Synology DS720+ im Test: Das 2-Bay-NAS unterstützt nun SSD-Cache mit NVMe-SSDs

Frank Hüber 56 Kommentare
Synology DS720+ im Test: Das 2-Bay-NAS unterstützt nun SSD-Cache mit NVMe-SSDs

tl;dr: Die Synology DS720+ bringt Intels Gemini Lake Refresh ins NAS und bietet anders als die DS718+ nun auch M.2-Steckplätze für einen SSD-Cache, um die I/O-Leistung mit NVMe-SSDs zu erhöhen. Mit Link Aggregation und ausgereifter Software bleiben ab Werk lediglich eingeschränkte Virtualisierungsoptionen als Kritik.

Synology erneuert das 2-Bay-Arbeits-NAS

Mit der DS720+ bringt Synology den Nachfolger der DS718+ (Test) auf den Markt, die für rechenintensive Arbeitsumgebungen gedacht ist und anders als die DS218+ (Test) zwei Netzwerkanschlüsse bietet, um den Datendurchsatz bei gleichzeitigem Zugriff mehrerer Clients zu verbessern.

Zum ersten Mal erhält das 2-Bay-NAS der Plus-Serie dabei auch zwei M.2-2280-Steckplätze, in die NVMe-SSDs eingesetzt werden können, um SSD-Caching zu nutzen.

Die unverbindliche Preisempfehlung der DS720+ liegt bei 458,20 Euro. Die DS718+ kostete zum Marktstart rund 430 Euro und ist weiterhin preisstabil erst ab rund 425 Euro erhältlich.

Technische Details der DS720+

Neuer Prozessor und Änderungen bei den Schnittstellen

Synology überarbeitet die DS720+ im Vergleich zur DS718+ auch technisch. Nachdem bereits die DS718+ den Wechsel von Braswell (Intel Celeron N3150) in der DS716+ (Test) hin zu Apollo Lake in Form des Celeron J3455 vollzogen hatte, folgt mit der DS720+ der Umstieg auf den Intel Celeron J4125, der der Prozessorfamilie Gemini Lake Refresh entspringt und erst seit dem vierten Quartal 2019 verfügbar ist.

Weiterhin unverändert ist somit über alle drei Generationen hinweg nicht nur der Quad-Core-Prozessor ohne Hyper-Threading, sondern auch die Fertigungsstruktur in 14 nm. Bei den Taktraten legt der Celeron J4125 im Vergleich zum Celeron J3455 aber von 1,5 auf 2,0 GHz im Basistakt zu. Beim Turbotakt bietet das neue Modell mit bis zu 2,7 GHz nun 400 MHz mehr. Während die TDP unverändert bei 10 Watt verharrt, ist der L2-Cache erneut gewachsen und wurde von 2 auf 4 MB verdoppelt.

Beim unterstützten Arbeitsspeicher wird mit dem neuen Modell der Wechsel von DDR3 auf DDR4 vollzogen, der somit auch in der DS720+ zum Einsatz kommt. Synology setzt wie schon bei DS716+ und DS718+ auf 2 GB RAM ab Werk. Dieser belegt einen von zwei SO-DIMM-Steckplätzen, so dass ein weiteres 4-GB-Modul eingesetzt werden kann, um auf 6 GB zu kommen – offiziell werden maximal 8 GB Arbeitsspeicher unterstützt. Dieses RAM-Upgrade kann vom Nutzer selbst vollzogen werden, indem die Festplattenrahmen entnommen werden und durch die vordere Abdeckung ein weiteres RAM-Modul eingesetzt wird.

Synology DS720+ Synology DS718+ Synology DS716+ QNAP TS-253B QNAP TS-253A
SoC: Intel Celeron J4125
x86
2,00 GHz, 4 Kern(e), 4 Thread(s)
Intel Celeron J3455
x86
1,50 GHz, 4 Kern(e), 4 Thread(s)
Intel Celeron N3150
x86
1,60 GHz, 4 Kern(e), 4 Thread(s)
Intel Celeron J3455
x86
1,50 GHz, 4 Kern(e), 4 Thread(s)
Intel Celeron N3150
x86
1,60 GHz, 4 Kern(e), 4 Thread(s)
RAM: 2.048 MB
4.096 MB
Variante
8.192 MB
4.096 MB
Variante
8.192 MB
Festplatteneinschübe: 2
S-ATA-Standard: I/II/III
HDD-Format: 2,5" & 3,5"
RAID-Level: Einzellaufwerk, JBOD, RAID 0, RAID 1
M.2-Ports für SSD-Cache: 2
I/O-Ports: 2 × LAN
2 × USB 3.0, 1 × eSATA
2 × LAN
3 × USB 3.0, 1 × eSATA
2 × LAN
5 × USB 3.0, 1 × USB 3.0 Typ C
HDMI, SD-Card-Reader, Infrarot, Audio-Ausgang, PCIe-Slot
2 × LAN
4 × USB 3.0
HDMI, Infrarot, Audio-Ausgang
Wake on LAN: Ja
Verschlüsselung: AES-256 (ordner- und laufwerksbasiert)
Lüfter: 1 × 92 × 92 × 25 mm
(nicht entkoppelt)
1 × 92 × 92 × 25 mm 1 × 70 × 70 × 25 mm
(nicht entkoppelt)
Netzteil: 65 Watt (extern) 60 Watt (extern)
Maße (H×B×T): 166,0 × 106,0 × 223,0 mm 157,0 × 103,5 × 232,0 mm 168,0 × 105,0 × 226,0 mm 150,0 × 102,0 × 216,0 mm
Leergewicht: 1,51 kg 1,74 kg 1,75 kg 1,66 kg 1,74 kg
Preis: 458,20 € ab 396 € 464 € ab 495 € / ab 501 € 392 € / 534 €

Die DS720+ kann auch SSD-Caching

Wurden unter anderem die DS718+ und die DS218+ von ComputerBase kritisiert, weil sie im Vergleich zu den Vorgängern keine Änderungen abseits eines neueren Prozessors bieten, ändert Synology mit der DS720+ weitere Aspekte. Einerseits sind dies die beiden neuen M.2-2280-Steckplätze an der Unterseite, in die sich werkzeuglos zwei NVMe-SSDs einsetzen lassen, um im DiskStation Manager (DSM) dann das SSD-Caching zu aktivieren und damit die I/O-Leistung zu steigern.

eSATA bleibt, ein USB-3.0-Port fällt weg

Andererseits hat es auch bei den Anschlüssen Veränderungen gegeben. Statt mehr wird hier aber etwas weniger geboten. Denn an der Rückseite der DS720+ findet sich nur noch ein USB-3.0-Anschluss, während es bei der DS718+ noch zwei waren. Der andere ist an der Vorderseite platziert. Der eSATA-Anschluss ist hingegen erhalten geblieben.

Das Design des Gehäuses wurde hingegen weitgehend übernommen, jedoch leichten Anpassungen etwa bei der LED-Anordnung unterzogen, was auch die Maße minimal ändert. Ein 92-mm-Lüfter sorgt für die Kühlung der Festplatten und des Systems, indem er Luft von vorne nach hinten durch das NAS zieht.

Weiterhin zweimal Gigabit-LAN

Auch an den beiden LAN-Schnittstellen, die Link Aggregation unterstützen, hat sich nichts verändert. Somit ermöglicht Synology weiterhin maximal 1 Gigabit/s über einen LAN-Port. Anschlüsse wie HDMI für eine direkte Nutzung am Fernseher bietet der Hersteller nach wie vor nicht, wobei die DS720+ hierfür auch das falsche Modell wäre, da es sich nicht in erster Linie an Privatkunden richtet.

Neben den Status-LEDs für das System und die beiden Festplatten sind an der Vorderseite der DS720+ der Ein-/Ausschalter und ein USB-3.0-Anschluss platziert. Die Kopiertaste, die man von Synology kennt und mit einer vorgegebenen Funktion zum Kopieren von Dateien über den vorderen USB-Port belegt werden kann, gibt es bei der DS720+ nicht mehr.

Schnelle, werkzeuglose Inbetriebnahme

Die Festplattenrahmen der DS720+ lassen sich erneut werkzeug- und schraubenlos mit 3,5-Zoll-Festplatten bestücken. Die Inbetriebnahme des NAS ist somit nach wie vor unkompliziert und schnell erledigt. Auf Wunsch lassen sich die Einbaurahmen mit einem beiliegenden Schlüssel gegen das schnelle Herausnehmen sichern – ein echter Diebstahlschutz ist dies jedoch nicht.

Intern kann zwischen ext4 und btrfs gewählt werden

Seit der DS716+ bietet Synology in dieser Modellreihe neben dem ext4-Dateisystem auch das Copy-On-Write-Dateisystem btrfs zur Auswahl für die internen Festplatten an. Durch btrfs kann die Datensicherheit erhöht werden, indem die gespeicherten Daten mittels Prüfsummen bei jedem Leseprozess auf ihre Integrität geprüft werden, wodurch Datenkorruption verhindert wird. Beim Erstellen eines Freigabeordners in DSM muss diese Funktion vom Nutzer aktiviert werden, in der Standardeinstellung ist sie deaktiviert. Darüber hinaus ermöglicht btrfs die Erstellung von Snapshots, so dass versehentlich gelöschte Daten, sofern ein passender Snapshot gespeichert wurde, wiederhergestellt werden können.

Die Inbetriebnahme der DS720+ erfolgt über die Web-Oberfläche, wobei das NAS im Netzwerk über find.synology.com gefunden werden kann. Ein Einrichtungsassistent führt den Nutzer durch die Erstinstallation und das Erstellen von Volumes.

DSM 7 folgt im Laufe des Jahres

Nachdem Synology die Veröffentlichung des DiskStation Manager 7.0 im letzten Jahr verschoben hatte, um weitere Funktionen zu integrieren, setzt auch die DS720+ noch auf DSM 6. Im Test kommt dabei DSM 6.2.3-25426 zum Einsatz. Das Betriebssystem von Synology gehört weiterhin zu den besten auf dem Markt und stellt sowohl erfahrenen als auch unerfahrenen Nutzern viele Funktionen zur Seite. Die Web-Oberfläche ist intuitiv zu bedienen, Funktionen und Einstellungen sind leicht zu finden und bei Fragen steht eine umfangreiche Hilfe zur Seite. Im Test gab es erneut keinerlei Probleme mit der Software, die einen stabilen Dauerbetrieb ermöglicht.

Eine Veröffentlichung von DSM 7.0 ist für dieses Jahr geplant, einen konkreten Freigabetermin hat Synology nach den Verschiebungen aber noch nicht genannt.

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