Eizo FlexScan EV2760 im Test: Display-Messungen und Fazit

 2/2
Frank Hüber 69 Kommentare

Helligkeit und Farbraum

Homogenität mit Ausreißer am rechten Rand

Die höchste Helligkeit erreicht der Eizo FlexScan EV2760 in der Bildschirmmitte. Hier leuchtet er mit 360 cd/m². Die beworbenen 350 cd/m² erreicht der Monitor somit und ist etwas heller als der Dell P2720DC, der im Test maximal 343 cd/m² erzielte. Der dunkelste Bereich ist die rechte Mitte, hier sind es nur noch 281 cd/m². In diesem Areal werden nur noch 78 Prozent der höchsten Leuchtdichte aus der Bildmitte erreicht. Abseits dieses Wertes bietet der Eizo EV2760 im oberen Bereich eine etwas bessere Homogenität als der Dell P2720DC, ansonsten schneiden sie in etwa gleich gut ab. Beide Modelle tun sich somit nicht mit einer besonders guten Homogenität hervor.

Der Schwarzwert des Monitors liegt bei maximaler Display-Helligkeit bei durchschnittlich 0,268 cd/m² und somit minimal unter den 0,295 cd/m² des Dell-Kontrahenten. Auch der Eizo-Bildschirm schneidet in diesem Aspekt für einen IPS-Monitor somit sehr gut ab. Die hellste Stelle, die untere rechte Ecke, leuchtet mit 0,439 cd/m² allerdings fast doppelt so hell. Die dunkelste Stelle ist erneut in der rechten Bildmitte zu finden, dort leuchtet der EV2760 mit 0,191 cd/m². Durchschnittlich erreicht der Proband einen Kontrast von 1.195:1, was über den vom Hersteller genannten 1.000:1 und über dem Kontrast des Dell P2720DC liegt. Die Farbtemperatur beträgt 6.435 Kelvin, womit das Bild etwas wärmer als bei Dell ausfällt.

Bei minimaler Helligkeit fast aus

Bei minimaler Helligkeit leuchtet der EV2760 bei der Darstellung von Weiß mit mindestens 0,521 cd/m² (Mitte rechts) und maximal 0,657 (Bildmitte). Diese Werte sind extrem gut und werden von kaum einem anderen Monitor erzielt. Selbst der in dieser Hinsicht überzeugende Dell P2720DC leuchtet mit rund 15 cd/m². Arbeiten lässt sich mit dieser niedrigen Helligkeit am Eizo-Monitor aber zweifellos nicht mehr.

Farbwiedergabe für einen Eizo-Monitor unterdurchschnittlich

Abseits der Helligkeit und Homogenität muss sich der FlexScan EV2760 auch bei den Farben beweisen. ComputerBase testet die Farbwiedergabe des Monitors mit CalMAN ColorMatch, das die dargestellte Farbe des Bildschirms mit der vom Programm angezeigten Farbe vergleicht. Interessant an dieser Stelle sind insbesondere der durchschnittliche und der maximale Delta-E-Wert sowie das Delta-E-2000-Diagramm, da diese angeben, wie stark die Farbwiedergabe von dem ausgewählten Farbstandard abweicht. Eine Abweichung von 1 dE ist für das menschliche Auge so gut wie nicht sichtbar. Ein kalibriertes Display sollte so eingestellt sein, dass die durchschnittliche Abweichung unter 3 dE und das maximale dE unter 5 liegt. Eine Abweichung über 3 dE wird als sichtbar für das menschliche Auge aufgefasst. Unkalibrierte Monitore liegen normalerweise weit darüber. Das Delta-E-2000-Diagramm zeigt die Abweichung für jeden gemessenen Farbwert an.

Im CIE-1976-Chart ist zu sehen, welche dargestellten Farbpunkte wie stark vom angestrebten idealen Farbwert abweichen. Bei einem optimal eingestellten Display sollten alle Punkte innerhalb der Quadrate liegen.

Der Eizo FlexScan EV2760 reißt bei beiden Werten die empfohlene Abweichung. Im Durchschnitt beträgt die Farbabweichung des Monitors 3,7 dE und gibt Farben somit im Durchschnitt schlechter wieder als der Dell P2720DC, der eine durchschnittliche Abweichung von 2,3 dE erzielt. Die maximale Abweichung des Eizo-Modells beträgt gar 8,7 dE, womit der Grenzwert von 5 dE deutlich verfehlt wird. Orange liegt dem Display nicht. Am besten, aber auch mit einer deutlichen Abweichung schneiden insgesamt noch die Graustufen ab. Gaming-Monitore wie der MSI Optix MAG272CQR (Test), der LG 27GL850-B (Test) und der ViewSonic XG270QG (Test) schneiden mit einer durchschnittlichen Farbabweichung von 2,7, 2,9 bzw. 3,3 dE besser ab als das Eizo-Display.

Display- und Input-Lag (Beta)

Die in Monitor-Tests eingeführten Messungen zum Display- und Input-Lag befinden sich weiterhin im Betastadium und ComputerBase bittet sie auch als solche zu verstehen, da beide Messmethoden Vor- und Nachteile haben. Darüber hinaus wirken sich viele Faktoren bei den Display-Einstellungen auf das Ergebnis aus, die es noch näher zu analysieren gilt. Bei den Messungen wird immer die schnellste Display-Einstellung („Response Time“ oder „Overdrive“) im OSD gewählt, sofern in den Diagrammen nichts anderes angegeben wird.

Display-Lag

Beim Display-Lag wird die reine Verzögerung durch die Bildverarbeitung und Ausgabe des Monitors betrachtet. Sie ist vom Input-Lag, also der Verzögerung, bis eine Eingabe auf dem Bildschirm wahrnehmbar umgesetzt wird, zu unterscheiden. Den Display-Lag misst ComputerBase dabei mit der sogenannten CRT-Methode, bei der ein analoger CRT alias Röhrenmonitor als Basis und Referenzwert dient und anhand eines präzisen Millisekundenzählers auf dem CRT und LCD die Ausgabe durch zahlreiche Fotos mit sehr kurzer Verschlusszeit verglichen wird. In der Praxis muss einschränkend gesagt werden, dass auch diese Messungen nur als Näherungswerte betrachtet werden sollten, die nicht immer den tatsächlichen Wert darstellen müssen. Aufgrund immer gleicher Testbedingungen ermöglichen sie aber einen guten Vergleich verschiedener getesteter Monitore untereinander, weshalb einige bereits getestete und zukünftig im Test vertretene Displays als Vergleich dienen.

Display-Lag
Einheit: Millisekunden
    • Samsung S24F356FH
      0,00
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag an)
      0,50
    • ViewSonic VX3258-2KC (Ultra Fast/Low Input Lag an)
      0,50
    • ViewSonic XG240R (Standard)
      0,72
    • Asus ROG Strix XG35VQ (OverDrive 5)
      1,01
    • ViewSonic XG270QG (Ultra Fast)
      1,18
    • ViewSonic XG270 (Fastest)
      1,21
    • LG 38GL950G (Fast)
      1,40
    • Samsung C27RG50 (Schnellstens)
      1,53
    • MSI Optix MAG272CQR (Fastest)
      1,56
    • LG 27GL850-B (Schnell)
      1,75
    • Asus ROG Strix XG35VQ (OverDrive 0)
      1,90
    • LG 32GK850F
      1,91
    • ViewSonic XG3240C
      2,05
    • BenQ EX3203R
      2,05
    • Gigabyte Aorus AD27QD (Speed)
      2,57
    • Gigabyte Aorus AD27QD (Picture Quality)
      2,70
    • Dell P2720DC (Fast)
      3,00
    • Dell U3219Q (schnell)
      9,16
    • Dell U3219Q (normal)
      12,22
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag aus)
      17,00
    • ViewSonic XG2530
      17,24
    • ViewSonic VX3211-4K
      19,95
    • Eizo FlexScan EV2760 (Enhanced)
      20,00
    • Dell U4919DW (normal)
      20,75
    • ViewSonic XG3220
      21,10
    • Eizo FlexScan EV2760 (Standard)
      24,00
    • Eizo EV3285 (Standard)
      29,46

Wie bereits erwähnt kann beim EV2760 der Overdrive zwischen „Off“, „Standard“ und „Enhanced“ umgestellt werden. Weitere Anpassungen sind nicht möglich. Zu einem starken Ghosting führt keiner der drei Modi, so dass sie ohne negative Auswirkungen auf die Bildqualität umgestellt werden können.

Bei der Einstellung „Standard“, die bei Auslieferung vorausgewählt ist, kommt der Eizo FlexScan EV2760 auf einen Display-Lag von 24 ms. Durch die Umstellung auf „Enhanced“ verkürzt sich der Wert auf 20 ms.

Input-Lag

Den Input-Lag misst ComputerBase hingegen mit Hilfe einer umgebauten Maus, an deren Schalter eine LED gelötet wurde, um die Verzögerung zwischen Knopfdruck und wahrnehmbarer Umsetzung auf dem Display optisch analysieren zu können. Diese Messung ist ebenfalls nicht als absoluter Wert zu betrachten, da der Input-Lag von den eingesetzten Komponenten des PCs abhängig ist und auch die Auswertung Toleranzen beinhaltet. In diesem Fall ist das Ziel somit ebenfalls, vielmehr einen Vergleich unter getesteten Monitoren zu ermöglichen, als einen allgemein gültigen absoluten Wert zu ermitteln. Bildschirme mit nur sehr geringem Unterschied sollten aufgrund der nicht zu verhindernden Messtoleranzen als ebenbürtig angesehen werden. Während die Monitore beim Display-Lag Methoden-bedingt alle mit 60 Hz, aber deaktiviertem V-Sync betrieben werden müssen, kommt bei der Messung des Input-Lags die maximale Bildwiederholfrequenz des Bildschirms bei deaktiviertem V-Sync zum Einsatz.

Input-Lag
Einheit: Millisekunden
    • BenQ EX3203R
      38,54
    • ViewSonic XG270QG (Ultra Fast)
      38,54
    • LG 38GL950G (Fast)
      38,54
    • ViewSonic XG3240C
      38,88
    • LG 32GK850F
      39,16
    • Asus ROG Strix XG35VQ (OverDrive 5)
      39,58
    • ViewSonic VX3258-2KC (Ultra Fast/Low Input Lag an)
      39,58
    • MSI Optix MAG272CQR (Fastest)
      40,63
    • LG 38GL950G (Off)
      40,63
    • Samsung S24F356FH
      41,17
    • ViewSonic XG240R (Fastest)
      41,20
    • ViewSonic XG240R (Standard)
      41,60
    • Dell U4919DW (schnell)
      41,67
    • Gigabyte Aorus AD27QD (Picture Quality)
      41,67
    • MSI Optix MAG272CQR (Normal)
      41,67
    • LG 27GL850-B (Schnell)
      42,70
    • Dell P2720DC (Fast)
      42,71
    • ViewSonic XG2530
      43,75
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag an)
      43,75
    • ViewSonic XG270QG (Standard)
      43,75
    • LG 27GL850-B (Aus)
      43,75
    • Dell P2720DC (Normal)
      43,75
    • ViewSonic VX3211-4K
      44,79
    • Dell U4919DW (normal)
      44,79
    • Gigabyte Aorus AD27QD (Speed)
      45,01
    • ViewSonic XG270 (Fastest)
      45,83
    • Dell U3219Q (schnell)
      46,67
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag aus)
      50,00
    • ViewSonic XG270 (Standard)
      51,04
    • Samsung C27RG50 (Schnellstens)
      52,08
    • Samsung C27RG50 (Schneller)
      57,29
    • Eizo EV3285 (Standard)
      60,42
    • Eizo FlexScan EV2760 (Enhanced)
      64,58
    • ViewSonic XG3220
      66,70
    • Eizo FlexScan EV2760 (Standard)
      67,70
    • Eizo EV3285 (Enhanced)
      77,50

Auch beim Input-Lag bestätigt sich die vergleichsweise lange Verzögerung des Eizo-Monitors. Mit 67,70 und 64,58 ms liegt er am Ende des Testfeldes. Wer den Bildschirm häufig zum Spielen schneller Shooter nutzen möchte, wird demnach nicht zufriedengestellt.

Fazit

Der Eizo FlexScan EV2760 überzeugt als solider Büromonitor aufgrund seiner guten Funktionen wie dem Lichtsensor und Picture by Picture für die gleichzeitige Darstellung verschiedener Bildquellen auf dem Display, dem praktischen Standfuß und den vollständigen Verstellmöglichkeiten. Für einen Preis von derzeit rund 570 Euro ist er dabei allerdings keinesfalls konkurrenzlos und lässt Qualitäten wie eine exzellente Farbwiedergabe oder einen USB-C-Anschluss mit Power-Delivery zum Verbinden eines Notebooks vermissen. Hier bietet die Konkurrenz schon zu einem günstigeren Preis mehr. Für das Gebotene ist der Eizo FlexScan EV2760 deshalb schlicht zu teuer.

Der zuletzt getestete Dell P2720DC (Test) für rund 350 Euro ist dem Eizo FlexScan EV2760 bei der Farbwiedergabe überlegen, bietet USB-C und ist sonst mit dem Konkurrenten vergleichbar. Bei der Homogenität schneidet der Eizo-Monitor in Summe minimal besser ab, weist aber beim Testmodell eine deutlich dunklere rechte Mitte auf. Bei der minimalen Helligkeit kann sich der EV2760 dafür wie schon der EV3285 (Test) klar behaupten. Praxisnah ist eine so geringe Helligkeit, bei der das Display fast aus ist, aber nicht.

Die Garantie von fünf Jahren, die Eizo weiterhin bietet, ist ebenso selten zu finden und positiv zu berücksichtigen. Auch Ersatzteile sind garantiert bis zu fünf Jahre nach Produktionsende erhältlich.

ComputerBase hat den FlexScan EV2760 leihweise von Eizo zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.