Ansturm bzw. Hype des Wahnsinns auf Unterhaltungselektronik

tonttu

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- Der schon irre Hype auf Konsumelektronik -​

Ich bin mal wieder Verwundert über den aktuellen Ansturm des Wahnsinns auf einen Artikel der Unterhaltungselektronik wie die PS4.
- Ich bitte dass die Fans dies nicht falsch verstehen ich kann die schon zwanghafte Begierde nach diesem Produkt nicht nachvollziehen.
Genauso war es mit dem iPhone 5s und 5c. - Länderübergreifend stehen die Menschen Schlange um ihr iPhone 4s durch ein Marginal besseres zu ersetzen. Und zeitgleich zum Ansturm wurden die Telefone bei ebay mit Aufschlägen von 300 bis 400 Euro verkauft. Quasi als Wartegebühr - teilweise stand das auch so in der Aktion.

"Sie bieten hier auf einen Platz vor dem Apple-Fachgeschäft" Dazu kommen die Kosten für das iPhone. Im Nu stand die Auktion bei 300€
Jetzt passiert das Gleiche mit der PS4 und teilweise der XBONE. Man kann seine PS4 für bis zu 1000€ verkaufen. Entsprechende Angebote gibt es schon bei Amazon.

Man könnte meinen dass wir Krieg haben und gerade Essen ausgegeben wird so stark ist das Verlangen.


Warum ist das so. Was treibt einen an 5 Stunden im Regen auf ein Telefon zu warten?
Ist das Weihnachtsfest ohne PS4 unter dem Baum nicht mehr feierlich genug?
Und falls man die PS4 gerne haben will, warum zahlt man lieber 400-600€ Aufschlag, statt bis zur 2. Lieferung zu warten.

Wie erklärt ihr euch das? Geht es uns zu gut?
Ich verstehe das nicht. Für mich ist es nicht schlimm etwas nicht kaufen zu können, ich habe so ja kein Geld ausgegeben.
Früher hatte ich ein altes iPhone 2G. Dessen Aluminiumgehäuse erinnerte an das iPhone 4 oder ähnlich.
Auf einmal wurde ich von vielen Menschen gefragt ob das das aller neuteste und geileste iPhone sei.
Das kleine kästchen in meiner Hand war aufeinmal der Hit. - Dabei hatte ich das schon seit 4 Jahren und auch nur, weil ich es sehr billig erworben hatte. Aber aufeinmal hatte es bei meinen Mitmenschen einen hohen Stellenwert.



Nun ein positiven Aspekt kann ich dem abgewinnen. Wenn die Nachrichten darüber berichten wie knapp die PS4 ist und die leute sich nur darüber gedanken machen wie Sie am besten 1000€ verprassen können, dann muss es uns VERDAMMT GUT gehen.
 
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AW: Anstum bzw Hype des Wahnsinns auf Unterhaltungselektronik

Es ist so, Leuten mit solchen Sorgen, wie Du sie schilderst, geht es verdammt gut - viel zu gut im Vergleich zu der endlosen Not und dem Elend, das es sonst auf unserer Welt gibt !

Jeden Tag, Tag für Tag und in jedem Jahr, verhungern
etwa 30.000 (dreißigtausend) Kinder auf dieser Erde !



Was diese Leute antreibt ? Die Antriebskraft heißt "GIER" und "EIGENSUCHT" !

Es ist die reine Gier, immer nach etwas zu verlangen, mit dem man anderen Voraus ist und sich überlegen oder als etwas Besseres fühlt, voliegend die Gier des kleinen Mannes, aber es ist kein anderer Mechnismus dahinter als bei den Großkopfeten, wie dem Vorstandsvoritzenden, der schon in Millionen schwimmt, aber als weitere Prämie oder zum Abschied nochmal nach weiteren Abermillionen giert !
 
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AW: Anstum bzw Hype des Wahnsinns auf Unterhaltungselektronik

Natürlich sind es typische First World Problems... genauso wie die Überlegung, die ich 5x pro Woche führen muss... Geh ich mittags zum Bäcker, zu einem der Döner-Dealer, zum Subway oder zu einem der Vietnamesen? Im Sudan fragste dich eher, ob du den Getreidefladen jetzt aufisst und dich endlich mal halbwegs satt fühlst, oder ob du ihn lieber für morgen liegen lässt.

Aber im Endeffekt... lass die Leute doch. Das sind alles nützliche Idioten. Denk mal an deine Schilderung mit dem versteigerten Platz vorm Apple Store. Da kann ein Arbeitsloser an einem Tag so viel Kohle einstreichen, wie er sonst vom Amt für den ganzen Monat bekommt... und nur dafür, dass er sich warm anzieht, ne Thermosflasche Suppe einpackt und sich n Klapphocker schnappt. Nicht übel, oder?
Reg dich nicht über solche Dummköpfe auf, nutze sie statt dessen bis aufs Blut zu deinem Vorteil. Wenn du dadurch einen gesunden Schnitt machst, kannst du mit den Profiten doch tatsächlich was Gutes tun, z.B. ne Spende an die Tafeln abdrücken.

de la Cruz schrieb:
Jeden Tag, Tag für Tag und in jedem Jahr, verhungern
etwa 30.000 (dreißigtausend) Kinder auf dieser Erde !
Im Hinblick auf die Überbevölkerung könnte man fast schon sagen: Gott sei dank! Oder wäre das zu zynisch?
In den Gebieten mit sehr hoher Kindersterblichkeit sind auch die Geburtenraten sehr hoch. Wenn du von heut auf morgen die Kindersterblichkeit halbieren würdest, denkst du die würden dann auch plötzlich verhüten & abtreiben? Statt 30k hungriger Kinder hättest du nach 3-4 Jahren eben 70-80k, weil du eben nur Essen für 30k auftreiben konntest.

Und was hier immer gern vergessen wird: In den Ländern mit so hoher Kindersterblichkeit herrschen Fraktionen, die sämtliche Hilfsleistungen für sich abgreifen. Du könntest so oder so nichts dagegen tun, mit jeder Spende machst du nur einen Warlord fetter und kaufst ihm ne neue AK47. Davon kriegt kein kleines Kind n Schokoriegel.

Was diese Leute antreibt ? Die Antriebskraft heißt "GIER" und "EIGENSUCHT" !
Nein. Tatsächlich greifen hier simple evolutionäre Triebe. Früher war derjenige Stammesfürst (und hatte das Vorrecht auf die Weiber), der das fetteste Mammut erlegen konnte. Nun, die Mammuts sind alle tot, aber das Prinzip ist dasselbe: Du bist, was du hast.
Jeder Mensch definiert sich innerhalb des Sozialgefüges nur über Besitz und körperliche Beschaffenheit. Wenn es an dem einen mangelt, dann muss das andere ausgleichen.

Die elementare Fehlzündung unserer useful idiots hier ist, dass sie sich oftmals Dinge kaufen (um JEMAND zu sein), die sie sich eigentlich nicht leisten können. Mehr Schein als Sein.... aber auch das ist evolutionär tatsächlich normal. Frag mal einen Pfau.
 
@de la Cruz & Daaron

Ich gebe euch beiden Recht :-)

Hier werden alle möglichen Menschlichen Eigenschaften bewusst angesprochen in dem man Knappheit und Exclusivität vorgaugelt.
Gier, Macht, Egoismus usw usw und wenn es vorm Laden zur Schlägerrei kommt dann vermutlich sogar Überlebendinstinkt.

Ein Musterbeispiel wie der Mensch nach vor, von Außen manipuliert werden kann.
Und das auch noch mit ganz billigen Mitteln.
Wenn man das sieht, dann fragt man sich warum der Mensch eigentlich noch nicht ausgestorben ist, bzw es überhaupt so weit bringen konnte. In diesen Momenten ist der Anstehende einen Tier näher als er vermutlich selber glauben kann............
 
Solche Zustände (wie im 1. Post beschrieben) sind mMn Teil unserer materiellen Kultur. Es geht dabei nicht primär darum, etwas zu haben - ohne Überfluss bldet sich keine solche Kultur, Besitz im noch so kleinen Überfluss ist dafür notwendig - es geht um Status innerhalb einer Besitz- und Herzeig- bzw. Konsumgesellschaft.
Nicht weil sie ein neues iPhone brauchen (das alte tuts meist noch bestens), warten die Leute Stundenlang vorm Shop, sondern weil sie eben zu den ersten gehören wollen, die das neuste iPhone besitzen und damit vorführen können.

Den Effekt hat der TE sogar schon beschrieben - anhand seines alten iPhone 2 und der Wirkung dieses Telefons auf Andere. Leider ist in diesem Fall dann eigentlich der Spruch angebracht "nee, is'n älteres model". Aber ganz kurz hat der TE damit das Gefühl gehabt, nach dem die "immer alles vom feinsten"-Konsumenten suchen - Anerkennung ... für ein kleines, teures Spielzeug, das (noch) nicht jeder besitzt. Der Kunde kauft in diesem Fall kein Telefon, sondern eher einen "Hingucker", der ihn zu etwas Besonderem macht - er grenzt sich mit diesem Ding von allen anderen ab, die es nicht besitzen/kennen.
Aus dem selben Grund werden Luxusartikel ja auch gefälscht - nicht wenige Menschen leben davon - und in Kreisen, wo Luxusartikel kursieren, gehört es zum Habitus, eine Fälschung zu erkennen - und zum "guten Ton", eine solche Fälschung eben NICHT zur Schau zu stellen. Wer nicht in diesen Kreisen verkehrt, kann aber auch durch eine Fälschung interessierte Blicke auf sich lenken - das klappt ja sogar mit einem alten iPhone, das dem neuen optisch ähnelt.

Es ist dabei besonders wichtig, dass es KEINE Alltagsgegenstände sind ("ey geil, ist das das neue Brot?" hat noch keiner gehört - abgesehen von ein paar Lebensmitteldesignern). Eindruck macht nur NICHT-alltägliches. Ein Sportwagen mit Pferd oder Stier, eine echte Rolex oder eben die neuste Spielekonsole, Grafikkarte und und und ... Hauptsache es hat nicht jeder.
Je seltener die Dnge sind, desto eher sind sie geeignet, Eindruck zu machen. Beste Beispiele sind dafür wohl Kunstwerke, Edelsteine oder Einzelstücke wie z.B. Sonderanfertigungen oder nur in kleinst-Serie produziertes (ganz allgemein alle Luxusgüter, bei denen sich eine Fälschung lohnt).
Eine Spielekonsole (die für den Massenmarkt produziert wird) in diesen Bereich des Begehrens zu rücken, dafür muss man Mangel schaffen, in dem man z.B. bewusst die Produktion drosselt, Kapazitäten zurückhält oder eben per Medien einen zu erwartenden Mangel suggeriert. Exklusivtitel (Games) spielen indirekt sogar auf der gleichen Bühne. Man brauucht die neue Konsole, um seinen Freunden das neuste Spiel bieten zu können - und dadurch ein paar Momente lang "everybodys darling" zu sein.

Letztlich ist es aber egal - und darin liegt das Geheimnis - alle Dinge, die wir jetzt haben wollen, haben wir in naher Zukunft schon allen unseren Bekannten vorgeführt, haben Anerkennung für unseren Besitz erlangt und eine Weile einen scheinbar höheren sozialen Status genossen. Selbst wenn es mittlerweile kein neues Objekt der Begierde aus der gleichen Kategorie gibt, das alte xPhone ist langweilig geworden, es ist nur noch mein Telefon - es ist zum Alltagsgegenstand degeneriert.
Also geht das Spiel von neuem los - mit anderen Dingen, aber nach den gleichen Regeln.

Im Grunde geht es nichtmal um die Dinge, eher um die Demonstration der eigenen "Leistungsfähigkeit". "Seht her! Ich kann mir das leisten", "Ich Habe das schon jetzt!".
Unsere materielle Kultur ist Identitätsstiftend und Teil unseres "kulturellen Kapitals" (der Begriff umfasst mehr, berührt aber auch die m.K.) - egal auf was sich unser Interesse gerade richten mag.
 
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DerOlf schrieb:
Es geht dabei nicht primär darum, etwas zu haben - ohne Überfluss bldet sich keine solche Kultur, Besitz im noch so kleinen Überfluss ist dafür notwendig - es geht um Status innerhalb einer Besitz- und Herzeig- bzw. Konsumgesellschaft.
Da uns körperlich herausragende Merkmale, wie z.B. der Silberrücken bei Gorillas, fehlen, zeigen Menschen ihren Status innerhalb der Gruppe eben über Kleidung, Schmuck,... und zwar schon seit Anno Dazumals. Nicht jeder Steinzeit-Mensch hatte n tollen geschnitzten Zahn als Kette um den Hals, nur die, die den Wolf erlegen konnten.

Ein Sportwagen mit Pferd oder Stier, eine echte Rolex oder eben die neuste Spielekonsole, Grafikkarte und und und ... Hauptsache es hat nicht jeder.
Hier sollte man relativieren. Schau dir doch z.B. mal den Tesla S an. Das Ding hat POWER, es sieht geil aus, es ist teuer und du fällst damit auf.... trotzdem ist er auch rein praktisch jedem handelsüblichen Fahrzeug überlegen, einfach weil man die Betriebskosten unter Ulk verbuchen kann. Grafikkarte dasselbe: Wenn man gern die Leistung abrufen möchte, dann muss man eben in die 500€-Liga investieren. Die 250€-Liga reicht eben für manches nicht aus.
Andererseits kannst du auch mit sehr einfachen Mitteln auffallen. Nimm einen Trabbi, leg ihn tiefer, lackier ihn mattschwarz, tausch die Lampen und bau n ordentliches Soundsystem ein. Damit ziehst du mehr Blicke als mit nem Mercedes SLK.

P.S.: Rolex ist der blanke Hohn. Selbst mit der billigsten Glashütte machst du mehr Eindruck, und die wird wenigstens nicht in China gefälscht.
Eine Spielekonsole (die für den Massenmarkt produziert wird) in diesen Bereich des Begehrens zu rücken, dafür muss man Mangel schaffen, in dem man z.B. bewusst die Produktion drosselt, Kapazitäten zurückhält oder eben per Medien einen zu erwartenden Mangel suggeriert. Exklusivtitel (Games) spielen indirekt sogar auf der gleichen Bühne. Man brauucht die neue Konsole, um seinen Freunden das neuste Spiel bieten zu können - und dadurch ein paar Momente lang "everybodys darling" zu sein.
Wer zockt denn heute noch zusammen vor der Glotze? Läuft doch eh alles übers Internet. Wann hast du z.B. das letzte Mal deinen PC zu ner privaten LAN geschleppt?
Und dass bei solchen Hightech-Produkten die Produktion nicht hinterher kommt, ist kaum überraschend. Hier kann man wohl kaum von einer künstlichen Verknappung sprechen. Es macht ja noch nicht einmal Sinn, künstlich zu verknappen. Sony hätten sicher beim Verkaufsstart in den USA lieber 2Mio statt 1Mio abgesetzt, es waren aber einfach noch keine 2Mio verfügbar. Das Produkt musste rechtzeitig vor Weihnachten auf den Markt, da kann man nicht warten bis für jeden eins gebaut ist. Dafür schlafft nach einer Weile das Interesse schon wieder ab. Wären zum Verkaufsstart mehr Artikel vorhanden, wären insgesamt übers erste halbe Jahr auch viel mehr verkauft worden.
 
Daaron schrieb:
P.S.: Rolex ist der blanke Hohn. Selbst mit der billigsten Glashütte machst du mehr Eindruck, und die wird wenigstens nicht in China gefälscht.

In China bekommst du jede Uhrenmarke die bekannt ist, in Form einer Fälschung ;)
Aber im Prinzip hast du recht.
Das "Problem" ist halt die die ganzen Proleten meist die anderen Uhrenmarken nicht kennen :p,
Rolex kennt jeder und ist ja auch für die Masse der Inbegriff von Teuer, Schön ist ja was anderes ;), und wenn es dann noch Gold glänzt dann ist die Show (zumindest für den der sie trägt) Perfekt :cool_alt:
 
Ich klink mich hier auch mal ein.
Ich würde mich durch aus als techinkaffin bezeichnen und kauf mir hin und wieder Gadgets, die ich nicht brauche. Dennoch bin ich noch nie für etwas Schlange gestanden, auch wenns dafür durchaus Grund geben würde (BF Fanboy).
Wenn ich mir die aktuellen diesbezüglichen Schlagzeilen anschaue läufts mir kalt den Rücken runter - da gabs Verletzte, weil sich 100 Deppen um 30 PS4 gekloppt haben - und der entsprechende Shop ganze 5 (!) Sicherheitsleute bereitgestellt hatte.
Ich versteh nicht, warum die Leute ihre Dinge nicht im Netz ordern. Allein in meinem Bekanntenkreis (ich spiele nicht auf Konsole, kenne daher nicht besonders viele Consoleros) haben 5 Leute die PS4 am Releasetag per Post gekriegt - aus 3 verschiedenen Shops. Wer geht in solchen Zeiten noch anstehen, vielleicht sogar über Nacht, und riskiert dabei seine Gesundheit? Ist das die Generation Adrenalinjunkies? Ich dachte ich wär noch nicht so alt...
 
Das ist kein Zeichen von Überfluss, sondern von Armut. Wer sowas für Überfluss hält, der doppelt doch nur die schlechten Versprechungen der Werbung und den ungeglaubten Glauben an ihre Wahrheit.
Findet ihr es selbst nicht ein wenig albern, sich in den üblichen Beschreibungen über die menschliche Natur zu ergehen, nur um sich darüber erhaben zu dünken? Gier ist keine Naturtatsache (der o.g. Steinzeitmensch durfte in dieser Pseudo-Diskussion natürlich nicht fehlen), sondern ein gesellschaftliches Verhältnis. Ich werfe mal den Begriff des Spektakels ein, mit dem Guy Debord in Die Gesellschaft des Spektakels versucht hat zu fassen, was die warenproduzierende Gesellschaft für Verzweifelte Mechanismen zu ihrer eigenen Erhaltung entfaltet hat - in der inständigen Hoffnung, das möge jemand lesen, anstatt das leere und (außer für die eigene Psyche) folgenlose Gerede von den hungernden Kindern zu benutzen.
 
Abe81 schrieb:
... was die warenproduzierende Gesellschaft für Verzweifelte Mechanismen zu ihrer eigenen Erhaltung entfaltet hat ...
Gelungen Abgewälzt, natürlich auf Gesellschaft (oder ein System). Die Gesellschaft des Spektakels fand ich insgesamt eher sparsam. Nicht falsch oder undurchdacht aber etwas sparsam. Ich empfehle da eher Pierre Bourdieu's "Die feinen Unterschiede". Das erklärt mMn mehr, und kommt ohne ein diffuses "System" aus.
... Irgendein Spektakel betreibst übrigens auch du z.B. in dem du auf die Weise postest, wie du es tust. Du bist also Teil dessen, was Debord anprangert - gilt für mich natürlich auch. Wir sind Teil dessen, was die warenproduzierende Gesellschaft am Leben erhält - ein Teil von uns lebt von der seinerseits ja auch ziemlich gut, würde ich sagen.
Ich versuche gerne verschiedene Perspektiven zu be(tr)achten - verschiedene Meinungen zu hören. Auch fast beleidigende wie deine.

Allerdings hat es auch mit den hungernden Kindern nur indirekt zu tun. Wie Daaron sagte, es scheint eben tatsächlich schon wahrscheinlich, dass bei Steinzeitmenschen besondere Gegenstände Statusobjekte waren (Roter Flint von Helgoland in bayern, Bernstein von der Ostsee in Mykene). Natürlich könnte das auch an einem tief verwurzelten Ethnozentrismus liegen, der nahelegt, die gefundenen Grabbeigaben und Wohnhölen-Funde in dieser Weise zu interpretieren. Angenommen, es wäre so gewesen, wie die Archäologen heute so glauben, und auch Steinzeitmenschen, hatten Schmuck und verzierte Gegenstände als Statsuobjekte genutzt um (wie wir) eine soziale Ordnung auszudrücken.
Heute ist die Gesellschaft etwas viel komplexer, als vor 8000 Jahren. Wie es damals vieleicht je nach Stamm unterschiedliche Statusobjekte gab, so gibt es heute je nach, Millieu, Klasse, Klique, Familie, Firma usw. unterschiedliche Statusobjekte. Dadurch wird zwar der "Markt" der Statusobjekte viel komplexer und vielschichtiger, aber das Prinzip des Statussymbols (inkl. Prod. u. Vertrieb) ist gleichgeblieben. Ob es eine schöne Feder oder das neuste iPad ist, darauf kommt es aus meiner Perspektive nicht wirklich an. Solange das Grundmotiv das selbe ist - eben der Erwerb eines im entsprechenden Kontext wirksamen Statussysmbols. Manchmal führt das dann auch mal zu unangenehmen Zusammentreffen (auch die Steinzeitmenschen haben sich unter Umständen um ihre Statussymbole geprügelt - nichtmal das hat sich seit dem geändert). Naja, wenigstens geht es dabei heute nur noch selten um hübsche Federn, besondere Waffen oder glitzernde Steine - Ein "hoch" auf die Zivilisation.
 
Zuletzt bearbeitet:
Abe81 schrieb:
Gier ist keine Naturtatsache (der o.g. Steinzeitmensch durfte in dieser Pseudo-Diskussion natürlich nicht fehlen), sondern ein gesellschaftliches Verhältnis.
So... Und jetzt denk mal 2 Schritte weiter, als nur blind auf die "warenproduzierende Gesellschaft" einzudreschen. Was macht, ganz elementar, die Grundlage ALLEN Lebens aus. Was haben wirklich alle Spezies gemein?
Genau: Sie wollen ihre Gene weitergeben. Dieser simple Fakt erklärt alles.
Bei Primaten vermehrt sich der Oberaffe am stärksten, der einerseits die dicksten Muckis hat, andererseits auch etwas sozial-politisches Geschick aufweist und Bündnisse mit anderen Männchen schließen kann. Klar, die anderen Männchen kommen auch mal zum Schuss, aber "jus primae noctis" hat der Clanführer.

Bei uns ist es nicht mehr allgemein üblich und akzeptiert, unsere Mitmenschen permanent zu vermöbeln. Wir haben andere Wege. Wir stellen unsere Dominanz und somit die Qualität unserer Gene durch materielle Güter dar. Dieses Verhalten gibt es übrigens auch analog im Tierreich, v.a. bei verschiedenen Vogelarten. Da kommt der Hahn auf die Henne, der das beste Nest flechten kann und es mit den interessantesten Glitzerdingen schmückt.
Selbst die Produktion von Waren sowie das Erbringen von Dienstleistungen ist im Tierreich vorhanden. So manche Spezies produziert Werkzeuge, und unsere lieben Primaten-Brüder lausen sich gegenseitig aus reinem Sozialtieb.

Die tatsächliche Einzigartigkeit des Menschen besteht im Handel mit und um Waren und Dienstleistungen.

DerOlf schrieb:
Manchmal führt das dann auch mal zu unangenehmen Zusammentreffen (auch die Steinzeitmenschen haben sich unter Umständen um ihre Statussymbole geprügelt - nichtmal das hat sich seit dem geändert). Naja, wenigstens geht es dabei heute nur noch selten um hübsche Federn, besondere Waffen oder glitzernde Steine - Ein "hoch" auf die Zivilisation.
Wälz das mal nicht auf unsere steinzeitlichen Homo Sapiens - Kollegen ab. Du kannst es nicht einmal auf Homo neanderthalensis abwälzen.
Selbst weit unterhalb der Primaten wird sich um Statussymbole gekloppt oder sie werden einfach geklaut. Gibt doch nix Interessanteres um das eigene Nest oder den eigenen Balzplatz zu schmücken als das, was der Nebenbuhler in seinem Nest verbaut hat...


Wenn ihr also die perfekte und friedliche "Kultur" sucht, dann sucht ihr nach einzelligen Spezies. Da ist so oder so quasi jeder gleich, eine Auswahl über Geschlechtspartner gibts nicht.
Nun... oder man bildet eine erzwungene Gesellschaftsform, in der Konformität das oberste Gebot ist. Du hast eine winzige herrschende Klasse, die über die hirn- und trieblosen breiten Massen herrschen. Damit sich selbe Massen dann nicht doch mal erheben werden sie mit Drogen ruhiggestellt und sämtliche Gefühle unterdrückt oder schlichtweg verboten. Das geht dann natürlich nur durch totale Überwachung und Indoktrination von Kindesbeinen an.
Willkommen in der Welt von V, Equilibrium, 1984,....

Also da klopp ich mich doch lieber ums nächste iPhone.
 
bei so dingen wie dem launch der neuen konsolen, einer neuen revision des iphones oder auch die neuste expansion von world of warcraft geht es nicht nur darum, als erster diese neuen konsumgüter zu besitzen, es ist vielmehr ein soziales ereignis. man steht mit gleichgesinnten vor einem laden, übernachtet vielleicht sogar gemeinsam, um auch wirklich als erster zutritt zu haben. zugegebenermaßen trifft man diese leute dann wahrscheinlich nie wieder in seinem leben. vielleicht tauscht man aber auch kontaktdaten aus?! wer weiß... es ist jedenfalls nicht nur eine jagd auf die neusten konsumgüter, sondern auch eine soziale erfahrung.

prinzipiell gilt aber, dass wir in einer kapitalistischen konsumgesellschaft leben. die probleme der welt kümmern mich nicht. ich interessiere mich ehr für angebote während des cyber mondays und beobachte stetig die steam sales. das ist leider so. so funktioniert der großteil unserer gesellschaft. alles ist so aufgebaut, dies auch weiterhin zu fördern. soziales engagement wird nicht gefördert. die meisten unternehmen produzieren irgendwas, bieten entweder produkte oder dienstleistungen, die wenigsten beschäftigen sich mit forschung o.ä...

es dreht sich leider alles ums geld. apple, sony, microsoft und co wollen euer leben nicht vereinfachen oder verbessern, sie wollen lediglich euer geld und zwar regelmäßig und auf dauer. und ich finde es äußerst bedauerlich, dass großteile unserer modernen gesellschaft so funktionieren und dies so uneingeschränkt akzeptieren und offenbar sogar noch gut finden. ärgerlich finde ich es, wenn dann noch in diesem zusammenhang davon geredet wird, dass wir irgendwelche probleme haben. in wirklichkeit lenkt dieser kram doch nur von den wirklichen problemen ab, mit denen man sich lieber nicht auseinandersetzen will. bspw. die wirklichen probleme auf dem rest der welt, ökologisch, kulturell, moralisch etc... und die problematik, dass wir selbst eigentlich von falschen werten getrieben werden.
 
Zornbringer schrieb:
die meisten unternehmen produzieren irgendwas, bieten entweder produkte oder dienstleistungen, die wenigsten beschäftigen sich mit forschung o.ä...
Wirtschaftsunternehmen müssen ihre Mittel ERWIRTSCHAFTEN. Mit Forschung klappt das nicht, außer man betreibt die "unethischen" Forschungsgebiete: Kosmetik, Waffen,... Kein Aas bezahlt dich dafür, dass du Grundlagenforschung betreibst, egal ob die irgendwann mal zum Weltfrieden und der Rettung der Menschheit führt. Eine neue Art, Projektile zu lenken hingegen... dafür gibts viele Interessenten.

es dreht sich leider alles ums geld. apple, sony, microsoft und co wollen euer leben nicht vereinfachen oder verbessern, sie wollen lediglich euer geld und zwar regelmäßig und auf dauer.
Wie viele dieser Unternehmen sind Aktiengesellschaften? Kleiner Hinweis: Eine AG, die keine Gewinn erzielen will, begeht ein Verbrechen an ihren Anlegern.
Nochmal: Wirtschaftsunternehmen -> Unternehmen, die etwas erwirtschaften

die wirklichen probleme auf dem rest der welt, ökologisch, kulturell, moralisch etc... und die problematik, dass wir selbst eigentlich von falschen werten getrieben werden.
Du kannst dich ja moralisch überlegen fühlen, während du dein hochkulturelles und ökologisch wertvolles Tofu-Brötchen (von glücklichen Bohnen!) mampfst...

Moral ist eine Hure! Moral ist die Keule, die jeder schwingen kann. Denk immer daran, in China ist es moralisch vollkommen in Ordnung, wenn es zum Abendbrot Schäferhund-Geschnetzeltes gibt. In Chile gehört gegrilltes Meerschweinchen zum guten Ton. Ein Hindu wird uns am liebsten ans Kreuz schlagen für jeden McBeef, den wir uns reinpfeifen. Ein Jude oder Moslem verurteilt uns, weil wir lecker Schinken mögen.
Und ein Südsee-Kanibalenstamm findet es moralisch akzeptabel, das Herz des besiegten Feindes zu verspeisen.

Also da musst du schon gewichtigere Argumente bringen als "Moral".
 
@OP
Endlich mal einer, der das hier aufschreibt, was ich auch jedes Mal bei diesen Meldungen denke.

Ich kann es genausowenig nachvollziehen, was die Leute treiben. Jeder der sich Stunden für ein iPhone7Pad in die Schlange stellt, bekommt von mir ein müdes lächeln und ein Stirnrunzeln. Diese Leute sind wirklich arm. Klar haben die dann das iPhone einen Tag vor irgendwelchen anderen Leuten, aber wie behämmert muss ein Mensch sein, damit sein Gehirn ihn für sowas auch noch belohnt? Was genau gewinnt dieser Mensch dadurch? Meine Anerkennung weil er dämmlich genug war stundenlang (über Nacht) in irgendeiner Schlange zu stehen? Ganz sicher nicht!

Jetzt kommen auch gleich wieder die Leute daher und meinen, dass jeder irgendwas hat wofür er in der Schlange stehen würde. Nein sorry, ich bin kein Konsumzombie und Firmenfanboy, der sich sowas antun würde.
 
Daaron schrieb:
Wälz das mal nicht auf unsere steinzeitlichen Homo Sapiens - Kollegen ab. Du kannst es nicht einmal auf Homo neanderthalensis abwälzen.
Selbst weit unterhalb der Primaten wird sich um Statussymbole gekloppt oder sie werden einfach geklaut. Gibt doch nix Interessanteres um das eigene Nest oder den eigenen Balzplatz zu schmücken als das, was der Nebenbuhler in seinem Nest verbaut hat...

Ich wollte es nicht abwälzen, ich habe nur (schonwieder) die Sonderstellung der menschlichen Spezies angezweifellt. Zentral war bei dem von dir zitierten absatz das "nicht mal das hat sich geändert".
Das Hoch auf die Zivilisation war ironisch gemeint, denn sie ist mMn nichts weiter, als die Fortsetzung eines Krieges von "primitiven" Lebensformen mit anderen Mitteln. Der Aktionär mit "Lust" auf große Renditen ist im Prinzip nichts anderes, als die Elster, die eine hübsch funkelnde Deko klaut.

Die Struktur (ob man sie nun Gier nennt oder Evolutionsvorteil ist wurscht) ist die selbe aus verschiedenen Perspektiven (i.d.F. Moral vs. Evolutionstheorie). Immerhin ist die Weitergabe von Genen theoretisch etwas handlicher, als der von individuellen Moralvorstellungen getragene Begriff der Gier, denn der lässt sich nichtmal ansatzweise binär codieren (ob ein Wesen sich fortgepflanzt hat hingegen schon).

Aber ich habe so meine Probleme damit, darwinistische Theorien inder Lesart "Recht des Stärkeren" auf unsere recht komplexe Gesellschaft zu übertragen.
Das gelingt mMn nur, wenn man zunächst ermittelt, welche Merkmale ein Individuum in gerade dieser speziellen Gesellschaft (ihrem Millieu) "stark" machen, und ob die "weitergabe der Gene" auch in unserer modernen Gesellschaft einen Wert darstellt, der so wirksam ist, dass Menschen ihr Leben nach ihm ausrichten.
Was ist mit den DINK's (double income no kids), die im Prinzip genug Finanzpower besitzen, um haufenweise Kinder in die Welt zu setzen (und zu ernähren), dies aber bis ins höhere Alter nicht tun, da sie ihr Leben dann ja Umstellen müssten? In einer Gesellschaft nach darwinistischen Prinzipien erscheint mir eine teilweise erzwungene Entscheidung zwischen Kindern/Familie und Beruf/Karriere jedenfalls nicht besonders sinnvoll. In einer solchen Gesellschaft sollte wirtschaftlicher Erfolg die Chancen auf Paarung inkl. der Aufzucht von Jungen eigentlich begünstigen - statt letzteres zu einer folgenschweren "entweder/oder" Entscheidung zu machen.
Geht es da um die Genweitergabe, oder haben wir dieses System durch die Möglichkeit der Paarung ohne Kinder inzwischen ganz ausgehebelt. Das System besteht wohl auch weiterhin (Evolutionsvorteile usw.) aber das primäre Ziel ist scheinbar nicht mehr die multiple Weitergabe des eigenen Genpools - es geht nur noch um die Möglichkeit (Sex) der Weitergabe, zu der selbst es aber nur noch in Ausnahmefällen (bewusst herbeigeführt oder als Unfall) wirklich kommt.
Ich denke, dass evolutionstheoretische Überlegungen in ihrer aus der Biologie übernommenen Weise für die sozialen Systeme der menschlichen Gesellschaft nur begrenzt tragfähig sind. Es müsste eine art "Evolutions-Soziologie" formuliert werden, die dann auch eine Anwendung auf soziale Systeme erlaubt.
Sonst gibt das wieder nur den guten alten Sozial-Darwinismus.
Das "Recht des Stärkeren" als wohl schlechteste Übersetzung des Darwin'schen "survival of the fittest".
 
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DerOlf schrieb:
Das gelingt mMn nur, wenn man zunächst ermittelt, welche Merkmale ein Individuum in gerade dieser speziellen Gesellschaft (ihrem Millieu) "stark" machen, und ob die "weitergabe der Gene" auch in unserer modernen Gesellschaft einen Wert darstellt, der so wirksam ist, dass Menschen ihr Leben nach ihm ausrichten.
Oh, das geht recht einfach. Quasi unser gesamtes Verhalten ist genetisch gesteuert.
Warum ekeln wir uns vor Schlangen und Spinnen? Warum zucken wir zusammen, wenn jemand mit Fingernägeln über eine Tafel kratzt. "Liebe" ist auch am Ende nicht mehr als ein Rudel wild gewordener Pheromone, die eine Bindung zur Sicherung des Nachwuchses erzeugen.
Selbst wenn wir aus Spaß joggen, Kampfsport betreiben oder auch mit Egoshootern unsere Hand-Augen-Koordination auf die Probe stellen ist das alles genetisch programmiert. Wir sind Jäger, wir sind Raubtiere, wir sind ausdauernde Läufer. Wir können Gefahren selbst in unübersichtlichem Gelände (z.B. Wäldern) schnell erfassen. Und auch wenn wir unsere Fähigkeiten heute nicht mehr aktiv benötigen haben wir trotzdem verdammt viel Spaß daran, genau diese Fähigkeiten zu verwenden.
Aus demselben Grund spielt eine Katze mit einer Stoff-Maus oder schnippt Kronkorken vom Tisch. Genau deshalb apportieren Hunde so garn.

Was ist mit den DINK's (double income no kids), die im Prinzip genug Finanzpower besitzen, um haufenweise Kinder in die Welt zu setzen (und zu ernähren), dies aber bis ins höhere Alter nicht tun, da sie ihr Leben dann ja Umstellen müssten? In einer Gesellschaft nach darwinistischen Prinzipien erscheint mir eine teilweise erzwungene Entscheidung zwischen Kindern/Familie und Beruf/Karriere jedenfalls nicht besonders sinnvoll. In einer solchen Gesellschaft sollte wirtschaftlicher Erfolg die Chancen auf Paarung inkl. der Aufzucht von Jungen eigentlich begünstigen - statt letzteres zu einer folgenschweren "entweder/oder" Entscheidung zu machen.
Wir können uns in gewissem Rahmen über unsere Gene erheben. Wir können Entscheidungen treffen. Außerdem ist es durchaus denkbar, dass in sozialen Gruppen (z.B. Wolfsrudel) einige Individuen sich nicht fortpflanzen sondern lediglich dem Wohl der Gruppe dienen. Vielleicht ist deren genetisches Material so unbrauchbar, dass Fortpflanzung nicht der Gruppe dienen würde.

Geht es da um die Genweitergabe, oder haben wir dieses System durch die Möglichkeit der Paarung ohne Kinder inzwischen ganz ausgehebelt.
Sex ohne Fortpflanzung ist keine rein menschliche Eigenschaft. Sie ist nur extrem selten. Bonobos poppen aus rein sozialen Gründen, und das teilweise sogar noch bisexuell auf kompletten Orgien. Aber Bonobos sind auch ansonsten sehr sehr eigenartig. Als einzige Primaten (uns eingeschlossen) sind sie durchweg friedlich. Die sind die Buddhisten des Tierreichs. Statt sich zu ärgern hocken die sich lieber an nen Teich und meditieren die Wut in die Wüste.

Das "Recht des Stärkeren" als wohl schlechteste Übersetzung des Darwin'schen "survival of the fittest".
Sicher, es geht um das Überleben des am besten Angepassten.
Und am besten angepasst ist in unserer Gesellschaft, wer die Dicke Marie heim bringt.
 
Daaron schrieb:
Sicher, es geht um das Überleben des am besten Angepassten.
Und am besten angepasst ist in unserer Gesellschaft, wer die Dicke Marie heim bringt.

Genau darauf wollte ich hinaus (obwohl's mMn nicht die "Dicke Marie" sein muss, es lebt sich auch von relativ Wenig ganz passabel).
Es geht eben für die Spezies Mensch primär nicht mehr um die Anpassung an einen "natürlichen" Lebensraum, sondern an einen kulturell geprägten Sozialraum. Das macht Gesellschaftstheorie mit evolutionstheoretischen Wurzeln so komplex (gleichzeitig aber auch sehr interessant). Viele natürliche Zwänge haben wir tatsächlich überwunden. Beispiele: Warme Kleidung (ersetzt durch Heizung, Wohnung, usw -> Geld), die heute nichtmehr unbedingt über Tage hinweg warm halten muss - solange sind nur Wenige von uns im Winter draußen. Natürliche Defensiv- bzw. Offensivmaßnahmen (ersetzt durch Waffentechnik oder Wissen um Abschreckungsmaßnahmen ggÜ Tieren) - für die meisten Menschen generell kein Problem, da sie ohnehin nur Angriffe von anderen Menschen zu befürchten haben (stattdessen brauchen Menschen Gesetze, die sie wirksam davon abhalten, sich gegenseitig zu killen).
Und ... Es gibt haufenweise solche Beispiele, wo natürliche Evolutionsfaktoren vom Menschen modifiziert, relativiert oder gar ganz überwunden wurden.

Eine evolutionstheoretische Gesellschaftstheorie müsste sich mMn auf restlos ALLE Bereiche des menschlichen Lebens beziehen lassen - ob nun in der industriellen Welt oder bei Primitiven - es muss eben auf alle praktizierten Gesellschafts- und Lebensentwürfe passen. Auch die Möglichkeit der bewussten Entscheidung gegen die Gene müsste letztlich irgendeinen Evolutionsvorteil gebracht haben, um sich im Genpool überhaupt zu verbreiten - Gerade so etwas müsste erklärbar sein.
Meiner Meinung nach bringt uns das eben zu gesellschaftlichen Konstruktionen (Dinge, die heute so sind, wie sie sind, weil wir sie eben seit Jahrhunderten schon ungefähr so machen und sie dabei zu dem Entwickelt haben, was sie uns heute sind), und zu einer letztlich ähnlich konstruierten Umwelt, an der sich unsere Anpassungen primär orientieren.
Eben eine Evolutions-Soziologie.

Die Anpassung geht dann eben u.U. auch mal soweit, dass die besonders Angepassten sich um iPhones oder Konsolen prügeln - oder sich einfach nur gemeinsam vorm Shop die letzte PreRelease-Nacht um die Ohren hauen. Ob die Wohl irgendwann ihren gelangweilten Kindern von diesem 'Event' erzählen? ;)
Die Gründe dafür sind mMn jedenfalls nicht in den Genen zu suchen, sondern in der Art, wie wir unser gesellschaftliches Zusammen organisieren - das mag wiederum mit genetik zu tun haben, oder kann zumindest damit in Einklang gebracht werden - aber eine tiefgehende Erklärung sozialer Interaktionen sollte man sich davon nicht erwarten. Das stellt eher eine art Grundgerüst dar (einen sehr groben theoretischen Rahmen).
 
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Hmmmmm ...... auch schon mal an Manipulation gedacht ? Ob das in den Genen liegt, wenn man sich in einer Art Massenhysterie vorm Appleshop anstellt ? Es gab da schon mal einen deutschen Propagandaminister, der sich prächtig auf die Manipulation der Massen verstanden hatte ! Das, was mit der Apple-Gemeinde - aber natürlich nicht nur mit der - geschieht, ist im Grunde von den Mechanismen her betrachten nichts anderes, lediglich die Ziele unterscheiden sich !
 
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Womit du wieder bei Überzeugungskraft einzelner Personen oder kleiner Gruppen bist. Auch der Anführer eines Primaten-Clans erhält seinen Posten nicht nur dadurch, dass er alle anderen Männchen verhauen kann oder den größten Schwengel hat. Vieles ist da Politik. Da werden Bündnisse geschlossen, da wird Überzeugungsarbeit geleistet und es wird natürlich auch getäuscht.

Es ist bewiesen, dass sogar eher niedrige Primaten zur Lüge fähig sind.
 
@Daaron
Genau deswegen halte ich es ja für so wichtig, unsere gesellschaftlichen Organisationsmechanismen und -prinzipien genau zu verstehen. Nicht die Tatsache, DASS Bündnisse geschlossen werden, sondern das WIE ist hier interessant - "Politik" kommt ja von "Polis" was soviel bedeutet wie Stadt, Staat, Siedlung oder Gemeinschaft und diese Begriffsherkunft macht Bündnisse gerade zur Grundlage JEDER Politik.
Wie entscheiden wir, mit wem wir ein Bündnis eingehen? Tun wir das auf die gleiche Weise wie andere Primaten, oder suchen wir uns unsere Bündnispartner ganz anders?
Bei Politik denke ich im übrigen nicht nur an das, was eben so die "große" Politik auf Bundes-, Landes- oder Regionalebene betreibt. Ich denke dabei gerade an "Mikro"-Politik - Partnerschfts-, Familien-, Gruppen- oder Firmeninterne Politik. Meiner Meinung nach müsste man hier ansetzen (beim Individuum und seinen politischen Entscheidungen), um zu einem tieferen Verständnis menschlicher Handlungsperspektiven und daraus resultierender Verhaltensformen zu gelangen.

Genetische Evolutionsvorteile alleine reichen dafür mMn nicht ganz aus - gerade weil der Mensch sich seine relevanten Umwelteinflüsse zum Teil selbst macht (im Sinne gesellschatlicher Ko-Konstruktion), wahrscheinlich im Bezug auf die Gene und mit ihnen Erreichbares, aber eben nicht NUR.
Ich glaube, dass es zu einfach gedacht ist, aus den Genen eine Gesellschaftstheorie aufbauen zu wollen - obwohl ich die Versuche schon immer recht niedlich finde. Wundert es dich eigentlich nicht, wie ausgesprochen einfach die angeführten Beispiele immer sind - zum einen sicher, damit die nachvollziehbar bleiben, aber kann man damit erklären, warum Menschen eine bis zu 20 jährige Ausbildung durchlaufen, die ihnen am Ende nichtmal einen gesicherten Lebensunterhalt garantieren kann, oder sie wenigstens wirksam vor Spinnen oder Schlangen schützt?
Natürlich wäre es traumhaft, etwas so komplexes wie unsere Sozialgefüge durch eine so ausgesprochen simple Theorie erklären zu können - ich sehe da aber keine großen Chancen.

Daaron schrieb:
Es ist bewiesen, dass sogar eher niedrige Primaten zur Lüge fähig sind.

Es gibt sogar Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass die Fähigkeit zur Lüge am Beginn der Entwicklung menschlicher (oder allgemein höherer) Intelligenz stand (ist ja nicht auf Menschen begrenzt), denn gleichzeitig entfaltet sich ja eine art Wettrüsten zwischen dem Lügner (der NICHT will, dass seine Lüge als solche erkannt wird) und dem Opfer (das sich Mühe gibt, NICHT auf eine Lüge hereinzufallen). Ein Wettrüsten auf dem Gebiet der unterschiedlichen Intelligenzfaktoren und der Informatuionsbeschaffung bzw. -kontrolle. Irgendwann geht es dann nicht mehr darum OB jemand lügen kann, sondern ob er es BESSER tut, als seine Konkurenten - da kommen dann z.B. Politiker heraus, die ohne jeden Skrupel ganze Volksgemeinschaften hinters Licht führen, und sich dabei nicht mal im Unrecht fühlen (am besten lügt man, wenn man selbst dran glaubt). Da geht es auch schon in Richtung (Auto)Suggestion, womit wir dann fast wieder beim eigentlichen Thema angelangt sind.
Warum glauben Menschen, das next-Gen Spielzeug direkt am Releasetag haben zu müssen, zur not auch mit Gewalt - was erhoffen die sich eigentlich davon? Das neue Spielzeug kann es ja logisch betrachtet eig. nicht sein, denn da ist auch die xte Lieferung nicht schlechter als die erste. Aber eigentlich ist diese Frage am unsinnigen "rational choice" orientiert. Wahrscheinlich ist es mit einem irrationalen aber kraftvollen "ICH WILL" schon hinreichend erklärt. Aber auch da kann man noch fragen, warum (diese Frage geht immer).
Vielleicht scheitert eine rationale Erklärung ganz schlicht an der Irrationalität dieses Konsumverhaltens, egal von welcher Theorie man ausgeht. Da müsste man wohl die fragen, die den Zirkus mitmachen. Eventuell ergeben sich aus deren Rationalisierungsversuchen irgendwie gemeinsame Muster - so nach art einer grounded theory.
 
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