Die 75%-Formel ist oft gut geeignet als Orientierungshilfe, wenn man gar keine ahung hat, was man als Anbieter nehmen soll, mehr nicht (im übrigen nehmen auch viele gerne 2/3, also 66%).
Logisch ist aber, dass das keine Regel sein kann. Nehmen wir mal ein paar Beispiele:
1. Computermaus, zwei Jahre alt, deutliche Abnutzungsspuren, Neupreis aktuell 50€:
Hier kann man imo 75% vergessen, selbst bei einem an sich hochwertigen Modell sind hier eher 50% oder weniger realistisch, da offensichtlich gebraucht und ohne Gewährleistung oder Garantie.
2. Mainstream-Mainboard, Neun Monate alt, komplett mit Rechnung, unbeschädigt und OVP, Neupreis bei Kauf 100€, jetzt 80€.
Ein klassischer 75%-Kandidat, aber vom aktuellen Preis ausgehend. 60 excl. sind realistisch, zumal man ja noch Gewährleistung als "Rettungsschirm" hat.
3. Windows 7 Home OEM, OVP, nicht installiert, aktiviert, mit Rechnung
Man kauft hier eine aktuelle, gängige Software, die sich im wesentlichen nicht von dem unterscheidet, was man beim Händler erwirbt. Gewährleistung ist irrelevant, da hier wahrlich nichts kaputtgehen kann, vom Datenträger mal abgesehen Wer hier mit 85 oder 90% kalkuliert, muss sich keine Vorwürfe machen lassen.
4. Weil genannt: CPU-Kühler, sagen wir 2 Jahre alt, alle Sockel bis 775 und AM3, ohne Lüfter
Hier kommt es auf die Qualität und den Zustand des Kühlers an. Ein Kühler, der schon damals wenig taugte und der inzwischen kräftig zugestaubt ist, wird heute kaum noch Abnehmer finden; Hochleistungsmodelle ohne oder mit äußert geringen Nutzungsspuren kann man dagegen noch recht gut und damit auch zu einem ordentlichen Preis verkaufen.
Was will ich damit sagen? Nun, die 75%-Faustformel ist keinesfalls eine Regel, es macht also als Verkäufer wenig Sinn, sich daran festzubeißen, als Käufer aber ebensowenig.
Der MP regelt sich eben nach Angebot und Nachfrage; ganz wie im echten Leben.