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Andreas Frischholz
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KI-Hardware sucht Anwendungen

Wir konzentrieren uns sehr darauf, die KI-Fähigkeiten eines Geräts zu verbessern – tatsächlich verfügt jedes Gerät, das wir ankündigen, über eine NPU –, aber was wir im Verlauf des letzten Jahres speziell aus der Kundenperspektive gelernt haben, ist, dass sie nicht aufgrund der KI einkaufen. Tatsächlich denke ich, dass KI sie eher verwirrt anstelle ihnen zu helfen, ein bestimmtes Ergebnis zu verstehen.

Dell-Produktchef Kevin Terwilliger zur CES 2026

Gemeinsam mit den Copilot+ PCs startete im Sommer 2024 auch Windows 11 Arm auf der Snapdragon-Plattform. Das Besondere an den neuen KI-PCs war die NPU-Pflicht. Der KI-Prozessor musste mindestens 40 TOPS bieten, damit ein System als Copilot+ qualifiziert war. Diese Exklusivität sollte für die Leistungsfähigkeit im Vergleich zu regulären Windows-Geräten stehen. Was Microsoft im Sinn hatte, war ein direkter Gegenspieler zu Apple MacBooks.

Viel ist davon nicht geblieben, das PC-Geschäft wurde von der neuen PC-Generation nicht belebt, wie etwa Dell im Rahmen der CES 2026 eingeräumt hat. Wie schon bei den KI-Funktionen ist auch bei der KI-Hardware die Gretchenfrage: Wo ist der Mehrwert?

Antworten können auch die Hersteller kaum liefern. Das passende Beispiel liefert Dell: Auf der Unterseite für KI-PCs bewirbt man die Systeme mit Slogans wie „intelligentere Workflows“ und „längere Akkulaufzeit“. Schaut man dann in das dazugehörige E-Book, das präzisere Informationen liefern soll, nennt Dell dann Zahlen wie einen um bis zu 42 Prozent geringeren Stromverbrauch bei Anrufen in Microsoft Teams. Keine Kennziffer, um einen Kaufrausch auszulösen.

Es sind Probleme, die andere Hersteller ebenfalls haben. Intel bewirbt KI-PCs als Zukunft, um entsprechende Dienste lokal betreiben zu können. Allein aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen habe das Vorteile. Welche KI-Anwendungen direkt auf den Laptops laufen sollen, konnte Intel im letzten Sommer allerdings auch nicht präzise benennen. Stattdessen dürfte die CPU-Vielfalt des Konzerns eher zu der Verwirrung beitragen, die Dells Produktchef Kevin Terwilliger als Kaufhemnis bezeichnete. Denn was Intel unter einem AI-PC versteht, ist nicht unbedingt ein Copilot+ PC. Bei den Core Ultra 200 hatte etwa nur Lunar Lake (Core Ultra 200V) eine ausreichend dimensionierte NPU.

KI-Hardware im Test

Immerhin: Mit Panther Lake erübrigt sich das Problem, alle Modelle haben eine NPU mit mindestens 46 TOPS. Doch auch auf solchen Geräten wird es nicht möglich sein, zeitgemäße Open-Source-Modelle wie Llama 3 von Meta oder GPT-OSS von OpenAI sinnvoll zu betreiben. Für solche Anwendungszwecke benötigt man eine leistungsstarke GPU wie die Nvidia GeForce 5090 oder AMDs Strix-Halo-APU Ryzen AI Max+ 395. Was die NPUs bieten, sind im Kern daher nicht mehr als KI-Optimierungen für Office-PCs.

Microsoft versucht noch einen exklusiven Snapdragon-Anlauf

Von der Exklusivität der ersten Copilot+ PCs will Microsoft aber weiterhin nicht abrücken. Im Frühjahr dieses Jahres soll mit Windows 11 26H1 eine Version des Betriebssystems erscheinen, das exklusiv für Qualcomms neue Prozessor-Generation Snapdragon X2 Elite (Test) veröffentlicht wird. Welche KI-Neuerungen es bieten soll, ist noch unklar. Agenten-Lösungen sind naheliegend, die Frage nach dem Mehrwert bleibt aber so oder so bestehen. Ohne KI-Funktionen, die einen nennenswerten Vorteil bieten, sind die Arm-Geräte am Ende normale Windows-11-Systeme, bei denen es gerade im Gaming-Bereich zu Problemen mit der Kompatibilität kommen kann.