RX 5700 (XT) und RTX 2070 Super: PCIe 4.0, neue Treiber und das Fazit

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Wolfgang Andermahr 263 Kommentare

PCIe 4.0 bringt in Spielen nichts

Navi 10 ist die erste GPU, die PCI 4.0 im Consumer-Markt unterstützt. Auf beiden Radeon-RX-5700-Grafikkarten ist die doppelt so schnelle Schnittstelle aktiviert. Allerdings zeigte die Vergangenheit wiederholt, dass die doppelte Bandbreite zwischen Grafikkarte und Prozessor zumindest in Spielen überhaupt keinen bis allenfalls einen minimalen Unterschied ausmacht. Doch gilt das auch für die neue Radeon RX 5700 XT?

Um das zu überprüfen, muss das Testsystem gewechselt werden. Anstatt des Core i9-9900K kommt der AMD Ryzen 9 3900X zum Einsatz, da die Ryzen-3000-Ableger auf Basis von Zen 2 die einzigen CPUs sind, die in Verbindung mit der X570-Plattformen PCIe 4.0 unterstützen. Die Verbindung zwischen CPU und GPU stellt das Asus Crosshair VIII Hero mit dem X570-Chipsatz her.

PCIe 4.0 zeigt auf einer Radeon RX 5700 XT in Spielen wenig verwunderlich noch keine Vorteile gegenüber dem bisherigen PCIe-3.0-Standard. Im Rahmen der Messungenauigkeit schneiden beide Schnittstellen im Durchschnitt sowohl bei der Framerate als auch bei den Frametimes gleich ab.

In den einzelnen Spielen zeigen sich zwar auch einige „größere“ Unterschiede, die Ausschläge finden aber in beide Richtungen statt. Während zum Beispiel in Call of Duty: Black Ops 4 die Frametimes mit PCIe 4.0 noch 3 Prozent besser werden, sind sie in Resident Evil 2 mit PCIe 3.0 3 Prozent besser.

Mit neuen Treibern laufen einige Spiele schneller – und andere langsamer

Im Durchschnitt haben sowohl bei AMD als auch bei Nvidia neue Treiber seit der Markteinführung der neuen Grafikkarten eine minimale Verbesserung erzielt. Die GeForce RTX 2070 Super arbeitet mit dem GeForce 436.48 im Schnitt 1 Prozent schneller als zur Präsentation, die Radeon RX 5700 XT kommt mit dem Adrenalin 19.10.1 ebenfalls auf 1 Prozent. Bei den Frametimes sieht es wie bei den FPS aus. Schaut man sich die Spiele im Einzelnen an, lassen sich größere Unterschiede erkennen.

Die Einzelergebnisse zeigen, dass es mit einem neuen Treiber nicht zwangsweise schneller wird. So läuft Anno 1800 auf der Nvidia-Grafikkarte derzeit zum Beispiel 3 (FPS) bzw. 6 Prozent (Frametimes) langsamer. Der AMD-Ableger hat dagegen in Battlefield V 2 Prozent an FPS und mal eben 14 Prozent an Frametimes verloren. Allerdings zeigen die neuen Treiber in manchen Spielen auch eine bessere Performance.

So sind in Just Cause 4 die Frametimes auf der Radeon RX 5700 XT um 10 Prozent besser geworden, die in Shadow of the Tomb Raider gar um 26 Prozent. In anderen Spielen gibt es ebenfalls ein paar Prozent mehr FPS. Die GeForce RTX 2070 Super hat dagegen in Rage 2 deutlich zugelegt. Die Framerate ist um 8 Prozent gestiegen, die Frametimes um 19 Prozent. Und auch Shadow of the Tomb Raider hat mit neuen Treibern 20 Prozent bessere Frametimes. Letzteres ist übrigens nicht mit einem Spiele-Patch zustande gekommen. AMD und Nvidia haben in dem Spiel schlicht beide einen Sprung nach vorne gemacht.

Schlussworte

AMD betreibt die Referenzkarten der Radeon RX 5700 und der Radeon RX 5700 XT bereits ab Werk deutlich näher am so genannten „Sweet Spot“, als das bei Vega der Fall war. Das hat zur Folge, dass per Undervoltage anders als noch bei der Vorgängergeneration nur noch kleine Fortschritte zu erzielen sind. Anders dagegen sieht es bei Nvidias neue GeForce RTX 2070 Super aus, die auch mit einer deutlich reduzierten Spannung problemlos funktioniert. Dadurch steigt die Geschwindigkeit zwar kaum, die Leistungsaufnahme reduziert sich aber deutlich.

Beim Übertakten gibt es große Unterschiede zwischen den Kandidaten, denn die Radeon RX 5700 wird sehr von AMDs Treiber eingebremst, um die XT nicht zu gefährden. Es ist nur ein moderates Leistungsplus möglich, dadurch steigt aber auch die Leistungsaufnahme lediglich moderat an und der Referenzkühler kommt damit noch klar. Bei der Radeon RX 5700 XT gibt es dagegen quasi keine Restriktionen und Overclocking bringt ein ordentliches Leistungplus von 10 Prozent. Gleichzeitig explodiert allerdings die Leistungsaufnahme, was ein gutes Custom-Design zwar noch irgendwie bändigen kann, die Referenzkarte aber nicht mehr.

Die GeForce RTX 2070 Super FE erlaubt ein vergleichbares Leistungsplus, benötigt dafür aber nicht allzu viel zusätzliche Energie. RDNA kann anders als noch mit Vega zwar vergleichbar hohe Taktraten wie Turing fahren, genehmigt sich für die letztem MHz aber deutlich mehr Energie als die Konkurrenzmodelle von Nvidia.

Die neue GeForce RTX 2070 Super bleibt etwas schneller als die XT
Die neue GeForce RTX 2070 Super bleibt etwas schneller als die XT

PCIe 4.0 bringt keinerlei Vorteile beim Spielen

Bezüglich PCIe 4.0 gibt es wenig Spannendes zu berichten. Kurz gesagt: PCIe 4.0 bringt auf der Radeon RX 5700 XT zumindest aktuell keinerlei Vorteile gegenüber PCIe 3.0. Wer den alten Schnittstellenstandard nutzt, muss sich keine Gedanken um einen Umstieg machen.

Bei der Treiberentwicklung gibt es seit der Vorstellung im Sommer minimale Fortschritte bezüglich der Leistung, was sowohl für AMD als auch für Nvidia gilt. Die Radeon RX 5700 XT und die GeForce RTX 2070 Super legen im Schnitt genau 1 Prozent zu, in einzelnen Spielen sind es auch schon mal deutlich mehr (oder weniger).

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