Mondgesang
Lt. Commander
- Registriert
- Dez. 2023
- Beiträge
- 1.292
Liebe Freunde,
Kann es sein, dass es der Linuxwelt schlicht und ergreifend an "Coolness" fehlt, um sich im Desktop- und Consumerbereich mit mehr Ansehen und anderem Image zu etablieren? Es ist spannend, wie sich Dinge entwickeln, wo ich (als Laie der Computer-Geschichte) weiß, dass Linux und MacOS eigentlich entfernte Verwandte sind, wo doch beide unixoide Wurzeln haben. Und dennoch könnten die Images dieser beiden Ökosysteme nicht unterschiedlicher sein.
Ich las hier gerade eben die Ankündigung eines möglichen CEO-Nachfolgers für Apple. Und das Titelbild...
...gab mir sofort Craig Federighi Vibes. Fitter Typ, lässiges Shirt, freundlich lächelnd beugt er sich zum Produkt und grinst in die Kamera.
im Hintergrund natürlich sanfte Farben und Verläufe, weiche Übergänge, runde Formen (meist Teile der Apple Facility), gutes kalifornisches Wetter...
...gerne mal Grün (deren Innenhof) im Hintergrund, was so diesen Mix aus Technik und Natur untermalen soll.
Dazu, jetzt speziell in Federighis Fall, kommt, dass er a) eloquent ist und sich auszudrücken weiß, und b) ganz wichtig, Spaß versteht und sich nicht zu ernst nimmt. Aufgrund seiner immer sitzenden Frisur trägt er ja den Namen Hair Force One und in so manchen Clips sieht man halt, wie Apple oder er das auf die Schippe nimmt...
...wenn er da so James Bond mäßig angerannt kommt und sich durch die Haare streicht. Ist witzig, zeugt davon, dass man Trends und Memes nicht übersieht sondern einfach mitnimmt und durchzieht (Kundennähe?).
Ich habe bislang kein Wort von den tatsächlichen Technologien erwähnt. Weil das tatsächlich gar nicht Thema hier sein soll. Es geht hier rein um nicht greifbare, nicht messbare Dinge, wie Gefühle, Zugehörigkeit, Clique, Leute, Persönlichkeiten, Coolness, Vorbilder(?), Teil eines Teams, sowas.
Wenn man mal ins Apple-Geschehen schaut, dann (und das sage ich als Apple-Außenstehender; man kann mir also keinen Fanboyism unterstellen) hat man genau das. Ein cooler, lässiger Typ in schnittigem Hemd und mit einer Frisur nach dem 3-Wetter-Taft-Vorbild stellt in einer futuristischen Facility (CGI natürlich) irgendwelche collen Features vor, wird dann irgendwohin teleportiert, rennt durch ne Halle, jumpt zum nächsten Feature etc. Ist cool, ist witzig.
Dagegen in der Linuxwelt (und hier bin ich stolzer Veteran), habe ich hin und wieder das Gefühl in einer Sekte zu sein, in einer paramilitärischen Rebellenorganisation, einem Clan, der gegen andere Clans Krieg führt, oftmals eine Gruppe von Verbitterten, Neidern oder Hatern. Zumindest sind dies die lautesten Vertreter, die man überall liest oder hört. Entspannte Benutzer sind ja nicht gerade die, die sich lauthals in Foren zerfleischen. Gutes Stichwort. Die Kriege innerhalb der Linux-Gemeinschaft sind teilweise spannend bis erschütternd. Da werden sich die Köpfe eingehauen über Distros, Desktopumgebungen, File Manager, Feilesystems, systemd (Dinge, die einem normalen Benutzer wie Hocuspocus erscheinen)...
(in jedem Cliche oder Vorurteil steckt Wahrheit; die kommen nicht aus dem Nichts)
Ständig lese ich was von Freunde oder Familienmitglieder bekehren, rüberholen, auf unsere Seite bringen. Leute, das sind Terminologien von Sekten...
Auch habe ich immer wieder das Gefühl, dass die einzigen Argumente, die vorgebracht werden rein technische Argumente sind (also auch technisch formuliert). Da wird Oma Erna was vom Kernel erzählt, dass der FOSS ist und dass GPLv3 die Welt rettet. Wer ist dieser GPLv3? Ich will doch einfach nur die Fotos von meinem Enkel auf dem Bildschirm anschauen.
Wenn wir in die Persönlichkeiten der Linux-Welt schauen, muss man schon genauer hinsehen. Und leider sind die, die am lautesten schreien die meiner Meinung nach schlechteste Wahl von Leuten, die man einem Außenstehenden Normalbenutzer vorsetzen sollte.
Wenn ich an eine Sekte denke, und wenn "bekehren", "auf unsere Seite bringen" und "rüberholen" eine Person wären,...
... dann hätten wir hier den Sektenführer. Buchstäblich in Robe und mit Heiligenschein-Hut.
Ein Mann, dessen Alltag heutzutage daraus besteht, Leute zu berichtigen, es hieße gefälligst GNU/Linux und nicht Linux und bitter darüber zu sein dass GNU zu unrecht in der Versenkung verschwand. Ein ewiger Kampf gegen alles nicht FOSS oder FSF-kompatible.
Als jahrelanger Linux-Enthusiast (und damals ähnlich nerviger Militant) weiß ich dennoch mehr über das Apple-Ökosystem und was es alles gut kann, als über das GNU Project oder die FSF. Das spricht Bände. Zumindest aus Consumer-Sicht, denn als Consumer juckt es mich nicht ob sich gerade zwei Firmen über SystemD oder was auch immer da unter der Motorhaube schlummert die Köpfe einhauen.
Ein kleiner Glanzmoment war Melissa Di Donato, (ich glaube mittlerweile ehemalige) CEO von SuSE.
Ich kann mich gut an einige Videos erinnern, in denen sie die Technologien von SuSE vorgestellt hatte. Das hat mir echt teilweise Apple-Vibes im positivsten Sinne gegeben. Gläserne Gebäude und Räume, projizierte Hologramme von irgendwelchen Features, sie steht davor und erzählt in einfacher Sprache warum das jetzt cool ist.
Leider war SuSE und eben diese Dinge eher an den Enterprise-Bereich gerichtet. Server, Datencenter, Rechenzentren.
Linus Torvalds selbst ist, so ein entspannter Typ er auch ist, glaube ich kein passendes Aushängeschild. Er ist introvertiert, mag es nicht gerne im Rampenlicht zu stehen, hält wenig von Distributionen und dem fertigen Userland und ist eigentlich auf den Kernel fokussiert (Zitat: "which is basically my life"). In Interviews oder Meet-Ups antwortet er eher gehalten, nüchtern, technisch, manchmal ohne Blatt vor dem Mund.
DIE Figur der Linuxwelt, die bislang am stabilsten als Gesicht eines Produkts fungiert hat war und ist Mark Shuttleworth, Gründer von Canonical/Ubuntu. Ich habe speziell auf Ubuntu fokussiert einen Thread erstellt https://www.computerbase.de/forum/threads/ist-ubuntu-das-macos-der-linux-welt.2256275/#post-31035743 wo ich die Ähnlichkeiten zwischen Ubuntu und MacOS und Shuttleworth und Steve Jobs darstelle, bzw zur Diskussion stelle.
Lässiger Typ
sowohl im Hemd
als auch in der rebellisch Nvidia'schen Lederjacke.
Ich weiß wirklich nicht mehr wo das Video ist, aber vor JAHREN habe ich mal ein Interview mit ihm gesehen oder es war so ein selbstgedrehtes Announcement, das hat maximal Apple-Vibes gehabt. Mark in seiner sandsteinfarbenen Hütte, sonnenlichtdurchflutet, Bäume im Hintergrund (blurry) und er erzählt da wie so ein Visionär ruhig und lässig was von Features. Sowas kann man verkaufen, sowas kann man an den Mann bringen. Zudem passt das Wort "Ubuntu" wie die Faust aufs Auge zu Canonical/Ubuntu als System, welches von Hatern gerne als restriktiv, in eine Form pressend, dementiert wird. "I am who I am because of who we all are". Wie bei allen restriktiven Dingen, die so kommen, wie der Hersteller sie gemacht hat, weiß ich, dass das was ich jetzt habe andere genau so haben. Das verbindet. Auf technischer ebene (wenn ich Fragen habe ist die Chance höher, dass andere mir helfen können) aber auch auf mentaler Ebene. Quasi das Gegenteil von einem "Have it your way" Linux from Scratch, wo am Ende jeder mit einer völlig individuellen Bastelbude um die Ecke kommt und sich dafür auf die Schulter klopft.
Aber wenn ich mir so Schulen vorstelle, Bibliotheken, Einrichtungen, Vereine, also User, die gar nicht so sehr AM System arbeiten wollen sondern MIT dem System, da verstehe ich diesen Ansatz zu 100%. Hier ist dein Ubuntu-Rechner. Du bist jetzt ein Teil eines Ökosystems. Wir haben mit den "bösen bösen Großen" (Nvidia, MS, Google etc) Dialoge geschlossen, damit du ein möglichst ruckelfreies Erlebnis hast. Viel Spaß.
Und naja, Ubuntus Anteil in der Linuxwelt spricht halt für sich.
Also völlig abseits von Technologien, wer welche Features hat, kann es sein dass es der Linuxwelt an coolen Persönlichkeiten fehlt, die das Ganze in die Welt hinaustragen?
Kann es sein, dass es der Linuxwelt schlicht und ergreifend an "Coolness" fehlt, um sich im Desktop- und Consumerbereich mit mehr Ansehen und anderem Image zu etablieren? Es ist spannend, wie sich Dinge entwickeln, wo ich (als Laie der Computer-Geschichte) weiß, dass Linux und MacOS eigentlich entfernte Verwandte sind, wo doch beide unixoide Wurzeln haben. Und dennoch könnten die Images dieser beiden Ökosysteme nicht unterschiedlicher sein.
Ich las hier gerade eben die Ankündigung eines möglichen CEO-Nachfolgers für Apple. Und das Titelbild...
...gab mir sofort Craig Federighi Vibes. Fitter Typ, lässiges Shirt, freundlich lächelnd beugt er sich zum Produkt und grinst in die Kamera.
im Hintergrund natürlich sanfte Farben und Verläufe, weiche Übergänge, runde Formen (meist Teile der Apple Facility), gutes kalifornisches Wetter...
...gerne mal Grün (deren Innenhof) im Hintergrund, was so diesen Mix aus Technik und Natur untermalen soll.
Dazu, jetzt speziell in Federighis Fall, kommt, dass er a) eloquent ist und sich auszudrücken weiß, und b) ganz wichtig, Spaß versteht und sich nicht zu ernst nimmt. Aufgrund seiner immer sitzenden Frisur trägt er ja den Namen Hair Force One und in so manchen Clips sieht man halt, wie Apple oder er das auf die Schippe nimmt...
...wenn er da so James Bond mäßig angerannt kommt und sich durch die Haare streicht. Ist witzig, zeugt davon, dass man Trends und Memes nicht übersieht sondern einfach mitnimmt und durchzieht (Kundennähe?).
Ich habe bislang kein Wort von den tatsächlichen Technologien erwähnt. Weil das tatsächlich gar nicht Thema hier sein soll. Es geht hier rein um nicht greifbare, nicht messbare Dinge, wie Gefühle, Zugehörigkeit, Clique, Leute, Persönlichkeiten, Coolness, Vorbilder(?), Teil eines Teams, sowas.
Wenn man mal ins Apple-Geschehen schaut, dann (und das sage ich als Apple-Außenstehender; man kann mir also keinen Fanboyism unterstellen) hat man genau das. Ein cooler, lässiger Typ in schnittigem Hemd und mit einer Frisur nach dem 3-Wetter-Taft-Vorbild stellt in einer futuristischen Facility (CGI natürlich) irgendwelche collen Features vor, wird dann irgendwohin teleportiert, rennt durch ne Halle, jumpt zum nächsten Feature etc. Ist cool, ist witzig.
Dagegen in der Linuxwelt (und hier bin ich stolzer Veteran), habe ich hin und wieder das Gefühl in einer Sekte zu sein, in einer paramilitärischen Rebellenorganisation, einem Clan, der gegen andere Clans Krieg führt, oftmals eine Gruppe von Verbitterten, Neidern oder Hatern. Zumindest sind dies die lautesten Vertreter, die man überall liest oder hört. Entspannte Benutzer sind ja nicht gerade die, die sich lauthals in Foren zerfleischen. Gutes Stichwort. Die Kriege innerhalb der Linux-Gemeinschaft sind teilweise spannend bis erschütternd. Da werden sich die Köpfe eingehauen über Distros, Desktopumgebungen, File Manager, Feilesystems, systemd (Dinge, die einem normalen Benutzer wie Hocuspocus erscheinen)...
(in jedem Cliche oder Vorurteil steckt Wahrheit; die kommen nicht aus dem Nichts)
Ständig lese ich was von Freunde oder Familienmitglieder bekehren, rüberholen, auf unsere Seite bringen. Leute, das sind Terminologien von Sekten...
Auch habe ich immer wieder das Gefühl, dass die einzigen Argumente, die vorgebracht werden rein technische Argumente sind (also auch technisch formuliert). Da wird Oma Erna was vom Kernel erzählt, dass der FOSS ist und dass GPLv3 die Welt rettet. Wer ist dieser GPLv3? Ich will doch einfach nur die Fotos von meinem Enkel auf dem Bildschirm anschauen.
Wenn wir in die Persönlichkeiten der Linux-Welt schauen, muss man schon genauer hinsehen. Und leider sind die, die am lautesten schreien die meiner Meinung nach schlechteste Wahl von Leuten, die man einem Außenstehenden Normalbenutzer vorsetzen sollte.
Wenn ich an eine Sekte denke, und wenn "bekehren", "auf unsere Seite bringen" und "rüberholen" eine Person wären,...
... dann hätten wir hier den Sektenführer. Buchstäblich in Robe und mit Heiligenschein-Hut.
Ein Mann, dessen Alltag heutzutage daraus besteht, Leute zu berichtigen, es hieße gefälligst GNU/Linux und nicht Linux und bitter darüber zu sein dass GNU zu unrecht in der Versenkung verschwand. Ein ewiger Kampf gegen alles nicht FOSS oder FSF-kompatible.
Als jahrelanger Linux-Enthusiast (und damals ähnlich nerviger Militant) weiß ich dennoch mehr über das Apple-Ökosystem und was es alles gut kann, als über das GNU Project oder die FSF. Das spricht Bände. Zumindest aus Consumer-Sicht, denn als Consumer juckt es mich nicht ob sich gerade zwei Firmen über SystemD oder was auch immer da unter der Motorhaube schlummert die Köpfe einhauen.
Ein kleiner Glanzmoment war Melissa Di Donato, (ich glaube mittlerweile ehemalige) CEO von SuSE.
Ich kann mich gut an einige Videos erinnern, in denen sie die Technologien von SuSE vorgestellt hatte. Das hat mir echt teilweise Apple-Vibes im positivsten Sinne gegeben. Gläserne Gebäude und Räume, projizierte Hologramme von irgendwelchen Features, sie steht davor und erzählt in einfacher Sprache warum das jetzt cool ist.
Leider war SuSE und eben diese Dinge eher an den Enterprise-Bereich gerichtet. Server, Datencenter, Rechenzentren.
Linus Torvalds selbst ist, so ein entspannter Typ er auch ist, glaube ich kein passendes Aushängeschild. Er ist introvertiert, mag es nicht gerne im Rampenlicht zu stehen, hält wenig von Distributionen und dem fertigen Userland und ist eigentlich auf den Kernel fokussiert (Zitat: "which is basically my life"). In Interviews oder Meet-Ups antwortet er eher gehalten, nüchtern, technisch, manchmal ohne Blatt vor dem Mund.
DIE Figur der Linuxwelt, die bislang am stabilsten als Gesicht eines Produkts fungiert hat war und ist Mark Shuttleworth, Gründer von Canonical/Ubuntu. Ich habe speziell auf Ubuntu fokussiert einen Thread erstellt https://www.computerbase.de/forum/threads/ist-ubuntu-das-macos-der-linux-welt.2256275/#post-31035743 wo ich die Ähnlichkeiten zwischen Ubuntu und MacOS und Shuttleworth und Steve Jobs darstelle, bzw zur Diskussion stelle.
Lässiger Typ
sowohl im Hemd
als auch in der rebellisch Nvidia'schen Lederjacke.
Ich weiß wirklich nicht mehr wo das Video ist, aber vor JAHREN habe ich mal ein Interview mit ihm gesehen oder es war so ein selbstgedrehtes Announcement, das hat maximal Apple-Vibes gehabt. Mark in seiner sandsteinfarbenen Hütte, sonnenlichtdurchflutet, Bäume im Hintergrund (blurry) und er erzählt da wie so ein Visionär ruhig und lässig was von Features. Sowas kann man verkaufen, sowas kann man an den Mann bringen. Zudem passt das Wort "Ubuntu" wie die Faust aufs Auge zu Canonical/Ubuntu als System, welches von Hatern gerne als restriktiv, in eine Form pressend, dementiert wird. "I am who I am because of who we all are". Wie bei allen restriktiven Dingen, die so kommen, wie der Hersteller sie gemacht hat, weiß ich, dass das was ich jetzt habe andere genau so haben. Das verbindet. Auf technischer ebene (wenn ich Fragen habe ist die Chance höher, dass andere mir helfen können) aber auch auf mentaler Ebene. Quasi das Gegenteil von einem "Have it your way" Linux from Scratch, wo am Ende jeder mit einer völlig individuellen Bastelbude um die Ecke kommt und sich dafür auf die Schulter klopft.
Aber wenn ich mir so Schulen vorstelle, Bibliotheken, Einrichtungen, Vereine, also User, die gar nicht so sehr AM System arbeiten wollen sondern MIT dem System, da verstehe ich diesen Ansatz zu 100%. Hier ist dein Ubuntu-Rechner. Du bist jetzt ein Teil eines Ökosystems. Wir haben mit den "bösen bösen Großen" (Nvidia, MS, Google etc) Dialoge geschlossen, damit du ein möglichst ruckelfreies Erlebnis hast. Viel Spaß.
Und naja, Ubuntus Anteil in der Linuxwelt spricht halt für sich.
Also völlig abseits von Technologien, wer welche Features hat, kann es sein dass es der Linuxwelt an coolen Persönlichkeiten fehlt, die das Ganze in die Welt hinaustragen?