Guten morgen allerseits.
Gleich nach dem Aufstehen so etwas hier lesen zu müssen (seitens des TO) hat mich auf alle Fälle wach werden lassen:
Ok das reicht mir wenn ich weiß dass die drauf gehen, und ich hab nen Kollegen der mir die drauf machen kann...
Erstens:
Bei Reifen ganz generell, egal ob Sommer- oder Winterreifen, ist es
absolut unverantwortlich, kein anständiges Markenprodukt zu wählen. Hier geht es nicht nur um die eigene Sicherheit, sondern auch und vor allem um die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer.
Ich bitte zu beachten, dass die qualitativen Unterschiede derart groß sind, dass man mit guten Markenreifen beispielsweise bei nasser Strecke eine bestimmte Kurve noch mit 70 km/h sicher befahren kann, mit Billig-Reifen (sog. China-Böllern) dieselbe Kurve unter gleichen Bedingungen jedoch nicht einmal mit 40 km/h befahren werden kann.
Empfehlenswerte Reifen sind solche der Marken Continental, Bridgestone, Dunlop, Yokohama, Michelin. (Auflistung nicht abschließend gemeint.)
Als preisgünstigere Alternative bieten sich Reifen von Hankook an, die qualitativ sehr hochwertig sind und im Vergleich etwas weniger kosten als die o.g. Marken, an.
Alles, was unterhalb der Preisklasse von Hankook existiert, ist absolut nicht empfehlenswert.
Zweitens:
Bei Billig-Reifen ist der Bremsweg (besonders auf nassen Straßen) exorbitant länger als mit guten Reifen. Das kann im Zweifel über Leben und Tod (das eigene Leben oder das anderer) oder über schwere Verletzungen entscheiden.
Drittens:
Wer bereits einen Reifenplatzer bei höherer Geschwindigkeit erlebt hat (ist mir vor ca. zwei Jahren bei 180 km/h passiert) wird mir beipflichten, dass die sichere Kontrolle des Fahrzeugs nur mit einer Spezialausbildung halbwegs denkbar ist. Jeder normale Mensch wird instinktiv bremsen, und dies wird bei höherer Geschwindigkeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einem Schleudern des Fahrzeugs führen (wer daran zweifelt, dem erkläre ich es auf Nachfrage gerne).
Es gehört ein intensives Training dazu, diesen Reflex insbesondere in unerwarteten Situationen zu kontrollieren.
Da kaum jemand eine solche Ausbildung genossen hat, ist ein Reifenplatzer ein höchst gefährliches Ereignis. Billig-Reifen neigen bedeutend eher zum Platzen.
Viertens:
Zum Aufziehen des Reifens durch einen Kumpel:
Sofern hier nicht ein professionelles Reifenmontiergerät (Kosten: ab etwa 5.000 €) sowie eine professionelle Wuchtmaschine (ebensolcher Preis) zum Einsatz kommt, ist eine solche Montage nicht nur Wahnsinn, sondern auch verboten. Und das aus sehr gutem Grund. Denn sie stellt einen unsachgemäßen Eingriff in fahrsicherheitsrelevante Fahrzeugteile dar. Wenn der Kumpel also nicht Zugang zu einer vollausgestatteten Kfz-Werkstatt hat, vergessen wir die Sache mal lieber ganz schnell wieder, ganz egal, wie auch immer die Beteuerungen, das sei schon 100 Mal gutgegangen, auch ausfallen mögen.
Zudem kann durch so etwas der Versicherungsschutz entfallen.
Und auch hier geht es um das eigene Leben / die eigene Gesundheit und vor allem um die anderer.
Fünftens:
Zu Gebraucht-Reifen:
Reifen setzen sich aus verschiedenen Lagen zusammen. Dazu zählen unterschiedliche Gummierungen sowie ein Gewebe, welches sich aus Mikrofasersträngen sowie Metallsträngen zusammensetzt. Ist dieses Gewebe verletzt (zB durch ein Bordsteinüberfahren) oder aber sind Risse vorhanden, die ein Eindringen von Wasser ermöglicht, ist ein Reifen irreparabel beschädigt. Nachvollziehen lässt sich so etwas nur durch ein Röntgen-Gerät. Nur ist leider ein Röntgenvorgang so kostenintensiv, dass ein Reifen dann teurer als ein neuwertiger wäre. Und somit wird sich kein durchleuchteter Gebrauchtreifen auf dem Markt finden lassen.
Daher gilt: Finger weg von Gebrauchtreifen, ganz egal, ob man solche bereits seit 30 Jahren ohne Komplikationen nutzt oder nicht.
Zum Abschluss gestattet mir bitte noch folgende Anmerkung:
Ich möchte hier nicht den Moralapostel heraushängen lassen, auch nicht den Besserwisser.
Aber gerade Reifen sind (wie auch Bremsen) die sicherheitsrelevantesten Teile an einem Auto. Wer an dieser Stelle unbedingt 40, 50 € sparen möchte oder muss sollte bitte sein Auto abgeben und öffentliche Verkehrmittel benutzen. Das ist sparen an der absolut falschen Stelle.
Und ebay als Bezugsquelle zu benutzen, insbesondere wenn man keine Ahnung hat, ist verantwortungslos.
Es reicht schon, mit ansehen zu müssen, wie manche Personen am Straßenrand ihre Räder wechseln, nur mit einem Radkreuz. Ohne die korrekten Anzugsmomente für die Radbolzen zu kennen oder diese bewahre Gott auch noch mit einem Drehmomentschlüssel richtig einzustellen. Und das alles nur, um sich 15 € (!) für den Besuch in einer Fachwerkstatt zu sparen.
Mein Rat an alle, die vor dieser Thematik stehen:
Sucht Euch eine freie Werkstatt (kein Vertragshändler, da zu teuer), die Euch vertrauenswürdig erscheint. Am besten eine, die Euch gestattet, bei der Montage dabei zu sein. Vergleicht die Preise und geht dorthin. Und kauft dort auch Eure Reifen. Eine seriöse Firma wird aus haftungstechnischen Gründen keine mitgebrachten Teile verbauen.
MfG,
Dominion.