Ich bin als WebDeveloper jetzt nicht im klassischen High Level Stack unterwegs, wie C++ Coder etc., würde mich aber als zuverlässig und solide bezeichnen skillwise. Ich mach mir aber auch nichts vor, dass es sicherlich eine Menge Devs gibt, die den Bereich noch mehr leben und um einiges besser sind. Im Laufe meiner beruflichen ~15 Jahre sind mir aber deutlich mehr Stümper unter die Nase gekommen als Leute, zu denen ich fachlich aufsehe, in meinem Umfeld.
Auch in unserem Bereich ist spätestens seit Opus 5.5 einfach nur krass, was bei uns an realer Arbeit weg fällt. Sachen, die vorher 40-80 Stunden gedauert haben, werden jetzt durch KI auf 8-16h runter gebrochen und ganz ehrlich: nicht alle unsere Devs sind auf einem gleichem Level und ich würde sagen von der Sauberkeit der Endergebnisse ist ein Opus 5.5 ohne Code Review zuverlässiger als die Hälfte der Devs, deren Projekte ich schon unter der eigene Nase hatte.
Natürlich gibt es als Dienstleister im Arbeitsalltag wichtige Grenzen, die eingehalten werden müssen, so dass wir natürlich nicht alle unsere Projekte in die großen Modelle kippen wollen und können, weil sich dort eben auch schützenswerte Daten befinden.
Ich hab aber auch hier schon genug Konkurrenz gesehen, die einfach darauf sch... und alles in die großen AI Anbieter werfen inkl. jeder empfangenen und gesendeten E-Mail. Darüber lässt sich natürlich bequem viel automatisieren aber ... naja denkt euch euren Teil.
Für professionelle Arbeit ist mein Motto: AI macht gute Leute schneller und schlechte Leute gefährlich. Am Ende steht jeder für seinen Code gerade, wie vorher auch, egal wie er zu Stande gekommen ist. Wenn der Scope dein Wissen übersteigt, war es wohl auch kein Projekt für dich.
Auch klein-/mittelbetrieblich macht AI es einfacher maßgeschneiderte Software erstellen zu können, die ohne Umweg zu den dortigen Strukturen und Aufgaben passen. Es braucht aber fähige Leute diese Strukturen zu erkennen, um überhaupt eine passende Lösung dafür zu finden. Meiner bisherigen Erfahrung nach sind überwiegend Techniker, die sich mit Ordnung und Strukturen auskennen.
Es gibt jetzt Sicherheits-unkritische Bereiche, wie z.B. den Style einer Webseite, wo man drüber streiten kann, ob da gutes Testing reicht anstatt CSS Anweisungen Zeile für Zeile durchzugehen. Bei großen Projekten sollte man wenigstens schauen wie qualitativ es strukturell aufgebaut wurde, aber erfahrungsgemäß kommt auch das aus einem Opus 5.5 ganz gut raus.
Anders sieht es bei kompilierten Projekten aus, zumindest wenn die Sourcen nicht veröffentlicht sind. Ja, Reverse Engineering ist jetzt ein großes Ding und wahrscheinlich wird auch das immer besser, aber da hat man je nach Scope vielleicht auch wieder was eigenes per KI gebaut, wenn die Wunschfunktionalität gut definierbar ist, anstatt kleine vorhandene Anwendungen erst zu dekompilieren.
Privat habe ich ebenfalls einen kleinen Claude Pro Account und habe eins meiner ehrenamtlichen Projekte durch KI Einsatz auf einen neuen Stand gehievt, wo mir nach der Arbeit schon lange die Zeit (und Motivation) fehlte, die extra Stunden dafür rein zu buttern, wo ich doch mit meiner Freizeit viel besseres anfangen kann, zumal vieles davon Fleißarbeit war.
Zugleich habe ich eine PWA erstellt mit KI Beschleunigung, die "SpielerPlus" für unser Sport-Team ablöst, denn diese sehr weit verbreitete App ging einigen von uns schon lange auf die Nerven. Ja, es gibt auch einige Alternativen, aber jetzt maßgeschneidert an 3-4 Abenden Zeit zu investieren etwas zu erstellen ist schon verlockend. Wann immer man ein neues Feature braucht, reicht es dieses konzeptionell zu designen und zu prompten. In der Form ist es auch enablement und Motivations-verstärkend im unbezahlten/ehrenamtlichen Bereich.
long story short: was halte ich von AI Software?
Ich finde es im professionellen Bereich beschleunigend bereichernd und auch Qualitäts-steigernd und zwar großflächig gesehen. Allerdings finde ich es bzgl. Verantwortlichkeit auch gefährlich, weil Leute enabled werden, die nicht mal ein Gespür dafür haben, was die Skalierungseinstellung in Windows bewirkt oder wie viel MB Dateianhang sane ist bei einer E-Mail. Auch qualifizierte Nachfolger zu finden, für die das nicht irgendwann nur noch Zauberei ist, wird schwierig, wenn sie direkt mit der "Abkürzung zum Ziel" aufwachsen.
Im ehrenamtlichen oder privaten Gebiet kann es eine große Bereicherung sein, sei es in der Entwicklung von Software für eigene Bedürfnisse oder um sich gegen die großen Firmen zu wehren (hierfür braucht man nur durch die News der letzten Wochen... recompile von Games, deren Plattform es nicht einmal mehr gibt... Fernsehfirmware entschlüsselt und damit echte Nachweise finden, dass und wie Smart-TVs ihre Nutzer ausspionieren und und und...).
In unserer Software-lastigen Welt ist der Umbruch gerade riesig, wir sprechen von exponentiell besser werdenden Modellen. Was jetzt beeindruckend ist, ist wahrscheinlich immer noch wenig gegen das, was da noch kommt. Wo es hinführt kann ich mir aktuell nicht ausmalen, die Welt ist im Wandel.