Intels Sechs-Kern-NUC im Test: So klein und doch so schnell

Volker Rißka 110 Kommentare
Intels Sechs-Kern-NUC im Test: So klein und doch so schnell

tl;dr: Intel rückt mit der NUC10-Familie in gleich 20 verschiedenen Varianten in neue Marktbereiche vor. Das Flaggschiff mit Sechs-Kern-Prozessor bietet Leistung, die der eines Desktop-PCs entspricht. Moderne Anschlüsse runden die Ausstattung ab, doch der voll ausgestattete kleine Computer ist dann alles außer günstig.

Im Mini-PC-Markt sind Systeme auf Basis von Intels NUC-Formfaktor (Next Unit of Computing) das Maß der Dinge – und das bereits seit Jahren. In vielen Büros sind die kleinen Rechner zu finden, die statt der klassisch bekannten silbernen Alu-Aufmachung zuletzt immer dunkler geworden sind. Geblieben sind jedoch der Fingerabdruck anziehende Deckel und eine Vielfalt an Anschlüssen.

Die wesentlichen Änderungen liegen bei der 10. Generation im Inneren. ComputerBase wirft einen detaillierten Blick auf das Flaggschiff NUC 10 Performance Kit NUC10i7FNH und geht dabei auch auf die weiteren (langsameren) Modelle ein.

Das NUC-Portfolio ist gewaltig angewachsen

Hinter Frost Canyon verbirgt sich nicht nur ein Modell, sondern mehrere. Auf den ersten Blick sind es sogar richtig viele – Intel listet im Support-Bereich 20 Produkte. Der Grund: neben den obligatorischen Abstufungen beim Prozessor in Form eines Core i7, Core i5 oder Core i3 bietet Intel die Mini-PCs fortan bereits ab Werk ebenfalls als komplett ausgestattete Varianten an, in einigen Fällen sogar inklusive Windows 10. Voll ausgestattet heißt bei einem NUC, dass RAM sowie Massenspeicher verbaut sind und dem Start direkt nach dem Auspacken nichts im Weg steht. Doch zugrunde liegen allen NUCs noch immer zwei Chassis und drei Prozessoren – der Rest ist eine Ausstattungsfrage bei RAM und SSD/HDD zuzüglich Betriebssystem.

Die zwei Chassis unterscheiden sich nicht in der Grundfläche, sondern in ihrer Bauhöhe: 117 × 112 × 38 mm zu 117 × 112 × 51 mm. Letzteres Modell kann neben einer M.2-SSD zusätzlich eine 7 mm hohe, klassische 2,5-Zoll-Festplatte beziehungsweise -SSD aufnehmen, die via SATA angeschlossen wird. Exakt diese Vielfalt wird gern gekauft, erklärte Intel, das Testmodell ist heute entsprechend solch eine Variante.

Intel Comet Lake-U im NUC

Die Mainstream-Serie hat mit Frost Canyon erstmals sechs Kerne zu bieten. Die Entwicklung hat hier in den letzten Jahren große Sprünge gemacht, denn sie folgt der U-Serie: Jahrelang waren Dual-Core-Prozessoren dort das Maß der Dinge, erst der Refresh von Kaby Lake-U brachte 2017 vier Kerne in die TDP-Klasse von 15 Watt. Zwei Jahre später folgen mit Comet Lake-U erstmals sechs Kerne.

Weiterhin in 14 nm und nicht 10 nm gefertigt, sind die Comet Lake-U noch einmal eine Weiterentwicklung der Skylake-Architektur. Im Herzen identisch, wurde an der 2015 bereits vorgestellten Basisvariante in den vergangenen Jahren so viel gefeilt, dass sie noch 2020 konkurrenzfähig sein soll. Bisher gelang das, denn Mitbewerber AMD hatte den Fokus zunächst auf Desktop und Server gelegt, erst jetzt widmet sich der Hersteller dem NUC-Segment. Doch bis es vor allem im Handel zum Duell AMD Renoir gegen Intel Comet Lake-U kommt, werden noch Wochen und Monate vergehen – und damit ist nur das Notebook gemeint. Im Mini-PC-Bereich steht Intel ohnehin fast als alleiniger Anbieter da – einzelne Ausnahmen bestätigen die Regel.

Sechs Kerne als Aushängeschild

Comet Lake ist somit das Stichwort für Frost Canyon, denn alle NUC der 10er-Serie setzen auf einen entsprechenden Prozessor aus der „10th Gen Core“. Damit ist aber immer Comet Lake gemeint und nie Ice Lake, das ebenfalls Bezeichnung Core i-1000 trägt. Diese hatte Intel gegenüber ComputerBase für einen NUC-Einsatz verneint, dort wird direkt auf Tiger Lake gewartet.

Von den vier möglichen Core-Modellen des Comet-Lake-U-Portfolios setzen die NUC auf drei: einen mit sechs, einen mit vier und einen mit zwei Kernen. Lediglich der Core i7 mit vier Kernen wird nicht genutzt, denn er bietet primär nur mehr Takt als der Core i5.

Intel Comet Lake-U (15 Watt, UHD Graphics)
Modell Kerne/
Threads
Takt
Basis/Turbo
L3-Cache Grafik GPU-Takt max. Speicher TDP configTDP
(up)
Preis
Core i7-10710U 6 / 12 1,1 / 4,7 GHz 12 MB UHD 620 300 / 1.150 MHz LPDDR4-2933 /
DDR4-2666
15 W 25 W $ 443
Core i7-10510U 4 / 8 1,8 / 4,9 GHz 8 MB UHD 620 300 / 1.150 MHz LPDDR4-2933 /
DDR4-2666
15 W 25 W $ 409
Core i5-10210U 4 / 8 1,6 / 4,2 GHz 6 MB UHD 620 300 / 1.100 MHz LPDDR4-2933 /
DDR4-2666
15 W 25 W $ 297
Core i3-10110U 2 / 4 2,1 / 4,1 GHz 4 MB UHD 620* 300 / 1.000 MHz LPDDR4-2933 /
DDR4-2666
15 W 25 W $ 281
* nur 23 statt 24 EUs aktiviert

Im NUC immer mit mindestens 25 Watt unterwegs

Intels U-Prozessoren bieten immer eine konfigurierbare TDP, oft nach oben, aber teils auch nach unten. Dies nutzt Intel im NUC aus: Alle CPUs werden hier nicht mit 15, sondern 25 Watt betrieben – auf dem Papier. Im realen Alltag sind es jedoch noch mehr. Dies hat Auswirkungen auf den Takt, denn bei Intel definiert sich dieser über die TDP. Letztere ist der Garant nur für den Basistakt, der speziell beim Sechs-Kern-Prozessor sehr niedrig ausfällt. Wie sich das auswirkt, wird ComputerBase in einem Test ermitteln.

Weitere Ausstattung der Mini-PCs

Mit dem Wechsel auf die neuen SoCs erfolgt zudem ein kleiner Wandel zu mehr und schnellerem Arbeitsspeicher, denn Frost Canyon unterstützt erstmals bis zu 64 GB RAM DDR4-2.666 in den üblichen zwei SO-DIMM-Slots. Bisher waren DDR4-2400 und maximal 32 GByte die Regel, die erhöhte Kapazität wurde zuletzt durch aktualisierte Spezifikationen zusätzlich für ältere Modelle freigegeben.

Intel NUC10 im Test
Intel NUC10 im Test

Einmal Thunderbolt 3 über Titan Ridge

In den kleinen PC-Systemen kommen erstmals ein WLAN-ax-Modul (Intel AX200) für Wi-Fi-6-Netze (WLAN 802.11ax) und Bluetooth 5.0 zum Einsatz. Darüber hinaus gibt es einen Thunderbolt-3-Anschluss (USB Typ C) über den Titan-Ridge-Controller und damit inklusive DisplayPort 1.4 sowie USB 3.2 Gen 2 a.k.a. USB 3.1 Gen 2 mit 10 Gbit/s.

Ein Blick auf die zweite Ebene mit PCB und RAM, das 2,5-Zoll-Laufwerk findet darüber Platz
Ein Blick auf die zweite Ebene mit PCB und RAM, das 2,5-Zoll-Laufwerk findet darüber Platz

Die weitere Ausstattung umfasst die für die NUC-Serie üblichen Anschlüsse drei weitere USB-3.2-Gen-2-Ports mit 10 Gbit/s (3 × USB Typ A, 1 × USB Typ C inkl. DisplayPort 1.4) und einmal HDMI 2.0b. Hinzu kommen ein obligatorischer Gigabit-LAN-Port (Intel i219-V), ein SDXC-Kartenleser und ein Infrarotsensor. Für Speichermedien bietet Frost Canyon einen M.2-Slot mit maximaler Anbindung (PCIe 3.0 x4 mit NVMe und SATA), der SSDs mit bis zu 80 mm Länge (M.2 2280) aufnimmt.

Auf der nächsten Seite: Der NUC im Alltag