Odium
Captain
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Ich habe mal etwas recherchiert in den Zahlen von Musik, Spiele und Filmindustrie (ja, einige Leute haben schon komische HobbysTed Cohen schrieb:Die Musikindustrie 1.0 ist vorbei, man kann sagen, sie ist tot. Und jedes Unternehmen, das glaubt, es kann Business as usual machen, macht sich lächerlich.
Jahresumsätze (Deutschland)
Spieleindustrie - 2006 (PC, Konsole, Handhelds u.ä.) : 1,12 Milliarden Euro (+7% ggü Vorjahr)
Musikindustrie - 2006 (Tonträger auf CD u.ä, MP3-Downloads): ca. 1,6 Milliarden Euro (-40% ggü 1996)
Zum Vergleich Filmindustrie - 2006 (international): 81,2 Milliarden Euro (+2,9% ggü Vorjahr)
2007 sieht es noch krasser aus. Da hat die Spielebranche schon 1,37 Milliarden verdient (+21%)und laut PriceWaterCoopers soll die Musikbranche bis 2011 einen Umsatzverlust von -2% pro Jahr auf 1,5 Milliarden in 2011 erwarten. Man ging davon aus, dass man mit Spielen 2007 schon mehr verdient als mit Musik, aber das ist bislang noch nicht eingetreten. Möglicherweise aber schon dieses Jahr.
Soweit die Fakten. Die meisten verknüpfen das Ganze sofort mit Raubkopien. Bei Vorstellung der Zahlen sagte deren Chef, dass der Rückgang aufgrund der Raubkopien zustande kommt. Dabei gibt es eine Studie der Uni Weimar, demnach die Filmindustrie nur ca. 0,23% (190 Mio) ihres Umsatzes durch Raubkopien einbüsst. Ein Vergleich zu Musik fällt schwer, aber auf keinen Fall ist jeder, der sich etwas illegal besorgt, ein potentieller Käufer, wie oft selbstverständlich behauptet wird.
Wenn eine Branche Verluste macht, wird normalerweise festgestellt, woran das liegt und Gegenmaßnahmen ergriffen. Anhand der Zahlen konnte ich jetzt leicht feststellen, warum sich die Industrie auf die Raubkopierer eingeschossen hat. Die haben einfach den Wert aller illegalen Downloads zusammengerechnet und sind auf 6,8 Milliarden Euro gekommen, was dem mehr als vierfachen des aktuellen Umsatzes entspricht.
Die Gegenmaßnahmen sind im Moment abschreckende gerichtliche Verfügungen gegen kommerzielle und private Raubkopierer und eine Ausweitung der legalen Downloadportale. Das eine ist schlecht für's Image und der Aufbau eines Internetnetzwerks kommt zu spät, meinen andere. Zu lange wurde das Netz bekämpft.
Tja, ich finde eines wird bei der ganzen Sachen aber irgendwie vergessen. Während man 2000 noch 206 Minuten vor dem Fernseher saß, 185 Minuten Radio oder Musik hörte und 13 Minuten mit Internet beschäftigt war, so waren es 6 Jahre später durchschnittlich 72 Minuten Internet (DSL: 118min). Laut Telepolis haben die Radiosender in den letzten Jahren massiv Zuhörer verloren, Zahlen darüber wieviel Musik gehört wird hab ich nicht gefunden, wär aber hilfreich zu wissen.
Tja, wie's aussieht werden Popstars und Medienmogule in Zukunft keine Topverdiener mehr sein und können sich noch nicht so recht damit abfinden. Deren Hoffnung ist nämlich, dass die das Problem durch die Raubkopierer in den Griff kriegen und dann die goldenen Zeiten wiederkommen. Da bin ich mir aber noch sehr unsicher, ob das wirklich der Fall ist.
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