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5/5Microsoft verspricht einen Kurswechsel mit Fragezeichen
Dass man bei Windows 11 den Bogen überspannt hat, scheint mittlerweile auch Microsoft verstanden zu haben. Schon im Dezember verkündete der Konzern, die Gaming-Performance verbessern zu wollen. Microsoft-CEO Satya Nadella erklärte in einem Blog-Beitrag zum Jahresanfang, die Produktentwicklung müsse jetzt im Mittelpunkt stehen. „Nicht die Leistungsfähigkeit eines Modells zählt, sondern wie Menschen es anwenden, um ihre Ziele zu erreichen“, so Nadella. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sprach er ebenfalls davon, KI müsse echte Probleme lösen, um den Aufwand und die Investments zu rechtfertigen.
Nun folgt Pavan Davuluri, Chef der Windows-Sparte, mit einem öffentlichen Kotau. „Wir müssen Windows in einer Weise verbessern, die bedeutend für die Menschen ist“, sagte er gegenüber The Verge.
Konkret spricht er von „Schmerzpunkten“, die Microsoft in diesem Jahr angehen will. Dazu zählen die „System-Performance, die Zuverlässigkeit und die generelle Benutzererfahrung in Windows“, so Davuluri. Laut Quellen, auf die The Verge sich ebenfalls in dem Bericht bezieht, will Microsoft die Kernprobleme von Windows 11 mit einem „Swarming“-Prozess lösen. Software-Entwickler erhalten nun den Auftrag, die Leistungs- und Zuverlässigkeitsprobleme von Windows 11 dringend zu beheben, um einen langsamen Tod des Betriebssystems zu verhindern. „Death by a thousand cuts“ lautet die Originalformulierung bei The Verge.
Bei einigen der Verbesserungen soll es sich um grundlegende Änderungen handeln. Auf der Liste steht etwa der Darkmode, den Microsoft nun konsequent umsetzen will. Ein Projekt, an dem der Konzern nun mehr als zehn Jahre arbeitet. Einige Anpassungen erfolgten bereits. Das Design des Startmenüs hatte man etwa bereits 2025 überarbeitet, ebenso wird das Kontextmenü übersichtlicher gestaltet.
Wie Windows Central ergänzt, will Microsoft sogar bei der KI-Integration ansetzen. Die bisherige Strategie befindet sich auf dem Prüfstand, bereits vorhandene Funktionen will man entschlacken oder sogar komplett entfernen. Intern stehen den Quellen von Windows Central zufolge etwa die Copilot-Funktionen in Apps wie Paint und Notepad zur Diskussion. Ebenso zur Debatte steht Recall.
Nichts ändern dürfte sich aber im grundsätzlichen KI-Kurs. Bereiche wie die semantische Suche, der Agentic Workspace, Windows ML und die Windows AI APIs werden laut den Informationen von Windows Central wie geplant weiterentwickelt. Windows 11 wird eine KI-Architektur erhalten, der Agentic-OS-Fahrplan steht nicht in Frage.
Das optimierte Bloatware-Betriebssystem
Was Microsoft damit im Kern verspricht und intern plant, ist eine Optimierung des bisherigen Konzepts. Der Copilot+-Ansatz ist völlig überladen, eine an Nutzerinteressen ausgerichtete Umsetzung absolut naheliegend. Interessanter für Spieler ist aber ohnehin, wie und ob der Konzern die Gaming-Performance optimiert und Zuverlässigkeitsprobleme in den Griff bekommt.
Insbesondere bei der Performance gibt es spannende Optionen. Die neue Xbox-Oberfläche FSE (Xbox Full Screen Experience), die ursprünglich für Handhelds wie das ROG Xbox Ally X (Test) entwickelt wurde, will Microsoft für sämtliche Windows-Systeme freischalten. Auch Nutzer von Desktops, Laptops oder 2-in-1-Systemen könnten damit einen separaten Gaming-Modus erhalten. Eine verbesserte Leistung für Spiele kommt so in greifbare Nähe.
Nicht erwarten sollte man aber, dass Windows 11 sich zu einem schlanken Betriebssystem entwickelt. Microsoft 365 samt dem Microsoft-Konto werden weiterhin die zentralen Elemente sein, sie sind der neue Kern der Microsoft-Welt. Ebenso wenig wird der Konzern von den zentralen KI-Funktionen abrücken. Agenten werden das bestimmende Thema für 2026 sein, der Wandel zum Agentic OS kommt. Man bessert Mängel an den Kernfunktionen von Windows 11 aus, der Überbau bleibt.
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Dass selbst Microsoft mittlerweile einen Wendepunkt bei Windows 11 erkennt, ist zumindest ein Anfang. Zu viel ist in der letzten Zeit schief gelaufen, zu viel Vertrauen hat der Konzern verspielt. Mit einem grundlegenden Kurswechsel sollte man aber nicht rechnen. Eine Stellungnahme gegenüber The Verge ist vor allem eine Botschaft für den Kern der Windows-Community und keine neue Strategie.
Was schade ist, denn mit der Xbox-Oberfläche FSE liefert Microsoft einen Ansatz, der auch für den Cloud- und KI-Bereich funktionieren könnte. Windows von Haus aus als schlankes Betriebssystem ausliefern und Nutzer dann individuell entscheiden lassen, ob sie sich in einen Microsoft-365- oder Copilot+-Modus anmelden wollen, wäre ein interessantes Konzept. Allein aufgrund der massiven Investments in Cloud- und KI-Dienste ist mit so einer Wahlfreiheit aber nicht zu rechnen. Ein Ende des Bloatware-Betriebssystems ist nicht in Sicht.