rasand79 schrieb:
Dazu eine (wahre!) Anekdote.
Ich hatte zwischen 19 und 25 mehrfach {damals ...} als Qualitätsprodukte geltende Whiskys probiert (Dimple, Chivas) - und konnte damit nichts anfangen. Mein Gaumen war einfach noch nicht bereit für so starke Alkoholika (ja, auch nicht für Armagnac, Rum etc.).
Ich war über 35. als ich einmal (mit einer Frau in einer Bar) spontan entschied, jetzt mal einen dieser Single Malts zu probieren. Auf das Karte hatte des 4, ich kannte keinen.
Weil mir der Name "Lagavulin" wegen seiner Exotik gefiel (nur deswegen), habe ich ihn bestellt. Ich hatte keine Ahnung von Rauch, Torf etc.
Den ersten Schluck werde ich aber NIE vergessen. Mein Gaumen, ja was sage ich, mein Kopf explodierte. Ich hatte ein veritables Flash. Beschrieben habe ich des dannzumal, als hätte unterhalb meines Gehirns in der Schädelschale ein Blitz eingeschlagen.
Meiner Bekannten entging mein (kurzzeitiger) Zustand nicht und sie fragte, ob alles in Ordnung sei
Das war noch, bevor mein Gaumen die Aromatik zu erforschen begann, ich blieb 'weggetreten', weil ich um nichts in der Welt diese neuen Aromen und Wirkungen verpassen wollte. Nach einem stummen, bestätigenden 'Daumen rauf' und einer Gedenkschmeckminute für den Lagavulin konnte ich endlich wieder sprechen: "Ja, SCHWER in Ordnung!"
Seither ist kein Tag mehr vergangen, an dem kein Lagavulin im Schrank steht. Ist nicht mein liebster Single Malt, aber die Erinnerung lebt
Betreffend "Gaumen" und "Single Malt": Es ist trotz inzwischen jahrelanger Erfahrung noch heute so, dass mein Gaumen und meine Nase mit einem Single Malt (halt manchmal auch in Cask Strength) voll ausgelastet sind. Ich trinke ihn aus schmalen Sherry-Gläsern in Kelchform; dies konzentriert die Gerüche auch bei kleinem Inhalt (ca. 2cl; 4 cl würden das Glas annähernd zur Hälfte füllen). Zum Verkosten brauche ich dafür idR 5 -10 Minuten, manchmal mehr. Ein zweites Glas ist häufig schon eine kleine Enttäuschung, weil Geschmacksnuancen bereits nicht mehr feststellbar sind.