MHz 1.830-1.893 MHz [PT]
Just Cause 4 1.693-1.701 MHz 1.819-1.865 MHz [PT]
Metro Exodus 1.548-1.602 MHz [PT] 1.708-1.777 MHz [PT]
Rage 2 1.650-1.691 MHz [PT] 1.782-1.847 MHz [PT]
Resident Evil 2 1.666-1.697 MHz [PT] 1.795-1.847 MHz [PT]
Shadow of the Tomb Raider 1.682-1.694 MHz [PT] 1.799-1.853 MHz [PT]
The Division 2 1.661-1.689 MHz [PT] 1.725-1.784 MHz [PT]
[P] = Power Target limitiert, [T] = Temperature Target limitiert

AMD hat das Referenzdesign der Radeon RX 5700 so konfiguriert, dass der maximal möglich Takt in einigen Spielen durchaus anliegt und auch gehalten wird: In Assassin's Creed Odyssey, Dirt Rally 2.0, Hitman 2 und Just Cause 2 arbeitet die Grafikkarte mit dem vollen Takt. Die geringste Frequenz liegt in Metro: Exodus an. Dann arbeitet die Grafikkarte im Bereich zwischen 1.548 und 1.602 MHz. In den meisten Spielen beträgt der Takt um die 1.670 bis 1.680 MHz.

Die Radeon RX 5700 XT wird durch das Power Limit dagegen deutlich mehr eingebremst. In jedem getesteten Spiel taktet die Grafikkarte herunter, nur in Assassin's Creed Odyssey und Call of Duty: Black Ops 4 darf die Grafikkarte zumindest zeitweise mit 1.900 MHz arbeiten. Der Härtefall ist erneut Metro: Exodus, wo mehr als 1.708 bis 1.777 MHz nicht übrig bleiben. Die Schere ist also deutlich größer als auf dem kleinen Modell. In den meisten Spielen arbeitet die Radeon RX 5700 XT mit um die 1.820 bis 1.840 MHz, also um die 150 MHz höher als das kleinere Modell.

Höher als die RX 5700 XT taktet keine andere Radeon-Grafikkarte

Damit ist die Radeon RX 5700 XT die AMD-Grafikkarte mit den höchsten Taktraten, an die auch die Radeon VII (Test) nicht herankommt. Nvidias Turing-Generation bietet immer noch höhere Frequenzen, allerdings beträgt der Unterschied jetzt nur noch rund 100 MHz. Ob es möglich ist, mit der Navi-10-GPU die 2.000-MHz-Marke zu knacken, werden die OC-Tests zeigen. Mit der Radeon VII ist das noch nicht gelungen.

Benchmarks in 2.560 × 1.440

WQHD ist die prädestinierte Auflösung für Navi 10. In 2.560 × 1.440 arbeitet die Radeon RX 5700 XT im Durchschnitt 14 Prozent schneller als die Radeon RX Vega 64. Damit ist die Grafikkarte sieben Prozent schneller als eine GeForce RTX 2070 und neun Prozent schneller als eine GeForce RTX 2060 Super, muss sich einer GeForce RTX 2070 Super aber um neun Prozent geschlagen geben. Die Radeon VII ist trotz deutlich mehr Ausführungseinheiten nur sieben Prozent schneller.

Die Radeon RX 5700 ist in WQHD zwölf Prozent langsamer als der größere Bruder. Damit ist auch die kleine Navi-Grafikkarte aber noch ein Prozent schneller als die Radeon RX Vega 64 und 14 Prozent flotter als die Radeon RX Vega 56. Für die GeForce RTX 2060 Super reicht es nicht ganz, diese ist vier Prozent schneller, während die GeForce RTX 2060 um gut zehn Prozent geschlagen wird. Schon diese ersten Ergebnisse zeigen, warum Nvidia „Super“ gebracht hat – die Radeon RX 5700 hätte einen der Konkurrenten sonst hinter sich gelassen.

Es gibt teils große Unterschiede in den einzelnen Spielen

Ein Blick in die einzelnen Spiele zeigt, dass die RDNA-Architektur deutlich anders als der Vorgänger GCN funktioniert, die Vorteile fallen deshalb unterschiedlich groß aus. Es zeigt sich, dass in Spielen, in denen sich eine GCN-Grafikkarte bereits gut schlägt, das neue RDNA-Gegenstück nur leicht schneller ist. In Spielen, in denen der GCN-Ableger hingegen Probleme hat, ist das RDNA-Modell dagegen meist deutlich schneller. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Ausnahme gibt es bereits beim Buchstaben A: In Anno 1800 ist die Radeon RX 5700 XT 16 Prozent schneller als die Radeon RX Vega 64, obwohl sich Radeon-Beschleuniger in dem Aufbauspiel bisher nicht gut schlugen. In Dirt Rally 2.0 sind die GCN-Karten bereits schnell und die Radeon RX 5700 XT nur acht Prozent schneller als die Radeon RX Vega 64. In F1 2019 sind es gar nur drei Prozent, in Rage 2 neun Prozent und in The Division 2 sechs Prozent.

5700 XT ist bis zu 28 Prozent schneller als Vega 64

Call of Duty: Blacks Ops 4 ist dann ein GCN-Problemfall, wo die Radeon RX 5700 XT mit RDNA um 26 Prozent voraus ist. In Hitman 2 ist die neue Grafikkarte gar 28 Prozent schneller und in Just Cause 4 sind es 27 Prozent. Metro: Exodus läuft um ordentliche 19 Prozent schneller. In vielen Fällen kann sich die Radeon RX 5700 XT dadurch mit dem konkurrierenden Turing-Modell anlegen, was die Radeon RX Vega 64 nicht vermochte.

FPS-Unterschiede in WQHD
Radeon RX 5700 XT GeForce RTX 2070 Radeon RX Vega 64
Anno 1800 116 % 123 % 100 %
Anthem 112 % 105 % 100 %
Assassin's Creed Odyssey 112 % 113 % 100 %
Battlefield V 117 % 94 % 100 %
COD: Black Ops 4 126 % 110 % 100 %
Dirt Rally 2.0 108 % 96 % 100 %
F1 2019 103 % 97 % 100 %
Far Cry New Dawn 109 % 99 % 100 %
Hitman II 128 % 137 % 100 %
Just Cause 4 127 % 117 % 100 %
Metro Exodus 119 % 101 % 100 %
Rage 2 109 % 106 % 100 %
Resident Evil 2 113 % 107 % 100 %
Shadow of the Tomb Raider 115 % 108 % 100 %
The Division 2 106 % 101 % 100 %
Radeon RX Vega 64 normiert auf 100 %

Benchmarks in 1.920 × 1.080

In Full HD gibt es bei den FPS nur kleine Unterschiede. Die Radeon RX 5700 ist drei Prozent flotter als die Radeon RX Vega 64, da Vega die vielen Shadereinheiten in niedrigen Auflösungen nicht optimal auslasten kann. Die Radeon RX 5700 XT ist in Folge dessen quasi gleich schnell wie die Radeon VII. Navi und Turing schneiden in Full HD im Verhältnis dagegen gleich ab wie unter WQHD.

Die größten Unterschiede gibt es bei den Frametimes, denn in Full HD schneidet AMD diesbezüglich besser ab. Die Radeon RX 5700 XT liegt bei dieser Messung nur fünf Prozent hinter der GeForce RTX 2070 Super und die Radeon RX 5700 hat gleich gute Frametimes wie die GeForce RTX 2070. Das liegt aber nicht an einer RDNA-, sondern an einer generellen AMD-Stärke.

Benchmarks in 3.840 × 2.160

In 3.840 × 2.160 ist die Radeon RX 5700 XT 13 Prozent schneller als die Radeon RX Vega 64. Dort gibt es also kaum Unterschiede, die Radeon VII setzt sich dagegen mit einem Plus von 13 Prozent minimal besser ab. Die Abstände zwischen Navi und Turing fallen in Ultra HD gleich aus wie in WQHD.

Apex Legends, Fortnite und Co. im Benchmark

E-Sport-Spiele sind deutlich weniger fordernd als AAA-Spiele, haben aber andere Anforderungen an die Grafikkarte. In dieser Disziplin schnitten Nvidia-Beschleuniger zuletzt etwas besser als die AMD-Pendants ab. Bei RDNA gibt es aber Fortschritte. Zwar ist auch Navi im Vergleich zu Turing noch leicht langsamer als in AAA-Titeln, der Rückstand ist aber klein.

Die Radeon RX 5700 XT arbeitet in E-Sport-Spielen durchschnittlich 16 bis 17 Prozent schneller als die Radeon RX Vega 64. Die Radeon RX 5700 ist 10 bis 11 Prozent langsamer als das große Modell und damit noch vier bis fünf Prozent schneller als Vega. Damit ist die GeForce RTX 2060 Super immer noch zehn bis elf Prozent schneller als die Radeon RX 5700, was aber weniger als zuvor ist. Die Radeon RX 5700 XT liefert gleich viele bis minimal weniger FPS als die GeForce RTX 2070.

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