ELO X Stereo, 7.1 USB & Air im Test: Drei Roccat-Headsets von der Stange

Michael Schäfer
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ELO X Stereo, 7.1 USB & Air im Test: Drei Roccat-Headsets von der Stange

In der neuen ELO-Serie von Roccat buhlen zum Start drei neue Headsets um die Gunst der Käufer: ELO X Stereo, ELO 7.1 USB & ELO 7.1 Air. Doch nicht nur Klang- und Mikrofonqualität zeigen erneut, dass die wahren Bedürfnisse der Kunden abermals nicht im Fokus lagen. Der Aufdruck „Gaming“ und LEDs retten das Gesamtbild nicht.

Design und Verarbeitung

Dass Roccat mit dem ELO X Stereo, ELO 7.1 USB und dem kabellosen ELO 7.1 Air vor allem Käufer der unteren Preissegmente ansprechen will, wird auf den ersten Blick nicht nur am UVP von 50, 70 und 100 Euro, sondern auch den Produkten deutlich.

Weil alle drei Headsets auf das gleiche Grundgerüst zurückgreifen, gelten die folgenden Beschreibungen, sofern nicht explizit auf Unterschiede aufmerksam gemacht wird, für alle Testkandidaten.

Bei allen dreien herrscht, vom Kopfbügel einmal abgesehen, Kunststoff als Material vor. Und beim Metall im Bügel wurde der Rotstift angesetzt: Wie bei vielen preiswerten Vertretern anderer Hersteller (z.B.) F.R.E.Q.4 von Mad Catz (Test) oderQuyre und beim Orios von Speedlink (Test)) ist er nicht komplett aus Metall gefertigt, sondern teilt sich in zwei rund 8 mm breite Streifen auf.

Der Bügel sorgt bei allen drei Headasets nur dürftig für einen sicheren Sitz
Der Bügel sorgt bei allen drei Headasets nur dürftig für einen sicheren Sitz

Durch die darunter sitzende Kopfpolsterung, über die sich das Headset selbst auf die jeweilige Kopfform einstellen soll, teilen sich die ELO-Serie und die bereits genannte Mitbewerber die daraus folgende Konsequenz, dass die Kopfhörer-Mikrofon-Kombinationen sehr schwammig auf dem Kopf sitzen – selbst bei normaler Kopfgröße hängt auch die ELO-Serie schon fast wieder von den Ohren herunter. Bei schnellen oder plötzlichen Bewegungen können sich alle drei Testkandidaten gerade noch so auf dem Kopf halten.

Roccat ELO X Stereo Roccat ELO 7.1 USB Roccat ELO 7.1 Air
Bauform: Over Ear, geschlossen
Treiber: Neodymium, 50 mm
Anschlüsse: 3,5 mm Klinke USB
Drahtlose Verbindungen: Funk
Frequenzbereich Kopfhörer: Klinke: 20 Hz – 20.000 Hz USB: 20 Hz – 20.000 Hz Funk: 20 Hz – 20.000 Hz
Laufzeit bei drahtloser Verbindung: 24 Std
Entfernung bei drahtloser Verbindung: ?
Drahtloses Laden: Nein
Bedienelemente am Headset: Ja
Kabelfernbedienung: Ja? Nein
Integrierte Soundkarte: Nein Ja
Raumklang: Nein Ja
Frequenzbereich Mikrofon: Klinke: 100 Hz – 16.000 Hz USB :100 Hz – 16.000 Hz Funk: 100 Hz – 8.000 Hz
Mikrofon Eigenschaften: abnehmbar, stummschaltbar, justierbar
RGB-Beleuchtung: Nein Ja
Kühlung:
Vibrationsfunktion: Nein
Gewicht: 314 g 374 g 345 g
Preis: ab 47 € ab 70 € ab 100 €

Viele Schwachstellen

Die Aufhängungen sind ebenso aus Kunststoff gefertigt und damit weit weniger stabil als die Umsetzungen aus Metall bei nicht zwangsläufig höherpreisigen Vertretern. Erfreulich ist, dass sich die Ohrmuscheln, die sehr an das Noz (Test) aus gleichem Hause erinnern, um 90° drehen lassen und sich somit besser an das jeweilige Ohr anpassen. Die Ohrpolster fallen recht dünn sowie nicht sonderlich fest aus und sind zudem mit Kunstleder überzogen. Das kann an wärmeren Tagen oder nach längerem Tragen schon mal für schwitzende Ohren sorgen.

Die Halterungen der Ohrmuscheln bestehen ebenso aus Kunststoff
Die Halterungen der Ohrmuscheln bestehen ebenso aus Kunststoff

Weniger erfreulich ist ferner, dass die Kabel, die die beiden Muscheln miteinander verbinden, weitläufig offen liegen. Auch das erhöht das Risiko für einen Defekt über die Nutzungszeit.

In Sachen Bedienelemente wird sich ebenso zurückgehalten, mehr als den Lautstärkeregler und die Mikrofonstummschaltung sowie beim 7.1 USB und 7.1 Air eine Monitoreinstellung, mit der die eigene Stimme der Kopfhörereinheit zugemischt werden kann, haben alle drei Vertreter nicht zu bieten.

Bei allen drei ELO-Headsets liegen die Kabel am Bügel offen
Bei allen drei ELO-Headsets liegen die Kabel am Bügel offen

Während die USB-Variante beim Kabel mit 2,5 m eine zufriedenstellende Länge aufweist, müssen sich Käufer der analogen Version ELO X Stereo erst einmal mit lediglich 1,6 m zufriedengeben, mehr gibt es nur unter der Verwendung des Y-Adapters, der den Multistecker auf jeweils einen Anschluss für Kopfhörer und Mikrofon aufteilt. Hier wären ein langes Kabel und ein kurzer Adapter die bessere Lösung gewesen, von der jeder Nutzer profitiert hätte.

Darüber hinaus sind die Kabel fest mit dem Headset verbunden, womit sich das Thema Elektroschrott erneut meldet. Während das USB-Kabel zudem eine Stoffummantelung erhalten hat und damit strapazierfähiger ist, müssen sich Nutzer des Stereo X mit einem dünneren und nicht verstärkten Kabel mit normaler Gummiaußenhaut zufriedengeben.

Darüber hinaus verfügen sowohl das ELO 7.1 USB wie auch die Air-Variante über eine LED-Beleuchtung in den Ohrmuscheln, welche sich über die zugehörige Software steuern lässt.

Das ELO 7.1 USB und das 7.1 Air verfügen über eine LED-Beleichtung
Das ELO 7.1 USB und das 7.1 Air verfügen über eine LED-Beleichtung

Konnektivität und Laufzeiten

Jedes der neuen ELO-Headsets bietet jeweils eine Verbindungsmöglichkeit mit einem Quellgerät – und nur diese. So bildet das X Stereo das einzige rein analog verwendbare Modell im Test-Ensemble. Und während viele USB-Headsets auch analog betrieben werden können, bietet das 7.1 USB nur die digitale Verwendung. Nicht viel anders schaut es beim 7.1 Air aus, bei welchem der USB-Anschluss lediglich zum Laden des fest verbauten und somit nicht wechselbaren Akkus sowie dem Aufspielen von Firmwareupdates dient. Die Übertragung von Inhalten wird hier nur über die drahtlose Schnittstelle vollzogen.

Die Kabel sind beim ELO Stereo X und ELO 7.1 USB fest angebracht
Die Kabel sind beim ELO Stereo X und ELO 7.1 USB fest angebracht

Über die mögliche Reichweite des drahtlosen Headsets macht der Hersteller keine Angaben, im Test wurden aber die gewöhnlichen Entfernungen erreicht: So hebt sich das ELO 7.1 Air mit 7 bis 8 Metern bei einer Wand zwischen Sender und Empfänger nicht von der Konkurrenz ab. Die Akku-Laufzeit gibt Roccat dagegen mit 24 Stunden an. Über die dabei eingestellte Lautstärke werden keine Angaben gemacht. Im Test wurde dieser Wert knapp erreicht, nur besitzen Zeitangaben in diesen Größen kaum eine Relevanz, zu groß können die Unterschiede bei geänderter Lautstärke, Qualität der Verbindung sowie den übertragenen Inhalten sein. Aus den genannten Gründen kann sich der Energieverbrauch unter Umständen sogar um mehrere Stunden in beide Richtungen verschieben.

Somit sollte mit dem kabellosen Headset selbst eine ausgedehnte Spiele-Session kein Problem darstellen. Sollte sich der Stromspeicher jedoch einmal während der Nutzung seinem Ende entgegenneigen, kann dieser bei weiterer Verwendung über das beiliegende USB-Kabel aufgeladen werden.

Software

Über die App Roccat Swarm, die für Windows ab Version 7 zur Verfügung steht, können grundlegende Funktionen der digitalen Headsets gesteuert werden. Darunter fallen neben der Beleuchtung auch diverse Klang- und Mikrofoneinstellungen. Die Nutzung ist an manchen Stellen jedoch wenig optimal umgesetzt. So dürften es die Anwender gewohnt sein, dass zum Beispiel Klangeinstellungenbeine sofortige Reaktion zur Folge haben. Im vorliegenden Fall tut sich jedoch erst einmal so lange nichts, bis der Anwender die Änderung bestätigt. Das mag bei anderen Programmen die bessere Wahl sein, hier verkompliziert es viele Einstellungen nur – so dürften viele Anwender einige Male gemachte Änderungen bestätigen müssen, bevor beim Equalizer der gewünschte Klang getroffen wird. Eine „Alternative“ wäre die Aktivierung der „Auto-Apply“-Funktion, die aber eine Verzögerung der automatischen Bestätigung von 2 bis 3 Sekunden nach sich zieht und erst dann die Änderung übernommen werden – auch keine wirkliche Verbesserung. ComputerBase hat den Hersteller auf den Umstand hingewiesen, das Feedback wurde daraufhin an die Entwickler weitergeleitet.

Klang

Alle drei Headsets verfügen technisch über das gleiche Grundgerüst, welches aus 50 mm großen Neodymium-Treiber besteht, die wiederum einen Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz ermöglichen sollen. Klanglich reihen sich drei Testkandidaten in das bereits bestehende Heer an Kopfhörer-Mikrofon-Kombinationen ein, welche es am Markt gibt. Die Ausgabe erfolgt bei allein drei Vertretern zunächst recht neutral, wobei im Detail jedoch die Mitteltöne dominieren und die Höhen manchmal etwas zu grell ausfallen. Dennoch wirkt das ganze Geschehen recht gepresst, von Dynamik ist nur wenig zu spüren. Auch von einer Spielfreude wie bei höherpreisigen Vertretern wie dem Custom Game von beyerdynamik (Test) ist nur wenig zu spüren, welcher gleichzeitig auch wesentlich differenzierter klingt.

Spiele je nach Genre, Musik und Film lieber nicht

Spiele funktionieren auf den ELO-Headsets nur selten. Bei normalen Casual-Games, Aufbauspielen oder ähnlichen leisten diese noch gute Arbeit, aber wenn es in epische Schlachten geht, welche für die Atmosphäre eine entsprechende „Bühne“ benötigen, dann stoßen alle drei Aspiranten schnell an ihre Grenzen. Gerade bei Shootern fehlt die Bassgrundlage, um Explosionen oder einen vorbeifahrenden Panzer auch akustisch darstellen zu können. Der Spieler hört dann zwar „etwas“, aber Spaß und Immersion fühlen sich am Ende doch anders an.

Für die Wiedergabe von Musik eignen sich die Headsets ebenso nur bedingt – zumindest bei gehobeneren Ansprüchen. Bei der Ausgabe dröhnen oftmals der Tieftonbereich und die unteren Mitteltöne, der eigentliche Bass kommt dagegen kaum durch. Stimmen werden nicht selten zu stark abgebildet, was besonders bei Zisch-Lauten auffällt. Auch die Räumlichkeit lässt zu wünschen übrig. Dies können bereits gleich oder leicht teurere Kopfhörer besser.

Die Ohrpolster sind nicht sonderlich fest und mit Kunstleder überzogen
Die Ohrpolster sind nicht sonderlich fest und mit Kunstleder überzogen

Das wird unter anderem bei vom Ton her gut abgemischten Konzert-Videos mehr als deutlich, im hiesigen Fall von Mylene Farmers „Le Film“ aus dem Jahr 2019. Während das Geschehen vom Ton her gefühlt nur vor einem abspielt, eröffnet sich mit dem bereits erwähnten Custom Game oder einem mittlerweile 30 Jahre alten HD 560 MK II von Sennheiser eine eindrucksvollere Breite, welche dem Geschehen eine wirkliche Bühne bietet und eine intensivere Atmosphäre schafft. Man nimmt das Publikum nicht nur gefühlt von vorne wahr, sondern auch seitlich. Hier müssen die ELO-Headsets deutlich schneller die Segel streichen. Aber nicht nur an dieser Stelle zeigt die Konkurrenz, was möglich ist, auch der Bassbereich kommt deutlich prägnanter und runder zum Ausdruck – bei den Roccat-Headsets ist dieser in der Form kaum wahrnehmbar.

Und damit lässt sich auch direkt die Brücke zur Filmwiedergabe schlagen, denn bei dieser verhält es sich nicht anders. Dialoglastige Inhalte lassen sich mit den Testkandidaten noch anschauen, aber Action-Filme bringen nur wenig Spaß, weil einfach der „Rums“ fehlt. Die bleibt Atmosphäre damit ebenfalls auf der Strecke.

Sollte der fehlende Bass einmal über Roccats Swarm-Software oder dem jeweiligen Player per Equalizer erhöht werden, wird erneut deutlich, wie sehr das Test-Ensemble bereits am Limit operiert: Schnell wirkt die Ausgabe noch gepresster und dumpfer und die unteren Frequenzen kommen nicht wirklich besser zur Geltung. Dagegen wird der Mittel- und Hochtonbereich abgesenkt, womit ein stärkerer Bassbereich vorgegaukelt werden soll – was die gesamte Ausgabe aber nur noch mehr in einen akustischen Brei verwandelt.

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