Sharkoon PureWriter W100 im Test: Der Neuauflage des Budget-Tipps fehlt ein Punkt
Flach, mechanisch, bezahlbar, das war das Erfolgsrezept der ersten PureWriter-Tastatur von Sharkoon. Sie bot im Prinzip alles, was man von einer Tastatur wollte. Die Neuauflage des Budget-Tipps, die W100, will dort anknüpfen und das Erfolgsrezept leise fortführen. Wie gut das im aktuellen Marktumfeld gelingt, klärt der Test.
Sharkoon hat bei Tastaturen bislang ein gutes Händchen beim Setzen sinnvoller Schwerpunkte gezeigt. Im Prinzip zeigt sich das erneut bei der PureWriter W100. Allerdings nur im Prinzip. Die neue Flachtastatur schrammt um einen Punkt an der Empfehlung vorbei.
- Dezente Akustik
- Bequemes Schreiben
- Solides Layout
- Status-LEDs zu hell
- Keine Konfigurationsmöglichkeit
Die PureWriter-Serie im Überblick
Aktuell gibt es die neue PureWriter im Fullsize-Layout mit zusätzlichem Drehregler für die Audiolautstärke zum Preis von rund 60 Euro. Demgegenüber steht die alte PureWriter W65 im kompakten, knapp 90 Euro teuren 65%-Format, das die F-Reihe, den Nummernblock und ein paar Funktionstasten streicht.
Flache Bauform und Ausstattung teilen sich beide Modelle genau wie den 2.000-mAh-Akku und die Datenübertragung via Kabel und Funkdongle. In der W100 soll er für eine maximale Laufzeit von 160 Stunden sorgen. Die deutliche Steigerung gegenüber den 30 Stunden in der W65 erklärt sich laut Sharkoon aus einem energieeffizienteren PCB und Mikrocontroller. Darüber hinaus sei bei der W65 nur die durchschnittliche Laufzeit angegeben worden.
Weitere Zusatzfunktionen werden über die FN-Ebene aktiviert. Sie umfassen übliche Medienfunktionen, ein paar Verknüpfungen zu Standardprogrammen und erlauben die Konfiguration der Beleuchtung. Dazu speichert die PureWriter vier eigene LED-Profile. Software gibt es ebenso wenig wie die Option, Tastenbelegungen zu verändern. Man bekommt genau das, was man sieht.
| Sharkoon PureWriter W100 | Sharkoon PureWriter W65 | |
|---|---|---|
| Größe (L × B × H): | 43,0 × 12,2 × 2,6 (3,7) cm | 31,2 × 10,3 × 2,6 cm |
| Layout: | 100% ISO (Fullsize) | 68 Keys |
| Gewicht: | 615 g | 432 g |
| Gehäuse-Material: | Kunststoff | ? |
| Kabel: | 1,80 m, USB/Type-C-USB (modular), Funk (15,00 m) | 1,80 m, USB/Type-C-USB (modular), Funk (10,00 m) |
| Hub-Funktion: | – | |
| Key-Rollover: | N-KRO | – |
| Schalter: | Huano Linear Silent | Kailh Choc Red V2 / Brown V2 |
| Switch Plate: | Aluminium | ? |
| Tasten: | Form: zylindrisch Material: ABS-Kunststoff Beschriftung: laser cut flache Tasten |
|
| Zusatztasten: | Scrollrad (Lautstärke) | – |
| Medienfunktionen: | Lautstärke, Abspielen/Pause, Stopp, Vor/Zurück | Stumm, Lautstärke |
| Zusatzfunktionen: | Helligkeit (regeln, ausschalten), LED-Modi, Programmverknüpfungen, Makroaufnahme, Office-Funktionen, System-Funktionen | Helligkeit (regeln, ausschalten), LED-Modi, Gaming-Modus |
| Beleuchtung: | Farbe: RGB Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung, Farbschleife Sonstige: individuelle LED-Profile |
|
| Makros & Programmierung: | 32 kB, 1 Profile | 32 kB, 1 Profile softwarelos programmierbar |
| Preis: | ab 60 € | – / ab 110 € |
Taster: Rubberdome-Upgrade
Taster und Layout hängen bei der PureWriter zusammen. Die W100 wird ausschließlich mit flachen Silent-Tastern von Huano angeboten, für die W65 verwendet Sharkoon hingegen Switches von Kailh in linearer oder taktiler Variante.
So tippen Huano Linear Silent
Die Linear Silent sind keine Spitzentaster, aber solide Arbeiter, die in dieser Preisklasse punkten. Ihre Konkurrenz sind günstige große Taster und Rubberdome-Taster. Grundsätzlich lassen sich die Huano-Taster durch den verringerten Hub und den früheren Signalpunkt „schneller“ betätigen. Integrierte Dämpferelemente im Taster federn die Anschläge ab. Sie werden spürbar weicher und bewegen sich in Richtung einer Rubberdome-Tastatur. Hier kommt der übliche Abschlag ins Spiel: Anschläge geben Klarheit und Präzision auf, aber auch Härte und Lautstärke. Im Alltag und beim Arbeiten eine schöne Sache. Gerade bei kurzhubigen Flachtastern passt diese Richtung, da diese Taster bauartbedingt bis zum Anschlag gehauen werden.
| Huano Linear Silent | Kailh Choc V2 Red (CPG135301D01) | Kailh Choc V2 Brown (CPG135301D02) | |
|---|---|---|---|
| Charakteristik: | linear, Geräuschdämpfung | linear | taktil |
| Hubweg: | 3,1 mm | 3,2 mm | |
| Widerstand: | bis 52 g | ? | |
| Position des Signalpunktes: | 1,4 mm | 1,3 mm | |
| Widerstand am Signalpunkt: | 40 g | 43 g | 45 g |
| Widerstand am Druckpunkt: | – | 55 g | |
| Lebensdauer (Anschläge): | 50 Mio. | ||
Qualitativ überzeugen die Taster mehrheitlich. Den Vergleich mit normalen Günstig-Tastern in der Redragon UCAL K673 DE (Test) gewinnen sie klar: Weniger Spiel, weniger Kratzen. Eine gewisse mechanische Rauheit bleibt ihnen, zu der Silent-Taster aber ohnehin eher neigen. Spürbar ist das Kratzen bei langsamen Eindrücken, am deutlichsten, wenn die Taste ganz am Rand betätigt wird. Auch größere Tastenkappen in 1,5er- oder 2er-Größe bringen den Stempel jedoch nicht zum Verkanten, allenfalls steigt der Widerstand leicht an. Darauf muss man es anlegen.
Einzelne Taster können beide Eigenheiten stärker ausgeprägt zeigen, was für großzügige Qualitätskontrolle spricht. Beim Schreiben und Spielen schluckt der Kraftüberschuss beim Betätigen die Unterschiede. Wird eine Taste einzeln gedrückt, lassen sich die aus der Reihe tanzenden Taster aber wahrnehmen. Insofern erweisen sich die Linear Silent für das Preissegment als passende Wahl. Sie sind mitunter ein Upgrade zu den allereinfachsten Tastern, zu Rubberdome-Technik sowieso. Hier punkten sie mit klarem Signalpunkt ohne den weichen Anschlag und die Ruhe aufzugeben.
Beleuchtung im Tastenbett
Tastenkappen werden aufgrund der Materialwahl und glatten Beschichtung schnell glänzend. Überwischen hilft. Darf man mehr erwarten? In der Preisklasse nicht, PBT-Kunststoff beginnt bei flachen Keyboards erst im dreistelligen Preisbereich gängig zu werden.
Die Beleuchtung weist die Tastatur ebenfalls als Budget-Produkt aus. Sie leuchtet ausreichend hell, wer sein Ohr dichter in Richtung der Tastatur hält, kann jedoch vor allem bei der Nutzung von Lichteffekten in gänzlich stiller Umgebung ein leichtes Summen wahrnehmen. Im Sitzabstand bleibt die Tastatur unhörbar. Für den Preis kann man damit arbeiten.
Mit den LEDs, die die Statusinformationen anzeigen, lässt sich allerdings kaum arbeiten. Sie sind zu hell und überblenden beim Blick in Richtung der Tastatur, erst recht bei deaktivierter Beleuchtung. Auch das ist fast schon typisch für Budget-Produkte, nur deutlich störender.
Alltag & Akustik
Als flache Tastatur mit flachen Tastern in Silent-Ausführung und einer Lage Schaumstoff unter dem PCB hat die W100 schon alle Grundbausteine, um ruhig zu Werke zu gehen. Das tut sie auch. In diesem Punkt erweist sie sich als voll alltagstauglich.
Akustik: Dumpfes Klock
Nebengeräusche und Klackern fängt die W100 nicht völlig ein, agiert aber dumpf und relativ ruhig. Besser auf jeden Fall als eine teurere Keychron K3 Max, die viel heller und präsenter klingt. Die G515 Rapid TKL filtert Nebengeräusche zwar besser als die K3 und bringt einen erheblich klareren, präzisen Anschlag hervor, aber eben weiterhin einen prägnanten. So ruhig wie die W100 wird sie bei weitem nicht. Und beide kratzen an der 100-Euro-Marke.
Selbst eine bereits leise, aber auf klar definierte Anschläge ausgelegte Asus Falchion FX Low Profile unterbietet die Sharkoon für das halbe Geld. Das ist eben der Vorteil von Silent-Tastern. Insgesamt bewegt sich die W100 auf dem Niveau einer leisen Rubberdome-Tastatur. Stellt man sich auf den präzisen Signalpunkt ein, den Rubberdomes nicht haben, lässt sich zudem der Kraftaufwand reduzieren – und damit die Lautstärke. Dann wird die W100 richtig leise, sogar etwas ruhiger als Logitechs K980.
Alltag: Gute Voreinstellung
Aufgrund leiser, weicher Anschläge erweist sich die W100 als komfortabler Alltagsbegleiter. Der Drehregler fügt sich in das Bild ein. Er liegt auf Höhe der umliegenden Tasten und kann damit bequem betätigt werden. Zusatzfunktionen verteilt Sharkoon sinnvoll, statische RGB-Beleuchtung aktiviert die Tastatur über einen Extra-Hotkey. Ablenkendes Blinken gehört schnell der Vergangenheit an. Zumindest fast.
Ohne Kabel wechselt die W100 schnell in den Standby. Sie wacht bei Tastendruck zwar ohne Verzögerung auf, spielt dann aber eine recht lange, bunte Animation auf den Tasten ab, und zwar auch dann, wenn die Beleuchtung abgeschaltet wurde. Das irritiert, vor allem beim Arbeiten, und lässt sich nicht ändern. Das ist ohnehin allgemein der Fall, denn mangels Software müssen Käufer mit dem sonst funktionalen Werkslayout leben.
Fazit
Sharkoon hat bei Tastaturen bislang ein gutes Händchen beim Setzen sinnvoller Schwerpunkte gezeigt. Im Prinzip zeigt sich das erneut bei der W100. Allerdings nur im Prinzip. Die neue Flachtastatur schrammt um einen Punkt an der Empfehlung vorbei.
Dieser eine Punkt sind die Status-LEDs. Sie sind zu hell, stechen ins Auge. Je nach individuellen Empfindlichkeiten kann man sich damit möglicherweise irgendwie arrangieren oder Nummernblock und Co. ausschalten – aber der Sinn kann das nicht sein.
Dieses Missverhältnis fährt dem Rest des Eingabegeräts ziemlich in die Parade. Zum Preis einer besser ausgestatteten Rubberdome-Tastatur liefert Sharkoon nämlich eine mechanische, überlegene Alternative. Gedämpfte Anschläge, präzisere Eingaben und die geringe(re) Lautstärke verbinden sich mit ordentlichem Layout zu einem überzeugenden Konzept.
Wen die LEDs nicht schrecken, kann getrost zugreifen. Für aktuell 60 Euro ist sie bis auf diesen einen Punkt ein tolles Eingabegerät. Ansonsten erweist sich je nach Anforderungsschwerpunkt entweder eine OfficePal KB70W (Test) aus gleichem Hause oder Logitechs K950 (Test) als die bessere Alternative.
- Dezente Akustik
- Bequemes Schreiben
- Solides Layout
- Status-LEDs zu hell
- Keine Konfigurationsmöglichkeit
ComputerBase hat die PureWriter W100 von Sharkoon leihweise zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.
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