Omen Photon & Outpost im Test: Maus‑Mauspad-Combo für Gamer von HP

Fabian Vecellio del Monego 28 Kommentare
Omen Photon & Outpost im Test: Maus‑Mauspad-Combo für Gamer von HP

tl;dr: Die Omen Photon und das zugehörige Mauspad Omen Outpost sollen Logitechs G Pro Wireless und Powerplay Konkurrenz bieten. Während die Maus vieles richtig macht und erst im direkten Vergleich zu Mitbewerbern einen wortwörtlich schweren Stand hat, scheitert HPs Mauspad nicht nur am Preis, sondern auf ganzer Linie.

Mit der Omen Photon will HP auf gleich mehreren Ebenen Logitechs G Pro Wireless (Test) angreifen, die gemeinhin als beste kabellose Shooter-Maus gilt. Die Gemeinsamkeiten gehen dabei über das Versprechen präzisester Sensorik und latenzfreier Funkverbindung hinaus: Beide Mäuse bieten ein vollständig symmetrisches Design und lassen sich optional auch drahtlos laden, wozu beide Hersteller ein entsprechendes Mauspad anbieten.

Hier findet sich allerdings ein Unterschied: Die Omen Photon wird nach Qi-Standard induktiv geladen, während Logitechs Maus auf proprietäre Technik zurückgreift. HP beansprucht für die Photon darüber hinaus Vorteile durch optomechanische Taster, eine bessere, da anpassbare Ergonomie und die umfassendere RGB-Beleuchtung. Das gilt auch für das zugehörige Mauspad Omen Outpost, das abseits einer Qi-Ladefläche im linken oberen Bereich eine Vielzahl an RGB-Leuchtdioden integriert und wahlweise eine Oberfläche aus Hartplastik oder Mikrofasern bietet.

HP Omen Photon
Logitech G Pro Wireless
Ergonomie: Beidhändig (symmetrisch)
Sensor: PixArt PAW-3335
Optisch
Lift-Off-Distance: 1,0 – 2,0 mm
Logitech Hero 16K
Optisch
Auflösung: 100 – 16.000 dpi
5 Stufen
Geschwindigkeit: 10,2 m/s
Beschleunigung: 392 m/s²
Abtastrate: 1.000 Hz
Primärtaster: ? Omron, 50 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 9
Oberseite: 5
Linkseitig: 2 Rechtsseitig: 2
8
Oberseite: 3 Unterseite: 1
Linkseitig: 2 Rechtsseitig: 2
Sondertasten: 4-Wege-Mausrad, dpi-Umschalter Mausrad, dpi-Umschalter
Software: 1 Profile
vollständig programmierbar
Makroaufnahme
Interner Speicher: 1 Profil
5 Profile
vollständig programmierbar, Sekundärbelegung
Makroaufnahme
Interner Speicher: 5 Profile
Beleuchtung: Farbe: RGB, 2 Zonen
Modi: Atmend, Farbschleife
dpi-Indikator
Farbe: RGB, 1 Zone
Modi: Atmend, Farbschleife
dpi-Indikator
Gehäuse: 129 × 58 × 44 mm
Hartplastik, Beschichtung
Glanzelemente, Gummielemente
125 × 64 × 40 mm
Hartplastik
Gewicht: 142 Gramm (o. Kabel) 80 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A auf Micro-USB-Kabel, 1,75 m, umwickelt
Funk: 2,4 GHz
proprietärer Akku, 50 Stdn. Laufzeit
Laden: Kabel, Induktion (QI)
USB-A auf Micro-USB-Kabel, 1,80 m
Funk: 2,4 GHz
proprietärer Akku, 48 Stdn. Laufzeit
Laden: Kabel, Induktion (proprietär)
Preis: ab 122 € ab 105 €

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von rund 150 Euro ist die Omen Photon sehr teuer, wenngleich die Maus derweil bereits ab knapp 125 Euro im Preisvergleich gelistet wird. Damit ist sie günstiger als das Omen Outpost, das gemäß unverbindlicher Preisempfehlung mit rund 140 Euro zu Buche schlägt.

Symmetrisches Gehäuse mit modularen Extras

Auch auf Grund ihrer Modularität ist die Photon beidhändig verwendbar, wenngleich das nicht unbedingt eine vollständige Symmetrie nach sich zieht: Das Chassis der Maus selbst ist gänzlich gespiegelt, sofern aber die Daumen- oder Fingerablage genutzt wird, geht die Symmetrie zugunsten der subjektiven Anpassung verloren. Alternativ lassen sich beide Flanken des Eingabegerätes mit intendiert planen Abdeckungen versehen, die aber tatsächlich nicht exakt den konvexen Rundungen der Flanken folgen und somit an den Enden rund einen Millimeter vom Gehäuse abstehen.

Abseits der Modularität lässt sich jenes als schmal und lang bezeichnen, was auch auf Grund der nicht vorhandenen seitlichen Griffmulden eine unübliche Haptik mit sich bringt. Ebenfalls bedingt wird durch die Länge eine potentielle Eignung für den Palm-Grip, sofern die eigenen Hände nicht allzu groß ausfallen – dann bleibt zur bequemen Verwendung eigentlich nur der Claw-Grip, da eine Bedienung im Fingertip-Grip schwerfällt: Die Photon ist mit rund 142 Gramm schlichtweg zu schwer, als dass sie nur mit den Fingerspitzen über längere Zeit hinweg präzise bewegt werden könnte.

Bestärkt wird diese Problematik durch die erwähnten nicht vorhandenen Einbuchtungen der Flanken und die optionalen, nicht perfekten abschließenden Abdeckungen: Sofern Rechtshänder die beiden rechtsseitigen Tasten nicht verwenden möchten und infolgedessen die Tastenabdeckungen abnehmen sowie das entstandene Loch mit der im Lieferumfang enthaltenen Verkleidung versehen, liegen Ring- und kleiner Finger oftmals auf einem unebenen und wackelnden Plastikbalken auf, wodurch die Griffsicherheit weiterhin beeinträchtigt wird. Es sei gleichwohl angemerkt, dass das Empfinden der Haptik selbstverständlich subjektiver Natur ist.

Gefertigt wurde die gänzlich schwarze Omen Photon derweil überwiegend aus mattem, leicht rauem Hartplastik. Während die Zusatztasten aus glänzendem Plastik bestehen, sind die modularen Fingerauflagen mit einer Gummierung versehen. Die haptisch irrelevanten Stellen des Chassis bestehen derweil ebenfalls aus Hartplastik, sind aber deutlich waagerecht geriffelt.

HPs Maus ist ein Photon mit hoher Masse

Das besagte hohe Gewicht von 142 Gramm lässt sich minimal vermindern, wenn auf die beiden Fingerauflagen verzichtet wird, beeinflusst die Gleiteigenschaften der Maus aber auch dann noch spürbar. Das zu steif umwickelte Kabel kann angesichts der intendiert drahtlosen Verwendung der Photon zwar verziehen werden und die Qualität und Dicke der Gleitfüße sind vorbildlich – wenngleich deren Anordnung die Mitte der Maus nicht berücksichtigt –, doch die zumindest beim Fingertip-Grip störend hohe Trägheit kann dadurch nicht kompensiert werden.

Beleuchtung in gut und in zu viel des Guten

Die für ein hochpreisiges Gaming-Produkt nahezu obligatorische Bestückung mit RGB-Leuchtdioden beschränkt HP auf zwei Zonen in Form des Mausrads und des Logos auf dem Rücken der Omen Photon. Die Umsetzung ist dabei sehr gelungen: Die Ausleuchtung ist gleichmäßig und Farben werden akkurat und satt wiedergegeben.

Wesentlich ausladender fällt hingegen die Beleuchtung des Mauspads Omen Outpost aus: Nicht nur das Logo auf dem oberen Gehäuse leuchtet, sondern auch drei Seiten des ohne oberen Rahmen rund 26,5 × 34 Zentimeter großen Mauspads erstrahlen auf Wunsch in hellem, dichtem und farbtreuem Schein. HP hat es jedoch zu gut gemeint, denn jene zweite Beleuchtungsoption steht Anwendern nur zu Verfügung, sofern sie das Mauspad per USB Typ C an den Computer anschließen. Ein USB-Typ-A-Anschluss stellt schlichtweg nicht genug elektrische Leistung zur Verfügung, da die opulente Rahmenillumination mehr als 15 Watt veranschlagt.

Optomechanische Primär- und gespiegelte Zusatztasten

Bei den primären Maustasten setzt HP auf eigene optomechanische Switches. Dabei ist die Idee, mit Lichtschranken statt Metallkontakten Eingabesignale zu erzeugen, an sich nicht neu und derzeit im Kommen: Auch Razers Viper (Test) setzt auf solche Schalter. Abseits einer durch geringere mechanische Abnutzung beworbenen höheren Lebenszeit bieten die Taster laut HP eine schnellere Reaktionszeit von lediglich 0,2 ms.

Geschwindigkeitsvorteile existieren vornehmlich in der Theorie

Auf dem Papier existiert dieser Geschwindigkeitsvorteil aufgrund der durch Nutzung eines optischen Sensors entfallenden Entprellzeit: Herkömmliche mechanische Taster mit Metallkontakten müssen nach der erstmaligen Überbrückung teils einige Millisekunden warten, bis ein konstantes Signal anliegt und somit sichergestellt werden kann, dass der Schalter tatsächlich ausgelöst wurde. Diese Entprellzeit dient vor allem bei Mäusen auch dem Vorbeugen nicht intendierter Doppelklicks.

Da bei optomechanischen Schaltern allerdings eine Lichtschranke und nicht das mechanische Schließen eines Stromkreislaufs als Signalgeber fungiert, entfällt bei den Primärtastern der Omen Photon darüber hinaus die Problematik ungewollter Doppelklicks – zumindest in der Theorie, denn im Rahmen menschlicher Wahrnehmung lassen sich keine konsequent reproduzierbaren Unterschiede feststellen. Das ist bei einer Maus schon durch den Kontaktpunkt der Finger und der Tastenabdeckung bedingt, da Hubweg und Druckpunkt stets unterschiedlich ausfallen. Zudem limitiert bei einer Reaktionszeit von 0,2 ms potentiell die USB-Abtastrate.

Schneller fühlen sich die Tasten trotz der recht niedrigen benötigten Betätigungskraft jedoch nicht an, was auch daran liegt, dass die Abdeckung zumindest im vorderen Bereich nicht direkt auf den Schaltern aufliegt und somit wenige Millimeter Spielraum entstehen, der Klicks mechanisch verzögert.

Gespiegelte Zusatztasten lassen sich entfernen

Auf der Oberseite der Omen Photon finden sich zwei Zusatztasten, die ab Werk der Herab- und Heraufsetzung der Sensorauflösung vorbehalten sind. Beide Flanken der Maus bieten zudem ein weiteres Paar Zusatztasten, wobei sich die zwei linksseitig platzierten Schalter von Rechtshändern nur umständlich betätigen lassen. Gleiches gilt als Linkshänder analog für die rechten Zusatztasten, sodass unter Abzug der Tasten auf dem Mausrücken nur zwei Zusatztasten zur freien Verwendung bleiben. Sinnvoll ist folglich die gegebene Möglichkeit, nicht benötigte Seitentasten zu entfernen und abzudecken. Die Umsetzung dieser Verkleidung ist jedoch – wie bereits beschrieben – unausgegoren.

Das Vier-Wege-Mausrad erscheint indes sowohl taktil als auch deutlich akustisch hörbar gerastert, wobei das Drehen nach vorne respektive in Anwendungen nach oben lauter vonstatten geht, als das Scrollen nach hinten beziehungsweise unten.

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