Der langsame Niedergang der Musikbranche

Status
Für weitere Antworten geschlossen.

Odium

Captain
Registriert
Okt. 2003
Beiträge
3.643
Ted Cohen schrieb:
Die Musikindustrie 1.0 ist vorbei, man kann sagen, sie ist tot. Und jedes Unternehmen, das glaubt, es kann Business as usual machen, macht sich lächerlich.
Ich habe mal etwas recherchiert in den Zahlen von Musik, Spiele und Filmindustrie (ja, einige Leute haben schon komische Hobbys :p)

Jahresumsätze (Deutschland)
Spieleindustrie - 2006 (PC, Konsole, Handhelds u.ä.) : 1,12 Milliarden Euro (+7% ggü Vorjahr)
Musikindustrie - 2006 (Tonträger auf CD u.ä, MP3-Downloads): ca. 1,6 Milliarden Euro (-40% ggü 1996)
Zum Vergleich Filmindustrie - 2006 (international): 81,2 Milliarden Euro (+2,9% ggü Vorjahr)

2007 sieht es noch krasser aus. Da hat die Spielebranche schon 1,37 Milliarden verdient (+21%)und laut PriceWaterCoopers soll die Musikbranche bis 2011 einen Umsatzverlust von -2% pro Jahr auf 1,5 Milliarden in 2011 erwarten. Man ging davon aus, dass man mit Spielen 2007 schon mehr verdient als mit Musik, aber das ist bislang noch nicht eingetreten. Möglicherweise aber schon dieses Jahr.

Soweit die Fakten. Die meisten verknüpfen das Ganze sofort mit Raubkopien. Bei Vorstellung der Zahlen sagte deren Chef, dass der Rückgang aufgrund der Raubkopien zustande kommt. Dabei gibt es eine Studie der Uni Weimar, demnach die Filmindustrie nur ca. 0,23% (190 Mio) ihres Umsatzes durch Raubkopien einbüsst. Ein Vergleich zu Musik fällt schwer, aber auf keinen Fall ist jeder, der sich etwas illegal besorgt, ein potentieller Käufer, wie oft selbstverständlich behauptet wird.

Wenn eine Branche Verluste macht, wird normalerweise festgestellt, woran das liegt und Gegenmaßnahmen ergriffen. Anhand der Zahlen konnte ich jetzt leicht feststellen, warum sich die Industrie auf die Raubkopierer eingeschossen hat. Die haben einfach den Wert aller illegalen Downloads zusammengerechnet und sind auf 6,8 Milliarden Euro gekommen, was dem mehr als vierfachen des aktuellen Umsatzes entspricht.
Die Gegenmaßnahmen sind im Moment abschreckende gerichtliche Verfügungen gegen kommerzielle und private Raubkopierer und eine Ausweitung der legalen Downloadportale. Das eine ist schlecht für's Image und der Aufbau eines Internetnetzwerks kommt zu spät, meinen andere. Zu lange wurde das Netz bekämpft.

Tja, ich finde eines wird bei der ganzen Sachen aber irgendwie vergessen. Während man 2000 noch 206 Minuten vor dem Fernseher saß, 185 Minuten Radio oder Musik hörte und 13 Minuten mit Internet beschäftigt war, so waren es 6 Jahre später durchschnittlich 72 Minuten Internet (DSL: 118min). Laut Telepolis haben die Radiosender in den letzten Jahren massiv Zuhörer verloren, Zahlen darüber wieviel Musik gehört wird hab ich nicht gefunden, wär aber hilfreich zu wissen.

Tja, wie's aussieht werden Popstars und Medienmogule in Zukunft keine Topverdiener mehr sein und können sich noch nicht so recht damit abfinden. Deren Hoffnung ist nämlich, dass die das Problem durch die Raubkopierer in den Griff kriegen und dann die goldenen Zeiten wiederkommen. Da bin ich mir aber noch sehr unsicher, ob das wirklich der Fall ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mal schauen, wie das mit Spiele- und Filmindustrie weiter geht.
Da tut sich ja auch nichts mehr neues. Also seit Jahren gibt es ja schon kaum noch neue Musik. Einfach weil es kaum noch etwas gibt, das es noch nicht gab. Und irgendwelche Geräusche hintereinander setzen nur, damit es etwas neues ist, kann man auch nicht als Musik bezeichnen.
Also gibt es permanent Neuauflagen und Musikstücke bei denen es einem schwer fällt einen Unterschied zu vergleichbaren zu hören.

Bei der Spiele- und Filmindustrie ist es ähnlich. Doch die beiden sind wesentlich jünger als die Musik, weshalb vielleicht dieser Effekt noch nicht eingesetzt hat, dass es ja eigentlich alles schonmal gab. Oder wo gibt's es noch völlig neue Konzepte für Computerspiele oder einen Film, der einen nicht an einen älteren erinnert?

Ich sehe bei den 1.0-Versionen aller drei Industrien keine großartige Zukunft. Langfristig müssen Innovationen kommen, die vielleicht auch mit neuer Technik zusammen hängen. Z.B. Filme schauen, die man mitten drin pausieren kann und dann als Spieler in den VR-Film einsteigen, um die Handlung selbst zu Ende zu bringen.
Natürlich ist das noch Zukunftsmusik aber was die Jahre so auf den Markt kommt der drei Industrien kann meiner Meinung kaum mehr überzeugen geschweigedenn ernsthaft hunterte von Millionen an Entwicklung und Produktion verschlingen.
 
Raubkopien sind sicherlich ein Teil des Umsatzrückganges, aber das eigentliche Problem stellen diese sicherlich nicht da. Immerhin sind sowohl Spiele, Filme aber auch Programme genauso einfach erhältlich ohne dafür bezahlen zu müssen - diese haben aber keinen so starken Umsatzrückgang, zumindest nicht laut deinen Statistiken.

Ich sehe das Problem der Musikbranche ganz einfach in einem stark veränderten Zuhörerverhalten. Seit Breitbandanschlüsse für die Masse zugänglich geworden sind kamen kostenlose Multimedia-Angebote wie Pilze aus dem Boden geschossen. Man denke da mal nur an Webseiten wie youtube, myspace, last.fm und zahlreiche Internetradios die sogar in CD-Qualität (128-192kbps) werbefrei und kostenlos Musik in jedem Geschmack streamen. Zwei Musikvideos von Britney Spears wurden auf youtube je über 25 Millionen mal angesehen, da fragt man sich natürlich wer sich dann noch die Single im Handel kaufen will.

Die großen Labels haben es auch jahrelang verschlafen, dem steigenden Bedarf nach Musikdownloads nachzukommen und selbst wenn sie etwas in dieser Richtung gemacht haben, dann war es oft zum Nachteil der Kunden. Die Musiker bekommen vom Apple iTunes teilweise einen erschreckend geringen Teil der Einnahmen und die RIAA hat Abfindungsgelder in Höhe von bis zu 400 Millionen Dollar (kommt wohl von Napster, Kazaa usw) noch nicht an die Musiker ausgezahlt. Auch wenn das nur Gerüchte sind ist es doch bemerkenswert, dass der ein oder andere Musiker daran denkt deswegen sein eigenes Plattenlabel zu verklagen.

Die ganze Geschichte um Musiker, ihre Plattenlabels und die immer weniger kauffreudigen Konsumenten ist meiner Meinung nach sehr komplex wenn man sich darüber informieren möchte. Die Nine Inch Nails haben erst kürzlich eines ihrer Alben kostenlos zum Download angeboten; die amerikanische Künstlerin Colbie Caillat hat durch den Erfolg ihrer MySpace Seite (über 20 Mio Seitenaufrufe bzw 30 Mio Songanfragen) einen Plattenvertrag ergattert und ist sowohl mit ihrer Single als auch mit ihrem Album in den Top 10 mehrerer Länder zu finden.

Die Welt der kommerziellen Musik hat sich in den letzten Jahren stark verändert und durch die zahlreichen (gar nicht mal illegalen) Multimediaangebote im Internet hat sich auch das Kaufverhalten angepasst. Darauf müssen sich Plattenlabels eben einstellen, eine Veränderung in ihrer Struktur wird sich nicht verändern lassen.

Nachtrag zu CPat's Antwort: ich stimme dir zu, dass die Filmindustrie langsam aber sicher am Ende dessen ankommt, was sich regelmäßig gut verkaufen lässt. Gerade die Spieleindustrie hat jedoch noch ein richtiges Ziel vor Augen und dazu noch eine sehr erfolgreiche Sparte die mit dem Internet wachsen wird! Ich spreche von 6,5 Millionen World of Warcraft Spielern weltweit (was monatlich über 55 Mio Euro Umsatz für Blizzard bedeutet) sowie der Ambition, fotorealistische Szenen darstellen zu können. Der Spielebranche würde ich also noch ein paar Jahre Zeit geben, bevor sie sich Sorgen machen muss.
 
Zuletzt bearbeitet:
der Umsatzrückgang is logisch, überteurete Preise für CDs schrecken ab. da hör ich lieber Internetradio.
 
Ich hab noch etwas vergessen zu erwähnen. Ich weiß nicht ob es etwas damit zu tun hat, aber aktuelle Spiele auf PC oder Konsole sind in der Lage, Handlungen und Filme in Hollywood-Qualität abzuspielen, inkl. mitten-drin-feeling versteht sich. Und die passende Orchester-Musik gibts auch dazu. Eventuell haben einige Leute heutzutage gar nicht mehr die Lust aktiv Musik zu hören und zu kaufen, wenn man das quasi schon nebenher bekommt.
 
Nun, dass die Musikbranche Probleme bekommt war schon lange vorher abzusehen, wer geglaubt hat die Verkäufe würden trotz steigender Preise und teilweise rapide abnehmender Qualität gleich bleiben wäre mehr als naiv.

Innovationen sind in allen Branchen schwierig doch hier hat die Filmbranche den Vorteil, dass sie aus jeder Idee etwas "eigenes" schaffen kann ähnlich geht es dort der Spielebranche so geschehen z.B. mit Portal (Valve, usprüngliche Idee stammt von ein paar Studenten).

Das große Problem der Musik ist jedoch, dass die Zielgruppe immer mehr in den Schatten rückt - jeder soll das gleiche Hören und bekommt auch nur das vorgesetzt (überspitzt formuliert natürlich) und genau dies klappt nicht mehr in Zeiten wo jeder das (sogar theoretisch kostenlos) bekommen kann was genau dem Geschmack zu sagt - hier muss die Branche an ihrer Philosophie arbeiten und letztlich auch ihre Geschäftspraktiken überdenken.
 
Bei Musik wird doch schon IMMER kopiert!
Wozu gab es ganze Generationen von Doppelkassettendecks mit high speed dubbing?
Oder einfach aufnehmen vom Radio.
War mindestens so einfach wie heute, ganz ohne PC.

Und die Musik die ich wirklich haben will die kauf ich mir damals wie heute auf einem hochwertigem Datenträger.

Downloaden von Musik: Für mich völlig uninteressant, wenn ich was kaufe, will ich was greifbares in der Hand haben und kein mieses völlig überteuertes MP3 File auf der Festplatte, das dann noch nicht einmal weiterkopierbar(Auto, Stereoanlage, PC, ...) ist.

Sollen eben die Herren "Manager" und Herren "Musiker" ein bissl weniger verdienen.
Wird doch eh auf alles außer Schreibpapier eine "Künstlerabgabe" draufgeschlagen.
 
Odium seine Darstellung zeigt das ganze Debakel der Musikindustrie sehr gut. Auch ich bin einer bei dem das Musikhören in den letzten 10 Jahren sehr selten geworden ist.

Und von mir aus kann die ganze Branche Pleite gehen. Solange es hochgepushte DruffiStars wie Amy Winehouse gibt, die schon lang nix mehr mit Vorbildfunktion gemein haben, ist für mich jeder Gewinneinbruch bei der Musikindustrie Balsam für die Seele.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ist schon interessant.
Ich bin aber auch der Meinung dass es daran liegt dass es nur noch Schrott gibt der als Musik angeboten wird. Und das seit ca. 1999. Überall ist immer nur der gleiche Müll zu hören. Entweder irgendwelcher durchgekauter Pop, der sich eh immer gleich anhört, da es immer wieder die gleichen künstlichen Leute sind, oder aber der Hip Hop & Co., der sowieso nur noch ne Melkkuh ist und nichts mehr mit Musik zu tun hat. Alle anderen Genres bringen doch schon seit Ewigkeiten nichts gutes mehr.

Warum habe ich mir schon ewig keine CD mehr gekauft, davor aber innerhalb von 5 Jahren über 600 CDs angehäuft? Weil ich es mir jetzt alles Raubkopiere? Nein.
Weil es einfach keine gute Musik mehr zu kaufen gibt? Genau.
Wenn ich mir schon anschaue, dass wenn ich mir kommerzielle Alben oder Sampler anhöre, die dann VIELLEICHT 1 oder 2 Lieder haben die ich einigermaßen gut finde... Wieso soll ich dafür 20 Euro ausgeben? Das wäre doch absoluter Schwachsinn.

Kleine Anbieter aus dem Ausland, vor allem in den USA, UK, Niederlanden o.Ä. blühen wie bei uns vor 14 Jahren auf, verkaufen mittlerweile ihre Songs fast nur noch virtuell im Internet. Diesen Labels gebe ich gerne Geld. Warum? Weil sie Gute Musik machen und da aufgreifen wo unsere Industrie ab 1999 schlapp gemacht hat.
Hier in Deutschland sind solche kleinen Label alle gestorben. Weil sie sich nicht angepasst haben. Diese Label im Ausland sind fast alle neu gegründet worden, weil diese Leute kapiert haben wie man neuerdings Geld macht. Diese holen sich die ganzen wirklichen Künstler, wärend unsere "großen" nur noch auf HipHop und DSDS-Mist setzen der immer weiter zu horrenden Preisen auf CD verkauft werden soll, und sich dabei auch noch wundern dass nur noch kleine verblendete, kreischende Kiddies deren Scheiss kaufen...
 
wie viele meine Vorredner richtig bemerkten: in den letzten jahren sind zu selten Cds auf den markt gekommen, die bei mir einen must have effekt auslösten, es fehlt an neuen musikstilen, kreativen Künstler mit Format, sprich: überzeugende Kaufargumente. Die Musikindustrie hat meines Erachtens ein Kreativitätsproblem, nicht ein Raubkopierproblem.

MFG
Norbert
 
Jake Grafton schrieb:
Diese holen sich die ganzen wirklichen Künstler, wärend unsere "großen" nur noch auf HipHop und DSDS-Mist setzen der immer weiter zu horrenden Preisen auf CD verkauft werden soll, und sich dabei auch noch wundern dass nur noch kleine verblendete, kreischende Kiddies deren Scheiss kaufen...
Über DSDS oder andere europäische Ableger kann ich nicht sprechen, in den USA ist American Idol aber nach wie vor eine sehr gute kostenlose Unterhaltung für das Volk. Jede Ausstrahlung sehen etwa 25-30 Millionen Amerikaner, damit ist das mit Abstand die stärkste 'Serie', wenn man das so nennen darf. Selbst Big Brother bringt dort keine 10 Millionen Zuseher mehr.

Im gleichen Zug muss man aber auch erwähnen, dass mehrere frühere Idol Gewinner ihre Plattenverträge verloren haben, weil sie eben nur Eintagsfliegen waren von denen heute keiner mehr etwas wissen will.

In diesem Sinne stimme ich euch durchaus zu, dass die Qualität von Musik heute schlechter ist denn je. Was ich mir noch regelmäßig kaufe sind neue Alben von verschiedenen Indy Bands oder ein paar remastered Klassik CD's.
 
Ich weiß nicht so recht. Mit jedem neuen Song steigt die Auswahl. Es gibt eine unglaublich breite Anzahl von Genres in der Musik, von Schrott bis komplexer Klassik. Da ist doch für jeden was.

Also mit dem Argument der Qualität kann man das irgendwie nicht begründen, denn jeder hat eine freie Auswahl und keiner ist gezwungen, Pop zu kaufen, sondern z.B. Goa oder wasweißich.
 
Könnte aber auch ne einfacher Verlagerung sein, man kann sein geld nur einmal ausgeben

Wenn sich nun jemand für HD Filme interessiert, so bleibt das Ausgegebene Geld nicht mehr für Musik CDs übrig. (grad bei den preisen für Blueray...)
 
Zuletzt bearbeitet:
@dreamy_betty
Ja, das ist ne Fernsehshow, wo man sich über Leute lustig machen kann. Vielleicht finden sie da Talente, aber auch die bekommen dann Lieder vorgesetzt, die sich nicht anders anhören als das was schon seit Ewigkeiten in den Charts auf- und abgespielt wird.
Was glaubst du wohl warum gerade Techno seit ein paar Jahren so sehr im kommen ist in den USA (vergleichbar wie bei uns vor 15 Jahren), aber trotzdem noch von den grßen Labels da drüben größtenteils ignoriert wird? Vorher war der absolut gehasst in den USA, und die Großen bleiben einfach stehen und denken es wäre noch genauso.
Die Leute wollen was neues!!!

@blubberbrause
Das ist Blödsinn. Früher gabs auch schon DVD und VHS. Beides war zu Anfangszeiten auch in etwa so teuer wie heute BluRay.

@Odium
Musik ist ein regelrechter Konsumartikel. Fast wie Nahrung. Irgendwann hat man sich sattgehört und was neues muss her und man kenn schon alles was bis jetzt da war. Wenn dann nichts neues, kreatives nachkommt, dann bleibt man halt bei den alten und kauft nur noch selten neue CDs oder man sucht sich irgendwelche kleinen Labels die neue Künstler und Richtungen haben.

Das ist ja das Problem. Es gibt nur noch Pop und HipHop. Wenn du z.B., wie du gesagt hast, Goa magst, dann ist das Angebot extrem dünn. Wenn du dann Goa schon seit Ewigkeiten magst, wirst du es schwer haben heute was zu finden was du magst, da du alles schon kennst was dagewesen ist. Gerade beim Technobereich ist extrem viel verschwunden. Beim Kommerztechno (Hardstyle) hört sich mittlerweile sogar wirklich jedes Lied an wie das andere. Die benutzen sogar IMMER die gleichen Samples. Da ihnen nix mehr einfällt, müssen jetzt sogar 80er und 90er Jahre Lieder & Tracks schon gecovert werden die sich noch peinlicher anhören. Wer kann sich immer das gleiche Sample in 20-40 verschiedenen Liedern auf ner CD anhören??? Da wird man doch blöd im Kopf. Und wer hört sich was an was ein Cover von nem Track von vor 10 Jahren ist? DAS KENNT MAN DOCH SCHON! Ja, Covers gabs schon immer, aber nicht in der extremen Weise wie im Augenblick.
Da haben diese kleinen Labels ihren Markt gefunden und eben aufgegriffen was die großen Labels fallen gelassen haben vor einigen Jahren.

Ich verstehe eben nicht wieso diese großen Labels sich beschweren. Sie haben früher immer Trends gesetzt durch ihren riesen Einfluß. Das könnten sie heute immer noch, aber es kommt einfach nichts neues mehr und es wird sich nur auf 1 oder 2 Sparten konzentriert. Ich bin der Meinung die sehen nur noch Geld Geld Geld, dass Musik dabei emotional ist und man eben nicht immer nur bei dem gleichen Mist bleiben kann, haben sie wohl vergessen.
 
Es ist völliger Unsinn anzunehmen, dass jede raubkopierte CD normalerweise gekauft werden würde. Im Leben nicht. Und ich würde nicht einmal so weit gehen, hier einen Prozentsatz anzugeben.

Wenn morgen jemand mit seiner externen Festplatt bei Euch vorbeikäme und fragte, ob Ihr mal eben 20 GB an MP3-Dateien für Euch kopieren möchtet, dann macht Ihr das vielleicht. Wahrscheinlich hört Ihr später auch einmal den einen oder anderen Song an. Vielleicht gefällt Euch sogar einiges davon. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich jemals eine dieser Songs oder CD kaufen würdet.

Selbst bei Spielen darf man nicht pauschalieren. Nehmen wir an, es ginge um ein aktuelles Spiel, welches man raubkopieren könnte. Da wird es Spieler geben, die sich gerne an der Raubkopie bedienen, um das Geld für den Kauf zu sparen. Es wird Spieler geben, die von dem Titel bisher nichts gehört haben, die aber gerne einmal einen Blick darauf werfen würden, um später zu entscheiden, ob sich der Kauf lohnt. Und es wird Spieler geben, die momentan eigentlich mit einem ihrer anderen Spiele beschäftigt sind und die sich die Raubkopie trotzdem anschauen, obwohl sie überhaupt kein Kaufinteresse haben.

Was die Musik angeht, so ist auch folgender Punkt wichtig: Das Interesse an Musik, nimmt mit dem Alter rapide ab. Nicht, dass man keine Musik mehr hören würde. Aber man hat seinen Geschmack gefunden und kann auf eine vorhandene Sammlung zurückgreifen. Man verfolgt nicht mehr die Charts, wie man es in jungen Jahren getan hat. Und man kauft deutlich weniger neue Alben

Und jetzt schaut Euch mal die demografische Entwicklung in Deutschland an. Die ehemals Jugendlichen (geburtenstarke Jahrgänge) sind dem typischen Kaufalter entwachsen. Sie geben vielleicht 70 Euro für ein Live-Konzert aus, aber die kaufen sich weniger neue CDs und DVDs von Musikern, die sie nicht kennen und deren Musik ihnen nicht gefällt. Es ist doch auffallend, dass Dinosaurier wie U2 oder Depeche Mode mit ihren Alben schnell an die Spitze kommen, wogegen viele farblose Newcomer laufend die Platzierungen wechseln und den Eindruck der Austauschbarkeit hinterlassen.

Hinzu kommt der Punkt, den Odium schon ansprach: das Freizeitverhalten. Wenn im Sommer die Sonne scheint und die Leute im Biergarten sitzen oder im Freibad hocken oder wenn die Fußball-WM läuft, dann kaufen sie weniger Musik-CDs.

Und wenn der Fernsehkonsum sich verändert oder wenn die Freizeit damit verbracht wird, Videos auf Youtube zu schauen, wenn die Leute in die Videotheken strömen, dann wird eben weniger Musik gehört. Man kann sich schließlich nicht vierteilen, um alles gleichzeitig zu machen. Die Musikbranche und auch die Filmbranche kämpfen um die knappe freie Zeit ihrer Konsumenten.

Wen wundert das? Schauen wir uns z. B. die PC- oder Konsolenspiele an. Man spielt die Sachen nicht nur einmal durch, sondern man spielt (anschließend) noch gemeinsam im Netz, nutzt die Modifikationen und erlebt Langzeitspielspaß. Folglich bleibt der Konsum im Laden auf der Strecke.
 
keshkau schrieb:
Es ist völliger Unsinn anzunehmen, dass jede raubkopierte CD normalerweise gekauft werden würde. Im Leben nicht. Und ich würde nicht einmal so weit gehen, hier einen Prozentsatz anzugeben.
Selbst bei Spielen darf man nicht pauschalieren.

Das weißt du doch gar nicht. Es geht hierbei eher um das Prinzip: Es muß der teure MP3- Player sein, die 120€ Turnschuhe, die 600€ Grafikkarte und dann wird eben bei Musik und Spielen "gespart" und zu illegalen Methoden gegriffen. :schaf:

Früher mußten wird uns auch mehr entscheiden, wollen wir ins Kino oder holen wir und das neueste Album. Ja, es gab auch damals Raubkopien, aber die QUalität ließ dem original gegenüber doch sehr zu wünschen übrig und die Verbreitungskanaläe waren dünn gesät. Heut e bekommt man ja *alles* schwarz, von zuahseu aus per Knopfdruck.

Und natürlich würde mehr gekauft werden, wenn Raubkopien technisch unmöglich wären. EInige Spiele die mit dem fast unknackbaren Starforce versehen waren, haben es in ihren Verkaufszahlen trotz Negativ-Werbung eindeutig demonstriert.

Du gehst davon aus, daß Raubkopienm der Industrie nicht Schaden würden, weil sowieso niemand die Musik kaufen wüprde. Warum wird sie dann aber raubkopiert? Ein Verlangen muß also doch da sein.
 
@Natan
Sie es einfach wie z.B. kopierte Markensportschuhe aus einem fernen Land.
Nur der Teil, der auch wirklich von den Leuten gekauft wird, die sich sonst die teuren und echten Markenschuhe gekauft hätten, ist auch der Verlust für den Hersteller.
Wieviele insgesamt in einer Hinterhof-Fabrik illegal hergestellt werden ist eine ganz andere Sache und sicher auch eine wesentlich größere Zahl.
Nicht jeder kopierte Schuh ist automatisch ein Verlust für den Hersteller - auch wenn jeder einzelne verboten ist.
 
Sicherlich,, was ich glaube ist nur: Wenn es keine Möglichkeite des qualitativ verlustfreien illegalen Kopieren gäbe, wäre der Anteil an legal erworbener Musik deutlich höher. WIeviel höher ist eine andere Diskussion, aber er wäre deutlich höher.

Musikhören ist ein Grundbedürfnis der Menschheit, und daß schon seit gut 12.000 Jahren. Die meisten hier könnten nichtmals einen Tag ohne Musik.
Es mags ein, daß ein geringer ANteil der P2P Nutzer "Alles-Sammler" sind, aber der weitaus größere Teil dürfte wirklich seinen Durst nach musik im P2P stillen.

Beipiel meine Nachbarkinder: Die sind 12 und 14. Beim Papa war mal der Rechner kaputt, bin ich also rübergegange und habe gleichzeitig auch die vernetzen PCs der Kinder unter die Lupe genommen: 5 GB an MP3... natürliche alle schwarzkopiert und die wurden sehr wohl gehört. Den ganzen Tag lief ein iPod und ein MP3 Player im ganzen Haus... bedient aus den Playlisten dieser 5 GB. Nervig.

Jo und gleichzeitig laufen die Kids da in 150 Euro Klamotten herum - vom großzuügig spendierten taschengeld bezahlt. Natürlich würden die sich ihre Musik kaufen, wenn sie denn müßten.
 
Ich bin mir auch sicher, dass die legal erworbene Musik zunehmen würde, wäre es absolut unmöglich Kopien zu erstellen (obgleich man das Recht darauf hat Kopien zu erstellen). In welchem Rahmen die legal erworbene Musik zunehmen würde, sieht man denke ich anhand der Zahl der geschätzten Verluste der Filmindustrie im 1. Post.
Eine Gegenüberstellung mit den Ausgaben für Kopierschutz, Medienkampagnen, Anwaltskosten etc wäre da sicher interessant ;)

Und Musik als Grundbedürfnis? Es ist ein Zeitvertreib.
Grundbedürfnisse sind Dinge wie Luft und Nahrung. Musik ist z.B. was bei Langeweile und keinesfalls einzigartig. Also es gibt noch ewig viel Alternativen.
Unter anderem ja auch die Film- und Spielindustrie, die ja stetig zulegen (und die Musikindustrie verdrängen?).
Wie auch schon gesagt wurde, findet sich Musik automatisch bei Produkten der anderen Industrien integriert, sodass man von der "Standalone-Musik" immer mehr absehen kann.
Und die Sparte Zeitvertreib ist sowieso noch so viel Größer. Niemand ist auf Musik angewiesen auch wenn es hin und wieder nett ist welche zu hören.
 
CPat schrieb:
Niemand ist auf Musik angewiesen auch wenn es hin und wieder nett ist welche zu hören.

Ich glaube hier irrst du. Das Rhythmus-Bedürfnis ist anthropologisch und archäologisch nachgewiesen. (Älteste Trommeln sind 10.000 Jahre alt.)

Das ewige- ind-die-discothek-gerenne der Jugend ist da eher ein neuzeitliche Wiederauflage. Rhythmus kann in Trance versetzen. Der Mensch hat das Bedürfnis nach solchen Zuständen.

So und jetzt mach doch mal das Experiment: Keine Musik zuhause, keine Musik im Kaufhaus, bei McDoof, im Sonnenstudio, im Schwimmbad. Keine Musik in der telefonwarteschlange. Keine Musik um Aufzug und natürlich keine Musik abends in der Bar/Gaststätte/kneipe/Disco.

Mach das mal eine Woche und dir wird auffallen, wie wichtig und unentbehrlich dir Musik geworden ist. Es ist ein grundbedürfnis, was sich in unser Unterbewußtsein hineinschleicht. Was meinst du wohl, warum früher - vor den Tonträgern - die Hausmusik so einen hohen Stellenwert hatte?
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Zurück
Oben