4 Erkenntnisse: Wie Microsoft den Ruf von Windows 11 ruiniert hat
Das neue Jahr startete für Microsoft so mies wie das alte aufgehört hat. Beim ersten Patchday für Windows 11 sind Notfall-Updates nötig, die dysfunktionalen KI-Neuerungen trenden unter dem Titel Microslop. Der Konzern verspricht jetzt eine Kurskorrektur. Warum die Ankündigung nicht ausreicht, analysiert ComputerBase.
Die Misere in einem 30-Sekunden-Clip
Manchmal reicht ein 30 Sekunden langes Video, um die Probleme auf den Punkt zu bringen. Inhaltlich geht es um die neue KI-Suche in Windows 11 bei den Copilot+ PCs, mit der man laut Microsoft nicht mehr nach konkreten Einstellungen suchen muss, sondern eine allgemeine Beschreibung als Suchbegriff ausreicht. Die Künstliche Intelligenz soll es dann schon richten. Direkt in Windows wird empfohlen, dass es Nutzer etwa mit „Mein Mauszeiger ist zu klein“ versuchen könnten. Als der Entwickler Ryan Fleury exakt diesen Suchbegriff eingibt, erscheint allerdings kein Suchergebnis. Er wartet mehrere Sekunden, nichts passiert. Als er dann einfach „test“ in die KI-Suche eintippt, erscheinen direkt drei Ergebnisse.
This is not a real company pic.twitter.com/NgWTfrFvcm
— Ryan Fleury (@rfleury) January 4, 2026
„This is not a real company“ lautete Fleurys Kommentar, das Video ging Anfang Januar gemeinsam mit dem Begriff Microslop viral. Es steht sinnbildhaft für Microsofts Versuch, mit aller Gewalt neue KI-Funktionen in das Betriebssystem zu integrieren, obwohl diese weder ausgereift noch ausgetestet wirken. Der Unmut staute sich in den letzten Monaten weiter auf. Erst wurde der Copilot in alle Ecken von Windows 11 integriert, im November kündigte man dann den Wandel zum Agentic OS an. Microsoft will die KI-Revolution, doch die Reaktionen in den sozialen Medien und auch in der ComputerBase-Community verlaufen irgendwo zwischen „Niemand braucht es“ und „Microsoft entwickelt an den Interessen der Nutzer vorbei“. Enshitification ist das Wort der Stunde.
Nur ist es nicht nur der KI-Backlash, der den Konzern einholt. Windows 11 kämpft ohnehin mit einem fragwürdigen Ruf. Viele Windows-Nutzer verweigerten den Wechsel, erst kurz vor dem Support-Ende von Windows 10 konnte man den Vorgänger bei den Nutzerzahlen überholen. Höhere Hardware-Anforderungen und Änderungen beim Design und Benutzerführung gelten als zentrale Kritikpunkte, ebenso unbeliebt ist Microsofts Versuch, Windows 11 möglichst eng an ein Microsoft-Konto zu binden.
Die aktuelle Bug-Welle passt da ins Bild. Laut Windows Latest hatte Microsoft mehr als 20 gravierende Update-Probleme im letzten Jahr, zum ersten Patchday im Januar 2026 musste man binnen weniger Tage ebenfalls schon zwei Out-of-Band-Fixes nachschieben. Die Liste der Fehler ist lang und bemerkenswert. Angesichts eines Bugs bei XAML-abhängigen Komponenten wie dem Startmenü, der Taskleiste und dem Explorer titelte Neowin im November 2025: „Microsoft bestätigt, dass fast alle Kernfunktionen von Windows 11 kaputt sind.“ Inhaltlich harsch, weil der Bug sich ausschließlich auf Unternehmenskunden auswirkte und überhaupt nicht klar ist, wie viele Nutzer überhaupt betroffen sind. Vom Gefühl her trifft es aber das allgemeine Empfinden, bei Windows 11 bröckelt die Substanz. Autoren von Windows Central diskutieren inzwischen, ob sich die Reputation des Betriebssystems auf einem Allzeittief befindet.
Solche Diskussionen sind bemerkenswert, denn die Historie der Windows-Fehlschläge ist lang. Bereits bei Windows Vista und Windows 8 vergrätzen Design-Neuerungen die Nutzer, die aktuellen Datenschutz-Diskussionen starteten im Prinzip bei Windows 10. Selbst Windows XP, in der ComputerBase-Community neben Windows 7 einer der Favoriten, war anfangs aufgrund der TPM-Einführung höchst umstritten.
Microsoft verspricht nun öffentlich Abhilfe, man will an den Kernfunktionen von Windows 11 ansetzen, um Performance und Zuverlässigkeit zu verbessern. Voraussichtlich wird das aber nicht ausreichen, um die zentralen Probleme zu beheben.
Vier Erkenntnisse aus dem Debakel
Vier Erkenntnisse über Microsofts Windows-11-Debakel. Den Auftakt macht – was auch sonst – der Copilot.