Septor 2020.1: Debian-Derivat mit Tor und Proxy für mehr Datenschutz

Sven Bauduin 48 Kommentare
Septor 2020.1: Debian-Derivat mit Tor und Proxy für mehr Datenschutz
Bild: Septor

Die Linux-Distribution Septor möchte durch den Einsatz von Tor Browser, Proxy-Server und angepassten Anwendungen mehr Anonymität bieten. Das Betriebssystem setzt auf einen Unterbau aus Debian GNU/Linux und der Desktop-Umgebung KDE Plasma 5. Mit Septor 2020.1 veröffentlicht das Projekt nun ihr erstes Release für das Jahr 2020.

Die Macher des Derivates – welches auf dem „Testing“-Zweig von Debian basiert – bezeichnen ihre Distribution selbst als „alltagstaugliches gehärtetes Debian-Derivat“ und möchten vor allem Anwender ansprechen, die sich eine sichere Kommunikations- und Internetumgebung wünschen, sich die Konfiguration eines Proxy-Servers sowie des Tor Browsers und des Tor-Clients nicht selber zutrauen oder den Zeitaufwand scheuen. Damit geht das vergleichsweise junge Projekt einen ähnlichen Weg wie die Entwickler von Tails, welche ihr Betriebssystem ebenfalls mit dem Fokus auf Anonymität und Privatsphäre ausrichten.

Tor-Client, Tor Browser und Proxy-Server

Um ein Höchstmaß an Datenschutz und Anonymität im Netz gewährleisten und dem Anwender Arbeit abzunehmen, verfügt Septor 2020.1 sowohl als Live-Medium als auch als installiertes Betriebssystem über einen fertig konfigurierten Tor-Client sowie den auf Mozilla Firefox basierenden Tor Browser, über den der gesamte Internetverkehr weitestgehend anonym über das Tor-Netzwerk geleitet wird. Der Tor-Client kann eine Vielzahl an TCP-Verbindungen wie beispielsweise das Surfen im Internet mittels Webbrowser, Instant Messaging, IRC-Chats, SSH-Dateitransfers, E-Mail-Korrespondenz sowie P2P-Dienste vor allzu neugierigen Blicken schützen.

Neben der Tor-Infrastruktur nutzt die Distribution zusätzlich den Proxy-Server Privoxy als HTTP-Filter, welcher den ausgehenden HTTP-Verkehr auf den Aufruf unerwünschter Inhalte und Informationen untersucht, die zum Beispiel der Browser über sein System preisgibt und den Benutzer verfolgbar und identifizierbar machen. Der eingehende HTTP-Verkehr wird ebenfalls auf unerwünschte Inhalte untersucht, die im Anschluss gefiltert werden können. Zur Erkennung unerwünschter Inhalte werden Quelltexte und Adressen dazu von Privoxy auf typische Merkmale untersucht. Zudem können gefährliche oder störende Skripts geblockt werden.

Anonymität für Filesharing und Instant Messaging

Da Septor 2020.1 auf Debian 10 („Buster“) basiert, stehen dem Betriebssystem die insgesamt rund 57.000 Pakete der offiziellen Debian-Repositories zur Verfügung, womit die Distribution alle nötigen Anwendungen für den täglichen Betrieb mitbringt. Neben Office- und Multimedia-Anwendungen bietet das System aber auch Programme die dem Grundkonzept von Septor folgen und auf größtmögliche Anonymität und Datenschutz ausgelegt sind. Zu diesem Zwecke setzt die Distribution auf OnionShare für ein weitestgehend anonymisiertes Filesharing über das Tor-Netzwerk und den anonymen Instant-Messanger Ricochet.

Das rund 2 GB große und auf AMD64 optimierte Abbild von Septor 2020.1 (ISO) kommt mit dem Linux Kernel 5.3.9 und – typisch für den Debian „Testing“-Zweig – aktuellen Paketen daher. Die Desktop-Umgebung KDE Plasma 5 liegt in der Version 5.14.5.1 vor. Alle Neuerungen des Betriebssystems können den offiziellen Release Notes entnommen werden.