PocketBook InkPad 3 Pro im Test: Das Topmodell verliert die Scheu vor Wasser

Michael Schäfer 45 Kommentare
PocketBook InkPad 3 Pro im Test: Das Topmodell verliert die Scheu vor Wasser

tl;dr: Mit dem InkPad 3 Pro findet beim Schweizer Reader-Spezialisten PocketBook eine Wachablösung statt. Das neue Topmodell erhält im Vergleich zum normalen InkPad 3 Wasserschutz und Bluetooth, büßt dafür aber die Speichererweiterung per SD-Karte ein. Dennoch kann der E-Book-Reader selbst zum höheren Preis überzeugen.

Bekanntes Design trifft tadellose Verarbeitung

Gestalterisch gibt es auf den ersten Blick zwischen dem mittlerweile rund 20 Monate alten InkPad 3 und der neuen Pro-Variante kaum Unterschiede. Das Design folgt mit dem schlichten Ansatz, den vor allem unten deutlich abgerundeten Ecken und den unter dem Display angebrachten kleinen, aber selbst im Dunkeln gut fühlbaren Bedientasten der bekannten Gestaltungssprache von PocketBook, lediglich die Farben sind von vormals Braun ins Schwarz-Graue gewandert.

InkPad 3 (links) und InkPad 3 Pro (rechts) im Vergleich
InkPad 3 (links) und InkPad 3 Pro (rechts) im Vergleich

Die Verarbeitung zeigt sich erneut auf einem sehr hohen Niveau. Der E-Book-Reader erscheint auch in der neuen Version wie aus einem Guss gefertigt, die einzelnen Komponenten gehen nahtlos ineinander über. Dabei bleiben die Spaltmaße stets gering und weisen keine scharfen Kanten auf. Die Kanten zwischen Display und Gehäuserahmen fallen beim neuen PocketBook-Vertreter geringer als bei der namhaften Konkurrenz aus, sodass hier ein angenehmes Navigieren über den Touchscreen ermöglicht wird.

Auch an anderen Stellen ist deutlich zu erkennen, dass PocketBook beim neuen E-Book-Reader auf die Basis des InkPad 3 zurückgegriffen hat. So befinden sich der Einschaltknopf und der USB-Anschluss am unteren Rand an den vom „kleinen“ Bruder gewohnten Positionen – der Erweiterungs-Slot für Speicherkarten musste dagegen dem Wasserschutz weichen.

Der Kartenslot musste beim InkPad 3 Pro (oben) dem Wasserschutz weichen
Der Kartenslot musste beim InkPad 3 Pro (oben) dem Wasserschutz weichen

Die Maße bleiben mit 136,5 × 195 × 8 mm unverändert, das Gewicht hat sich dagegen trotz neuer Technik noch mal von 225 auf 210 Gramm reduziert. Damit gehört das InkPad 3 Pro wie die normale Variante vor ihm bereits zu den größeren Vertretern seiner Zunft. Für diesen Umstand liegt der Reader jedoch gewohnt griffig in der Hand, wofür auch die von den meisten PocketBook-Geräten bekannte leicht gummierte Rückseite sorgt.

Die leicht gummierte Rückseite des InkPad 3 Pro liefert guten Halt
Die leicht gummierte Rückseite des InkPad 3 Pro liefert guten Halt

Wasserschutz statt SD-Kartenslot

Eine der beiden großen Neuerungen ist der Schutz gegen das Eindringen von Wasser, der das InkPad 3 Pro nun auch badewannentauglich machen soll. Im Gegensatz zum Aqua 2 (Test) aus selbem Hause, bei dem die Öffnung des USB-Anschlusses noch mit einer Lasche verschlossen werden musste, setzt PocketBook beim neuen InkPad auf das mittlerweile bewährte Nano-Coating-Verfahren, bei dem alle elektronischen Bauteile mit einer dünnen Schutzschicht überzogen werden. Dies soll einen Schutz nach IPX8 garantieren, womit der E-Book-Reader ein dauerhaftes Untertauchen in Süßwasser unbeschadet überstehen soll. Der Nachteil gegenüber dem früheren Verfahren: Wird der Reader einmal untergetaucht, dauert es einige Zeit, bis das Wasser das Gehäuse wieder komplett verlassen hat. Früher reichte ein einfaches Abwischen.

PocketBook InkPad 3 Pro PocketBook InkPad 3 Amazon Kindle Oasis 3 Tolino Epos
Betriebssystem: Linux Android
Display: 7,80 Zoll
1.404 × 1.872, 300 ppi
E-Ink Carta, 16 Graustufen, beleuchtet
7,00 Zoll
1.264 × 1.680, 300 ppi
E-Ink Carta, 16 Graustufen, beleuchtet
7,80 Zoll
1.404 × 1.872, 300 ppi
E-Ink Carta, 16 Graustufen, beleuchtet
Blaulichtfilter: Ja
Bedienung: Physische Tasten, Touch Touch
SoC: 1,0 GHz, 2 Kern/e 1,0 GHz, 1 Kern/e
RAM: 1.024 MB ? 512 MB
Interner Speicher: 16 GB
(? verfügbar)
8 GB, erweiterbar
(7,1 GB verfügbar)
8 GB
(? verfügbar)
Variante
32 GB
(26,9 GB verfügbar)
8 GB
(7,1 GB verfügbar)
Konnektivität: Micro-USB 2.0
802.11 b/g/n
Bluetooth: Ja Ja
Mobilfunk:
Variante
4G
Größe (B×H×T): 136,5 × 195,0 × 8,0 mm 141,0 × 159,0 × 8,4 mm 140,0 × 209,0 × 8,2 mm
Gewicht: 225 g 210 g 188 g 260 g
Schutzart: Nanocoating IPX8 Nanocoating
Akku: 1.900 mAh ? 1.200 mAh
Textformate: ACSM, CHM, CBR, CBZ, DJVU, DOC, DOCX, Epub, FB2, FB2.zip, HTM, HTML, Mobi (ungeschützt), PDF, PRC, PRC (nativ), RTF, TCR, TXT DOC, DOCX, Kindle (AZW), Kindle Format 8 (AZW3), Mobi (ungeschützt), PDF, PRC, TXT Epub, PDF, TXT
DRM-Formate: Adobe-DRM E-Pub, Adobe-DRM PDF Kindle (AZW) Adobe-DRM E-Pub, Adobe-DRM PDF
Audio-Formate: MP3, OGG, M4B MP3 Audible Hörbücher
Vorlesefunktion: Text-To-Speech
Preis: ab 232 € ab 198 € ab 229 € / ab 320 € / ab 260 € ab 169 €

Hohe Auflösung und Blaulichtfilter

In Sachen Display-Qualität treten beim InkPad 3 und InkPad 3 Pro keine Unterschiede auf. Wie bereits beim Vorgänger greift PocketBook auch hier auf den Marktführer E-Ink zurück. Mit einer Auflösung von 1.404 × 1.872 Bildpunkten erreicht das Carta-Panel bei einer Display-Größe von 7,8 Zoll wie beim Vorgänger eine Pixeldichte von 300 ppi.

Der Kontrast bei der Darstellung ist sehr gut und auch die maximale Helligkeit fällt mit durchschnittlich 80 cd/m² hoch aus. Es sollte dabei nicht vergessen werden, dass bereits 30 bis 40 cd/m² für ein bequemes Lesen vollkommen ausreichend sind. Zudem muss ein E-Book-Reader im Gegensatz zum immer wieder zum unsinnigen Vergleich herangezogenen Tablet nicht die Umgebungshelligkeit mit der eigenen Leuchtkraft überdecken, um das Dargestellte gut sicht- und lesbar erscheinen zu lassen.

Helligkeitsverteilung des InkPad 3 Pro in cd/m²
93 94 93
80 83 79
66 66 68
Durchschnittshelligkeit: 80 cd/m²
Farbtemperatur: 6.570 Kelvin

Gute Beleuchtung auf Wunsch ohne Blau

Mit an Bord ist auch der mittlerweile zumindest bei den höherpreisigen Lesegeräten obligatorische Blaulichtfilter, der die genannten Farbanteile der Beleuchtung reduzieren soll. Diese stehen nach wie vor im Verdacht, nach dem abendlichen Lesen das Einschlafen zu erschweren. Die Intensität des Filters lässt sich in den Einstellungen manuell justieren, auf Wunsch kann aber der Automatik die Wahl der Blauanteile überlassen werden. Diese wählt aufgrund des weiterhin fehlenden Helligkeitssensors die Farbtemperatur jedoch lediglich anhand der jeweiligen Uhrzeit. Sommer- und Winterzeit sollen dabei zwar berücksichtigt werden, oftmals weichen die eigenen Präferenzen aber deutlich von dem Vorgegebenen ab, sodass manuell korrigiert werden muss. Die Skala der Farbtemperatur erstreckt sich von 6.570 Kelvin bei komplett deaktiviertem Filter bis hin zu 2.260 Kelvin bei vollends eingeschalteter Filterung. Die durchschnittliche Helligkeit bei maximaler Filterung ist mit 66 cd/m² gegenüber dem Vorgänger noch mal angestiegen.

Helligkeitsverteilung des InkPad 3 Pro mit aktiviertem Blaufilter in cd/m²
78 79 80
64 65 68
52 49 55
Durchschnittshelligkeit: 66 cd/m²
Farbtemperatur: 2.260 Kelvin

Das Licht der wie bereits beim Vorgänger unten angebrachten Leuchtdioden wird erneut sehr gleichmäßig verteilt, auch wenn die Beleuchtung im unteren Bereich um rund ein Drittel abfällt. Da die Messungen jedoch stets bei maximaler Leuchtkraft durchgeführt werden, fallen die Unterschiede bei normaler Lesebeleuchtung deutlich geringer aus und sind nicht wahrnehmbar. Lichthöfe am unteren Rand konnten nicht beobachtet werden.

Schach auf dem InkPad 3 Pro
Schach auf dem InkPad 3 Pro

Augenschonende Technik

Da es sich bei E-Book-Readern nicht um eine Hintergrund-, sondern um eine Vordergrundbeleuchtung handelt, bei der das Licht über dem Dargestellten mittels Folie verteilt wird, eignen sich E-Book-Reader deutlich besser für lange Leseabende als Tablets. Die dadurch resultierende indirekte Beleuchtung ähnelt in ihrer Wirkung der eines Buches und einer Leselampe. Bei einem Tablet befindet sich die Leuchtquelle dagegen hinter der Darstellungsebene, womit das Licht direkt auf das Sehorgan trifft. Hinzu kommt die Bildwiederholungsfrequenz, die zwar nicht direkt wahrgenommen wird, aber vom Auge ausgeglichen werden muss – was ebenfalls anstrengt. Beim E-Book-Reader hingegen wird die jeweilige Seite nur einmal aufgebaut und bleibt starr – ähnlich den bekannten Magnetmalspielen.

Sowohl Helligkeit wie auch Ausrichtung des Blaufilters lassen sich nun über Wischgesten am rechten beziehungsweise linken Bildschirmrand einstellen. Dies war zum Test des Vorgängers noch nicht der Fall. PocketBook hat diese Funktion bei anderen Readern per Firmware-Update bereits nachgeliefert.

Auf der nächsten Seite: Quellen, Bibliothek und Lesequalität