Noctua NH-U12S redux im Test: Die teure günstigere Version des Klassikers

Thomas Böhm
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Noctua NH-U12S redux im Test: Die teure günstigere Version des Klassikers

Noctua präsentiert den NH-U12S redux als Budgetversion des NH-U12S. Zwar zeigt sich der redux-Kühler qualitativ über jede Kritik erhaben, doch der hohe Kaufpreis in Kombination mit einem geschrumpften Lieferumfang lässt keine einfache Eingruppierung des Tower-Kühlers zu. Er ist gut, aber kein Geheimtipp für kleine Geldbeutel.

Noctua war bis vor einigen Jahren für Kompromisslosigkeit bekannt: Die Kühler sind teuer und die Lüfter grundsätzlich in den Firmenfarben gehalten. Das Farbschema polarisiert, doch der (vermutlich) gewünschte Effekt, dass ein Noctua-Produkt Wiedererkennungswert hat, wurde unzweifelhaft erreicht. Der Hersteller hat jedoch damit begonnen, diese Stringenz aufzuweichen: Eine schwarze industrial-Serie an Lüftern bot die Möglichkeit, die beigebraune Farbmischung zu umgehen (auch wenn industrial-Lüfter ob ihrer hohen Maximaldrehzahl weniger für Privatnutzer gedacht sind) und die abgespeckten redux-Lüfterreihen in Grau sollen Noctua-Produkte zu einem erschwinglicheren Preis bieten.

Während der Hersteller mittlerweile Kühler als sogenannte chromax-Modelle auch mit schwarzen Lüftern anbietet, folgt der neu vorgestellte NH-U12S redux (ab 49 Euro) dem grauen Farbschema: Der Tower-Kühler ist ein leicht abgespeckter NH-U12S, der zu einem geringeren Preis angeboten wird.

Noctua NH-U12S redux
Noctua NH-U12S redux

Noctua gibt an, dass redux-Modelle auf das Wesentliche reduziert sein sollen. Konkret heißt das, dass der Hersteller als redux-Versionen keine brandneuen Lüfter, sondern altbekannte Modelle auflegt. Zudem leidet der Lieferumfang: Lüfter aus den redux-Serien kommen mit nicht mehr als vier Befestigungsschrauben beim Kunden an. Im Gegensatz zur umfangreichen Ausstattung der regulären Modelle haben redux-Versionen hier einen Nachteil, doch Noctua bleibt bei sechs Jahren Garantie und verspricht, dass die Qualität unverändert sein soll. Der NH-U12S redux muss als erster redux-Kühler im Test zeigen, ob der Rotstift an den richtigen Stellen angesetzt worden ist und ob er halten kann, was der Hersteller verspricht.

Noctua NH-U12S redux
Bauform: Tower
Größe (L × B × H): 45 × 125 × 158 mm (ohne Lüfter)
71 × 125 × 158 mm (mit Lüfter)
Gewicht: 550 g (ohne Lüfter)
755 g (mit Lüfter)
Heatpipes: Kupfer (vernickelt), 4 × 6 mm (Ø)
Kupferbasis (vernickelt)
Lamellen: Aluminium (vernickelt), ?
Abstand: ?
Kühler-Montage: Zweistufige Halterung mit Rückplatte
Lüfter (Modell 1): 1 × 120 × 120 × 25,0 mm
Öldruck Lager
450 – 1.700 U/min
120,2 m³/h
25,1 dBA
4-Pin-PWM
Lüfter (Modell 2):
Lüfter-Montage: Befestigung: Drahtbügel
Entkopplung: Lüfterrahmen
Kompatibilität: AMD: Sockel /AM3(+)/AM2(+)/AM4
Intel: LGA 2066/2011/LGA 1200/115x
Preis: ab 49 €

Noctua NH-U12S redux im Detail

Der NH-U12S redux setzt auf eine abgespeckte Variante des NH-U12S. Anstelle von fünf Heatpipes werden nur noch vier eingesetzt. Außerdem sind die Heatpipes nicht mehr mit den Lamellen des Radiators verlötet. Abseits davon teilen sich die beiden Kühler denselben Grundaufbau. Im Gegensatz dazu schlägt der NH-U12A (Test) in die andere Richtung aus, denn der basiert auf demselben Konstrukt, wildert jedoch mit sieben Heatpipes und zwei NF-A12x25 (Test) als Lüfter in einer gänzlich anderen Preisklasse.

Die Verarbeitung des NH-U12S redux ist über jeden Zweifel erhaben. Die Lamellen des Radiators sind sehr sauber verarbeitet und weisen keine scharfen Kanten auf. Verborgen unter der Schicht Wärmeleitpaste findet sich eine vernickelte Bodenplatte aus Kupfer, die eine gerade Auflagefläche zur CPU herstellt.

Serienlüfter und Lieferumfang

Anstelle des NF-A12x25 beim NH-U12A und des NF-F12 beim NH-U12S kommt beim NH-U12S redux ein NF-P12 redux zum Einsatz. Diesen 120-mm-Ventilator bietet Noctua bereits seit 2011 an, 2018 folgte dann das graue redux-Modell. Spezifiziert wird er mit einem Drehzahlintervall von 450 bis 1.700 U/min, wobei per PWM im Testsystem zwischen 200 und gut 1.650 U/min erreicht werden. Der Lüfter arbeitet im niedrigen Drehzahlbereich frei von störenden Laufgeräuschen und qualifiziert sich damit anstandslos für Silent-Systeme.

Beim Lieferumfang gibt sich Noctua erstaunlich minimalistisch. In der redux-Linie fehlen die üblichen Beigaben wie Klammern für einen zweiten Ventilator, Y-Adapter und Low-Noise-Adapter, Wärmeleitpaste in einer Spritze oder ein Schraubendreher. Stattdessen müssen die im Voraus aufgetragene Wärmeleitpaste und das minimal notwendige Montage-Zubehör ausreichen. Für einen Kühler im Budgetsegment ist das vertretbar, allerdings sprengt der NH-U12S redux diese Kategorie mit seiner Preisempfehlung von 50 Euro merklich.

Den zweiten Lüfter gibt es als Kit

Im Zubehör des Kühlers fehlen zwar die notwendigen Beigaben für einen zweiten Lüfter, doch wer ihn möchte, kann bei Noctua das passende Upgrade bestellen. Unter der Kennung NA-FK1 redux bietet der Hersteller für 16 Euro einen zweiten NF-P12 redux an.

Noctua NA-FK1 redux: Zusatzlüfter für den NH-U12S redux
Noctua NA-FK1 redux: Zusatzlüfter für den NH-U12S redux

Neben dem Lüfter befindet sich im Upgrade-Kit das Zubehör, das bei regulären Noctua-Kühlern zu finden ist: Y-Adapter für die Stromversorgung, zwei Low-Noise-Adapter zur Reduktion der Drehzahl, Lüfterklammern und ein Satz dicker Entkopplungsgummis für den Lüfterrahmen liegen bei.

Montage im Testsystem

Bei der Montage ändert Noctua nichts am bewährten System: Zwei Haltebügel werden mit der Backplate des AM4-Mainboards verschraubt. Auf diesen Haltebügeln wird der Kühler mit seinen beiden vorinstallierten Schrauben verschraubt. Da der Kühler die Wärmeleitpaste bereits im Voraus aufgetragen hat, gestaltet sich die Montage sehr einfach. Durch den schlanken Kühlturm lassen sich die Schrauben auch mit handelsüblichen Schraubendrehern problemlos greifen, sodass die Befestigung des Kühlers sehr gelungen ist.

Dasselbe gilt für die Kompatibilität des Kühlers, der mit 158 mm Bauhöhe in die meisten Midi-Tower passt. Der schlanke Kühlturm verhindert Kollisionen mit hohem Arbeitsspeicher und auch bei der Befestigung des zweiten Lüfters sollten keine Probleme auftreten. Durch die Beschränkung auf einen Lüfter mit einer Rahmenbreite von 120 mm und den dazu passenden Kühlturm sind auch keine Einschränkungen zum ersten PCIe-Slot hin zu erwarten.