OnePlus 9 & OnePlus 9 Pro im Test: Alter Schwede!

Nicolas La Rocco
164 Kommentare
OnePlus 9 & OnePlus 9 Pro im Test: Alter Schwede!

OnePlus kooperiert mit dem schwedischen Kamerahersteller Hasselblad für das OnePlus 9 und OnePlus 9 Pro. Das Vorhaben gelingt und die Fotos stellen eine klare Verbesserung gegenüber dem OnePlus 8 Pro dar. Auch in anderen Bereich liefert OnePlus Top-Hardware und -Software. Die Flaggschiff-Konkurrenz ist aber enorm stark.

Preis und Verfügbarkeit

OnePlus 9 und OnePlus 9 Pro können nach der heutigen Vorstellung über die Website des Herstellers vorbestellt werden. Das Unternehmen will mit der Auslieferung des OnePlus 9 Pro zum 31. März beginnen, während für das reguläre OnePlus 9 ein etwas späterer Marktstart am 26. April geplant ist.

Hinsichtlich des Preisniveaus orientiert sich OnePlus an den jeweils direkten Vorgängern mit Ausnahme der T-Modelle. Das OnePlus 9 mit 8 GB RAM und 128 GB Speicher liegt mit 699 Euro auf dem Niveau des OnePlus 8. Das OnePlus 8T war zum Marktstart allerdings bereits für 599 Euro zu erstehen. Für das OnePlus 9 Pro ruft der Hersteller 899 Euro wie beim OnePlus 8 Pro auf und bestückt das Smartphone beim Basismodell ebenfalls mit 8 GB RAM und 128 GB Speicher. Beide Varianten des Geräts lassen sich für jeweils 100 Euro Aufpreis mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher wählen.

Smartphone Speicher Farben UVP Vorbestellungen Verfügbarkeit
OnePlus 9 8 GB/128 GB Arctic Sky, Astral Black 699 Euro 23. März 26. April
12 GB/256 GB Astral Black, Winter Mist 799 Euro
OnePlus 9 Pro 8 GB/128 GB Morning Mist, Stellar Black 899 Euro 31. März
12 GB/256 GB Morning Mist, Stellar Black, Pine Green 999 Euro

Das nachfolgende Diagramm verdeutlicht, wie sich die Preise für OnePlus-Smartphones über die letzten Jahre seit dem OnePlus One entwickelt haben. Für den Vergleich herangezogen wurden jeweils die unverbindlichen Preisempfehlungen zur Markteinführung.

Preisentwicklung OnePlus Smartphones 2504005507008501.000Euro OnePlus OneOnePlus 2OnePlus 3OnePlus 3TOnePlus 5OnePlus 5TOnePlus 6OnePlus 6TOnePlus 7OnePlus 7 ProOnePlus 7TOnePlus 7T ProOnePlus 8OnePlus 8 ProOnePlus 8TOnePlus 9OnePlus 9 Pro  Preis für das Basismodell  Preis für das Basismodell der Pro-Variante

Technische Daten im Überblick

OnePlus 9
OnePlus 9 Pro
Software:
(bei Erscheinen)
Android 11.0
Display: 6,55 Zoll
1.080 × 2.400, 402 ppi
AMOLED, HDR, Gorilla Glass
6,70 Zoll
1.440 × 3.216, 526 ppi
AMOLED, HDR, Gorilla Glass
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner
SoC: Qualcomm Snapdragon 888
1 × Kryo 680 Gold, 2,84 GHz
3 × Kryo 680 Gold, 2,42 GHz
4 × Kryo 680 Silver, 1,80 GHz
5 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 660
840 MHz
RAM:
8.192 MB
LPDDR5
Variante
12.288 MB
LPDDR5
Speicher: 128 / 256 GB
1. Kamera: 48,0 MP, 4320p
Dual-LED, f/1,8, AF
48,0 MP, 4320p
Dual-LED, f/1,8, AF, OIS
2. Kamera: 50,0 MP, f/2,2
3. Kamera: 2,0 MP 8,0 MP, f/2,4, AF, OIS
4. Kamera: Nein 2,0 MP
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 16,0 MP, 2160p
Display-Blitz, f/2,4
2. Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓2.000 ↑200 Mbit/s
5G: NSA/SA
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac/ax
Wi-Fi Direct
Bluetooth: 5.2
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 3.0 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 4.500 mAh
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 74,2 × 160,0 × 8,70 mm 73,6 × 163,2 × 8,70 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 192 g 197 g
Preis: 699 € / 799 € 899 € / 999 €

Design und Verarbeitung

Dieses Jahr ist der große Aufhänger der OnePlus-9-Serie die Kooperation mit dem schwedischen Kamerahersteller Hasselblad, sodass erstmals nicht nur das eigene OnePlus-Logo die Smartphones ziert, sondern im Bereich der Kamera auch ein kleines Hasselblad-Logo zu finden ist. Der Schriftzug fällt kompakt genug aus, um trotz des zusätzlichen Brandings nicht das gesamte Design der Rückseite zu dominieren.

Im Großen und Ganzen betrachtet orientiert sich OnePlus abseits der neuen Kameras beim Design an den bisherigen Modellen und deren Aufteilung in ein mit flacher und ein mit gekrümmter Vorderseite ausgestattetes Smartphone. Der Pro-Variante ist dabei erneut die vermeintlich bessere Bauart mit Curved-Display vorbehalten, während das OnePlus 9 ein flaches Display aufweist. Wo welche Tasten am Smartphone zu finden sind, hat sich glücklicherweise über die letzten Jahre nicht verändert, was auch bedeutet, dass der äußerst praktische „Alter Slider“ wieder rechts im Rahmen sitzt, über den sich schnell zum stummen oder vibrierenden Modus wechseln lässt. Ein vergleichbares Merkmal bieten ansonsten nur Apples iPhones. In puncto Materialwahl muss aber zwischen Aluminium für den Rahmen des OnePlus 9 Pro und Kunststoff für das günstigere OnePlus 9 unterschieden werden.

Das Pro-Modell ist etwas kleiner geworden

Top verarbeitet sind unabhängig davon beide Smartphones und mit jeweils unter 200 g gehören sie zu den eher leichten Flaggschiffen, denn Apples oder Samsungs Topmodelle fallen rund 10 Prozent schwerer aus. Betrachtet man die Abmessungen, liegt das OnePlus 9 auf dem Niveau des OnePlus 8T, während das OnePlus 9 Pro einen Hauch kompakter als das letztjährige OnePlus 8 Pro ausfällt, weil das Display um 0,08 Zoll auf jetzt „nur noch“ 6,7 Zoll reduziert wurde. Unterm Strich handelt es sich aber weiterhin um große Smartphones, die am sichersten mit zwei Händen bedient werden.

Mit Sandstone zurück zu den Wurzeln

Jeweils drei Farben stehen für die Smartphones zur Auswahl, darunter glänzendes „Winter Mist“ (Testgerät), mattes „Arctic Sky“ und ebenfalls glänzendes „Astral Black“ für das OnePlus 9. Glänzendes „Morning Mist“ (Testgerät), mattes „Pine Green“ und aufgerautes „Stellar Black“ stehen für das OnePlus 9 Pro zur Auswahl. Letztgenannte Variante erinnert an das frühere Sandstone der ersten OnePlus-Generationen und sorgt für eine Extraportion Grip. Entgegen ersten Erwartungen gut in der Hand liegen aber auch die glänzend ausgeführten Testgeräte, während zuletzt das matte Xiaomi Mi 11 (Test) deutlich flutschiger erschien. Nachteil der glänzenden Oberflächen ist deren Anfälligkeit für Fingerabdrücke, die sich wie Schmeißfliegen auf der Rückseite versammeln.

Alert Slider rechts im Gehäuse
Alert Slider rechts im Gehäuse
Den Metallrahmen hat nur das Pro
Den Metallrahmen hat nur das Pro

Die empfindliche Technik schützt beim OnePlus 9 Pro eine IP68-Zertifizierung, deren Umsetzung sich zum Beispiel anhand von Dichtgummis im SIM-Schacht erkennen lässt. Mit den gleichen Dichtgummis ist auch das OnePlus 9 ausgestattet, nur dass der Hersteller sich hier die Zertifizierung gespart hat. Ganz offiziell fehlt der Schutz also, doch den ein oder anderen Regentropfen dürfte dieses Smartphone ebenso überstehen.

OLED-Displays mit 6,55 und 6,7 Zoll

Die Differenzierung zwischen OnePlus 9 und OnePlus 9 Pro setzt sich bei den Bildschirmen fort, die sich zunächst einmal anhand ihrer flachen respektive leicht gekrümmten Bauweise unterscheiden. Der Hersteller erklärt, dass die Krümmung gegenüber dem OnePlus 8 Pro reduziert worden sei, was sich nach einem kleinen Eingeständnis für die eher suboptimale Bedienung solcher Smartphones anhört. Ganz wollte OnePlus die gekrümmten Ränder aber nicht aufgeben, wohl auch, um das teurere vom günstigeren Modell zu differenzieren. Faktisch sind flache Displays schlichtweg praktischer im Alltag, auch wenn sie etwas weniger modern als gekrümmte Varianten wirken.

In Zahlen ausgedrückt, kommt das OnePlus 9 auf 6,55 Zoll mit 2.400 × 1.080 Pixeln für eine Pixeldichte leicht oberhalb von 400 ppi, die für ein scharfes Schriftbild sorgt, das aber vom OnePlus 9 Pro bei genauerer Betrachtung übertroffen wird. Die Pro-Variante bietet 3.216 × 1.440 Pixel auf 6,7 Zoll und erreicht damit sehr hohe 526 ppi.

Samsung steuert das LTPO-Panel bei

Weitere Unterschiede finden sich bei den verwendeten Panels, die erneut von Samsung, aber aus unterschiedlichen Generationen stammen. Der Bildschirm des OnePlus 9 entspricht weitgehend dem des OnePlus 8T (Test) und arbeitet mit 60 oder 120 Hz, wobei standardmäßig die höhere Bildwiederholfrequenz eingestellt ist, die für ein äußerst zügiges Bediengefühl sorgt. Das OnePlus 9 Pro nutzt hingegen ein AMOLED-Panel mit LTPO-Rückwandplatine und unterstützt zwar auch 60 und 120 Hz, kann bei letztgenannter Einstellung, die Standard ist, aber variabel und je nach Inhalt die Bildwiederholfrequenz auf zum Beispiel 24 Hz (Filme) oder sogar nur 1 Hz (Fotos und Text) reduzieren, was den Energiebedarf laut OnePlus um bis zu 50 Prozent senken soll. Dass das nur eingeschränkt funktioniert, zeigen im späteren Verlauf des Artikels die Akkutests.

Nachdem OnePlus schon beim 8T das Display besser kalibriert hatte, trifft das jetzt auch auf das OnePlus 9 Pro zu, dessen Vorgänger beim Weißpunkt noch daneben lag. Der Hersteller liefert die Geräte ab Werk mit einer etwas stärkeren Farbsättigung mit dem Profil „Lebendig“ aus, das aber nicht übertrieben wirkt und bei Nichtgefallen zu „Natürlich“ gewechselt werden kann. In einem erweiterten Modus lässt sich zudem zwischen einem besonders breiten AMOLED-Farbspektrum, sRGB und DCI-P3 wählen. Auch eigene Anpassungen etwa am Weißpunkt werden in diesem Profil unterstützt.

Über 1.000 cd/m² im Automatikmodus

Um die Helligkeit zu ermitteln, kam jedoch das Standardprofil zum Einsatz, das für beide Geräte ähnliche und wie im letzten Jahr gute (OnePlus 9) respektive sehr gute (OnePlus 9 Pro) Werte liefert. Konkret erreicht das OnePlus 9 bis zu 776 cd/m² bei vollständig weißem Display, wobei sich mit verringertem Weißanteil (10 Prozent APL) über 1.000 cd/m² erzielen lassen. Das OnePlus 9 Pro schaffte beim Messen bis zu 787 cd/m², die sich auf maximal knapp 1.200 cd/m² bei reduziertem APL hieven lassen. Das OnePlus 8 Pro lieferte letztes Jahr beinahe identische Werte, das OnePlus 9 legt gegenüber dem OnePlus 8T erst bei kleinerem APL von 20 und 10 Prozent zu.

Anzumerken ist für beide Smartphones, dass sich die hohen Werte ausschließlich im Automatikmodus erreichen lassen, während der manuelle Modus jeweils bei rund 500 cd/m² Schluss macht. Das kann als eine Art Vorsichtsmaßnahme interpretiert werden, damit das Display nicht manuell am Anschlag betrieben wird. Auch Panel-Lieferant Samsung macht das so bei den eigenen Modellen, die derzeit in puncto Helligkeit die Speerspitze am Markt darstellen. Einzig der Apple-Konzern, der OLED-Displays ebenfalls von Samsung bezieht, unterscheidet nicht zwischen Automatikmodus und manueller Einstellung, sodass Anwender stets das Maximum abrufen können.

Ein weiteres Detail betrifft die Regelung der Helligkeit über einen Helligkeitssensor rechts oberhalb des Displays, der wahrlich hell bestrahlt werden will, um das Maximum aus dem Bildschirm zu holen. Ein mit Batterien betriebener LED-Scheinwerfer, der bei bisherigen Tests ausreichend war, um das Panel zu triggern, genügte beim OnePlus 9 (Pro) nicht mehr, sodass ein stärkerer Godox SL60W* herhalten musste, um die Sonne zu emulieren. Beim Testen fiel außerdem auf, dass die Smartphones die Helligkeit relativ träge regulieren, was Vor- und Nachteile hat. Auf der einen Seite lässt sich das Panel mehr Zeit, um auf die Umgebungshelligkeit zu reagieren, was beim Testen und auch im Alltag manchmal nervig sein kann. Auf der anderen Seite wirkt die Regulierung dadurch nicht so nervös und schwankt nicht andauernd „pumpend“ schnell hin und her.

Tiefer Fingerabdrucksensor

Abseits der klassischen Bildschirm-Eigenschaften ist der Fingerabdrucksensor anzusprechen, der beim OnePlus 9 (Pro) in optischer Ausführung tief im Display integriert wurde. Bei beiden Geräten sitzt der Sensor nur etwa einen Zentimeter oberhalb der unteren Bildschirmkante, sodass der Daumen stark angewinkelt werden muss, um diesen zu erreichen. Das ist in puncto Ergonomie vor allem bei einem großen Smartphone nicht optimal. Zugutehalten muss man OnePlus aber, dass die Sensoren einwandfrei funktionierten, nachdem hier zuletzt das Xiaomi Mi 11 etwas enttäuschte.

Die Fingerabdrucksensoren sitzen sehr tief im Bildschirm
Die Fingerabdrucksensoren sitzen sehr tief im Bildschirm

(*) Bei den mit Sternchen markierten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Im Fall einer Bestellung über einen solchen Link wird ComputerBase am Verkaufserlös beteiligt, ohne dass der Preis für den Kunden steigt.

Auf der nächsten Seite: Kamerasystem aus Hasselblad-Kooperation