Im Test vor 15 Jahren: Der Pentium M machte dem Pentium 4 die Hölle heiß

Robert McHardy 97 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Der Pentium M machte dem Pentium 4 die Hölle heiß

tl;dr: Intels Pentium-4-Prozessoren waren für hohen Stromverbrauch und Wärmeentwicklung verschrien, die mobile CPU Intel Pentium M (Test) basierte hingegen auf dem sparsamen Pentium III. Im November 2004 brachte AOpen den Pentium M mit dem Mainboard i855GMEm-LFS in Desktop-Systeme und machte dem Pentium 4 die Hölle heiß.

Pentium 3 als Grundlage

Der Pentium M wurde auf Grundlage der P6-Architektur des Pentium III entwickelt und zusätzlich um einige Features des Pentium 4 sowie Stromsparfunktionen erweitert. Die Entwicklung des Pentium M erfolgte unter der Prämisse „bestmögliche Leistung bei gegebener Leistungsaufnahme“. Die zweite Generation mit dem Codenamen Dothan verfügte gegenüber den älteren Banias-CPUs über einige Verbesserungen.

So war der L2-Cache mit 2 MByte in der Größe verdoppelt worden. Dank moderner 90-nm-Fertigung passten auf die nahezu identische Fläche 140 statt 77 Millionen Transistoren, der Prozessortakt wurde gesteigert und die Betriebsspannung gesenkt. Dadurch sank auch die Stromaufnahme: Den 24,5 Watt bei einem Pentium M (Banias) mit 1,7 GHz standen 21 Watt beim Pentium M (Dothan) mit 2 GHz gegenüber. All diese Eigenschaften brachten dem Pentium M im Mobilfeld viel Lob für die hohe Leistung und den niedrigen Energiebedarf ein.

Intels Pentium-M-Serie (ohne Low- und Ultra-Low-Voltage-Modelle)
Modell Intel Pentium M
(Banias)
Intel Celeron M
(Banias)
Intel Pentium M
(Dothan)
Intel Celeron M
(Dothan)
Sockel 479
Taktfrequenz 1,3–1,7 GHz 1,2–1,5 GHz 1,5–2,0 GHz 1,3–1,4 GHz
Frontside-Bus 400 MHz
Fertigungsprozess 130 nm 90 nm
Transistoren 77 Millionen 77 Millionen* 140 Millionen 140 Millionen*
CPU-Kern Banias Dothan
DIE-Größe 82,8 mm² 82,8 mm²* 83,6 mm² 83,6 mm²*
L1-Cache 2 × 32 KByte
L2-Cache 1 MByte 512 KByte 2 MByte 1 MByte
VCore 1,388–1,484 Volt 1,356 Volt 1,276–1,340 Volt 1,260 Volt
Speedstep Ja Nein Ja Nein
* Nicht komplett genutzt, da teilweise deaktiviert

Magere Ausstattung bei hoher Leistung

Da Intel die Prozessoren lediglich für mobile Rechner vorgesehen hatte, konnten Desktop-Anwender keinen Nutzen daraus ziehen. Der Hersteller AOpen nahm sich mit dem i855GMEm-LFS im November 2004 dieses Problems an und stellte ein Mainboard mit Sockel 479 vor, das den Pentium M in Desktop-Computern nutzbar machte. Dieses setzte auf den Intel-855GME-Chipsatz, der aufgrund der Herkunft aus dem Mobilbereich zahlreiche aktuelle Technologien wie SATA, PCI Express und DDR2 noch nicht unterstützte. Im Vergleich zu damals aktuellen Desktop-Chipsätzen mit bis zu 8,5 GByte/s waren die maximal erreichbaren 3,7 GByte/s Speicherbandbreite durch DDR333 im Single-Channel-Modus eher mager.

In den Benchmarks machte der Pentium M mit 855GME doch einen ordentlichen Eindruck. Der getestete Pentium M mit 2,0 GHz lag über alle Benchmarks gemittelt lediglich 20 Prozent hinter AMDs Flaggschiff, dem Athlon FX-55. Gegenüber dem mit 3,8 GHz getakteten Pentium 4 570J betrug der Rückstand sogar nur 18 Prozent. Durch eine Erhöhung des Front-Side-Bus-Taktes von 400 auf 480 MHz konnte die CPU problemlos auf 2,4 GHz übertaktet werde, wodurch der Rückstand weiter schrumpfte. Lediglich 8 respektive 6 Prozent lag der Pentium M mit 2,4 GHz hinter dem Athlon FX-55 beziehungsweise Pentium 4 570J.

Noch interessanter war die Leistung in Spielen. Mit 2,4 GHz getaktet, lag der Pentium M hier 10 Prozent vor dem Pentium 4 570J und lediglich 4 Prozent hinter dem FX-55. Mit dem Standardtakt von 2,0 GHz reichte es immerhin noch, um den 3,4 GHz schnellen Pentium 4 550 zu überholen.

Insgesamt war der Pentium M damit aufgrund der hohen Leistung und des niedrigeren Energiebedarfs hochinteressant. Für das 2,0-GHz-Modell rief Intel einen Preis von 423 US-Dollar aus, etwa so viel wie für einen Pentium 4 mit 3,6 GHz. Beim Pentium M mussten allerdings noch die hohen Kosten für ein passendes Mainboard einberechnet werden. Das getestete Modell von AOpen kostete etwa im November 2004 rund 230 Euro. Dadurch wurde vor allem der AMD Athlon 3500+ attraktiv, der nicht nur 10 Prozent schneller, sondern auch rund 100 Euro günstiger war. Mit dem Pentium M im Desktop machte sich Intel im Endeffekt somit selbst Konkurrenz – was wohl auch einer der Gründe war, wieso der Prozessor lediglich für Notebooks vorgesehen war.

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