RX 5700 TUF und Red Dragon im Test: WQHD-Benchmarks, Lautstärke, sonstige Messungen und Fazit

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Wolfgang Andermahr 129 Kommentare

Benchmarks in 2.560 × 1.440

Bei der Radeon RX 5700 XT sind die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den einzelnen Modellen bereits klein. Bei der Radeon RX 5700 gilt das umso mehr. So ist selbst die große PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil nur 3 Prozent flotter als AMDs Referenzdesign und bei der Radeon RX 5700 Red Dragon aus demselben Hause sind es dann nur noch 2 Prozent. Damit ist das Budgetmodell 1 Prozent schneller als die Sapphire Radeon RX 5700 Pulse. Das ist definitiv irrelevant. Schaltet man auf das alternative Silent-BIOS zurück, verliert die PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon 1 Prozent an FPS. Damit arbeitet die Grafikkarte dann ziemlich genau gleich schnell wie das Referenzdesign.

Die Asus Radeon RX 5700 TUF lässt es derweil noch ein wenig gemütlicher angehen und platziert sich hinter dem roten Drachen und auch minimal hinter der Referenz, wobei der Unterschied noch nicht mal 1 Prozent beträgt. Schlussendlich lässt sich sagen, dass die Performance gleich einem Standardmodell ist.

Lautstärke & Kühlung

Die PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon geht sehr leise zu Werke. Zu Beginn einer Lastphase drehen die Lüfter zwar auf angenehme, aber hörbare 1.500 Umdrehungen in der Minute auf, einen kurzen Augenblick später pendeln sich diese aber bei etwa 1.260 Umdrehungen ein und verbleiben dann auch da. Und dann ist die Grafikkarte bei nur 33,5 dB aus einem geschlossenen Gehäuse beim Spielen kaum noch zu hören und stört zu keiner Zeit.

Das Silent-BIOS ist anders als bei der Red Devil auf der Radeon RX 5700 Red Dragon dagegen wenig sinnvoll, da sich praktisch nichts ändert. Mit 1.200 Umdrehungen reduziert sich die Lautstärke nur um ein halbes Dezibel auf 33,0 dB. Ein Unterschied ist nicht zu hören. Doch schon mit dem OC-BIOS eignet sich die Grafikkarte für einen Silent-PC.

Die Asus Radeon RX 5700 TUF steigt dagegen ein paar Lautstärke-Ligen darüber ein. Eine Lüfterdrehzahl von 2.240 Umdrehungen hat eine hohe Lautstärke von 44,5 dB zur Folge. Damit ist die Grafikkarte kaum leiser als das Referenzdesign – aber lauter als alle anderen Custom-Modelle. Es rauscht beim Spielen unaufhörlich, was schon ziemlich nervend ist. Wer ein wenig Wert auf eine geringe Lautstärke legt, sollte einen großen Bogen um die Grafikkarte machen. Auf dem Windows-Desktop kommt die Asus Radeon RX 5700 TUF auf 30 dB. Das ist durchweg zu hören.

Messungen zur Temperatur

Die PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon arbeitet sehr leise, liegt bei den Temperaturen aber entsprechend im oberen Bereich. Die Navi-10-GPU erhitzt sich auf bis zu 78 °C beim Spielen, die Junction-Temperatur beträgt dann 91 °C. Während die GPU-Temperatur damit im oberen Drittel der Navi-Custom-Modelle liegt (obschon die mit eingerechneten XT-Modelle eine höhere Leistungsaufnahme haben), ist die Junction-Temperatur dagegen gut. Die konkurrierende Sapphire Radeon RX 5700 Pulse zeigt mit 81 °C, dass es aber deutlich besser geht. Mit dem Silent-BIOS ändert sich bei der Radeon RX 5700 Red Dragon kaum etwas. Das gilt auch für die Temperaturen, die mit 77 und 88 °C sehr ähnlich ausfallen.

Die Asus Radeon RX 5700 TUF bleibt mit einer GPU-Temperatur von 75 °C etwas kühler, doch ist das bei der hohen Lüfterdrehzahl auch kein Wunder. Die Junction-Temperatur beträgt bei der Grafikkarte 91 °C, was dann aber kaum noch beeindruckend ist. Dafür gibt es zumindest einen Temperaturrekord von 34 °C auf dem Windows-Desktop – da anders als die TUF alle anderen Custom-Karten die Lüfter anhalten.

Die Junction-Temperatur der Navi-Grafikkarten
Radeon RX 5700
AMD Radeon RX 5700 Referenzkarte 89 °C
Asus Radeon RX 5700 TUF 91 °C
PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon (OC-BIOS) 91 °C
PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon (Silent-BIOS) 88 °C
PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil (OC-BIOS) 91 °C
PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil (Silent-BIOS) 91 °C
Sapphire Radeon RX 5700 Pulse (Standard-BIOS) 81 °C
Sapphire Radeon RX 5700 Pulse (Alternativ-BIOS) 81 °C

Messung der Leistungsaufnahme

Beide Custom-Modelle benötigen fürs Spielen etwas mehr Energie als das Referenzdesign, wobei sich der Mehrverbrauch in Grenzen hält. Die Asus Radeon RX 5700 TUF kommt mit 184 Watt in Spielen auf einen Mehrverbrauch von 8 Watt, die PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon benötigt mit 185 Watt 1 Watt mehr. Wird letztere mit dem Silent-BIOS betrieben, verringert sich die Leistungsaufnahme um 17 Watt auf 168 Watt. Das sind dann 8 Watt weniger als bei der Referenz.

Auf dem Windows-Desktop kommt die Radeon RX 5700 TUF auf 14 Watt und die Radeon RX 5700 Red Dragon auf 16 Watt. Letzteres ist etwas verwunderlich, da bis jetzt nur Navi-Modelle mit RGB diese Regionen erreicht haben. Im Vergleich dazu benötigt das Referenzdesign nur 9 Watt.

Quasi kein Übertaktungspotenzial

Viel Übertaktungspotenzial bieten beide Custom-Designs nicht. Bei der PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon lässt sich aufgrund einer Treiberlimitierung der GPU-Takt gar nicht erhöhen. Eine höhere GPU-Frequenz entsteht also nur durch das um 20 Prozent angehobene Powertarget. Der 8 GB große GDDR6-Speicher lässt sich um 440 auf 7.440 MHz erhöhen, bis erneut das Treiberlimit greift. In Spielen steigt die Performance nur um 1 bis 2 Prozent an.

Zumindest etwas besser ergeht es der Asus Radeon RX 5700 TUF, denn dort lässt sich der GPU-Takt immerhin um 100 MHz erhöhen, bevor der Treiber dicht macht. Beim Speicher sind wie bei der anderen Grafikkarte zusätzliche 440 MHz drin. Die Framerate steigt auf dem Asus-Modell durch das Übertakten um etwa 5 bis 6 Prozent an.

Fazit

PowerColor macht bei der Radeon RX 5700 Red Dragon fast alles richtig. Die Grafikkarte ist minimal schneller als das Referenzdesign und arbeitet in allen Lebenslagen leise. Die Leistungsaufnahme hält sich in Grenzen und der rote Drache sieht auch noch gut aus. Das Einzige, was wenig gelungen ist, ist die scharfkantige Platine, die einen schmerzfreien Einbau ins Gehäuse fast unmöglich macht – aber eimmal in Betrieb genommen, spielt das keine Rolle mehr.

Ganz anders dagegen die Asus Radeon RX 5700 TUF. Bezüglich der Performance und der Leistungsaufnahme gibt es zwar auch hier wenig zu meckern, doch bei der Lautstärke hat sich Asus völlig verzockt. Ein mit 1.000 Umdrehungen in der Minute agierender Lüfter auf dem Windows-Desktop ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Und beim Spielen ist der Geräuschpegel kaum besser als beim lauten Referenzdesign. Dass die Optik deutlich weniger elegant als beim Konkurrenzmodell ist, spielt dann auch keine Rolle mehr.

Red Dragon oder Red Devil?

379 Euro will PowerColor aktuell für die Radeon RX 5700 Red Dragon haben. Das sind ziemlich genau 50 Euro mehr als für das Referenzdesign, allerdings ist der Aufpreis gut angelegt – zumal vergleichbar gute Custom-Modelle nicht günstiger sind. So kostet die Sapphire Radeon RX 5700 Pulse genauso viel, kommt dabei aber nicht an die gute Lautstärke der PowerColor heran. Der größte Konkurrent kommt aus dem eigenen Hause: Die Radeon RX 5700 Red Devil kann alles ein wenig besser als die Red Dragon und der Aufpreis hält sich mit zusätzlichen 20 Euro in Grenzen. Allerdings bleiben die Unterschiede in der Praxis gering, sodass es Geschmackssache ist, zu welchem Modell man greift.

Auch wenn die Radeon RX 5700 TUF als neuer Mittelklasse-Einstieg in die Welt der Asus-Grafikkarten gedacht ist, will das Konzept nicht aufgehen. Mit den angesetzten 414 Euro ist die Grafikkarte zwar 40 Euro günstiger als die (klar bessere) Radeon RX 5700 Strix, aber deutlich bessere Modelle anderer Hersteller kosten weniger. Da gibt es keinen Grund um zur Radeon RX 5700 TUF zu greifen.

Der Navi-Custom-Endspurt steht an

Das Thema der Navi-Custom-Modelle neigt sich einem Ende zu. Aktuell ist noch der Test eines weiteren Custom-Modells der Radeon RX 5700 XT geplant. Danach wird die Redaktion einen Abschlussartikel mit allen Benchmarks sowie Messwerten veröffentlichen und einen Testsieger inklusive ComputerBase-Empfehlung küren.

ComputerBase hat die Radeon RX 5700 TUF von Asus und die Radeon RX 5700 Red Dragon von PowerColor zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme der Hersteller auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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