Im Test vor 15 Jahren: Einsteiger-Grafikkarten waren laut oder langsam

Robert McHardy
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Im Test vor 15 Jahren: Einsteiger-Grafikkarten waren laut oder langsam

Nachdem ATi sich mit der Radeon X1900 XT(X) die Leistungskrone sicherte, setzte Nvidia mit der GeForce 7300 GS (Test) im Einsteigermarkt zum Angriff auf ATi an. In puncto Leistung sah es im Vergleich mit der Radeon X1300 Pro schlecht aus, diese hatte jedoch auch ihre Schwächen.

Nvidias erste 90-nm-GPU

Die G72-GPU war mit 112 Millionen Transistoren nicht nur bedeutend schlanker als der große G70-Chip, sondern vor allem Nvidias erster Grafikchip, der in einem 90-nm-Fertigungsverfahren hergestellt wurde. Das senkte Chipgröße und Herstellungskosten ebenso wie Leckströme und damit einhergehend den Stromverbrauch. Der direkte Konkurrent der GeForce 7300 GS hörte auf den Namen Radeon X1300 Pro und war – wie alle ATi-GPUs seit der Radeon-500-Serie – ebenfalls im 90-nm-Verfahren gefertigt. Im Vergleich zu der ATi-Grafikkarte verfügte die GeForce über eine mehr als halb so kleine Pixelfüllrate und eine marginal geringere Texelfüllrate. Dafür war der Dreiecksdurchsatz um etwa ein Drittel höher. Wie die GeForce 6200 TC konnte die 7300 GS zusätzlich zu ihrem Grafikspeicher bis zu 128 MByte des Systemspeichers abzwacken, was die mageren 6.464 MByte/s unterstützen sollte.

GeForce 6200 TC GeForce 7300 GS GeForce 6600 GT Radeon X1300 Pro
Chip NV44 G72 NV43 RV515
Transistoren 75 Mio. 112 Mio. 146 Mio. 105 Mio.
Fertigung 110 nm 90 nm 110 nm 90 nm
Chiptakt 350 MHz 550 MHz 500 MHz 600 MHz
Pixel-Pipelines 4 8 4
Shader-Einheiten
pro Pipeline (MADD)
1 2 1
ROPs 2 4
Pixelfüllrate 700 MPix/s 1.100 MPix/s 2.000 MPix/s 2.400 MPix/s
TMUs je Pixel-Pipeline 1
Texelfüllrate 1.400 MTex/s 2.200 MTex/s 4.000 MTex/s 2.400 MTex/s
Vertex-Shader 3 2
Dreiecksdurchsatz 262,5 MV/s 412,5 MV/s 375 MV/s 300 MV/s
Pixel-Shader PS 3.0
Vertex-Shader VS 3.0
Speichermenge 64 MByte DDR1
+ 192 MByte
128 MByte DDR2
+ 128 MByte
128 MByte GDDR3 256 MByte GDDR3
Speichertakt 275 MHz 405 MHz 500 MHz 400 MHz
Speicherinterface 64 Bit 128 Bit
Speicherbandbreite 4.400 MByte/s
+ Systemspeicher
6.464 MByte/s
+ Systemspeicher
16.000 MByte/s 12.800 MByte/s
Interface PCIe PCIe/AGP PCIe
SLI/CF-Unterstützung Nein Ja (PCIe) Ja

Am unteren Leistungsspektrum angesiedelt, kam die GeForce 7300 GS mit einem Low-Profile-Kühler in Single-Slot-Ausführung aus. Die Stromversorgung erfolgte vollständig über den PCI-Express-Steckplatz.

Langsam, aber immerhin leise

Wer eine Low-End-Grafikkarte kaufte, der konnte nicht damit rechnen, aktuelle 3D-Spiele flüssig in hohen Einstellungen spielen zu können. In den Benchmarks zeigte sich dennoch ein deutlicher Unterschied zwischen der Radeon X1300 Pro, die für 100 Euro erhältlich war, und der 75 Euro teuren GeForce 7300 GS. Bereits ohne Kantenglättung oder anisotrope Filterung arbeitete die Radeon im Durchschnitt etwa 20 Prozent schneller. Wenn zusätzlich die Bildverschönerungen eingeschaltet wurden, lag der Vorsprung – abhängig von der Auflösung – zwischen 73 und 90 Prozent. Ein realistisches Szenario war dies aufgrund der ohnehin geringen Bildwiederholraten nicht.

Was der GeForce 7300 GS die Leistung war, war der Radeon X1300 Pro die Lautstärke. Die Grafikkarte kam im Test sowohl im Leerlauf als auch unter Last auf 67 dB(A) und war damit etwa 7,5 Mal so laut wie die GeForce. Es war allerdings davon auszugehen, dass Modelle aus dem Handel zumindest im Leerlauf einen geringeren Lautstärkepegel aufwiesen. Auch beim Stromverbrauch konnte die GeForce glänzen: Das Gesamtsystem genehmigte sich im Leerlauf 14 und unter Last 22 Watt weniger als mit der Radeon X1300 Pro.

Wer sich auf der Suche nach einer günstigen, effizienten und vor allem leisen Grafikkarte befand, war mit der GeForce 7300 GS gut beraten. Für einen kleinen Aufpreis konnte zwar auch die Radeon X1300 Pro erworben werden, in Anbetracht der B-Noten war diese aber nur in Ausnahmefällen zu empfehlen. Für halbwegs anspruchsvolle Spieler waren beide Modelle eine schlechte Wahl.

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