Amazon Kindle Scribe Colorsoft (2026) im Test: Schreiben auf dem Scribe Colorsoft
3/4Amazon will beim neuen Scribe Colorsoft die Display-Oberfläche weiter verbessert haben, sodass das Schreibgefühl noch stärker an Papier erinnern soll. Im direkten Vergleich zum Vorgänger zeigte sich im Test hinsichtlich der Oberflächenstruktur allerdings kein nennenswerter Unterschied. Lediglich die Stiftspitze wirkt etwas näher an der Darstellungsebene, wodurch Eingaben natürlicher erscheinen. Bei der Reaktionsgeschwindigkeit lagen beide Generationen ebenfalls nahezu gleichauf, auch der Scribe Colorsoft hat mit schnellen Schrifteingaben keine Probleme, der Stiftspitze zu folgen. Gegenüber Tablets mit 120-Hz-Displays kann die Eingabe trotz aller Optimierungen allerdings weiterhin nicht mithalten.
Der Stift liegt auch bei der neuen Generation erneut gut in der Hand und bietet wie gewohnt 4.096 Druckstufen. Amazon liefert mittlerweile allerdings nur noch die erweiterte Variante mit integrierter Radierfunktion am oberen Ende aus, während der zuvor erhältliche günstigere Einstiegs-Stylus nicht mehr angeboten wird. Für den kleinen Taster am Stift stehen zudem weiterhin eine Reihe von festgelegten Funktionen zur Auswahl.
Neue Oberfläche für mehr Produktivität
Die ersten Verbesserungen für den produktiven Einsatz sind bereits direkt nach dem ersten Einschalten des Scribe Colorsoft mit dem überarbeiteten Startbildschirm aufgefallen, bei dem Notizen, Dokumente und natürlich auch Bücher deutlich stärker in den Vordergrund rücken. Diese lassen sich über den neuen und unten angebrachten Reiter „Arbeitsbereich“ nun beispielsweise projektbezogen organisieren, wodurch sich Recherche-Sammlungen oder Unterrichtsmaterialien einfacher zusammenstellen lassen.
Ein Schwerpunkt von Amazon liegt dabei auf dem schnellen Festhalten digitaler Notizen, wobei die sogenannten „Schnellnotizen“ einen besonders schnellen Einstieg ermöglichen sollen. Allerdings handelt es sich hierbei eher um eine Verknüpfung zu den eigentlichen Notizen, anstatt Gedanken direkt auf dem Startbildschirm erfassen zu können. So muss zum Beschreiben das virtuelle Blatt erst aufgerufen werden. Die gemachten Notizen sind hingegen im Anschluss auch auf dem Startbildschirm zu lesen. Alleine bereits durch diese kleine Änderung wirkt der neue Scribe stärker wie ein Arbeitsgerät und weniger wie ein überdimensionierter E-Book-Reader.
Daneben gibt es auch kleinere, weniger auffällige Neuerungen, die die Arbeit mit dem Scribe Colorsoft erleichtern. Dank der Farbdarstellung können Textstellen nun mit bis zu zehn Stiftfarben und fünf Textmarker-Farben hervorgehoben werden, wodurch eine deutlich feinere Unterteilung möglich wird. Nachteilig bleibt allerdings, dass Amazon die verfügbaren Farben weiterhin fest vorgibt.
Über die Unterstützung von Google Drive und Microsoft OneDrive lassen sich Notizen und Zusammenfassungen zudem direkt auf Rechner oder Notebooks übertragen, sodass der Scribe nicht zwingend per Kabel verbunden werden muss.
Neue KI-Funktionen für Notizen und Stifteingaben
Die größten Neuerungen finden sich vor allem in der Software, mit der Amazon insbesondere die Möglichkeiten bei handschriftlichen Notizen und Zeichnungen erweitert hat. Das Unternehmen versucht damit, den Scribe stärker als umfassende Arbeitsplattform zu positionieren. Viele dieser Funktionen bleiben allerdings nicht exklusiv dem Scribe Colorsoft vorbehalten, sondern wurden beziehungsweise werden per Firmware-Update auch für ältere Generationen bereitgestellt – sofern die technische Basis der jeweiligen Geräte dafür ausreicht. Wer daher allein wegen einer bestimmten Funktion auf die neue Scribe-Generation wechseln möchte, sollte zuvor prüfen, ob diese nicht bereits für das vorhandene Modell verfügbar ist oder noch nachgereicht wird.
Zu den neuen Funktionen gehört unter anderem die KI-gestützte Suche innerhalb der eigenen Notizen mittels natürlicher Sprache. Dafür werden die Inhalte im Hintergrund vom System indiziert, damit sich passende Ergebnisse schneller anzeigen lassen. Bei der Eingabe bestimmter Suchbegriffe kann anschließend direkt zur entsprechenden Stelle innerhalb der Notizen gesprungen werden.
Ebenso lassen sich Notizen und andere Texte per künstlicher Intelligenz zusammenfassen. Dabei extrahiert das System die wichtigsten Kernpunkte und stellt diese in einer übersichtlichen stichpunktartigen Zusammenfassung dar. Optional kann die Ausgabe zudem in einer digitalen Handschrift erfolgen, womit Amazon den Charakter klassischer Notizen erhalten möchte.
Schrifterkennung nur für bessere Lesbarkeit
Mit „Geschriebenes verfeinern“ bietet Amazon eine viel beworbene Funktion, welche noch so schnell hingekrakelte Notizen in lesbare Zeilen umwandeln soll. Dies funktioniert allerdings nur bei Notizbüchern mit mehreren Seiten, zu kurze Notizen werden beim Optimierungsvorgang hingegen lediglich mit der Meldung zurückgegeben, dass „leider etwas schiefgelaufen“ sei. Eine genauere Angabe zur Ursache des Problems, etwa eine zu geringe Textmenge, wäre an dieser Stelle sicherlich hilfreicher gewesen.
Darüber hinaus handelt es sich hierbei nicht um eine klassische Texterkennung. Der erkannte Inhalt wird stattdessen in einer von vier verfügbaren Schreibschriften in das Notizbuch übertragen, kann anschließend jedoch nicht weiter bearbeitet werden. Ziel der Funktion ist somit ausschließlich eine bessere Lesbarkeit, nicht jedoch die Weiterverarbeitung oder nachträgliche Bearbeitung des Textes.
Zudem müssen die Notizbücher zuvor mit dem Amazon-Konto synchronisiert werden, was in der Regel nach jedem Verlassen des Notizbuchs automatisch geschieht. Alternativ kann der Abgleich auch manuell angestoßen werden.
Die Funktion besitzt allerdings auch ihre Grenzen und stellt kein Wunderwerk dar. Ab einem gewissen Punkt gelingt es dem System nicht mehr, einzelne Zeichen zuverlässig zu erkennen. In solchen Fällen wird der Text ohne Rückfrage oder Korrekturmöglichkeit in der erkannten, oftmals fehlerhaften Form gespeichert. Eine nachträgliche Änderung ist dabei nicht möglich.
Texterkennung nach wie vor nur über Umwege
Eine Texterkennung bietet der Scribe Colorsoft zwar ebenfalls, diese kann jedoch nicht direkt auf dem Gerät genutzt werden, um Texte auf dem E-Note weiterzubearbeiten. Dies funktioniert weiterhin ausschließlich über die Teilen-Funktion, mit der einzelne Seiten oder ganze Notizbücher samt Umwandlung in editierbaren Text an die beim Konto hinterlegte E-Mail-Adresse gesendet werden. Weshalb die KI-Funktionen hierfür nicht ebenfalls direkt auf dem Scribe Colorsoft genutzt werden können, bleibt letztlich ein Geheimnis von Amazon. Gibt sich der Nutzer beim Schreiben etwas Mühe, leserlich zu schreiben, werden die Eingaben auch zuverlässig erkannt.
Formerkennung arbeitet hingegen problemlos
Was hingegen funktionierte, war die „Smart Shapes“-Funktion, mit der handgezeichnete Kreise, Dreiecke, Rechtecke oder Pfeile automatisch zu sauberen Formen korrigiert werden, was sich insbesondere bei schnell erstellten Diagrammen oder Infografiken als hilfreich erweisen kann. Dafür reicht es aus, diese zu zeichnen, wobei die Form geschlossen werden muss. Dann reicht es aus, den Stift an einer Stelle ein bis zwei Sekunden gedrückt zu halten und das System wandelt das Gezeichnete zu einer entsprechenden Form um, die später noch verlustfrei vergrößert oder mit einer anderen Farbe versehen werden kann.
Neu ist darüber hinaus „Send to Alexa+“, womit sich Dokumente direkt an die Alexa-KI senden lassen, um diese anschließend am Rechner, Smartphone oder Tablet weiterzuverarbeiten.
Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass viele dieser Funktionen nicht lokal auf dem Gerät selbst, sondern über die Cloud-Server von Amazon verarbeitet werden, wodurch eine aktive Internetverbindung erforderlich ist. Nutzer sollten sich deshalb bewusst sein, welche Inhalte an Amazon übermittelt werden. Gerade für Unternehmen kann dies insbesondere im Hinblick auf Datenschutz oder interne Daten problematisch sein.
PDF-Funktionalität wird leicht erhöht, bleibt aber immer noch hinter der Konkurrenz
Darüber hinaus lassen sich nun auch per USB auf den Scribe übertragene PDF-Dokumente direkt beschreiben, ohne zuvor über die Server von Amazon verarbeitet werden zu müssen, was insbesondere Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen kann.
Doch auch wenn Amazon die Möglichkeiten der Scribe-Plattform sichtbar erweitert hat, bleibt das System im Vergleich zur Konkurrenz weiterhin stärker eingeschränkt. Gerade bei der Bearbeitung von PDF-Dokumenten fallen die Funktionen gegenüber Geräten von Onyx Boox oder reMarkable nach wie vor deutlich restriktiver aus.
Bluetooth-Funktion nach wie vor nur für Audible
Auch der Scribe Colorsoft bietet eine Bluetooth-Funktion, über die sich Ausgabegeräte wie Kopfhörer oder Lautsprecher verbinden lassen. Darüber können allerdings weiterhin ausschließlich Inhalte der Amazon-Tochter Audible wiedergegeben werden, andere Audioformate wie das weit verbreitete MP3 unterstützt auch das neue E-Note-Gerät nach wie vor nicht.