Schutzschaltung älterer Netzteile nicht eingetreten?

myday

Lt. Junior Grade
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Moin,

mir ist vorgestern beim Wiederaufbau u Test älterer Hardware ein Mainboard wortwörtlich abgeraucht, vermutlicher Grund:

a) zu altes Netzteil
b) Einbohrungen vom Motherboard zu demoliert
c) Gummiabdichtungen vom eingesetzten Kühler zu porös (sahen nicht so aus bzw haben sich nicht so angefühlt, anderen 3 unbeschädigten stabil, also eher unwahrscheinlich mMn)

Mir geht es hier nicht um den potentiellen Grund zu finden, das wird wohl nicht zu 100% zu bestimmen sein, wie auch im anderen Thread schon besprochen. Mir geht es jetzt eher herauszufinden warum eine mögliche Schutzschaltung nicht eingesprungen ist - und was technisch genau passiert (wenn das erklärbar sein sollte per Ferndiagnose) ist

Beide verwendeten Netzteile haben sich nicht automatisch abgeschalten, sondern weiter Strom nachgeschossen - lt. Herstellerangaben besitzen beide jedoch Schutzschaltungen.

1. Test: Cooler Master (520w - RS-520-ASAA-A1) - keine genauen Spezifikationen gefunden - Amazonbeschreibung schreibt:
Protection against overload, short circuit, overvoltage

2. Test: Thermaltake Berlin (630w - TR2-630AH2NSW) - das lief davor sogar komplett Stable mit einer GTX1050Ti - Hersteller schreibt:
- Umfangreiche Schutzschaltungen: Überstrom-, Überspannungs-, Überlast- und Kurzschlussschutz.

Ergebnis war, dass ein Dichtungsring zw Backplate u MB komplett abgebrannt/durchschmorrt ist und die Stelle rund um die Einbohrung des MBs auch beschädigt wurde. Es sieht so aus, als ob der Rest der Hardware nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde, die Netzteile haben minimal gerochen danach (bei NT1 meiner Erinnerung nach auch Rauch, aber nicht sicher ob der nur vom Lüfter angezogen wurde) - primär scheint sich alles an der Backplate/ am MB abgespielt zu haben was physische Schäden angeht.

Meine Fragen:

1) Was mich wundert, wenn b) die Ursache gewesen wäre - kann dadurch ein Kurzschluss (also Stromkreis ohne "Ziel" soweit ich dass von meinem Research richtig verstanden habe) zustande gekommen sein?

2) Wenn a) eingetreten ist - was wäre ein Grund dass ein zu "altes/ zu benutztes" NT nicht mehr funktioniert? Hab gelesen, dass dort bspw Kondensatoren o.ä kaputt gehen können - meine Einschätzung wäre jetzt, dass in so einem Fall das NT einfach ausgegangen wäre (oder das NT direkt angefangen hätte zu rauchen) und gar nicht erst das MB befeuert hätte, richtig?

3) Es gibt soweit ich da richtig liege 6 versch. Arten von Schutzschaltungen - die verwendetetn NT haben lt den Beschreibungen eig alle notwendigen Schutzarten abgedeckt - wieso haben sie nicht gegriffen? Können die Schutzschaltungen auf Grund des Alters versagen?

4) Was ist technisch geschehen im Kontext des Schaltkreises? Warum ist ein Dichtungsring abgebrannt und alles rund um ein Einbohrloch und nicht woanders?

Mein technisches Verständnis im Bereich der Elektrotechnik ist leider sehr minimal - nur durch etwas Einlesen bekomme ich mir das einfach nicht erklärt - und das triggert mich :D
& sorry für den Infomrationsoverload - aber für zumindest etwas Aufklärung wäre ich sehr dankbar! :)
 

CyrionX

Commander
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Kurze Gedankenanstöße:
-Man braucht keine 500W des Netzteils um Kleinteile durchschmoren zu lassen. Gerade wenn ein kleineres Teil durchbrennt entsteht, je nach Bauteil, oft ein Widerstand bzw. die Leitung wird gekappt. Dann brauchts auch keine Schutzschaltung vom NT.
-Chips können z.B. einfach zerspringen, Kondensatoren platzen, dünne Leiterbahnen wegschmelzen oder oxidieren. Das bisschen Rauch was dabei entsteht braucht keine großen Ströme
Und:
-Schutzschaltungen wie z.B. OCP lösen oft erst ein paar hundert Watt über der angegebenen Leistung des NTs aus (je nach Leistungsklasse)

zu 2) Ein Netzteil sollte nach max 10 Jahren ausgetauscht werden. Die Stromversorgung verschlechtert sich in der Qualität, nicht nur mit der Bereitstellung der notwendigen Spannungen.
https://www.computerbase.de/2013-11/alte-netzteile-test/
(Es gibt glaube auch nich einen neueren Artikel? finde ihn nur gerade nicht)

zu 3) Warum sollen 6 unterschiedliche Schutzschaltungen, die jeweils für unterschiedliche Fälle konzipiert sind, alle greifen? Wenn dann stets nur eine und für diese müssen die internen Voraussetzungen eingetreten sein

zu 4)
-Wissen wir nicht. Der Schaden lag wohl im Bereich des Lochs. Um diese herum befinden sich normalerweise aber auch keine Leiterbahnen. Wenn doch, weils da nicht anders geht, könnten diese durch zu hohen Anpressdruck Schaden und Kontakt aufgenommen haben. Ältere Kühler hatten noch kein Eindrehlimit der Schrauben.
Auch möglich sind natürlich Montagefehler. z.B. falsche/fehlende Abstandshalter, Backplate nicht richtig aufgesessen und andere Gründe für einen Kurzschluss.
-Warum sollte woanders etwas abbrennen? Verstehe die Frage nicht.
 
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Weasel0815

Lieutenant
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Dichtungsring ? Um welche Hardware gehts da überhaupt ?

Und um vermutlich für alle zu Sprechen Fotos ?
 

Turian

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Hardware & Bilder gibt es in seinem verlinktem Thread.
Die Schutzschaltungen der Netzteile wirken grob gesagt nur bis zum/zusammen mit dem Verbraucher. Bei einem Kurzschluss fließt der Strom ohne Begrenzung, da der Verbraucher fehlt & immer die Effektivste Strecke mit dem geringsten Widerstand genommen wird. Der Kurzschluss-Schutz greift also wenn der abgehend fließende Strom zu groß wird und/oder zu extrem Steigt. Problem hierbei ist, das bei steigendem Strom auch die Abwärme an den Leitenden Objekten Steigt - wenn ein Glied in der Kette (hier deine Bahnen auf dem MB) weniger Last verträgt, brennen sie weg, was bei den Kabeln die Schutzschaltung verhindern soll.
Überlast schützt wenn du Dauerhaft mehr Leistung ziehen willst, wie die Bauteile des NT bereitstellen können. Überspannung/Überstrom sind Eingangsseitige Absicherungen, also wenn z.B. durch Spannungsschwankungen deine Effektivspannung an der Steckdose meinetwegen in Richtung 300V anstatt 230V geht.

Fraglich ist aber, ob eventuell sogar, bedingt durch das Alter, die Schaltungen zu Träge reagieren oder am Ende doch nicht mehr funktionieren.

zl;ng: Hättest du eine Stabilere Stelle am MB (z.B. am 24er ATX) kurzgeschlossen, wäre die Schutzschaltung (zumindest wahrscheinlicher) eingesprungen - sie konnte nicht, weil sich die Leiter auf dem Board zu schnell verabschiedet haben.
 

feidl74

Lt. Commander
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Netzteile verlieren mit der zeit an leistung. auch sind die Bauteile für schutzschaltungen nicht unendlich "haltbar". wenn hardware betrieben wurde mit hohem dauer OC, "verschleißt" ein nt, an der "Belastungsgrenze halt schneller, bzw deren Bauteile, wie ein NT das mit max 75% immer belastet wurde.
inwieweit z.b. staub/dreck auf Platinen, von Nts auch gefährlich sein können, kann ich nicht beurteilen. förderlich für den betrieb ist es nicht, vor allem wenn das NT länger nicht benutzt wurde.
btw das mainboard kann auch versagt haben, da es ja mit dem NT kommuniziert" und als verteilerstelle vom Strom fungiert, sprich Spannungen/Leistung anfordern und weiterleiten
 
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cscmptrbs

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Eine Sicherung im Haus ist auch nicht dazu da das angeschlossene Gerät zu schützen sondern nur die abgehende Leitung. Deshalb nennt man die auch Leitungsschutzschalter.

Die Überstromsicherung im Netzteil soll das Neztteil schützen und nicht die angeschlossenen Bauteile.
Kann es auch gar nicht da ein Kurzschluss ja an einer Stelle entstehen kann die nur 0,25W aushält.
Da nützt eine Abschaltung bei 500W rein gar nichts.
 

IBISXI

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Wenn Hardware abraucht und die Schutzschaltung nicht auslöst, wurde der Maximalstrom nicht erreicht.

Das ist gerade bei größeren Single-Rail Netzteilen ein Problem.
 

RayKrebs

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Wenn es wo raucht war ganz klar ein Stromfluss. Ich denke dort am Montagerahmen des CPU-Kühlers war ein Kurzschluss. Vielleicht die Isolierbuchse die durch die Mainboardbohrung gesteckt wird, vielleicht hast Du aber auch die Isolierscheibe von dem Abstandshalter der oberhalb des Mainboards montiert wird vergessen.

Aber egal, wird schwierig. Jedenfalls da wo es schwarz wurde, war Strom am Werk. Welche Spannung Du da kurzgeschlossen hast, keine Ahnung.

Im schlechtesten Fall war es die CPU Spannung, und da können schnell mal 100A fließen, auf die Versorgung von 12V hochgerechnet wären das lediglich ca. 12,5A und da spricht keine Schutzschaltung an.
Bin von ca. 1.5V CPU Spannung ausgegangen.
 
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