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Leserartikel LAN Party 2.0 - Windows auf externer SSD/HDD

Cluster5020

Ensign
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tl;dr - lange Vorbereitungszeit auf LAN Partys minimieren; Spielfertige, bootfähige Windows 10 Systeme auf externen SSDs/HDDs für LAN-Teilnehmer anfertigen
Begriffserklärung "LAN Party" -> Wikipedia.de

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Wer erinnert sich noch an die LAN Wochenenden, an denen man seinen mehr oder weniger potenten PC samt Monitor und Peripherie zu Freunden kutschiert hat, um dann dort im Keller oder sonst-wo mit selbigen Multiplayer zu zocken.
Viele neue Computerspiele kommen heutzutage nur noch mit einem Online-Multiplayer Modus und lassen sich de-facto oft gar nicht mehr ohne permanenter Internetverbindung im Multiplayer spielen.
Doch Spieler älterer PC-Titel sehen sich häufig mit dem Problem konfrontiert, dass A) das Spiel gar nicht für Netzwerkspiele über das Internet (NAT) ausgelegt ist, oder B) die Server für den Online-Multiplayer Modus bereits abgeschaltet wurden. In (fast) jedem Fall schafft hier ein lokales Netzwerk für Abhilfe.

Das Problem ist kein neues und wurde vielfach mit VPN Lösungen á la Hamachi oder Tunngle gelöst. Dennoch schaffen manche dieser Tools es nicht, einige Spieler problemlos miteinander zu verbinden. Letzterer Dienst (Tunngle) wurde letztes Jahr leider sogar inaktiv geschaltet. Vermutet wird hier ein Zusammenhang mit der neu eingeführten DSGVO.
Weiters hatten einige einzelne Spiele mit Netcode-Problemen (z.B. Command and Conquer: Generals) zu kämpfen.

Für mich stand also eines fest: Ich möchte wieder LAN Parties, wie damals, als man noch nicht komplett auf Online-Gaming setzte.

Um ehrlich zu sein, in meinem Freundeskreis sind LAN Parties nie gänzlich abgeebbt. Ab und an (circa 1x im Jahr) hat jemand eine organisiert und man ist mit PC oder Notebook hin um sich ein Wochenende lang Face-to-Face beschimpfen zu können.
Und hier zeigten sich auch JEDES mal wieder die großen Probleme von solchen LAN Parties:
• Niemand kommt vorbereitet: Da jeder mit einem individuellen Gerät angereist kommt, ist der Softwarestand jedes Gerätes anders. Sei es das Betriebssystem, bis hin zu installierten Spielen.
• Das Installieren/Vorbereiten der zu spielenden Computerspiele wird direkt auf der LAN gemacht: Das kostet viel Zeit und mehr oder weniger Support von erfahreneren LAN-Spielern. Und selbst wenn dass dann irgendwann geschafft ist, gibt es immer noch...
• ...diesen einen LAN-Teilnehmer der auf seinem PC kein Spiel zum Laufen bringt: Individuelle Systeme = individuelle Probleme. Das große Problem, die LAN Gemeinschaft einigt sich meist auf den größten gemeinsamen Nenner. Das heißt oft, läuft ein Computerspiel auf einem Computer nicht wird dieses ausgelassen und zum nächsten Weitergegangen.

Mich hat das sehr gefrustet und trotz intensiver Vorbereitung der Organisatoren (Spiele auf USB Sticks zum Verteilen vorbereitet usw.) hatte man verhältnismäßig wenig reale Spielzeit.
Eine Lösung musste her und so habe ich mir im ersten Anlauf eine Virtuelle Maschine (VM) gebaut. Auf diese VM wurde ein Betriebssystem, wie zum Beispiel Windows XP, aufgesetzt. Danach alle gewünschten Spiele installiert und zum Schluss diese VM als Image exportiert und am Beginn der LAN auf USB Sticks verteilt.

Daraus ergaben sich einige Vorteile:
• Alle Spieler spielen mit demselben Betriebssystem
• Die Spiele sind bereits vorinstalliert
• Die Treiber werden vom VM Subsystem verwaltet
• Inkompatible oder obsolete Kopierschutzverfahren von Spielen funktionieren auf alten Betriebssystemen, wie WinXP noch (insbesondere StarForce macht hier bei moderneren Betriebssystemen große Probleme)
• Kostenlos (VMWare Player)

Aber wie sich herausstellen sollte, auch einige Nachteile:
• Viele Spiele ließen sich nur mit Grafikfehlern oder hohen Performanceeinbußen (trotz leistungsstarker PCs) spielen.
• Leistungsschwächere PCs wie Notebooks hatten oft Probleme mit der Performance, während hohe Monitorauflösungen bei moderneren PCs ganz andere Probleme mit sich brachten.
• Netzwerkkonflikte durch doppelte Netzwerkkonfigurationen

Allen in allem waren das dennoch erfolgreichere LAN Parties als die klassischen LAN Parties. Aber mir war das noch nicht genug. Denn zum ersten Mal war es auch technisch möglich sich etwas weiter über den Tellerrand hinaus zu bewegen.

Der logische nächste Schritt
Mit Windows 10 gibt es heute ein Betriebssystem auf welchen erstaunlich viele der alten Klassiker-Computerspiele funktionieren. Trotz 64bit und teilweise abgeschalteter Funktionalität (z.B. SafeDisc). Desweiteren gibt es für viele Klassiker Patches und guten Third Party Support (z.B. GOG.com), denn Publisher setzen zunehmend auf den Nostalgietrend. Das spiegelt sich auch an den vielen HD Remakes wider.

Ein weiterer großer Vorteil von Windows 10 ist dessen Portabilität. Das heißt, wo alte Windows Versionen oft nach einem Austausch von kritischen Systemkomponenten, wie dem Mainboard, neu aufgesetzt werden mussten, so kann man mit der richtigen Windows 10 Version auch das ganze System austauschen. Natürlich gab es das auch schon früher (v.a. bei Windows 8), aber so unkompliziert wie heute war es noch nie, Stichwort Treiber.

Der Plan, nicht nur VMs vorzubereiten, sondern vollwertige und bootfähige Windows Installationen, vorerst nicht für realisierbar gehalten, sollte sich bald als das Allheilmittel für unsere LAN Parties herausstellen.
Nach kurzer Recherche musste ich einen Rückschlag hinnehmen. So einfach wie "USB Sticks vorbereiten" war es dann doch nicht, denn fast alle USB Sticks sind zu langsam und würden dadurch die Performance künstlich dämpfen. Doch dann, der SSD-Preissturz in der zweiten Jahreshälfte 2018. Jetzt war die Zeit reif.

Das Kochrezept

Zutaten:
• Der Lan-Partyteilnehmerzahl entsprechend SSD Laufwerke á 120GB
https://www.easyuefi.com/wintousb/
• Zwei freie SATA Festplattenanschlüsse (oder optional Docking Stations)
• Optional: Externe SSD Gehäuse mit USB 3.0
• Optional: Ein zusätzliches SSD Laufwerk welches als Template dient
• Optional können auch HDDs statt SSDs verwendet werden >Vor- und Nachteile HDD vs. SSD<

Schritt 1 - Das Template
Dieser Schritt ist mit dem größten Zeitaufwand verbunden. Dafür ist dieser nur einmal zu machen, denn Schritte 2-4 müssen pro SSD durchgeführt werden. Gleichzeitig ist das Template auch das Simpelste.
Mit >Wintousb< wird ein Windows 10 als portable /Windows to Go/ auf einer der SSDs aufgesetzt (fortan als "Template" bezeichnet).
Ist das erledigt, wird das Template gebootet und weiters alles installiert bzw. eingerichtet wie man es später auf der LAN Party haben möchte. Also jene Computerspiele, Gaming-Plattformen (Steam, Uplay, GOG Galaxy, etc.), Mods, Patches, usw.
Dass Windows 10 dabei gleich 'mal sämtliche Treiber des momentanen Host Systems installiert soll uns später nicht weiter stören.
Die unter Zutaten angegeben Größe von 120GB soll hierbei nur einen ungefähren Richtwert darstellen. Für meine Vorstellungen einer LAN hat diese Kapazität für über 25 Spieleklassiker gereicht. Wer gern mehr oder größere Spiele hätte muss für größere SSDs auch tiefer in die Tasche greifen (oder HDDs verwenden).
Achtung! Zum Klonen wird vorausgesetzt, dass die Speicherplatzbelegung der Quelle kleiner als 80% der Gesamtkapazität des Ziels ist. Dabei ist zu beachten, dass die tatsächliche Kapazität bei Speichermedien quasi immer geringer ist als die Angabe auf dem Datenträger. Beispiel gefällig? Hat die Ziel-SSD 110GB Gesamtkapazität, darf der belegte Speicherplatz beim Template nicht über 88GB betragen.
Tipp: Benötigte Dateien und Daten (Seriennummern, Zugangsdaten, etc.) können für die spätere Individualisierung beim Template beispielsweise auf dem Desktop abgelegt werden.

Schritt 2 - Das Klonen
Ist das Template im gewünschten Zustand, kann nun das Klonen (Duplizieren) auf die anderen SSD Datenträger beginnen. Da dieser Schritt recht zeitintensiv ist (je nach Datenträger und Größe), sollte möglichst keine nachträglichen Änderungen mehr nötig sein.
In WinToUSB ist dieser Funktion nur Teil der Professional oder Enterprise Versionen, wer sich die sparen möchte kann hier auch eventuell auf ein alternatives Tool zurückgreifen (wer eines kennt, bitte in die Kommentare). Ansonsten ist dieser Vorgang sehr einfach über WinToUSB zu bewerkstelligen.

Schritt 3 - Das Individualisieren
Wer einen zweiten Computer besitzt kann das Individualisieren schon parallel zum Klonen beginnen.
Eigentlich könnte das Individualisieren mit etwas Know-How auch jeder selbstständig auf der späteren LAN Party vornehmen. Der guten Vorbereitung her wegen, habe ich das jedoch alles bereits im Vorfeld erledigt. Dabei wird jedes geklonte Windows To Go einmal gebootet und alle individuellen Konfigurationen vorgenommen. Welche das sind hängt größtenteils von den Anwendungen ab. Hier ein paar Beispiele:
• Computername (im Netzwerk)
• Benutzername des Windows Benutzers
• Name der Windows To Go Partition unter Windows (um Verwechslungen zu vermeiden)
• Steam/Uplay/Origin/GOG Login
• Seriennummern für Spiele
• Abschließendes Löschen aller Daten, die nicht mehr benötigt werden. Zum Beispiel, falls man Zugangsdaten und Seriennummern im Template auf den Desktop abgelegt hat und nicht möchte, dass jeder der LAN-Party-Teilnehmer selbige dort einsehen kann ;-)

Schritt 4 - Der Einsatz
Der letzte und einfachste Schritt. Die SSDs an die Teilnehmer austeilen, welche sie dann entweder Einbauen, oder wer USB 3.0 Gehäuse verwendet, diese einfach anschließt und via BIOS Boot-Prioritätenliste bootet.
Dann heißt es Treiber installieren. Ist ein Internetzugang verfügbar kann das einfach über den Gerätemanager erledigt werden. Denn ein großer Vorteil von Windows 10 ist die Verfügbarkeit von Treibern (á la Plug and Play).
Schritt 4B, zocken ;-)
Ergänzung ()

FAQ (in Arbeit)
Wie gut hat es funktioniert?
Erstaunlich gut. Die Hardware war überhaupt kein Problem. Sprich, wenn ein Spiel lief, liefen alle. Das Potenzial der Hostsysteme wurde voll ausgenutzt. Das heißt es lief auch auf älteren Notebooks mit On-Board-Grafik flüssig (Spielabhängig natürlich).

Hat es wirklich gar keine Probleme gegeben?
Manche Systeme wollten nicht via USB3.0 booten, nach einem Einbau lief es dann dort. Nur bei einem uralten Noname China-Netbook streikte es. Aber dass da überhaupt irgendentwas darauf lief war schon ein Wunder.
Bei den Treibern gab es erstaunlicherweise keine Probleme. Manche Notebooktreiber (älterer Notebooks) mussten manuell nachinstalliert werden, was jedoch die absolute Ausnahme war.

Was letzte Preis? (bzw. was hat der Spaß Ende 2018 gekostet)?
Da alle anderen LAN-Party-Varianten nur mit Stromkosten verbunden sind, ist das "wie viel?" eigentlich eine sehr zentrale Frage.
Ich habe im November 2018 für eine 120GB SSD (Markenware) + USB3.0 Gehäuse + USB3.0 Kabel ungefähr 23,50€ gezahlt. 5 habe ich davon geordert, eine hatte ich noch zuhause und zwei HDDs lagen auch noch herum, ergab in Summe 7 LAN-Teilnehmer + 1 Template. In Summe ~120€.
Spiele, Softwarelizenzen, Dockingstation, etc. kann ich nicht mehr beziffern, da ich diese schon für meine früheren Versuchen angeschafft habe und auch immer eine Frage von, was man schlussendlich spielen will ;-)
Nachtrag: 2020 wurde nochmals in weitere SSDs + Gehäuse investiert. Der Preis war circa derselbe wie noch 2018 und hat sich für Kapazitäten um die 128GB wohl bereits eingependelt. Mein Tipp: mit größeren Kapazitäten vergleichen.

Windows Updates deaktivieren?
Die Frage ist schwer zu beantworten. Offiziell muss sie mit "nein" beantwortet werden. Inoffiziell gestehe ich aber ein, dass ich sie deaktiviert habe (Enterprise/Academy Win10), um möglichst wenig Wartungsaufwand zu haben.

Welche Windows 10 Version?

Grafikkartentreiber vom Hersteller oder via Gerätemanager?

HDD versus SSD?

SSD!
Wobei HDDs natürlich im Prinzip auch funktionieren, da die meisten älteren Spiele noch keine schnellen SSD Speicher benötigen.

Müssen alle SSDs/HDDs gleich groß sein?
Nein, aber die kleinste Kapazität sollte für das Template verwendet werden, da das Clonen von größeren Kapazitäten auf kleinere Probleme machen kann.

Hilfe! Mein Internetzugang geht nicht, weil Treiber fehlen rotzwasserheul
Das liegt daran, dass Windows 10 lokal keinen Treiber für das Netzwerkinterface (Ethernet- oder WLAN-Schnittstelle) finden kann und diese auch nicht aus dem Internet beziehen kann (da keine Internetverbindung).
In diesem Fall hilft nur mithilfe eines anderen Rechners die notwendigen Netzwerk-Treiber für das Notebook oder das Mainboard herunterzuladen und z.B. via USB auf den betroffenen Computer zu transferieren. Nach einer manuellen Treiberinstallation sollte das Internet für alle weiteren Treiber verfügbar sein.

DRIVER_UNLOADED_WITHOUT_CANCELLING_PENDING_OPERATIONS BSOD mit dump WppRecorder.sys?
Ein Bug in bestimmten Win10 To Go Versionen -> https://www.easyuefi.com/wintousb/r...ed-without-cancelling-pending-operations.html
 
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Graphixx

Commander
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Da hast Du Dir wirklich Gedanken gemacht, echt klasse.

Vielleicht dürfte ich trotzdem noch eine Ergänzung anregen ? Für ganz faule oder nicht ganz so versierte Nutzer macht das ganze ab 1803 (Pro/Enterprise) der Windows-To-Go-Assistent eigentlich auch ganz gut. Vielleicht etwas langsamer und man hat nicht ganz so die Kontrolle wie in Deiner Anleitung aber evtl. wäre das als alternative Lösung mindestens eine Erwähnung wert.

Schönen Feiertag weiterhin
 
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Cluster5020

Ensign
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Ist es auf jeden Fall @Graphixx :)
Anregungen und Ergänzungen sind höchst gern gesehen. Es soll ja nicht nur ein persönlicher Erfahrungsbericht sein, sondern eben auch eine unvoreingenommene Anleitung. Ich werde noch etwas warten, dann aber die Ergänzungen mit einpflegen (v.a. bei den FAQs kommt sicher noch was dazu 😁)
Danke auf jeden Fall :)
 
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o0Julia0o

Commander
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Gut!

Jetzt fehlt noch die VMware-Player-Anleitung. Diesen könntest du ja auch vorinstallieren auf den SSD´s. Und so dann Spiele zum Laufen bringen, die nur unter XP funktionieren. Da habe ich das Problem dann immer, dass ich nicht weiß, wie ich das Netzwerk einstellen muss - Brücke!?
 

Cluster5020

Ensign
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Zitat von o0Julia0o:
Gut!

Jetzt fehlt noch die VMware-Player-Anleitung. Diesen könntest du ja auch vorinstallieren auf den SSD´s. Und so dann Spiele zum Laufen bringen, die nur unter XP funktionieren. Da habe ich das Problem dann immer, dass ich nicht weiß, wie ich das Netzwerk einstellen muss - Brücke!?
Hi Julia, den VMware-Player kannst du für normal wie jede andere Software installieren. Bei einem 32bit Windows XP als Gastsystem sollte da auch nix am BIOS umgestellt werden müssen. Weiters würde ich auch die Brücke empfehlen, ja. Beim NATting wirst du sonst einen dedizierten Host im Netzwerk benötigen.

Eine VMWare-Player Anleitung (oder sonstige VM Lösung) fehlt da ich bis Dato noch kein Spiel hatte, das nicht nativ auf Win10 x64 (und somit auf dem Hostsystem der SSD) lief. Welches Spiel läuft denn bei dir nur in der WinXP VM?
 
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