Mathematikstudium oder physikalischer Ingenieur?

speedy.g

Cadet 2nd Year
Registriert
Nov. 2007
Beiträge
25
Hi,

ein Kumpel von mir steht jetzt kurz vor der Entscheidung, ob er ein reines Mathematikstudium (MonoBachelor) an der Freien Universität oder ein Studium zum physikalischen Ingenieur an der Technischen Universität in Berlin machen soll. und ich will ihn halt helfen, indem ich hier das mal in die Runde frage ;)

Für das Mathematikstudium spricht ja die Theorie (wenn man damit klar kommt, wobei man seine Stärken nciht gerade in der Schule lernt, wenn es darum geht ob man lieber praxisnaher is oder die Theorie liebt), die Komplexität und das zu erlangene Wissen.

Ingenieurstudium is natürlich praxisorientierter und es werden in Deutschland händeringend solche gesucht.

Der Kumpel wurde zunächst beim Ingenieurstudium abgelehnt und bei Mathematik angenommen. Nun hat sich die TU nochmal gemeldet und jetzt weiß er nicht, was er nehmen soll. Sein Erstwunsch war ja Ingenieur, aber jetzt hat er sich sozusagen auch mit einem Mathematikstudium angefreundet.

LG


Was meint ihr? ich würde eher zu einem Ingenieurstudium tendieren aufgrund der Berufschancen.
 
Von der Berufsaussichten schätze ich beide ungefähr gleichwertig ein, allerdings ist Mathematik in den letzten Jahren immer weiter im Kommen...

Ich persönlich fände Physik interessanter, aber das muss jeder selbst wissen.

PS: Soviel praxisorientierter ist der Ingenieursstudiengang auch nicht.
 
ganz einfach, in welcher branche will er denn später mal arbeiten bzw was machen?
 
Zuletzt bearbeitet:
Ja, die Berufschancen sollte er außer acht lassen. Er muss beachten, für welches der beiden Fächer er mehr Motivation aufbringen kann.
Er sollte sich über den Alltag der beiden Berufsgruppen informieren, über Einkommenshöhe (solche Listen kann man kaufen - kostenlos kaum zu bekommen) und die Schwere des Studiums.
Mathematik gilt als schwer, ich hätte es mir trotz Mathe-LK nicht zugetraut.
Ich hab mir die Beschreibung für "physikalische Ingenieurswissenschaft" bei der TU Berlin angeschaut. Das ganze ist praktisch wie ein Maschinenbaustudium mit weniger Augenmerk auf Konstruktion und Gestaltung und mehr auf Hintergrundwissen. Um den gleichen Background zu kriegen, würde es wohl reichen, wenn man normaler Ingenieur wird, und Fächer wie Chemie, Thermodynamik, Strömungslehre und Angewandte Physik dazuwählt oder vertieft.

Alles in allem sehe ich daher zwei wesentliche Unterschiede im Studium: Als Ingenieur arbeitet man vorwiegend durch auswendig lernen, verstehen, durchdenken und anwenden. Das durch vorherige Generation angehäufte Wissen wird gefestigt, indem man durch Übungen verschiedene Fälle und Probleme lösen kann.
In der Mathematik (so habe ich das gehört) wird mehr hergeleitet, abstrahiert und neu aufgebaut. Man braucht da schon eine gewisse Intelligenz zu, mir ist höhere Mathematik aber einem gewissen Level einfach zu logisch.
Möglicherweise kennt er diese Unterschiede schon.

Was man noch beachten sollte: Es gibt praktisch keine arbeitslosen Mathematiker. Das liegt daran, dass sie noch vielfältig einsetzbarer sind als Ingenieure. Sie können sowohl bei Versicherungen, Forschungseinrichtungen, Mittelständen, Automobilindustrie, Banken oder allerlei Dienstleistungsanbietern arbeiten. Die von Mathematikern aufgestellten Modelle ermöglichen es oft, bestimmte Risiken neu einzuschätzen und damit direkt Kosten zu sparen. Wenn man sich das sparen will, werden oft vereinfachte Modelle genommen, etwa bei der Vorhersage von Absatzentwicklungen. Ich hab noch die Zahl 150 im Hinterkopf, das war die Zahl bundesweit gemeldeter arbeitsloser Mathematiker vor ein paar Jahren.
 
Das ist richtig, wenn du Mathematiker bist und etwas programmieren kannst, dann wirst du sehr wahrscheinlich fast nie arbeitslos werden, wenn man von den Erfahrungen aus der Vergangenheit und dem aktuellen Stand ausgeht.

So gut wie jedes Unternehmen ab einer gewissen Größe braucht Mathematiker oder kauft sie zumindestens als Dienstleistung ein. Und die Anzahl der Mathematikabsolventen ist relativ klein im Vergleich zum Bedarf.


Die Kehrseite der Medaille:


Es ist sehr wahrscheinlich, dass du ganz woanders arbeitest als du geplant hast.

Die Berufschancen als "klassischer" Mathematiker sind nämlich wieder vollkommen düster, denn das wollen fast alle Absolventen werden. Wenn das nicht dein Lebenstraum und vor allem dein Lebensinhalt ist - vergiss es.
 
Zurück
Oben