Im Test vor 15 Jahren: Die Pentium 4 der 600-Serie boten Features satt

Robert McHardy 65 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Die Pentium 4 der 600-Serie boten Features satt

tl;dr: Bevor Intel erste Mehrkernprozessoren im Desktop vorstellte, hielten mit dem Pentium 4 der 600er-Serie (Test) 64-Bit-Unterstützung, Enhanced Intel Speed Step (EIST) und 2 MByte L2-Cache Einzug. Damit zog Intel in puncto Features mit AMD gleich, dafür mussten Kunden aber auch tief in die Tasche greifen.

Extreme Edition glich sich an

Mit dem Pentium 4 der 600er-Serie änderte Intel einiges am bisherigen Vorgehen sowie der Architektur. Statt für herkömmliche Pentium-4-Prozessoren und deren Extreme-Edition-Ableger unterschiedliche Architekturen zu verwenden, setzten beide ab dieser Serie auf den gleichen Kern. Der die Extreme Edition auszeichnende L3-Cache fiel somit weg, dafür fiel der L2-Cache mit 2.048 kByte doppelt so groß aus. Gegenüber dem Northwood 2M, der die Basis für die alte Extreme Edition stellte, verdoppelte sich ebenfalls der L1-Cache.

Die Unterschiede zwischen den normalen Modellen und der Extreme Edition waren innerhalb der 600er-Reihe gering. Während das Topmodell mit 1.066 MHz den schnelleren Front Side Bus (FSB) bot, musste er im Gegenzug auf Features wie Enhanced Intel Speed Step und Enhanced Halt State (C1E) verzichten. Beide Stromsparmechanismen beruhten auf der Anpassung des Taktes über den Multiplikator. Da bei der Extreme Edition aber der volle Takt mit dem niedrigsten Multiplikator anlag, konnten die Features hier nicht genutzt werden. Bei den herkömmlichen Pentium-4-600-CPUs wurde durch C1E im Idle der Takt auf 2,8 GHz abgesenkt, während EIST den Takt intelligent unter Last regeln konnte. Einige neue Features erhielt die Extreme Edition aber doch: Im Vergleich zum Vorgänger konnte der Prozessor nun mit SSE3, dem No-Execution-Bit, 64-Bit-Unterstützung und verbessertem Hyper-Threading aufwarten.

Die Prozessoren im Überblick
Merkmale Pentium 4 6xx
(Extreme
Edition)
Pentium 4 Pentium 4
Extreme
Edition
Athlon XP Athlon 64 (FX)
Kern Prescott 2M Prescott Northwood 2M Thoroughbred
Barton
Clawhammer
Clawhammer-512
Newcastle
Frontside-Bus 800 MHz QDR
1066 MHz QDR
533 MHz QDR
800 MHz QDR
800 MHz QDR
1066 MHz QDR
266 MHz DDR
333 MHz DDR
400 MHz DDR
entfällt (externe
Anbindung über
HyperTransport)
Fertigung 90 nm 130 nm
Sockel Sockel 775 Sockel 478
Sockel 775
Sockel A Sockel 754
Sockel 940 (FX)
Sockel 939
Taktrate oder
Modellnummer
800 MHz QDR
630 HT+
640 HT+
650 HT+
660 HT+

1066 MHz QDR
3733 MHz HT+

HT+: Verbessertes
Hyper-Threading
533 MHz (S478)
2400 MHz A
2800 MHz A

800 MHz (S478)
2800 MHz E HT+
3000 MHz E HT+
3200 MHz E HT+
3400 MHz E HT+

800 MHz (S775)
520 HT+
530 HT+
540 HT+
550 HT+
560 HT+

HT+: Verbessertes
Hyper-Threading
800 MHz (S478)
3200 MHz HT
3400 MHz HT

800 MHz (S775)
3400 MHz HT

1066 MHz (S775)
3466 MHz HT

HT: Hyper-
Threading
266 MHz DDR
1800+
1900+
2000+
2100+
2200+
2400+
2600+

333 MHz DDR
2600+
2700+
2800+

333 MHz DDR
2500+
2600+
2800+
3000+

400 MHz DDR
3000+
3200+
Athlon 64 (S754):
2800+
3000+
3200+
3400+
3700+

Athlon 64 (S940):
FX-51
FX-53

Athlon 64 (S939)
3500+
3800+
4000+
FX-53
FX-55

512 kByte
L2-Cache

512 kByte
L2-Cache und
ausschl.
Newcastle
Transistoren 169 Mio. 125 Mio. 169 Mio. 37,5 Mio. (Tho.)
54,3 Mio. (Bar.)
68.5 Mio. (NewC.)
105.9 Mio.
DIE-Size 135 mm² 112 mm² 240 mm² 80 mm² ("Tho A")
84 mm² ("Tho B")
101 mm² (Bar.)
144 mm² (NewC.)
193 mm²
L1-Execution-Cache 12.000 µ-Ops 64 kByte
L1-Daten-Cache 16 kByte 8 kByte 64 kByte
L1-Takt CPU-Takt
L2-Cache 2.048 kByte 1.024 kByte 512 kByte 256 kByte (Tho.)
512 kByte (Bar.)
512 kByte
1.024 kByte
L2-Anbindung 256 Bit 64 Bit 128 Bit
L2-Cache-Takt CPU-Takt
L2-Modus L1 inclusive L1 exclusive
L3-Cache 2048 kByte
L3-Cache-Takt CPU-Takt
L3-Modus L2 inclusive
HW Data Prefetching Ja
VCore
(Je nach Modell)
1,250V
1,275V
1,300V
1,325V
1,350V
1,375V
1,400V
1,400V
1,475V
1,500V
1,525V
1,550V
1,575V
1,600V
1,50V
1,60V
1,65V
1,50V
Befehlssätze MMX
SSE
SSE2
SSE3
MMX
SSE
SSE2
MMX
3DNow!
3DNow!+
SSE
MMX
3DNow!
3DNow!+
SSE
SSE2
Temperatur Diode Ja
Energiesparfunktion Enhanced
SpeedStep, C1E
(Nur 6xx)
C1E (Nur 5xxJ) Cool'n'Quiet
NX-Bit (Win XP SP2) Ja Ja (Nur 5xxJ) Ja
AMD64/EM64T Ja Ja
Multiprozessor-fähig Nein
CPU-Architektur 31-stufige
Pipeline
20-stufige
Pipeline
15-stufige (FPU)
10-stufige (ALU)
Pipeline
17-stufige (FPU)
12-stufige (ALU)
Pipeline

Es kam auf den Anwendungszweck an

In den Benchmarks konnten die Prozessoren eine gute Leistung abliefern. Der neue Pentium 4 Extreme Edition war so im Durchschnitt zwei Prozent schneller als sein Vorgänger, wobei der Takt mit 3,73 zu 3,46 GHz auch erheblich höher ausfiel. Der normale Pentium 4 konnte sich in Form des Modells 660 knapp dahinter setzen und büßte lediglich drei Prozent Leistung ein. An die Geschwindigkeit von AMDs Topmodell Athlon FX-55 kamen beide CPUs allerdings insgesamt nicht heran.

In einigen Disziplinen dominierten die Intel-Prozessoren dank ihres Hyper-Threadings dennoch. In Office- und Internet-Anwendungen war Intels Topmodell beispielsweise sechs Prozent und beim Enkodieren und Packen vier Prozent schneller. Die AMD-Paradedisziplin waren Spiele. Selbst ein AMD Athlon 64 3500+ mit lediglich 2,2 GHz konnte hier Intels Extreme Edition mit 3,73 GHz um zwei Prozent schlagen. Der Athlon FX-55 lag sogar 16 Prozent vor Intels schnellstem Prozessor.

Dementsprechend mussten Interessenten sich überlegen, wie ihr Anwendungsszenario aussah. Wer viel spielte, für den konnte quasi nur ein AMD Athlon 64 die richtige Wahl sein. Alle anderen konnten im Zweifel auch auf einen Intel-Chip setzen.

In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:

Noch mehr Inhalte dieser Art und viele weitere Berichte und Anekdoten finden sich in der Retro-Ecke im Forum von ComputerBase.