Schutz vor „Review-Bombing“: Nutzerrezensionen müssen auf Metacritic warten

Max Doll 189 Kommentare
Schutz vor „Review-Bombing“: Nutzerrezensionen müssen auf Metacritic warten

Metacritic verhindert, dass Endkunden unmittelbar nach Veröffentlichung eines Spiels Bewertungen abgeben können. Die neue Wartezeit von 36 Stunden soll sogenanntem „Review Bombing“ vorbeugen. Bei diesem Phänomen erhält ein Spiel eine große Anzahl negativer Bewertungen, die sich aber nicht primär auf das Spiel selbst beziehen.

Die schon vor Wochen unbemerkt eingeführte Änderung soll sicherstellen, dass ein Spiel vor der Abgabe einer Bewertung auch gespielt werden konnte. Im Gegensatz zu Pressevertretern erhalten Endkunden normalerweise keinen früheren Zugang, höchstens in Form von „Early-Access“-Boni teurer Sondereditionen, wie sie zum Beispiel Electronic Arts anbietet. Auf diesen Umstand weist eine Nachricht hin, die beim frühzeitigen Bewertungsversuch angezeigt wird: „Bitte verbringe Zeit damit, das Spiel zu spielen“, schreibt Metacritic.

In einer Stellungnahme gegenüber Games Industry gab die Seite an, dass sich diese Sperre nur auf den Spielebereich beziehe. Für Produkte aus den Kategorien Musik, Film und Fernsehen können nach wie vor unmittelbar Rezensionen abgegeben werden. Die Maßnahme sei nicht aufgrund von „Reaktionen auf ein einzelnes Spiel“ eingeführt worden und basiere auf „Beiträgen von Kritikern und Branchen-Experten“ sowie auf der Auswertung von Datenerhebungen.

Steam reagiert automatisiert

Review-Bombing als eine Art von Protest haben sich in den vergangenen Jahren zu einem größeren Phänomen entwickelt, mit dem unter anderem Unmut über einen Kopierschutz oder Entscheidungen eines Publishers ausgedrückt wurde. Das letzte betroffene Spiel war das PlayStation-4-exklusive The Last of Us 2, dem auf Basis von durchgesickerten Informationen Story-Entscheidungen angekreidet wurden.

Solche Bewertungen können der Aufgabe von Aggregatoren zuwiderlaufen, weil sie das Bild vom Gesamtprodukt verzerren. Valve hat auf Steam bereits eine automatische Erkennung von Rezensionen eingeführt, die nach eigenen Angaben „irrelevant“ sind. Sie werden zwar zugelassen, aber nicht mehr in die Berechnung der durchschnittlichen Bewertung des Spiels einbezogen. Dies war im Jahr 2019 immerhin 44 Mal der Fall. Ein Warnhinweis macht Betrachter dann darauf aufmerksam, zudem besteht die Möglichkeit, den Eingriff von Valve rückgängig zu machen.