12 True-Wireless-Kopfhörer im Test: Creative Outlier Gold

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Frank Hüber 182 Kommentare

Der Lieferumfang der Creative Outlier Gold, die für etwas unter 100 Euro im Handel erhältlich sind, besteht aus den beiden Ohrhörern, einem goldenen Ladecase, einem USB-C-Ladekabel und vier Silikon-Ohr-Einsätzen (2 × M und 2 × S). Das Ladecase öffnet sich nicht wie bei der Konkurrenz mit einer Klappe nach oben, sondern wird seitlich aufgeschoben und ist vergleichsweise groß – für das Mitführen in der Hosentasche zu groß. An der rechten Seite sind vier LEDs platziert, die den Ladestand der Ohrhörer und des Cases anzeigen. Auch die Outlier Gold schalten sich beim Entnehmen automatisch ein und beim Zurücklegen in das Ladecase aus. Kabellos kann letzteres nicht geladen werden. Die Einsätze für die Ohrhörer weisen etwas zu viel Spiel auf, weshalb der Nutzer darauf achten sollte, ob nach dem Einlegen tatsächlich beide Ohrhörer geladen werden.

Die Ohrhörer selbst sind ebenfalls mit einem goldenen Gehäuse versehen, das sich um die zentrale schwarze Taste mit LED-Ring anfügt. Der LED-Ring leuchtet je nach Status der Ohrhörer rot oder blau oder blinkt. Mit IPX5-Zertifizierung sind die Ohrhörer gegen Schweiß und Regen geschützt. Zusammen wiegen sie rund 12 Gramm.

Nach der Entnahme des Ohrhörers startet automatisch der Kopplungsprozess, wobei zunächst nur ein Ohrhörer verbunden wird. Ein Popup fragt daraufhin, ob der zweite Ohrhörer ebenfalls gekoppelt werden soll. Durch ein dreisekündiges Drücken auf einen der Ohrhörer können die Outlier Gold später auch mit einem anderen Gerät gekoppelt werden.

Tasten statt Touch-Flächen zur Steuerung

Die Steuerung der Musikwiedergabe, von Anrufen und eines etwaigen Sprachassistenten erfolgt über die Taste auf beiden Ohrhörern. Creative hat sich gegen Touch-Flächen entschieden und setzt auf richtige Tasten, was den Vorteil hat, dass versehentliche Eingaben komplett ausgeschlossen sind. Gleichsam ist der Widerstand der Taste auf den Ohrhörern vergleichsweise hoch, weshalb die Ohrhörer bei der Bedienung immer leicht bewegt werden oder mit dem Mittelfinger und Daumen festgehalten werden, während man die Taste mit dem Zeigefinger drückt.

Zum Einschalten muss einer der beiden für rund eine Sekunde gedrückt werden. Zum Starten und Pausieren der Wiedergabe durch ein kurzes Drücken können ebenfalls beide Ohrhörer genutzt werden. Ein zweimaliges Drücken auf den rechten Ohrhörer springt einen Track vor, auf den linken einen Track zurück. Um die Lautstärke zu erhöhen, muss die Taste auf dem rechten Ohrhörer gedrückt und gehalten werden, zum Verringern auf dem linken. Zweimaliges Drücken auf den Haupt-Ohrhörer – derjenige, der beim Koppeln mit dem Smartphone zuerst verbunden wurde – startet bei pausierter Musikwiedergabe Siri oder den Google Assistant.

Die Outlier Gold verfügen über einen 5,6 mm großen Neodymium-Treiber im Ohrhörer, der einen Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz bietet. Bei den Audio-Codecs unterstützt Creative nicht nur den verlustbehafteten, lizenzfreien SBC („Low Complexity Subband Codec“), sondern auch aptX und AAC, so dass sowohl Nutzer von Android als auch iOS von einer besseren Audioübertragung über Bluetooth profitieren können. Beide Ohrhörer bieten ein omnidirektionales Mikrofon, was beim Telefonieren für eine sehr gute Sprachqualität beim Gesprächspartner sorgt. Beeindruckend ist die Akkulaufzeit der Creative Outlier Gold, denn die Ohrhörer halten problemlos die beworbenen 14 Stunden durch und das Ladecase bietet noch einmal Reserven für zusätzlich fast 25 Stunden. Der Akku in den Ohrhörern weist eine Kapazität von 80 mAh auf, das Ladecase bietet insgesamt 450 mAh – das Laden ist allerdings verlustbehaftet. Das Aufladen leerer Ohrhörer im Case dauert rund zwei Stunden. Ein Schnellladen bieten die Outlier Gold nicht.

Beide Ohrhörer können auch einzeln genutzt werden, wenn nur einer aus dem Ladecase entnommen wird, wobei jedoch die Bedienung etwa beim Skippen von Tracks eingeschränkt ist. Da Musik auf jedem Hörer gestartet und pausiert werden kann, ist dies auch bei der Nutzung nur eines der beiden Ohrhörer problemlos möglich.

Software Super X-Fi für die In-Ears

Die Creative Outlier Gold unterstützen die Software Super X-Fi, was sich allerdings auf lokale Audio-Dateien beschränkt. Streamingdienste wie Spotify oder YouTube können von der Technologie somit nicht profitieren, was ihre Verwendung auf dem Outlier Gold im Alltag deutlich einschränkt. Durch Super X-Fi soll mit Kopfhörern ein 3D-Audio-Erlebnis mit räumlicher Hörerfahrung realisiert werden, das sonst nur mit mehreren Lautsprechern in einem Raum erzeugt werden kann. Hierfür werden von dem Gesicht und Ohr des Nutzers vor der Nutzung mit dem Smartphone Fotos gemacht, die in einem Kartographierungsprozess mit einem Algorithmus den gewünschten räumlichen Klang an jeden Nutzer und seine persönlichen körperlichen Eigenschaften individuell anpassen. Die Messdaten werden in eine multidimensionale Karte der gewünschten Raumakustik umgesetzt. Um dies auf dem Outlier Gold zu nutzen, muss die Super-X-FI-App von Creative installiert und als Musikplayer genutzt werden. Lokal gespeicherte Musik kann mit der App durchsucht und wiedergegeben werden.

Wie schon in den anderen Tests zu Super X-Fi können einzelne Lieder und Genres von der gewonnenen Räumlichkeit profitieren, allerdings wird durch Super X-Fi immer auch etwa der Charakter der Musikstücke verändert, da Höhen oder Tiefen angepasst werden.

Fester Halt überträgt Körpergeräusche ins Ohr

Die Creative Outlier Gold sitzen auch ohne Ear-Wings sehr fest im Ohr, da sie sich durch ihre geschwungene Form sehr gut in den Gehörgang einpassen. Hierdurch entsteht das für In-Ears typische leichte Druckgefühl – den Eindruck, dass die Ohrhörer jeden Moment herausfallen würden, hat man so aber nicht. Auch wenn sie ähnlich wie die Skullcandy Sesh und EarFun Free geformt sind, sitzen sie aufgrund ihrer Größe nicht so angenehm und leicht im Ohr. Durch ihre Form können sie im Winter auch problemlos unter Mützen getragen werden.

Tragekomfort der Creative Outlier Gold
Tragekomfort der Creative Outlier Gold

Als größtes Manko im Test erwies sich jedoch, dass jede Bewegung und jeder Schritt sich auf die Ohrhörer übertragen hat und so für Geräusche im Ohr sorgt. Dies ist von der persönlichen Passform abhängig, im Test bilden die Creative Outlier Gold hier allerdings eine negative Ausnahme.

Im Test wurden die größeren Ohreinsätze (M) gewählt, da sie eine etwas bessere Abdichtung erzielten. Schon ohne Musik ist die Abschirmung nach außen hoch, man nimmt diese aber noch gedämpft wahr. Bei der Musikwiedergabe wird die Umgebung dann ausgeschlossen und man bekommt umgebende Gespräche beispielsweise nicht mehr mit.

Mit der beste Klang im Testfeld

Das Klangbild der Creative Outlier Gold ist für heutige Verhältnisse sehr ausgewogen und legt keinen übermäßigen Fokus auf den Bass, sondern präsentiert sich vergleichsweise hell und sehr klar. Angst, dass einzelne Aspekte im Brei untergehen, muss man bei den Outlier Gold nicht haben. Die Höhen überzeugen dabei selbst bei hoher Lautstärke und bieten eine hohe Dynamik. Bei den Bässen übertreibt es Creative nicht und setzt auf eine klare Wiedergabe statt auf dumpfes Dröhnen. Bei sehr tiefen Frequenzen fehlt es jedoch ein wenig an Präzision und Druck, hier könnte der Bass etwas stärker auffahren. Insgesamt bieten die Creative Outlier Gold für drahtlose In-Ears einen sehr guten Klang.

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