Xbox Series X & S im Test: Systemseller und erstes Fazit

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Mahir Kulalic et al.
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Bekannte Spiele statt einem Neuem

Obwohl viele Anzeichen auf einen insgesamt erfolgreichen Start der neuen Microsoft-Konsolen hinweisen, ernüchtert das Gesamtpaket heute am 10. November. Natürlich ist die Hardware deutlich flotter als bisher, Spiele können erheblich schöner als jemals zuvor auf einer Xbox gerendert werden und dass die Konsolen selbst unter Dauerlast quasi unhörbar sind, begeistert.

Aber einen klassischen „Launch Title“, der die Technik ausreizt und Lust auf die Konsole macht, gibt es nicht. Das ursprüngliche Zugpferd, Halo Infinite, leidet unter Schwierigkeiten in der Entwicklung und wurde nach personellen Änderungen auf unbestimmte Zeit ins Jahr 2021 verschoben.

Wettmachen müssen das zum Start 30 bekannte Titel, die Optimierungen für die neuen Konsolen erhalten haben. Mit dabei sind große Namen wie Assassin's Creed Valhalla, Watch Dogs: Legion, Borderlands 3 sowie Microsofts eigene Spiele wie Gears 5 und Forza Horizon 4. Doch all diese Spiele sind bereits bekannt, auf zahlreichen anderen Plattformen verfügbar oder kommen zum Start auch auf den mittlerweile sieben Jahre alten Vorgänger. Und obwohl die Optimierungen durchaus schon aufzeigen, wohin die Reise gehen kann: Es fehlt ein Titel, der mit akribischer Hardware-Nähe programmiert wurde und beispielhaft präsentiert, wie die Zahnräder bei Series X und S ineinander greifen.

Die nachfolgende Liste zeigt die zum Start für Xbox Series X und S optimierten Titel. Der Grad der Optimierungen ist dabei immer abhängig vom Spiel.

Die Liste der zum Start für Xbox Series X/S optimierten Titel
Titel Xbox Game Pass Smart Delivery
Assassin’s Creed Valhalla ×
Borderlands 3 ×
Bright Memory 1.0 × ×
Cuisine Royale ×
Dead by Daylight
Devil May Cry 5: Special Edition × ×
DIRT 5 ×
Enlisted × ×
Evergate × ×
The Falconeer ×
Fortnite × ×
Forza Horizon 4
Gears 5
Gears Tactics
Grounded
King Oddball ×
Maneater ×
Manifold ×
NBA 2K21 × ×
Observer: System Redux × ×
Ori and the Will of the Wisps
Planet Coaster ×
Sea of Thieves
Tetris Effect: Connected
The Touryst
War Thunder ×
Warhammer: Chaosbane Slayer Edition × ×
Watch Dogs: Legion ×
WRC 9 FIA World Rally Championship ×
Yakuza: Like a Dragon ×
Yes, Your Grace ×

Es mutet fast schon surreal an, dass Microsoft zunächst betonte, wie sehr die stärkere Hardware endlich wieder Innovationen beim Spieldesign ermögliche und dann zunehmend und notgedrungen dazu überging, die Fähigkeiten der Abwärtskompatibilität in den Mittelpunkt der Kommunikation zu rücken.

Fazit

Das transformative Ereignis vergangener Konsolen-Starts fällt dieses Jahr zusammen mit dem Blick in die Zukunft aus. Im Prinzip erfolgt die Einführung ähnlich unaufgeregt wie die eines neuen Stücks PC-Hardware: Die Mehrleistung ist offensichtlich, alles ist etwas schneller, schöner und zeigt sich in der alltäglichen Routine. Das vom Vorgänger bekannte Dashboard, die Kompatibilität zu vorhandenen Controllern, und ein Line-Up aus bekannten Spielen ermöglichen einen nahtlosen Übergang. Inhaltlich aber gibt es nur das, was es quasi schon vorher auf dem Massenspeicher gab. So richtig ausnutzen lässt sich die neue Konsole deshalb erst irgendwann in der Zukunft, wenn die Spiele das vorhandene und nachweislich große Potential voll auszunutzen wissen. Damit bleiben auch Fragen nach der Praktikabilität von Raytracing oder VRS noch offen, Watch Dogs: Legion liefert hierfür noch keine sichere Basis.

Xbox Series X und Series S
Xbox Series X und Series S

Dass diesem Marktstart eine andere Bedeutung zukommt, dafür sprechen weitere Anzeichen, etwa der Fall des endgültigen Embargos parallel zu Ryzen 5000, der einen großen Teil der Aufmerksamkeit in Beschlag nahm, aber auch der Umstand, dass einzelne Medien zu stets anderen Aspekten der Konsole schon vorher berichten durften und alle Informationen eigentlich bereits längst bekannt waren. Xbox Series X und Series S erscheinen zwar heute auf einen Schlag, vorgestellt wurden sie aber bereits Stück für Stück über die vergangenen Monate.

Microsofts neues Verständnis von Konsolen

Die Konsole hat für Microsoft eine andere Stellung. Sie hat nun zeitgemäße Features (höhere Bildraten, Auflösungen, Raytracing und das Kühlsystem), ist aber doch immer mehr ein vorkonfigurierter HTPC. Eine solche Verschiebung kommt nicht von ungefähr, denn die Zukunft liegt langfristig im Streaming, weniger der Hardware, ein Bereich, in dem Microsoft ausnahmsweise einmal Vorreiter ist. Exklusivität passt nicht mehr ganz zu einem Konzept, dass zunehmend von Hardware-Plattformen gelöst wird, bei dem Vollpreis-Spiele nur noch Appetizer für ein Game-Pass-Abo sind.

Nicht umsonst gibt es Minecraft fast überall und Spiele wie Halo oder Age of Empires auch auf Steam. Was Microsoft hier präsentiert, ist nur mehr ein neues Abspielgerät für den Game Pass und ein substantielles Upgrade für Konsolen-Besitzer. Es kann so schwerlich mehr sein als ernüchternd, weil es nicht mehr kann als jede Iteration von PC-Hardware – zu einem attraktiveren Preis, der aktuell das (erwartbare) Tolle ist. Das eigentlich aufregende, der frische Inhalt, kommt erst noch.

Dass wird Vorbesteller ohne bisher zugestellte Konsole und Kunden, die heute vergeblich nach einer Series X im Handel gesucht haben, auch nicht glücklich stimmen, aber eventuell darüber hinweg trösten, nicht von Tag 1 an in die neue Generation einsteigen zu können. Abwarten ist bei den neuen Xbox nicht die schlechteste Devise.

ComputerBase hat Xbox Series X und Series S leihweise von Microsoft unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühstmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme der Hersteller auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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