Acclaims Spiele-Marketing: Niemand hat sich Turok genannt

Max Doll 46 Kommentare
Acclaims Spiele-Marketing: Niemand hat sich Turok genannt
Bild: Nightdive Studios

500 britische Pfund, eine Xbox Classic und eine Kopie des Shooters Turok: Evolution bot Publisher Acclaim im Jahr 2002 fünf Menschen an. Im Gegenzug sollten sie ihren Namen ändern und für mindestens zwölf Monate wie die Spielefigur als „Turok“ durch die Gegend laufen. Die Aktion war allerdings ein Luftschloss.

Jahre nach der Insolvenz des Publisher wollte VG247 herausfinden, welche Erlebnisse die fünf Personen nach ihrer Namensänderung hatten. Obwohl Acclaim 2002 behauptete, dass es mehr als 6.000 Bewerber gegeben habe und tatsächlich fünf ausgewählt und bezahlt worden seien, ließ sich in den Nationalarchiven Großbritanniens, in denen Namensänderungen nach der Geburt aufgezeichnet werden, kein Eintrag zum Namen „Turok“ finden. Auch mit den angegebenen Namen und Berufen der Kandidaten konnte die Seite niemanden ausfindig machen.

Reine Erfindung

Erst eine Suche in sozialen Netzwerken brachte Erfolg: Der erste gefundene Teilnehmer gab an, nur ein Schauspieler zu sein. Dies bestätigte eine weitere „Teilnehmerin“: Bei allen fünf der vorgeblichen Gewinner hätte es sich um Schauspieler gehandelt, die ihren echten Namen nie geändert hätten. Dies sei üblich, erklärte sie anhand einer Anekdote: Zur Veröffentlichung von Star Wars 1 habe ein PR-Team einen Schauspieler bezahlt, damit dieser sich als Fan ausgebe und bis zum Filmstart vor einem Kino in einem Zelt warte.

Aktionen wie von Acclaim würden nicht nur Berichterstattung generieren, sondern parallel eine Zielgruppe zu aktiven Handlungen bewegen, indem sie sich tatsächlich für die Aktion bewerben und dabei die Kampagne durch das Teilen von Nachrichten oder Mund-zu-Mund-Propaganda verbreiten. Im Wesentlichen mahnt die Erkenntnis deshalb zur Vorsicht im Umgang mit solchen vermeintlichen „Sensationen“, da das Vorgehen, so schreibt die Seite, übliche Praxis sei.

Acclaims Hitliste

Geld für eine Namensänderung zu bezahlen war nicht der einzige PR-Stunt, der Acclaim vor der Insolvenz im Jahre 2004 Aufmerksamkeit einbrachte. Vor dem Erscheinen von Shadow Man 2 bot der Publisher an, die Kosten für eine Bestattung zu übernehmen, wenn dafür das Logo des Spiels auf dem Grabstein platziert würde. Zudem bot Acclaim an, am Erscheinungstag des Rennspiels Burnout 2: Point of Impact Kosten für Strafzettel für zu schnelles Fahren zu begleichen, was ohne Verzögerung Behörden auf den Plan rief.