Leserartikel JBL Synchros S700 vs. AKG 612pro

violentviper

Lt. Commander
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Hallo,
ich habe mir vor ungefähr einem halben Jahr die AKG 612pro gekauft, da ich auf der Suche nach einem neuen offenen neutralen Kopfhörer war.
Dieser hat mich auch in keinster Weise enttäuscht. Er klingt sehr "echt" und verfälscht meiner Empfindung nach das Klangbild nicht. Vor allem Stimmen klingen glasklar und natürlich. Das einzige was ich etwas bemängeln könnte, ist das er etwas schwach im Bass ist. Aber das ist ansich kein Mängel, da er ja eher neutral gehalten ist. Da würde man sich vielleicht noch etwas mehr punch wünschen, wenn er gebraucht wird.

Vor wenigen Tagen habe ich die JBL Synchros S700 total unerwartet geschenkt bekommen.

Voller Begeisterung packte ich also den noch originalverpackten Kopfhörer aus. Er macht einen sehr hochwertigen Eindruck, kein Vergleich zum AKG 612pro. Denn im Gegensatz zum AKG, ist hier einiges an Metall verbaut. Der Kopfbügel ist aus einem Aluband und die Außenschale der Treiber ist auch aus Metall. Die Ohrpolster sind aus glattem Leder, welches angeblich Atmungsaktiv sein soll - wovon ich aber nichts merke.

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Nach der Erkundung setzte ich den Kopfhörer auf. Mein Erster Eindruck war, hmmm das Teil ist ganz schön schwer. Er ist auch mit 368g angegeben, was mir noch schwerer vorkam, da ich meinen leichten AKG Kopfhörer gewöhnt bin. Ich habe recht große Ohren, und kleiner dürften die Ohrmuscheln nicht sein. Für mich könnte die Ohrmuschel noch einen Tick größer sein, dann würde er deutlich angenehmer sitzen. Aber auch daran gewöhnt man sich recht schnell. Wenn man ihn mal eine Weile aufhat merkt man es nicht mehr.

Nun wollte ich also den Kopfhörer anschließen, da er ein abnehmbares Kabel besitzt, was ich sehr positiv finde.
Die 3 Anschlußkabel welche beiliegen sind alle viel zu kurz und machen einen sehr minderwertigen Eindruck! Es reicht niemals, den Kopfhörer hinten an der Soundkarte am PC anzuschließen. Hinzu kommt das das Kabel extrem dünn ist. Das Kabel vom AKG ist dagegen richtig dick. Aber leider nicht abnehmbar.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, die Lautstärkeverstellung am Kabel. Diese hängt mir fast im Mund, weil sie soweit oben platziert ist, was mir jeglicher Logik widerspricht. Auch die Knöpfe zur Lautstärkeverstellung sind aus minderwertigem Kunsstoff und sitzen sehr wackelig drin. Haptik ist unter aller Sau, es macht keinen Spaß auf den Knopf zu drücken. Zumal man eh nicht sieht, welchen Knopf man drückt, da er soweit oben sitzt.

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Zum Glück hatte ich noch ein 15cm Verlängerungskabel, damit ist es halbwegs hinnehmbar.

Nach diesem ganzen Ärger starte ich nun endlich die Musik. Ich testete sehr viele Musikrichtigungen. Metal, Rock, Balladen, Klassik und Electrozeugs.
Wenn man an der Seite auf den Knopf drückt, dann schaltet sich der DSP Modus ein. Welcher intern im Kopfhörer die Musik aufputscht, damit es angeblich einem ein besseres "live gefühl" vermittelt. Ja das Wort angeblich ist beabsichtigt gewählt. Ich bin sowieso kein Freund von den ganzen elektronischen Aufbereitungsspielerein. Vielleicht liegt es auch daran.

Im DSP Modus klingt eigentlich nur Electromusik in Ordnung. Aber das ist wirklich nicht atemberaubend. Den gleichen Effekt bekomm ich auch mit meiner Soundkarte (Creative Titanium) hin. Alle anderen Musikrichtungen klingen damit furchtbar. Vorallem Metal und Rock klingen damit sowas von blechern und verfälscht das es fast schon weh tut.

Also habe ich den DSP Modus die ganze Zeit deaktiviert. Hier klingt der Kopfhörer in Ordnung, aber keineswegs überragend. Die Mitten Klingen im Vergleich zum AKG 612pro zurückhaltender. Die Höhen sind dafür leichter angehoben und der Bass ist deutlich stärker als beim AKG. Was mir im Zusammenhang mit den milden Mitten nicht gefällt. Er klingt auch bei weitem nicht so glasklar wie der AKG 612pro.

Die meiste Zeit höre ich eher leise Musik. Ich mag es wenn man die Musik nur so ganz seicht im Hintergrund laufen hat, sodass man irgendwann auch mal vergisst das überhaupt Musik läuft. Was mir hier ganz stark auffiel, ist das der JBL S700 mit wenig Lautstärke sehr minderwertig klingt. Das Klangbild besitzt keinerlei Volumen und wirkt einfach nur flach.
Das kann der AKG um Welten besser, dieser klingt auch bei geringer Lautstärke sehr voluminös und löst sehr sauber auf.

Der DSP Modus kostet zudem noch Akku Leistung, welche man nach ~48 Stunden wieder aufladen muss. Während dieser Zeit kann man den Kopfhörer nicht benutzen, da er mit dem USB Kabel angeschlossen werden muss. Sprich das Soundverbindungskabel muss entfernt werden. Das geht doch mal garnicht oO. Ich meine, ich nutze den DSP Modus sowieso nicht, aber trotzdem ist das doch keine saubere Lösung.

Ich versteh also beim besten Willen nicht, was an dem Kopfhörer so toll sein soll. Es gibt ja genügend Tests wo er gelobt wird. Ich persönlich würde ihn nicht mal für 100€ kaufen. Der nur halb so teure AKG gewinnt bei mir jeden Punkt, bis auf auf das verbaute Kunsstoff an den Ohrmuscheln. Wodurch er aber auch wieder leichter wird, was man jetzt so und so sehen kann.

Für mich ist der AKG defintiv der besserer Kopfhörer. Nun muss ich zusehen das ich den Kopfhörer irgendwie verkaufe, behalten möchte ich ihn auf keinen Fall.

Vielleicht bin ich auch einfach nur etwas zu kritisch, ich weiß es nicht. Ich würde gerne mal den Eindruck von anderen Leuten zu diesem Kopfhörer "hören" *g.
 
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Hi violentviper!

Ich finde es immer wieder schön, einen Erfahrungsbericht im Bereich des Audiokonsums zu lesen. Und die Feststellung, dass vermeintlich bessere Hardware nicht immer besser sein muss, ist GERADE da sehr wichtig. Kaum eine andere Sparte ist so sehr von Voodoo und Subjektivität geprägt wie der Audiobereich. Die Physik auszutricksen hat noch niemand geschafft und die Werbetrommeln der Hersteller bringen Jahr für Jahr immer wieder neue, bahnbrechende Möglichkeiten... oder drehen sich halt im Kreis.
Auch die Meinung der Fachpresse gilt es stets mit Vorsicht zu genießen. JBL gehört zu einen der Großen in der Industrie und schaltet Werbung bzw versorgt mit Testprodukten - sowas möchte natürlich keine Zeitschrift missen und dementsprechend fallen auch die Reviews aus.
Was deinem Bericht abgesehen davon im Weg steht, ist, dass du meiner Meinung nach zu unterschiedliche Produkte miteinander vergleichen möchtest bzw auch viel Subjektivität mit einbringst. Zuerst dein Standpunkt; du bist momentan im Hause AKG zuhause, welches ich selber sehr liebe - aus fast den gleichen Gründen wie du ;) . Klang-Neutralität ist auf audiophiler Ebene unerlässlich und der Weg zur vollkommenen Unverfälschtheit ist meist sehr teuer, doch das passende Umfeld ist dafür genauso unerlässlich! Hat man diese harmonische Umgebung nicht und ist unterwegs kommt es auf andere Aspekte in der Klangcharakteristik an. Die Schönheit der Neutralität ist bei Straßenlärm und Hektik schnell verloren und da ist ein bassstarker, crispy Sound viel interessanter ^^. Das würde auch die kurze Kabellänge erklären, da hier das kabel nur in deine Hosentasche reichen muss und nicht unter den Schreibtisch. Auch der niedrige Ohmwert hat Einfluss auf die Klangqualität, ist allerdings unerlässlich, damit eine ausreichende Lautstärke erreicht werden kann.

Kurz: Die Kopfhörer bedienen verschiedene Anwendungsgebiete und sollten so auch verstanden werden. Dein Bericht hilft so also Leuten ungemein, die einen Kopfhörer für zuhause suchen und mag vielleicht jene abschrecken, die was für unterwegs suchen. Zeigt aber vor allem eins: UNBEDINGT PROBEHÖREN! Glücklich dass du den Kopfhörer geschenkt bekommen hast, deinen Bekanntenkreis hätte ich gerne :D

Bitte verstehe diese Zeilen nicht als blöde Kritik von irgendeinem daher Gelaufenden, ich finde es toll wenn man sich die Mühe macht und einen so ausführlichen Erfahrungsbericht schreibt. Das hier ist mir einfach durch den Kopf geschossen beim interessierten lesen ^^

MFG Marc
 
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