Sony WF-XB700 im Test: TWS-In-Ears mit viel Bass und Space-Design

Frank Hüber 9 Kommentare
Sony WF-XB700 im Test: TWS-In-Ears mit viel Bass und Space-Design

tl;dr: Die ersten kabellosen In-Ear-Kopfhörer der Extra-Bass-Serie, die Sony WF-XB700, legen den Fokus auf viel Bass. Das extravagante Design bietet einen sehr angenehmen Sitz und eine lange Akkulaufzeit von rund 9 Stunden. Einen Transparenzmodus, eine App-Anbindung und eine echte Einzelnutzung lassen sie aber vermissen.

Mit den WF-XB700 hat Sony die ersten kabellosen In-Ear-Kopfhörer der Extra-Bass-Serie veröffentlicht. Sie sind günstiger als die Sony WF-1000XM3 (Test). Eine aktive Geräuschunterdrückung wird nicht geboten, dafür als Modell der Extra-Bass-Serie aber insbesondere im niedrigen Frequenzbereich ein verstärkter Bass.

Neben den Ohrhörern und dem passenden Ladecase legt Sony ein kurzes USB-A-auf-USB-C-Ladekabel und insgesamt drei unterschiedlich große Silikon-Passstücke bei. Auf zusätzliche Ear-Wings setzen die In-Ears nicht. Die WF-XB700 sind in den Farben Schwarz und Blau erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 149,90 Euro.

Technische Daten der Sony WF-XB700

Großes Ladecase mit transparentem Deckel

Sowohl das Ladecase als auch die Außenseite der Ohrhörer ist matt gestaltet, was die Griffigkeit erhöht. Das Ladecase misst 81,3 × 36,5 × 43,2 mm (B × H × T) und fällt somit vergleichsweise dick aus, was angesichts der ausladenden Ohrhörer aber auch notwendig ist. In der Hosentasche trägt es deshalb stark auf. Das Ladecase der Sennheiser Momentum True Wireless 2 (Test) misst 76,8 × 43,8 × 34,7 mm, das der Samsung Galaxy Buds+ (Test) kommt auf nur 70,0 × 38,8 × 26,5 mm. Bei den Jabra Elite 75t (Test) misst es 62,4 × 36,6 × 27,0 mm und bei den Apple AirPods Pro (Test) sind es 45,2 × 60,6 × 21,7 mm.

Das Ladecase steht leicht schräg und richtet die Ohrhörer zur Entnahme zum Nutzer aus. Als kleine Besonderheit ist der obere Deckel leicht transparent, so dass die LEDs der Ohrhörer, die beim Aufladen im Ladecase rot leuchten, ebenso wie die Lade-LED des Ladecases selbst durch die Abdeckung hindurch als rote Punkte sichtbar sind. So hat man auch bei geschlossenem Ladecase stets im Blick, ob Ohrhörer und Ladecase schon vollständig aufgeladen sind.

Das Ladecase wiegt 46 g, während es jeder Ohrhörer auf 8 g bringt, was im Vergleich zu vielen anderen aktuellen Modellen, die nur rund 5 g wiegen, vergleichsweise schwer ist. Die Ohrhörer halten sicher im Ladecase und fallen auch kopfüber und beim Schütteln nicht heraus. Beim Einlegen rutschen sie durch die Magneten zuverlässig in die richtige Position und stellen Kontakt zu den Lade-Pins her.

Über 9 Stunden Akkulaufzeit und Schnellladen

Sony bescheinigt den Ohrhörern eine Akkulaufzeit von 9 Stunden, die durch das Ladecase auf insgesamt 18 Stunden verdoppelt werden soll. Das Ladecase lädt die Ohrhörer somit nur ein Mal vollständig auf. Im Test konnte mit den WF-XB700 9:15 Stunden ununterbrochen Musik bei mittlerer Lautstärke unter Verwendung des AAC-Codecs wiedergegeben werden. Ein sehr gutes Ergebnis, das im Testfeld nur von den Samsung Galaxy Buds+ (Test) geschlagen wird.

Das Aufladen der Ohrhörer im Ladecase dauert rund 2,5 Stunden, das des Ladecases selbst hingegen rund 3 Stunden. Wireless Charging bietet es nicht, es wird über einen USB-C-Anschluss an der Rückseite geladen. Über die Schnellladefunktion steht nach 10 Minuten Aufladen ausreichend Kapazität für eine Musikwiedergabe für eine weitere Stunde zur Verfügung.

SBC und AAC, Bluetooth 5.0 ohne Multi-Connect

Als Audio-Codec unterstützen die Sony WF-XB700 neben SBC auch AAC, womit unter Android und iOS zumindest ein weniger komprimierender Audio-Codec zur Verfügung steht. Das bei Android-Smartphones weit verbreitete aptX wird nicht unterstützt. Auch ein HD-Codec wie der hauseigene LDAC von Sony wird von den In-Ear-Kopfhörern nicht unterstützt. Sonys DSEE HX („Digital Sound Enhancement Engine HX“), das komprimierte Musikstücke um fehlende Musik-Informationen ergänzen soll, bieten die WF-XB700 ebenfalls nicht, was im Alltag jedoch kein großer Verlust ist.

Für die Funkverbindung zum Smartphone wird Bluetooth 5.0 eingesetzt. Multi-Connect, also die gleichzeitige Verbindung zu mehreren Endgeräten, unterstützen die WF-XB700 von Sony jedoch nicht. Um eine Bluetooth-Verbindung mit einem anderen Endgerät herzustellen, muss deshalb immer erst die aktive Verbindung getrennt und ein neuer Kopplungsvorgang initiiert werden, sofern das zweite Gerät noch nicht mit den In-Ears gekoppelt war.

12-mm-Treiber und normaler Frequenzgang

Die Neodymium-Treiber haben einen Durchmesser von 12 mm. Der Frequenzgang der WF-XB700 beträgt die üblichen 20 bis 20.000 Hz. Weitere Einzelheiten zur Empfindlichkeit oder Impedanz nennt Sony nicht.

TWS-In-Ears und -Earbuds im Vergleich
Sony WF-XB700 Sony WF-1000XM3 Sennheiser Momentum True Wireless 2 Samsung Galaxy Buds+ Bose SoundSport Free Jabra Elite 75t Apple AirPods Pro Apple AirPods (2. Gen.) Huawei FreeBuds 3
Akkulaufzeit Ohrhörer 9 h 8 h 7 h 11 h 5 h 7,5 h 5 h 5 h 4 h
Akkulaufzeit mit Ladecase 18 h 32 h 28 h 22 h 15 h 28 h 24 h 24 h 20 h
Wireless Charging Nein Ja Nein Ja Nein/Ja Ja
ANC Nein Ja Nein Ja Nein Ja
Bluetooth-Standard 5.0 5.1 5.0 4.1 5.0 5.1 LE
Audio-Codecs SBC, AAC SBC, AAC, aptX, aptX LL SBA, AAC, SSC SBC, AAC SBC, AAC SBC, AAC SBC
USB-Typ USB-C Micro-USB USB-C Lightning USB-C
Gewicht je Ohrhörer / nur Ladecase 8 / 46 g 8,5 / 77 g 6,0 / 58 g 6,3 / 39,6 g 9 / 80 g 5,5 / 35 g 5,5 / 46 g 4 / 40 g 4,5 / 48 g
Zertifizierung IPX4 Keine IPX4 IPX2 IPX4 IP55 IPX4 Keine Keine
Preis 137 Euro 190 Euro 299 Euro 140 Euro 170 Euro 180 Euro 280 Euro 140 / 170 Euro 145 Euro

IPX4 gegen Schweiß und Regen

Anders als die WF-1000XM3 sind die WF-XB700 offiziell nach IPX4 gegen das Eindringen von Wasser geschützt (allseitiges Spritzwasser), so dass ihnen Schweiß und Regen nichts anhaben können. Untergetaucht werden dürfen sie jedoch nicht, was man schon aufgrund des offenen Treiberausgangs ohnehin tunlichst vermeiden sollte. Anders als üblich deckt Sony diesen bei den WF-XB700 nämlich nicht mit einer dünnen Membran oder Schaumstoff ab.

Sony WF-XB700
Sony WF-XB700
Sony WF-XB700
Sony WF-XB700

Einzelnutzung nur mit linkem Ohrhörer

Auch wenn Sony den WF-XB700 eine gleichzeitige Übertragung des Signals an beide Ohrhörer bescheinigt, fungiert der linke Ohrhörer als Master und der rechte als Slave. Somit kann nur der linke Ohrhörer einzeln genutzt werden. Wird er ins Ladecase gelegt, bricht auch die Verbindung zum rechten Ohrhörer ab und lässt sich nicht manuell neu initiieren.

Eine Taste je Ohrhörer zur Steuerung

Die WF-XB700 von Sony setzen auf eine Taste zur Steuerung der Musikwiedergabe, die am äußeren Rahmen nach hinten unten gerichtet ist. Dies hat den Vorteil, dass man die Ohrhörer bei der Bedienung nicht ins Ohr drückt. Sobald man sich an Funktionen und Bedienung gewöhnt hat, ist letztere problemlos über die Ohrhörer möglich. Über den rechten Ohrhörer können die Musikwiedergabe und die Telefoniefunktion gesteuert sowie der Sprachassistent des Telefons gestartet werden. Über den linken Ohrhörer wird hingegen die Lautstärke geregelt.

Ein kurzer Druck am rechten Ohrhörer startet und pausiert wieder Wiedergabe und nimmt Anrufe entgegen oder beendet sie. Zweimaliges Drücken springt einen Track vor, dreimaliges Drücken der Taste am rechten Ohrhörer einen Track zurück. Wird die Taste zwei Sekunden lang gedrückt, wird der Sprachassistent des Smartphones aufgerufen.

Ein einfaches Drücken auf den linken Ohrhörer erhöht die Lautstärke. Wird die Taste gedrückt gehalten, reduziert sich hingegen die Lautstärke.

Die Steuerung der WF-XB700 kann vom Nutzer nicht angepasst werden. Sie ändert sich auch nicht, wenn nur der linke Ohrhörer alleine genutzt wird, so dass dann lediglich eine Anpassung der Lautstärke möglich ist.

Die Erläuterungen in der Kurzanleitung der In-Ears sind bei der Steuerung nicht vollständig. Sony verweist darin zwar auf eine Online-Anleitung, einen kurzen Überblick über die Steuerungsfunktionen hätte das Unternehmen aber auch in der Kurzanleitung abdrucken können.

Kein Transparenzmodus

Einen Transparenzmodus, der die Umgebungsgeräusche über die Mikrofone der In-Ears an das Gehör des Trägers weiterleitet, damit man Gesprächen folgen oder den Straßenverkehr wahrnehmen kann, bieten die WF-XB700 nicht.

Sony WF-XB700
Sony WF-XB700

Kein Auto-Pause und Auto-Play

Ein automatisches Pausieren und Fortsetzen der Wiedergabe, wenn ein Ohrhörer aus dem Ohr genommen und wieder eingesetzt wird, unterstützen die Sony WF-XB700 nicht. Schade, denn das wäre eine im Alltag durchaus praktische Funktion.

Keine Unterstützung für die Sony-App

Die WF-XB700 werden von der Headphones-Connect-App von Sony nicht unterstützt, so dass weder Firmware-Updates aufgespielt noch Anpassungen an der Steuerung oder dem Klang möglich sind. Die kabellosen In-Ears verbleiben auf dem Software-Stand zum Kauf.

Angenehmes Tragegefühl, ausladendes Design

Die Sony WF-XB700 weisen ein angenehmes Tragegefühl auf, bei dem wenig Druck im Ohr erzeugt wird. Dabei halten sie trotzdem fest, wenn man passende Aufsätze wählt und sie nach dem Einsetzen etwas dreht. Beim Joggen bleiben sie an Ort und Stelle.

Allerdings ist das Design der WF-XB700 sehr ausladend, ragt weit aus dem Ohr heraus und ist somit nicht für das Tragen unter Mützen oder gar Helmen geeignet. Sony hat die In-Ears in drei Teile gegliedert: den Kanal mit Silikon-Aufsatz, der im Gehörgang sitzt, das Gehäuse für die Audio-Treiber, das in der Ohrmuschel sitzt, und einen äußeren Gehäuseteil, der Batterie und Technik beherbergt. Diese Aufteilung ist nicht gerade platzsparend und erinnert ein wenig an Raumschiffe.

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