@wiztm:
Ich muss dir widersprechen. Momentan wird durch wahlen lediglich darüber entschieden, wer die Entscheidungen der nächsten Jahre treffen wird ... um mehr geht es bei dem Kreuz nicht.
Bei einer Direktdemokratie, wie ich sie mir vorstelle, ginge es um konkrete Entscheidungen ... oder vielmehr um Bindende Meinungsbilder. Was wäre undemokratisch, daran, wenn sich 66% der Deutschen GEGEN (oder FÜR) die Schließung der Grenzen ausspräche?
Der Unterschied läge tatsächlich in der Legitimation ... nach Volksentscheid wäre diese Entscheidung zur Grenzschließung durch die Meinung der Bevölkerung legitimiert (die Politiker als Sündenbock fielen Weg ... grausam). Wenn momentan eine Partei über die Aufnahme einer diesbezüglichen Posirtion ins Parteiprogramm aufnimmt, dann geht es dabei nicht um die Legitimaion einer Entscheidung zu dem Thema, sondern nur um die Wählerstimmen, die man sich daraus bei der nächsten Wahl NACH der Entscheidung erhofft.
Echtes Mitspracherecht des Volkes wollen gerade Populisten nicht ... denn da ist der Populismus tatsächlich ausschließlich der einfgachste Weg zur Macht ... hat man die erlangt, ist das Volk egal bis es aufmuckt.
Ich denke direkte Demokratie als Rückbindung der Macht ans Volk (von dem sie ursprünglich ausgeht), und zwar eben nicht nur alle Jubeljahre mal, sondern ständig ... wenn die Menschen sich mehr in politische Prozesse eingebunden fühlen, dann entwickeln sie vielleicht auch ein tieferes Interesse an Mündigkeit. Ich denke, die Information dazu, kann man getrost einzelnen Interessengruppen überlassen ... WICHTIGSTE Vorraussetzung ist eine vielfältige Medienlandschaft mit gelebter Pressefreiheit und OHNE Scheuklappen.
Aristoteles war als Aristokrat selbst aus ganz persönlichen (und egoistischen) Interessen heraus gegen Demokratie ... er sah das wie sein Lehrer Platon: Lieber ein "kluger" König, als tausend Dumme.
Aber auch die beiden standen vor dem Problem: Was macht einen "guten" König aus?
Und beide haben durchaus erkannt, dass auch in der Aristokratie ein hartes Bildungsprogramm nötig wäre, um aus einem "Erb-König" einen "guten Staatsmann" zu machen ... der hat das nämlich nicht nöltig, und ist genaugenommen der Einzige, der damit zunächst NUR Arbeit hat.
@Mustis:
Wenn DU ein Volk also für dumm hältst, dann muss man diesem Volk die Mitbestimmung eben verbieten, oder wie darf ich deinen Senf jetzt verstehen?
WAS ist "der Staat"?
Frage dich mal, wie viele "wichtige" Entscheidungen der letzten 20 Jahre bei Volksentscheiden nur ganz knapp durchgekommen wären.
Agenda 2010? ... ich bin mir unsicher ... dank Abwanderungs-Dauerhit könnte es aber sein, dass auch eine Volksbefragung hier nur einige Änderungen bewirkt hätte. Veilleicht wäre H4 dadurch noch krasser geworden.
Aber ich denke, dass zumindest der forcierte Ausbau des Niedriglohnsektors abgelehnt worden wäre, wenn man von Anfang an klar gesagt hätte, wie das ablaufen wird (Zeit- und Leiharbeit, befristete Verträge, zahnloser Kündigungsschutz, Werksverträge, Doppelbeschäftigung, KiTa-Ausbau, ganztagsschule usw. und alles nur, damit Mama UND Papa ganztägig prekär arbeiten können).
Wer hätte Schröder denn gewählt, wenn der sein Programm von Beginn an offengelegt hätte?
Bankenrettung? ... auch da bin ich mir nicht so sicher, halte es aber für wahrscheinlich, dass eine Volksbefragung hier eine Variante gewählt hätte, die die Banken künftig an einer sehr kurzen Leine geführt und sie gezwungen hätte, Rücklagen in Höhe der privaten Sparkonten zu bilden, die jederzeit bequem liqioduert werden können. Gleichzeitig hätten Boni gedeckelt ODER sogar komplett verboten werden sollen.
Jedenfalls hätte ich in diesem Fall meine Stimme NUR einem solchen Programm gegeben, denn dass es Wahnsinn wäre, gerade hier dem Marktliberalismus freien Lauf zu lassen, das ist wohl jedem noch so stumpfen Vollalk klar.
Diesel Skandal:
naja ... der merkel'sche Zeigefinger mit dem mütterlich zärtlichen "nanana" wird es nicht bringen, und ich glaube, das ist den meisten Deutschen auch klar.
Eine Möglichkeit (aber eine gemeine) wäre die Umsetzung der Euronormen über eine 2/3 Regelung ... EU sagt 10g auf 100km sind OK ... dann sagt die Bundesregierung "deutsche Autos dürfen nicht mehr als 7g auf 100km ausstossen, sonst erhöht sich die Umsatzsteuer des gesamten Unternehmens um 0,5%".
Meiner Meinung nach, tut die Wirtschaft nichts, solange bei gleicher Praxis die Gewinne passen. Will man diese Praxis ändern, so schafft man das nur, wenn man diese Gewinne als Sanktion auf ausgebliebene Änderungen anzapft.
Mit H4-Empfängern macht man das seit Jahren genau so ... mit der Wirtschaft nicht. Warum denn nur? Ach so ... der Hartzer kann ja nicht so einfach abwandern ... es ist immer das selbe
TTIP, CETA & Co.:
Wenn die endgültige Entscheidung ohnehin per Volksentscheid zu treffen wäre, dann hätte man sich die ganze Geheimhaltung der Verhandlungen sparen MÜSSEN und hätte hunderte Nebelkerzen gespart.
Man hätte sich stattdessen tatsächlich Mühe gegeben, dieses Abkommen zur Zufriedenheit ALLER (Betroffenen, nicht nur der Beteilgten) auszuhandeln. Ganz einfach, damit es nicht nach Jahren harter Verhandlungsarbeit in der Volksabstimmung sowieso abgelehnt wird.