Frage: Auswirkung von Geldwertschwankung für Gläubiger und Schuldner

M3phist0

Lt. Commander
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Hallo zusammen

ich schreibe an euch, in der hoffnung dass ihr mir ein wenig weiterhelfen könnt, bei der gestaltung meines zwangsreferates für die schule zum Thema "Geldwertschwankung und ihre Auswirkung im hinblick auf gläubiger und Schuldner"

Kenne mich allgemein mit Volkswirtschaftslehre wenig gut aus. In meinen schulbüchern ist nur unzureichendes material zum Thema vorhanden und bei Wikipedia und im Internet allgemein wurd ich auch nicht wirklich fündig.

Ich hab soweit schon das thesenpapier und layout vorbereitet, auch schon die begriffe gläubiger und schuldner geklärt, sowie die ganzen formalitäten nur zum eigentlich Thema fehlts mir schlicht weg an infos.

Ist von euch jemand VWL'er, oder studiert das, der mir ein paar infos geben könnte?

Ich wäre euch dafür sehr verbunden und dankbar :)

PS:

Wäre das richtig, wenn ich folgendes beispiel vorführe: Also so verstehe/stell ich mir das vor:

- Ich als schulder nehme 5000€ von der bank an schulden auf (zinsfrei)
- Die bank (gläubiger) glaubt mir, dass ich guten willens bin und die 5000€ bald zurück zahlen werde
- Nun kams aber so, dass auf grund von ????? der wert des geldes massiv gefallen ist. 5000€ sind zum jetztigen währungskurs keine 5000€ mehr (wert) sondern lediglich 1000€.

Nun zu den auswirkungen:

Schuldner:
Der schuldner hat großes pech. So musste er für die früher aufgenommenden 5000€ jetzt ganze 25.000€ zurückzahlen, da das geld so wenig wert geworden ist. ?????
Der Gläubiger (bank) freut sich hingegen auf die 25.000€ und spekuliert zugleich im hinterkopf und hofft, dass die 25.000€ einst auch wieder 25.000 wert werden. Der gläubiger (bank) hat somit ein dickes geschäft gemacht. ?????

Gläubiger:
Der gläubiger hat große pech gehabt, denn für die zuvor verliehenden 5.000€ bekommt die bank nur noch 1.000€ vom Schulder zurück, denn die zuvor geliehenden 5.000€ sind einfach nicht mehr wert als die derzeitigen 1.000€.
Der gläubiger (bank) entgeht das geld und macht miese. Wenn jetzt der kurs wieder ansteigen würde, hätte die bank denn noch nichts davon gehabt. ????

Bitte um Hilfe^^
Danke!
 
Keine Bank verleiht Geld zinsfrei.
In den Zinsen berechnet die Bank eventuelle Verluste durch Inflation. Das ist also bereits drin.

Wieviel der Schuldner zurückzahlen muss, ist vertraglich geregelt.. sowas kann man nicht einfach hochschrauben nur wegen Inflation.
Sollte das Geld dann doch mal schneller an Wert verlieren als gedacht so ist das afaik Problem der Bank. Bzw.. sind die auch gegen sowas versichert? Keine Ahnung.

Sollte aber mal das Geld in einem kurzen Zeitraum soviel Wert verlieren wie in deinem Beispiel.. naja.. dann ist die ganze Volkswirtschaft eh kaputt und das mit der Bank juckt niemanden.. o_O
 
Inflation wirkt sich auf die Einkommensverteilung aus. Inflationsgewinner sind diejenigen, die Einkommen zahlen:
- Lohn-lag-Hypothese: am Ende des Monats kann der Lohn stark an Kaufkraft eingebüßt haben
- Renten-lag-Hypothese: institutionelle Regelungen führen dazu, dass Transfereinkommen wie Renten, Kindergeld etc. verspätet angepasst werden

Weiterhin bewirkt Inlfation Vermögensverteilungseffekte:
- Inflationsverlierer sind die Gläubiger nominal fixierter Forderungen
- Inflationsgewinner sind die Schuldner nominal fixierter Forderungen

Begründung: Wenn ich jemandem 5.000 Euro schulde (gleichgültig, ob mit oder ohne Zinsen), dann zahle ich im Fall einer Hyperinflation die Schulden mit links, weil sich z. B. mein Einkommen innerhalb eines Monats verdoppelt hat. Der Gläubige dagegen, der mir 5.000 Euro geliehen hat, muss zusehen, wie seine Forderung bis zum Tag der Rückzahlung kontinuierlich an Geld verliert. Als Schuldner werde ich beim Kauf von Waren deshalb auch nicht von der Möglichketi Gebrauch machen, unter Skontoabzug vorzeitig zu zahlen. Vielmehr warte ich bis zum letzten Tag oder lasse mich sogar noch mahnen, bevor ich die Schulden begleiche. Die Gläubiger dagegen werden sich hüten, überhaupt noch Zahlungsziele einzuräumen und am besten Vorkasse verlangen.
 
Ausgehend von einer "normalen" Inflation die bei ca. 1-2% im Jahr liegt hat die Inflation keinerlei Wirkung, weder auf den Schuldner noch auf den Gläubiger.

Wie Jace bereits anmerkte sind solche "Inflationsverluste" bereits in den Zinsen der jeweiligen Bank berücksichtigt.

Allerdings gibt es ja Kredite mit fixem Zinssatz. Sollte bei diesen Krediten die Inflation höher ausfallen als es die Bank bei der Kreditvergabe kalkuliert hat, so würde die Bank (der Gläubiger) Verlieren.

Ein Historischer Aspekt ist die Hyperinflation der Reichsmark in den Jahren 1914 bis 1923. Ich denke dem entsprechenden Wikipedia Artikel kannst du viele Infos entnehmen, die auch für deine Arbeit interessant sein könnten.

Die Besetzung des Ruhrgebietes war zum Beispiel eine Folge ... Der Schuldner konnte dem Gläubiger die "Schulden" nicht in Form von Geldwerten zurück bezahlen. Deswegen nahm der Gläubiger sich Sachwerte...
 
Hi


Ich möchte mich erstmal bei allen beteiligten soweit für ihr feedback bedanken, dass sie mir den horrizont und überhaupt die thematik ein wenig näher gebracht haben.

Es ist doch umfassender als ich dachte und mit meinem beispiel komm ich mir jetzt richtig kindisch vor.^^

Falls jemand noch weitere ideen hat, darf er die argumente gerne erweitern.
Hab vielen dank :-)


EDIT:// Also nochmal schönen dank an alle, wollte nicht für die danksagung extra nen neuen post schreiben.
Ich hab heute und morgen noch zeit, freitag ist vorlesung^^
Ihr habt mir schon sehr weitergeholfen und meinen horrizont dabei in alle richtungen erweiter. Echt top forum hier, immer wieder :-)
 
Zuletzt bearbeitet:
Als Schuldner werde ich beim Kauf von Waren deshalb auch nicht von der Möglichketi Gebrauch machen, unter Skontoabzug vorzeitig zu zahlen. ...

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sollte ein Skonto immer genutzt werden. Dazu lohnt es sich sogar, bezogen auf den Jahreszins, kurzzeitig in das Dispo seines Kontos zu gehen, vorausgesetzt man gleicht es zeitnah (Folgemonat) wieder aus.

Natürlich kann man warten bis man abgemahnt wird und dann zahlen, aber evtl kommen dann berechtige Mahngebühren hinzu. Bei Inanspruchnahme von Skonto "verdient" man im Grunde genommen sogar noch etwas.
Der Skonto kann als Lieferantenkredit angesehen werden, dessen Zinsen vorteilhafter sind als ein eventuelles Dispo - gesehen auf das Jahr.
 
@Fu Manchu
Für den Normalfall liegst Du vollkommen richtig, weil der auf das Jahr hochgerechnete Zinsgewinn sehr hoch ist, wenn man Skonto nutzt. Aber das von mir angeführte Beispiel bezog sich ausdrücklich auf die Hyperinflation (Verdopplung des Gehalts innerhalb eines Monats). Und in diesem speziellen Fall lache ich als Schuldner über den Zinsgewinn. Ich denke, man kann solche Effekte wie Inflation oder Deflation am besten mit Extrembeispielen verdeutlichen.

@HardFreak
Du könntest Dein Eingangsbeispiel umstricken, indem Du davon ausgehst, dass der Schuldner sich Geld (aus dem Ausland) in fremder Währung leiht. Wenn er sich (nur mal als Beispiel) 15.000 US-Dollar borgt, die momentan einem Wert von z. B. 10.000 Euro entsprechen, dann ist er im Fall von Inflation tatsächlich gekniffen. Denn der sich verschlechternde Wechselkurs bedeutet für ihn tatsächlich, dass er deutlich mehr Euro aufbringen muss, um auf 15.000 Dollar zu kommen. Wenn dagegen der Dollar inflationär wird, kann er davon nur profitieren.

Allerdings würde ich mich davor hüten, die Themen Inflation/Deflation und Wechselkurse von Beginn an vermischen. Denn man kann die Auswirkungen auf die Schuldner und Gläubiger ebenso gut ohne die Heranziehung von Fremdwährungen erklären, und zwar übe die Kaufkraft.
 
Zuletzt bearbeitet:
keshkau schrieb:
..., indem Du davon ausgehst, dass der Schuldner sich Geld (aus dem Ausland) in fremder Währung leiht. Wenn er sich (nur mal als Beispiel) 15.000 US-Dollar borgt, die momentan einem Wert von z. B. 10.000 Euro entsprechen, dann ist er im Fall von Inflation tatsächlich gekniffen. Denn der sich verschlechternde Wechselkurs bedeutet für ihn tatsächlich, dass er deutlich mehr Euro aufbringen muss, um auf 15.000 Dollar zu kommen. Wenn dagegen der Dollar inflationär wird, kann er davon nur profitieren.
deinem Beispiel nach würde der Schuldner ja gewinn machen, wenn der Dollar, in den er investiert hat, inflationär wird, wobei es eigentlich anders rum sein müsste, denn billiger Dollar=weniger Wert in €=Verlust für den Investor.


@HardFreak: Du könntest auch noch auf die Auswirkungen des Export/Inports bezug nehmen. Du weißt ja: billige Eigenwährung=gut für den Export+schlecht für den Import, während teure Eigenwährung=schlecht für den Export+gut für den Import
 
Sollte ich mich vertan haben? Der Schuldner nimmt in dem abgewandelten Beispiel einen Kredit in Dollarwährung auf, z. B. 15.000 Dollar für ein Jahr. Wenn der Dollar in der Zwischenzeit gegenüber dem Euro an Wert verliert - d. h., wenn meinetwegen 15.000 Dollar nicht mehr 10.000 Euro entsprechen, sondern nur noch 5.000 Euro -, dann wird es für einen Amerikaner teurer, Euro einzukaufen, wogegen es für den Europäer fast zu einem Schnäppchen geworden ist, für den harten Euro einen weichen Dollar zu besorgen. Der Schuldner im Euroland, der weiterhin Schulden in der US-Währung hat, profitiert also davon.

Das wollte ich schreiben und ich denke auch, wenn ich Dein Zitat richtig deute, dass ich das geschrieben habe.
 
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