Scheitel schrieb:
Das wir noch nie ein Auto mit angetriebenen Vorderrädern besessen haben, mag da einen Teil dazu beitragen
Man sollte meinen, dass bei ganz normaler Fahrweise sowieso kein Unterschied besteht. Lustigerweise merkt man es aber tatsächlich schon beim langsamen Anfahren, dass das Auto sprichwörtlich "geschoben" und nicht "gezogen" wird, wie bei einem Fronttriebler.
Bei mir war's aber tatsächlich so, als ich dann vom 50 PS Fiesta BJ 1996 auf die MK3 Supra umgestiegen bin, dass ich deutlich entspannter als zuvor gefahren bin. Viel weniger Vollgas, viel weniger "gerast", viel gefühlvoller - exakt so, wie sich Toyota das mit dem Auto auch gedacht hatte: ein "Grand Tourer" und kein reinrassiger Sportwagen, wie ihn Nissan mit dem 300ZX zu dem Zeitpunkt gebaut hat - oder Honda mit dem NSX oder Mitsubishi mit dem 3000 GT. Die Supra hat da überraschend viel Understatement für den Alltag mitgebracht (deshalb auch so massiv gut ausgestattet ab Werk).
Daher kann ichs ein Stück weit verstehen, wenn man plötzlich ein deutlich kleiner motorisiertes und leichtes Auto fährt, das zudem die Antriebsachse nach vorn wechselt und man eine vollkommen andere Leistungsentfaltung hat.
Scheitel schrieb:
hatte keine Parkpiepser vorn
Der Puma, den meine Eltern bekommen, scheint wohl schon sehr gut ausgestattet. Mein Mutter wollte da plötzlich alles mögliche, was es gibt - inkl. Panoramadach. Hat sie aktuell im C-Max auch schon und ratet mal: es ist immer zu.
Ich habe zu Beginn auch extra noch Ratschläge gegeben: keine el. Heckklappe (war bei ihrem C-Max auch mehrmals defekt), keine el. Sitze (wozu, wenn es exakt einen einzigen Fahrer gibt, der das Auto fährt), kein reines Leder (lieber Velour / Alcantara). Ich bin gespannt, was dann am Ende auf dem Hof stehen wird.
EmViO schrieb:
Fahren die Leute keine Autos probe bzw. vergleichen die überhaupt verschiedene Modelle?
Das Gefühl habe ich auch - und jetzt sitze ich im Glashaus und werfe mit Steinen, denn: ich habe praktisch blind die 40.000 Euro für meinen aktuellen hingelegt und bin dafür sogar noch 400 Kilometer weit gefahren (!) und habe ihn erstmals gefahren, als ich damit beim Händler nach dem Kauf vom Hof gefahren bin.
Meine Ausgangssituation war aber auch etwas anders: neu gab es den Wagen leider nicht mehr und gebraucht gab es hier nicht einen einzigen in unmittelbarer Nähe, der mir auch nur halbwegs zugesagt hätte. Also habe ich mich Stunden mit dem Fahrzeug beschäftigt und sämtliche Videos im deutschsprachigen Netz konsumiert, die es auch nur irgendwie dazu gab (Ausfahrt.tv, Blackforestdrive, und so viele mehr).
Ich bin zwar etwas kräftiger, hab sonst aber nen "normalen" Körperbau, von daher war mir auch klar, dass ich mit den Sitzen "per se" erst einmal keine Probleme haben sollte.
Beim grundsätzlichen Fahrgefühl und Look and Feel habe ich mich nach all den vielen, unabhängigen Berichterstattungen einfach mal reingetraut - ich wollte das Auto genau so, wie es da in Dresden stand und dann musste der es auch sein.
Ach ja, eins fällt mir noch ein: ich bin nicht probegefahren, aber ich bin ein paar Wochen vorher "probeMITgefahren". Auf einem Parkplatz (bei ALTERNATE, hehe) habe ich zufällig einen parken sehen und den ein wenig begutachtet und habe auch gesehen, dass der die Sportschalensitze drin hatte, für die ich mich interessiert habe. Keine 20 Sekunden später stand der Besitzer neben mir und wir haben kurz gequatscht, er hat mich eingeladen und ich bin ne Runde mit ihm mitgefahren - da war's dann um mich geschehen ^^
EmViO schrieb:
Oder sehen die ein Auto und denken sich "cool, der sieht gut aus, den nehme ich"?
Und genau das ist ja auch in Ordnung. Das habe ich meinen Eltern auch gesagt, man KANN durchaus genau das eine Auto (oder Backofen oder Duschvorhang oder whatever) kaufen, wenn man sich darin vernarrt hat. ABER: man sollte sich dann auch über all die damit verbundenen Nachteile im Klaren sein - sowohl für sich selbst genommen, als auch im Vergleich mit einem vielleicht viel wirtschaftlicheren oder für den Usecase vernünftigeren Fahrzeug.
Ich war (und bin mir dessen imer noch) sehr bewusst - aber ich wage zu bezweifeln, dass meine Eltern das sind. Gerade bei meinem Vater wundert mich das immer wieder. ER war eigentlich früher der "Car Guy". Ich hatte keinen Manta B mit selbst ge-Airbrush'tem Tigerkopf und fluoreszierenden Augen auf der Motorhaube (ja, mein Dad war auch handwerklich und künstlerisch äußerst begabt früher). Er hat auch mal einen Mazda 323 meiner Mutter, der ein hässliches mintgrün metallic hatte, komplett per Hand rot lackiert, ein Dachfenster eingebaut, und so weiter.
Das scheint alles schlagartig verflogen zu sein und jetzt gibt es nur noch blinden Gehorsam des "treuen Ford-Händlers".
Ist halt so, kann man nicht ändern - aber man darf mir gewiss keine Vorwürfe dafür machen, dass ich sie (mit allen sinnvollen Mitteln) versucht habe davor zu bewahren, einen allein schon finanziell ziemlich großen Fehler zu begehen.
EmViO schrieb:
Weil anders kann ich mir nicht erklären, wie manche Autos verkauft werden können und so oft rumfahren.
Glaubst du ernsthaft, dass all die Autos, die du auf der Straße siehst, "verkauft" werden? Zumindest bei all denen, die maximal 3 Jahre alt sind, würde ich nochmal darüber nachdenken
EmViO schrieb:
Der ist ja noch nicht mal unbedingt günstig.
Ne, der Puma ST-Line mit 155 PS Mild-Hybrid, 17.000 Kilometer und EZ irgendwann von Ende 24 ist mit ca. 30.000 Euro leider alles andere als günstig. Er ist weinrot-metallic (ich gebe zu, ne coole Farbe, hätte ich auch genommen - oder das blau-metallic), das war die Wunschfarbe meiner Mutter.
Ist auch in Ordnung, ich mag ja auch fast immer rote Autos (hab jetzt schon mein viertes rotes Auto ^^).
Aber: wenn ich da nen gleich ausgestatteten KIA XCeed - also auch exakt dieselbe Fahrzeugklasse - raussuche, dann lande ich irgendwo bei 23-25.000 Euro bei deutlich mehr Restgarantie (bis 2031 und nicht nur bis 2028).
Wenn also die Emotionen nicht derart "pro Ford" spielen, wäre es, wie schon zuvor genannt, rein wirtschaftlich dumm, nicht den KIA zu nehmen.
Incanus schrieb:
Aber das ist doch jedem selber überlassen, was er mit seinem Geld macht.
Richtig - und dennoch schadet Beratung und der Hinweis darauf, dass der Tellerrand nicht das Ende des Universums darstellt, nicht.
Wir machen hier tagtäglich dasselbe im PC-Kaufberatungsbereich.
Und du wirst lachen: auch meine Eltern haben mich VORHER zu Rate gezogen und haben gefragt, was ich machen würde, etcpp. Selbstverständlich habe ich markenoffen geschaut und schnell gesehen, dass der Puma im Direktvergleich verdammt schlecht abschneidet.
Wir haben dann einige Stunden (auf mehrere Tage verteilt) verschiedene Videos angeschaut, Innenräume verglichen, ich hab Angebote rausgesucht, wollte meiner Mutter die Probefahrten organisieren, etc.
Und plötzlich, eben vor ein paar Tagen: "Wir haben den super-duper-Deal, etcpp" ... von dem ich ja jetzt schon mehrfach genug erzählt habe.
Da fühlt man sich schon zurecht vor den Kopf gestoßen.
lowrider20 schrieb:
Probefahren schön und gut, aber das gewünschte Modell muß halt auch verfügbar sein. Meistens bleibts bei einem Look & Feel bzgl. Innenraum.
Tatsache. Meine Eltern haben einen Puma probegefahren, Achtung:
Schalter, 125 PS
Was bekommen sie?
Automatik, 155 PS
Komplett anderes Fahrverhalten, komplett andere Leistungsentfaltung und vermutlich war eben auch aufgrund der unterschiedlichen Innenausstattung das Look and Feel (bestes Beispiel: Sitze) komplett anders.
Das verstehe ich sowieso nicht: meinen Eltern ist - dem Alter geschuldet und vollkommen verständlich - ein möglichst einfacher Ein- und Ausstieg sowie eine möglichst komfortable Sitzposition wichtig.
Gerade unter dem Aspekt hätte man sagen können, ist die restliche Ausstattung, zumindest beim Probefahren, vollkommen egal, aber man sollte auf jeden Fall DIE Ausstattung probefahren, die mit denselben Sitzen ausgestattet ist, die man später auch haben möchte.
Das sind eben die Prioritäten, die man sich beim Kauf eines Objekts setzt und viele von uns machen sich da bei den alltäglichsten Dingen bestimmt auch Gedanken - aber mindestens genauso viele eben auch wieder nicht.
Gravlens schrieb:
möglichst niedriger Verbrauch ohne beim Beschleunigen große Abstriche machen zu müssen
Da bleibt eigentlich nur Elektro. Selbst ein "popeliger" Dacia Spring wäre bei langem Besitz und viel Fahrstrecke wohl nicht nur wirtschaftlich, sondern eben auch vom Fahrgefühl aufgrund des Elektroantriebs die beste Wahl im unteren Preisbereich.
Gravlens schrieb:
ich trete das Gaspedal durch wenn ich von 50 auf 100 beschleunige und verbrauche trotzdem nur zwischen 5-6 Liter, mein Boardcomputer zeigt aktuell 5,3 Liter Verbrauch im Durchschnitt an.^^
Das ging mit dem Swift Sport mit 140 PS aber auch problemlos - und ich sag dir eins, ich hab nicht nur von 50 auf 100 durchgeladen. Dabei war der Boosterjet (ohne Hybrid) nichtmal unbedingt ein explizit sparsames (aber ein äußerst spaßiges) Aggregat.
Und die 975 Kg Leergewicht - die vermisse ich tatsächlich oft, das war ein wahnsinnig "echtes" Fahrgefühl.
Da kann ich
Colin Chapman schon sehr gut verstehen nach so einer eigenen, sieben Jahre langen Erfahrung.
Das rate ich auch jedem von euch mal: allen, die sonst immer dicke SUVs fahren, schwere BMWs, große 6-Ender oder V8 ... Fahrt mal, wenn ihr die Möglichkeit habt, ein möglichst leichtes Auto mit wenig Ausstattung und nem halbwegs brauchbaren, aber nicht übermotorisierten Motor. Ihr werdet begeistert sein, wie "anders" sich Autofahren auch anfühlen kann. Keine elektronischen Helferlein, kein Eingreifen ins Lenkrad, in die Gasannahme, etc.
Da bekommt man auch automatisch ein ganz anderes Verständnis dafür, was es eigentlich bedeutet, dass wir hier tonnenschwere Killermaschinen mit unfassbar viel kinetischer Energie durch die Gegend bewegen. Auch das ist vielen leider überhaupt nicht bewusst.
Gravlens schrieb:
Ich versuche halt bei gleichbleibender Geschwindigkeit so effizient wie nur irgendwie möglich zu fahren
Ich hoffe, das sagst du nur so. Leute, die Hypermiling betreiben, sind oftmals rücksichtsloser dem restlichen Verkehr gegenüber, als irgendwelche "Wilden".
Ich selbst habe bei meinen letzten drei Autos (dem Focus Diesel, dem C-Max Diesel und dem Swift Sport) trotz gerade bei letzterem eher sportlicher Fahrweise immer darauf geachtet, wie ich wo wann rollen lassen und Sprit sparen kann, so vorausschauend fahren wie möglich, und so weiter.
Aber: wenns ums Hypermiling geht, bin ich der Falsche. Wegen vielleicht nochmal 0,5 Liter, die man dann mit "extremen" Mitteln rausholen kann, werde ich gewiss nicht zum allgemeinen Verkehrshindernis, weil ich mich schon aus 500 Metern Entfernung auf die Ampel zurollen lasse, wo sich schon 10 Fahrzeuge hinter mir aufstauen.
Wenn du wirklich viel Sprit sparen willst, fahre auf JEDER Autobahnfahrt auf der rechten Spur, klemm dich (mit korrektem Abstand bitte) hinter nen LKW und fahr einfach deine ~93 Kmh laut Tacho. Spritsparender wirds nicht.
Gravlens schrieb:
deshalb ärgert mich das auch mit dem Geschwindigkeitsverlust bei minimaler Steigung
Dann solltest du trotzdem ab und zu mal in nen niedrigeren Gang schalten. Bei 50 im 3. ist vollkommen in Ordnung, aber dann gib halt auch mal Gas, wenn's bergauf (und auch nur leicht) geht.
fanatiXalpha schrieb:
Als ich vor ein paar Monaten einen i30 als Ersatzwagen hatte war das genau so wie du es beim Puma beschreibst.
Ich hatte ja mal den N-Line als Ersatzwagen mit 160 PS 1,6 Liter. Mir war klar, dass das jetzt keine Rakete ist im Vergleich zu meinem, aber grundsätzlich ist das ja weitaus genug Leistung um ganz normal von A nach B zu fahren.
Dennoch hattest du permanent das Gefühl, dass mindestens 60 PS gerade im Urlaub waren und obendrein empfand ich das Fahrgefühl als furchtbar kalt, analytisch und schon fast roboterartig. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben, da hab ich wirklich gar nichts von der Straße gemerkt, ich hätte auch über Eis oder über Sand fahren können, das hätte sich vermutlich komplett gleich angefühlt.
Ich empfand das als schrecklich. Und die Innenausstattung war auch schrecklich. Die ist ja schon beim N Performance mit viel Plastik etc. billig (stört mich nicht), aber das war schon ne extrem karge und einfach unesthätische Landschaft, in der man da gesessen hat.