Wi-Fi 6E in Europa: EU-Kommission einigt sich auf ein reduziertes Spektrum

Update Frank Meyer
111 Kommentare
Wi-Fi 6E in Europa: EU-Kommission einigt sich auf ein reduziertes Spektrum
Bild: Asus

Die Europäische Kommission (EC) hat sich bei der Nutzung der Frequenzen im Wi-Fi-6E-Spektrum auf eine einheitliche Linie geeinigt. Die offizielle Harmonisierung bringt mehr Kanäle für WLAN. Die Erweiterung sorgt für eine Netzentspannung, in Europa jedoch nicht in dem Umfang wie es in anderen Ländern und Regionen möglich ist.

Neuer WLAN-Standard in Europa harmonisiert

Die EU-Kommission (EC) stellt mit dem finalen Beschluss von Mitte Juni und der nun im Amtsblatt offiziell veröffentlichten Frequenzbanderweiterung im Sub-6-GHz-WLAN mehr als 15 Jahre nach der letzten Spektrumerweiterung die Weichen für die Einführung von Produkten des neuen Funkstandard Wi-Fi 6E (Enhanced). Mehr Frequenzbänder als bisher stehen für das moderne WLAN zur Verfügung. Mit der erfolgreichen Entscheidung kann die erweiterte Nutzung des 6-GHz-Bands für drahtlose Netze im Bereich zwischen 5.945 – 6.425 MHz der gesamten EU harmonisiert ablaufen. Dies wird laut der Kommission „eine wachsende Zahl von Geräten, Online-Anwendungen und innovativen Diensten“ unterstützen, die höhere Geschwindigkeiten benötigen. Dadurch können private Haushalte und Unternehmen künftig stabilere Wi-Fi-Verbindungen bekommen, etwa für Videokonferenzen, Streaming und Telemedizin. Darüber hinaus soll WiFi-6E-WLAN bei den Latenzraten mit dem Mobilfunkstandard 5G gleichziehen.

Wi-Fi 6E in Europa mit reduziertem Frequenzblock

Insgesamt ermöglicht die EU somit 480 MHz zusätzliches Spektrum im 6-GHz-Band, um der weiter stetig wachsenden Zahl an WLAN-Geräten Rechnung zu tragen. Damit verdoppelt sich nach Angaben der Kommission der für WLAN verfügbare Frequenzbereich nahezu: Bisher sind knapp 540 MHz im 2,4-GHz- und 5-GHz-Band freigegeben. Das erweiterte Spektrum werde laut der Institution die Netzüberlastung beispielsweise in Schulen, Hörsälen oder Fußballstadien reduzieren und so die tatsächliche Geschwindigkeit erhöhen. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit denn bei der „europäischen Variante“ von Wi-Fi 6E handelt es sich um eine beschnittene Form, die das eigentliche Potential des WLAN-Standards nur bedingt ausschöpft.

Zahlreiche Länder, darunter die USA, wo die Regulierungsbehörde FCC schon im April 2020 vorausging und einen zusätzlichen Frequenzblock zwischen 5,9 und 7,1 GHz freigab, Südkorea und viele Staaten Mittel- und Südamerikas, haben einen größeren Frequenzblock bis hoch zu 7.125 MHz genehmigt und damit die gesamte Bandbreite im Umfang von 1.200 MHz (5.945 – 7.125 MHz) freigegeben. Australien, Großbritannien, Japan und Kanada werden in Kürze folgen. Die unvollständige Öffnung des 6-GHz-Bands für WLAN in der EU wird allen voran von der Wirtschaft kritisiert. Diese hofft das zu einem späteren Zeitpunkt auch in der EU die noch übrigen Frequenzen für lizenzfreie Nutzung durch WLAN freigegeben werden.

Wi-Fi 6E (Enhanced) für mehr Bandbreitenreserven

Beim Standard Wi-Fi 6E handelt es sich um eine voll abwärtskompatible Erweiterung von Wi-Fi 6 oberhalb des 5-GHz-Funkbandes. Die zusätzlichen Funkkanäle erlauben es WLAN-Systemen in dicht besiedelten Gegenden sich besser aus dem Weg zu gehen, was für weniger Überlagerungen und schlussendlich größeren Bandbreitenreserven sorgt. Router und Gegenstellen, etwa PCs oder Smartphones, benötigen für den neuen Funkstandard Wi-Fi 6E neue WLAN-Einheiten, wie sie unter anderem Intel mit der M.2-Steckkarte AX210 bereits einige Zeit anbietet. Aber auch Qualcomm hat bereits Mitte des vergangenen Jahres erste Wi-Fi-6E-Chips für beispielsweise Smartphones, Router, Access Points und Repeater angekündigt. Manche Geräte, insbesondere Notebooks aber auch teils erste Mainboards der gehobenen Preisklasse und neuerer Generation sind bereits mit den modernen Wi-Fi-6E-Modulen ausgestattet, benötigen teils jedoch Firmware-Updates zum Freischalten des in Europa zugelassenen Bereichs.

Bis die Freischaltung des neuen Frequenzblocks tatsächlich erfolgt und Wi-Fi-6E-fähige Geräte in großer Zahl in der EU auf den Markt kommen, wird noch etwas Zeit verstreichen. Denn die für die Zulassung zugehörige europäische Norm EN 303 687, anhand derer Hersteller Konformitätserklärungen selbst ausstellen können, hat Ende Juni 2021 immer noch Entwurfsstatus (Draft 0.0.12). Die Mitgliedsstaaten müssen die EC-Vorgabe nun bis zum 1. Dezember 2021 umsetzen und so das Spektrum für die Einführung von Wi-Fi 6E bereitstellen.

Zuteilung soll in Kürze in Deutschland erfolgen

In Deutschland erfolgt die endgültige Spektrumerweiterung von Wi-Fi 6E durch eine Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur. Bereits im Spätherbst 2020 teilte die Regulierungsbehörde mit, dass der 6-GHz-Frequenzbereich hierzulande voraussichtlich im zweiten Quartal 2021 bereitgestellt werden könne. Die Netzagentur hielt jüngst auf Nachfrage an diesem Termin fest und verriet weiter, dass die Zuteilung zur WLAN-Erweiterung auf 5.945 MHz bis 6.425 MHz „in Kürze erfolgen solle“. Einen konkreten Termin dafür gebe es jedoch aktuell noch nicht. Aus Herstellerkreisen ist zu vernehmen, dass erste Enterprise-Lösungen für Großprojekte im Herbst ausgeliefert werden.

Update

Wie die Bundesnetzagentur heute mitgeteilt hat, kann durch die Allgemeinzuteilung (PDF) des zusätzlichen Spektrums von 480 MHz im Bereich 5,945 GHz – 6,425 GHz fortan Wi-Fi 6E in Deutschland genutzt werden. Diese Allgemeinzuteilung ist bis zum 31.12.2024 befristet.

Das EM-2024-Tippspiel ⚽ auf ComputerBase – heute schon getippt?