Trackmania im Test: Spielkritik und Fazit

 3/3
Wolfgang Andermahr et al. 158 Kommentare

Wie gut ist Trackmania?

Autorennen sind Wettbewerbe, bei denen der schnellste Fahrer gewinnt. Diesen Gedanken macht Trackmania seit jeher zum Mittelpunkt eines Spiels, das sich auf wenig anderes konzentriert: Ein Auto fährt gegen die Uhr über möglichst verrückte Strecken. Das Reboot der Reihe überzeugt hier, nervt aber mit seltsamen Rahmengerüst. Zudem fehlt noch die Community.

Es ist ein Konzept, das beim Erstkontakt ein wenig braucht, um aufzugehen: Fahren ohne direkte Gegner, ohne Rad-an-Rad-Kontakt, ohne das Adrenalin aus einem Duell. Das kommt erst nach dem ersten Durchgang einer Strecke, an dessen Ende eine Medaille verliehen wird. Meist ist es die falsche, also nicht die güldene, was zum sofortigen Neuversuch motiviert, bei dem Zehntelsekunde um Zehntelsekunde von der Zeit heruntergefeilt wird. Besonders fies wird Trackmania, indem es zwischen den Abzeichen meist nur eine scheinbar unbedeutende Zeitdifferenz ansetzt.

Diese ist mit sauberem Fahren alleine nicht zu holen. Plötzlich schaut man, unterstützt von einer exakten Steuerung und nachvollziehbarem Fahrverhalten, auf Linienwahl und nun durch einen Tacho unterstützte Geschwindigkeitsmaximierung denn auf Risikomanagement, wenn Trackmania das nächste Ass aus seinem Ärmel zieht. Auf den Strecken tauchen allerlei spaßsteigende Elemente auf. Aus dem Arsenal fahrerischer, teils neuer Herausforderungen stammen etwa Loopings, Steilkurven, verschiedene Untergründe, Abgründe, Schanzen und Gemeinheiten wie Boost-Felder, verlangsamende Zeitlupen-Platten und Hindernisse. Im Prinzip erfahren Trackmania-Spieler die alte Rennfahrer-Weisheit, gemäß der die letzte Sekunde am schwierigsten zu finden ist.

Dem Spielplatz der Zeitenjagd fehlt aktuell aber an Umfang. Ein paar Tutorial-Strecken und eine „Saison“ mit nur 25 Strecken sind schnell abgeklappert. Karten aus der Feder von Spielern, schon immer der eigentliche Reiz von Trackmania, gibt es kurz nach Veröffentlichung natürlich noch nicht. Der umfangreiche Karteneditor sowie das Ligen-System stecken jedoch hinter einer Bezahlschranke. Das alleine wäre nicht schlimm, würde es sich dabei nicht um ein Abo-Modell handeln. Auf diese Weise wird der eigentliche Langzeit-Reiz des Spiels monetarisiert – spitz gesagt scheint Trackmania ein Live-Service-Spiel zu werden, bei dem die Community Teile des Services anbietet und dafür auch noch bezahlt. Clan- und Ligen-Funktionen werden zudem unübersichtlich präsentiert. Dazu kommt irritierende Ingame-Werbung, die sich aber zumindest deaktivieren lässt.

Warum nicht den Vorgänger nehmen?

Rein auf den Spielablauf bezogen ist Trackmania richtig gut. Das Drumherum überzeugt allerdings nicht. Gelegenheitsspieler können dank Free-to-Play-Basis immer wieder reinschauen – sie profitieren. Alle anderen in der Tendenz nicht, denn ein Abo- oder Mietmodell für essentielle Funktionen, die für die Langlebigkeit sorgen, an Spieler zu verkaufen, kann auch bei längerer Betrachtung keinen Reiz entwickeln. Es muss daher abgewartet werden, ob die Community tatsächlich Strecken in Hülle und Fülle bereitstellt.

Rechnerisch ist es vielleicht in der Wirtschaftsabteilung noch sinnvoll, Vielspieler stärker zu belasten, aus allen anderen Blickweisen nicht. So toll ist Trackmania dann doch nicht, um diese Kröte wettzumachen. Fraglich ist, ob sich das Konzept durchsetzt und überhaupt eine Community entsteht, denn diese im Allgemeinen unfreundlich monetarisierte, inhaltlich magere Trackmania-Version konkurriert mit ihren Vorgängern, die man zwar immer, dafür aber nur einmal für kleines Geld kaufen muss.

Fazit

Ubisoft beziehungsweise Entwickler Nadeo haben mit Trackmania ein solides Comeback hingelegt, an dem Fans der bisherigen Teile viel Spaß haben können. Und auch die PC-Version hinterlässt einen ordentlichen Eindruck. So ist während des Testens kein größeres Problem aufgetreten, zudem stellt die Grafik ein sichtbares Upgrade zu den alten Teilen dar – auch wenn die Optik keine Bäume ausreißt.

Das hat jedoch auch seinen Preis, für die maximale Grafik benötigt Trackmania eine recht schnelle Grafikkarte. Vor allem in höheren Auflösungen sind die Anforderungen ordentlich. Wer eine schwächere Hardware hat oder einfach mehr FPS haben möchte, kann auf Kosten der Bildqualität jedoch noch viele zusätzliche Bilder pro Sekunde aus dem Spiel locken. Im Dauerduell AMD gegen Nvidia haben in Trackmania GeForce-Grafikkarten klar die Nase vorn. Ob es sich um die aktuelle oder die vorherige Generation handelt, spielt dabei keine Rolle, GeForce GTX und GeForce RTX liegen in dem Rennspiel durchweg deutlich vor den Radeons.

Trackmania im Technik-Test

ComputerBase hat Trackmania vom Publisher Ubisoft zum Testen erhalten. Das Spiel wurde unter NDA zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühstmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Entwicklers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.