Tiger Lake im Test: Testergebnisse und Benchmarks

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Volker Rißka et al. 327 Kommentare

Um ein Notebook exakt zu bewerten, bedarf es zu Beginn immer eines Blickes in die Energieeinstellungen. Zuletzt wurde die Thematik stets komplexer und auch verwirrender, jeder Notebook-Hersteller kocht dort seine eigene Suppe. Auch das MSI-Notebook ist nicht davon ausgenommen: Drei grundlegende Modi, die über das Akku-Symbol eingestellt werden können, werden von vier weiteren Profilen begleitet, die durch Fn+F7 ausgewählt werden können. Die Kombination bringt also 12 Möglichkeiten hervor – und das im Modus mit Stromstecker. Das Acer Swift 3 bietet hingegen keine Profile über eine eigene Software und im Betrieb an der Steckdose machen die Einstellungen über das Windows-Akku-Symbol keinen Unterschied.

Intel-Whitebook mit Core i7-1185G7
Intel-Whitebook mit Core i7-1185G7 (Bild: Intel)

Da ComputerBase Mitte September nur knapp sieben Stunden Zeit mit dem Core i7-1185G7 im Intel-Whitebook verbringen konnte, wurde in den Benchmarks die Maximalleistung an der Steckdose gefahren, sprich 28 Watt Dauerlast-TDP mit Spitzen nach oben, von Intel Dynamic Tunig genannt. Dann darf die CPU selbst den PL1-Wert in gewissen Szenarien noch einmal überschreiten, auf bis zu 36 Watt, ganz unabhängig vom Turbomodus und dem PL2-Wert, der bei 64 Watt liegt.

Ein Blick auf das kleinste Profil am Strom, das die CPU nach wenigen Sekunden auf 15 Watt einbremst, war allerdings ebenfalls möglich – allerdings nur bei sechs Tests. Auch in diesem Modus darf die CPU unter maximaler Last für Sekunden auf bis zu 60 Watt hinauf, wird aber schnell und hart abgefangen – mit gravierenden Auswirkungen auf das Ergebnis.

Für den Core i7-1165G7 im Acer Swift 3 sind dauerhaft knapp über 15 Watt hingegen der Normzustand. Dabei dürfte auch diese CPU mehr. Acer hat sich im sehr kompakten, auch auf Akkulaufzeit ausgelegten Swift 3 aber für eine konservativere Nutzung entschieden. Der Blick zum Swift-3-Vorgänger mit Ice-Lake-CPU zeigte ein nahezu identisches Verhalten, viele Tiger-Lake-CPUs dürften im Alltag ebenfalls so arbeiten.

Die Antwort auf die Frage der Leistung hängt auch bei Tiger Lake damit am Ende davon ab, wie der Hersteller welche CPU in welchem Profil konfiguriert hat. Bei Tiger Lake dürfte es noch schlimmer werden als in der Vergangenheit, denn sie werden ab Werk immer mit einer TDP von 15 bis 28 Watt ausgeliefert – zuzüglich Turbomodus. Heraus können am Ende Notebooks kommen, die trotz gleicher CPU unterschiedlicher kaum sein könnten.

Single-Core-Leistung: ein neuer Rekord

Früher rückte Intel gern Cinebench in den Vordergrund, heute macht das AMD. AMD geht es dabei um das Multi-Core-Verhalten, wo die eigenen CPUs extrem gut skalieren. Intel hat sich dem Benchmark quasi entsagt. Dabei gibt es dort ja auch ein Szenario, bei dem Tiger Lake extrem beeindruckt: Single-Core-Performance.

Die vom Core i7-1185G7 erreichten 600 Punkte in Cinebench 20 sind nicht nur Notebook-Desktop-PC-übergreifend ein Meilenstein, auch zeigen sie deutlich die Fortschritte auf, die die neue Architektur gegenüber der alten bringt. Gegenüber bisherigen Intel-Notebooks sind das ganz schnell 100 Punkte mehr, auch gegenüber dem Desktop, der nicht nur sprichwörtlich noch auf Skylake-Niveau hängt, gibt es diesen Sprung. Dort gibt es mit 5,3 GHz Single-Core-Takt rund 542 Punkte, im Notebook mit maximal 4,8 GHz ab heute 600 Punkte. In Cinebench ergibt sich demnach ein IPC-Vorteil von rund 20 Prozent. Auch der Core i7-1165G7 im Acer Swift 3 ist noch schneller als das aktuelle Desktop-Topmodell.

Cinebench R20 1-Thread
Intel Core i7-1185G7 4,8 GHz 600 Punkte
Intel Core i7-1165G7 4,7 GHz 552 Punkte
Intel Core i9-10900K 5,3 GHz 542 Punkte
Differenz 1185G7 vs. 10900K +500 MHz (+10,4%) -58 Punkte ( -9,7% )

Auf der anderen Seite stehen 2.500 Punkte im Mehr-Kern-Test, was für einen Quad-Core-Prozessor ebenfalls nicht schlecht ist. Dafür war bisher ein Sechs-Kern-Prozessor von Intel nötig. AMDs Ryzen 4000 drehen mit acht Kernen und 16 Threads aber in dem Fall Kreise um alle Intel-CPUs:

Cinebench-Durchlauf mit HWinfo-Protokollierung
Cinebench-Durchlauf mit HWinfo-Protokollierung

Multi-Core-Leistung: AMD bleibt vorne

Rendering-Aufgaben oder Encoding-Tätigkeiten über sehr viele Threads bleiben für Intel auch mit Tiger Lake der Ernstfall gegenüber Renoir, diverse andere Multi-Thread-Szenarien gehen hingegen auch mit vier Kernen und acht Threads Intels neuer CPU leichter von der Hand. Es reicht nicht für AMDs schnelle Acht-Kern-CPUs oder auch Intels eigene CPUs aus einer höheren TDP-Klasse, allerdings kommen aus beiden Lagern die Sechs-Kerner in starke Bedrängnis. Tiger Lake-U ist auch in diesen Fällen sehr oft in der Lage, die Leistung von Sechs-Kern-Prozessoren zu erreichen.

AMD oder Intel: Eine Frage von Konfig und Gewichtung

ComputerBase bietet im Diagrammsystem die Option, das Rating nach eigenen Wünschen zu gewichten. Dafür können über die Schaltfläche „Bearbeiten“ Anwendungen herausgenommen werden, das Rating ändert sich daraufhin in Echtzeit. Grundlegend geteilt wurde das Rating bereits in den letzten Notebook-Tests in Alltagslasten sowie Heavy Workloads.

Die konkrete Konfiguration der CPU und die Gewichtung von Anwendungen wird einmal mehr zum Spielball der Beurteilung der Leistung und AMD sowie Intel machen in ihren PR-Botschaften genau das: Während sich Intel auf Workloads versteift, die ihren CPUs liegen, geht AMD seit der Einführung von Zen den Weg sehr gern über das Rendering.

Im um Einzelergebnisse des GeekBench bereinigten Leistungsrating Alltagslasten, der viele Single-Core-, aber mit Agisoft PhotoScan und Handbrake auch zwei Multi-Core-Anwendungen umfasst, schafft es der Core i7-1185G7 nicht ganz, den maximal ausgefahrenen Ryzen 7 4800U von AMD zu stellen, dem konservativ konfigurierten Core i7-1165G5 gelingt das hingegen selbst im Vergleich zum Ryzen 5 4500U mit 25 Watt.

Interessant ist der Vergleich mit Ice Lake in nahezu dem gleichen Gerät: Gegenüber dem Core i7-1065G7 mit 15 Watt im alten Acer Swift 3 legt der Core i7-1165G7 bei 17 Watt im Rating um 30 Prozent zu.

Im Leistungsrating „Heavy Workload“ legt Tiger Lake im Swift 3 im Vergleich zum Vorgänger sogar um 44 Prozent zu. Dem kleineren Core i7 mit vier Kernen und Hyper-Threading gelingt es zudem erneut, den AMD Ryzen 5 4500U mit sechs Kernen ohne SMT zu schlagen. Der Core i7-1185G7 mit dauerhaft 36 Watt schafft das gegen den Ryzen 7 4800U hingegen nicht.

Tiger Lake beherrscht AVX-512: Kommt dieser Befehlssatz zum Einsatz, haben eigene Vorgänger sowie die Konkurrenz von AMD keine Chance.

Spiele-Leistung: Ein großer Schritt

Synthetische Tests sind stets des Herstellers Lieblinge, 3DMark steht im Notebook-Segment auch im Jahr 2020 ganz vorn. Dort zeigt sich gegenüber dem Vorgänger Ice Lake der versprochene Leistungszuwachs um den Faktor 2.

In echten Spielen kommt es dann wie bei Anwendungen ganz auf den Titel an, AMDs integrierte Grafikeinheit muss Intel mit Xe jedoch nicht mehr fürchten. Sowohl in den Theorie- als auch Praxis-Tests rangiert die GPU des Topmodells vor AMDs Lösungen, mal mehr und mal weniger ausgeprägt. Bei den Frametimes dürfte wiederum eher der hohe CPU-Takt als Xe den Unterschied machen. Ice Lake findet sich in diesen Diagrammen leider nicht wieder.

Der Unterschied in der dauerhaft freigeschalteten Leistungsaufnahme von Core i7-1185G7 und Core i7-1165G7 zeigt sich in Spielen am deutlichsten: Um die 20 Prozent verliert die CPU im Notebook von Acer gegenüber Intels Referenz.

Das zeigt sich auch beim GPU-Takt: Der liegt in F1 2019 nur noch bei um die 1,1 statt über 1,3 GHz.

AV1-Beschleunigung

Nvidias neue Ampere-GPUs können den AV1-Codec über den Video-Decoder NVDEC erstmals in Hardware decodieren, Formate bis hinauf zu 8K60 werden unterstützt. Ganz so hoch geht Intels Xe-GPU in den neuen Tiger-Lake-CPUs hingegen nicht: Hier ist bei 8K30 Schluss.

Im Test konnte das Video „Japan in 8K“ mit dem zum Markstart veröffentlichten Treiber 27.20.100.8783 UWD sowohl in Google Chrome als auch über VLC 4.0.0 Beta mit AV1-Support allerdings noch nicht in Hardware beschleunigt werden. Die Wiedergabe von 4K60 und 8K30 war zwar ohne ausgelassene Bilder möglich, belastete CPU und GPU aber stark. Laut Window Taskmanager war der Hardware-Decoder der Xe-GPU nicht aktiv.

Dazu passend erwähnen die Relase Notes zum Treiber (PDF) die AV1-Unterstützung mit keinem Wort. Zum Start der Plattform ist AV1-Decoding in Hardware demzufolge noch nicht aktiv.

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