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4/5Bei Windows 11 knirscht es an vielen Ecken
Was Microsoft mit den Copilot+ PCs also nicht geschafft hat, ist ein Ökosystem zu etablieren, in dem die Nutzer die Vorteile von neuer Hardware und neuen Funktionen spüren. Kein Hype, keine Fans. Stattdessen überladen die Funktionen ein Betriebssystem, was mit allerlei Mängeln ohnehin die Nerven der Nutzer strapaziert.
- Benutzerführung: Ein Startmenü in der Mitte der Taskleiste, das überfrachtete Kontextmenü, ein inkonsequenter Darkmode – von Anfang an kämpfte Windows 11 mit zahlreichen Problemen. Das Design wirkte an vielen Stellen unrund und nicht zu Ende konzipiert.
- Bug-Welle und Stabilität: Mehr als 20 gravierende Bugs zählte Windows Latest im letzten Jahr. Windows 11 hat sich in einigen Bereichen wie Bluescreens und Treiber-Stabilität verbessert, mit der Bug-Welle gab man im letzten Jahr aber ein desolates Bild ab.
- Mangelnde Performance: Von Anfang an galt Windows 11 als das im Vergleich mit Windows 10 langsamere Betriebssystem. Nun holt auch Linux auf und etabliert sich als Alternative. Dass höhere Hardware-Anforderungen viele alte PCs vom Wechsel ausschlossen, hat Windows 11 ebenfalls keine Beliebtheitspunkte eingebracht.
- Forcierter Kontozwang: Wer Windows 11 nutzt, soll ein Microsoft-Konto verwenden. Installationen mit lokalem Konto erschwert man etwa immer mehr.
- Bloatware: Wenn man Windows einrichtet, bekommt man das Komplett-Paket aus Windows-Apps wie Edge, Defender, OneDrive und Microsoft 365 mitgeliefert. Von einem schlanken Betriebssystem ist Windows 11 mittlerweile weit entfernt.
Vor allem die forcierte Bindung von Windows 11 an das Microsoft-Konto ist eng verknüpft mit den Bloatware-Tendenzen, die vor allem Enthusiast-Nutzer scharf kritisieren. Überraschend ist die Entwicklung aber nicht, sondern steht für den Wandel von Microsoft. Im zweiten Geschäftsquartal 2026, das am 31. Dezember 2025 endete, machte der Konzern mit Microsoft 365 einen Umsatz von 24,5 Milliarden US-Dollar. Ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Sparte „Windows and Devices“ macht hingegen nur 4,5 Milliarden US-Dollar Umsatz, was ein Wachstum von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist.
Windows ist die Ladestation für Microsoft 365
Der Umsatzbringer ist Microsoft 365. Windows 11 ist daher aus geschäftlicher Perspektive vor allem die Plattform, die Nutzer verwenden sollen, um sich im Microsoft-Universum anzumelden. Nutzt man den Cloud-Dienst innerhalb des Betriebssystems, ist es auch tatsächlich nützlich. Das Einrichten eines neuen Systems geht schnell von der Hand, mit wenigen Klicks ist ein frisches Windows betriebsbereit. Im Arbeitsalltag kann man über mehrere Geräte und Apps wie Word und Excel hinweg an Dateien arbeiten, die in OneDrive zentral gespeichert sind. So oft die Microsoft-365-Umgebung nervt, es schafft Komfortgewinne.
Will man Windows 11 allerdings einfach nur als Plattform nutzen, um Programme und Spiele zu laden, ist es ein Ärgernis. Der Konzern drängt zur Anmeldung bei diversen Diensten wie OneDrive und forciert die Nutzung der Microsoft-Apps. So kann es vorkommen, dass nach einem Windows-Update auf einmal der Edge-Browser die Standard-Anwendung für PDFs ist. In manchen Bereichen haben Nutzer auch wenig Auswahl, KI-Tools wie der Copilot-Assistent sind vorinstalliert und lassen sich auch nicht entfernen. Wer diese loswerden will, muss Drittanbieter-Tools wie Remove Windows AI einsetzen.
Wenig subtil ist das Vorgehen von Microsoft. Höhepunkte waren die Popups für den Edge-Browser und die Bing-Suche, die Microsoft zeitweise testete. Diese wirkten so übergriffig, dass sie Windows-Beobachter wie The-Verge-Autor Tom Warren mit Malware verglichen.
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Mein PC erfüllt die Hardware-Voraussetzungen nicht.
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Ich störe mich am veränderten Aufbau der Benutzeroberfläche.
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Ich mag das neue Design nicht.
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Ich habe Bedenken zum Datenschutz und Microsofts Telemetrie.
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Ich will mich nicht umgewöhnen oder sehe schlicht und ergreifend keinen Grund zu wechseln.
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Ich möchte Microsoft generell den Rücken kehren.
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Ich wechsele aus anderen Gründe nicht von Windows 10 zu Windows 11, siehe meinen Kommentar im Forum.
Dass Windows 11 so eng mit dem Microsoft-Konto verbunden ist, befeuert auch die Datenschutz- und Privatsphäre-Sorgen, die in den ComputerBase-Sonntagsfragen schon mehrfach als Hauptkritikpunkt genannt worden sind. Die Cloud-Anbindung weckt Zweifel, Microsoft bestärkt diese.
Bezeichnend ist der Bitlocker-Vorfall, der Mitte Januar bekannt wurde. Microsoft hat in den letzten Jahren mehrfach Bitlocker-Keys an Behörden übergeben, damit diese auf verschlüsselte Geräte zugreifen können. Möglich ist das aber nur, weil diese ungesichert in der Cloud liegen. Womit die meisten Nutzer nicht gerechnet haben dürften: Das passiert automatisch, wenn man Windows 11 und die Bitlocker-Verschlüsselung standardmäßig einrichtet. Der Konzern verweist zwar darauf, dass Nutzer die Schlüssel auch lokal speichern können. Transparenz fehlt aber, Nutzer konnten die Risiken nicht abschätzen. Dementsprechend deutlich ist die Kritik. „Das sind private Daten auf privaten Computern und (Microsoft) hat die architektonische Entscheidung getroffen, einen Zugang zu diesen Daten zu haben“, sagt Matt Green, Kryptographie-Experte und Associate Professor am Information Security Institute der Johns Hopkins University. Bemerkenswert ist vor allem, dass Microsoft das einzige Unternehmen ist, das so vorgeht. Apple und Google liefern eine saubere Geräte-Verschlüsselung und kämpfen deswegen seit mehr als zehn Jahren mit Behörden wie dem FBI.
Vertrauen erneut verspielt, lautet die Konsequenz. Vertrauen wird aber immer wichtiger, wenn Windows 11 sich tatsächlich zu einem Agenten-Betriebssystem wandeln soll. Arbeiten die KI-Systeme autonom auf dem Computer, muss man sich als Nutzer angesichts der Sicherheitsrisiken darauf verlassen können, dass die Architektur sicher umgesetzt wird.